Romantik am Rand des Chaos
Die romantischen Tragödien eines Drama KingsDas hellpinke Cover hat mich sofort zum Schmunzeln gebracht: extragroße, dramatische Schrift, der Protagonist im Rampenlicht – es versprach genau die Art von romantischer Komödie, auf die ich Lust hatte. ...
Das hellpinke Cover hat mich sofort zum Schmunzeln gebracht: extragroße, dramatische Schrift, der Protagonist im Rampenlicht – es versprach genau die Art von romantischer Komödie, auf die ich Lust hatte. Und tatsächlich: Der Einstieg ist witzig, leichtfüßig und angenehm überdreht.
Patrick, der sich zu Beginn des neuen Schuljahres nur noch „Patch“ nennt, versucht mit neuem Look – inklusive überdimensionierter Surferkette – sein Image aufzupolieren. An seiner Seite steht Jean, seine beste Freundin, die mit ihren Ratschlägen oft die Stimme der Vernunft ist. Anfangs funktioniert dieses Setup gut, die Situationskomik sitzt, und Patchs Selbstinszenierung wirkt noch amüsant.
Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto deutlicher zeigt sich Patchs extreme Selbstverliebtheit. Er überdramatisiert jede Kleinigkeit, drängt sich in jede Szene und nimmt kaum Rücksicht auf die Gefühle anderer. Natürlich ist er erst 16, und vieles an seinem Verhalten lässt sich dadurch erklären, aber beim Lesen hat mich seine ständige Ignoranz gegenüber den Bedürfnissen seines Umfelds zunehmend gestört. Jean, seine Mutter oder Ms. Jenkins aus der Drama‑AG versuchen ihn immer wieder zu bremsen, doch Patch stürzt sich impulsiv in Aktionen, tritt in Fettnäpfchen und lernt erstaunlich wenig daraus.
Auch der Schreibstil trägt seinen Teil dazu bei: Besonders in den Briefpassagen driftet Patch gedanklich ab, formuliert lange, verschachtelte Sätze und verliert sich in Ausschweifungen. Zusammen mit seinem Hang zur Überinszenierung wurde das Lesen stellenweise anstrengend.
Trotzdem hat das Buch auch eine charmante Seite. Patchs lebhafte Fantasie passt gut zum Setting rund um Theater, Drama‑AG und Gefühlschaos. Vieles wirkt bewusst überzeichnet und spiegelt die Bühne wider, auf der Patch sich selbst sieht. Sehr mochte ich Ms. Beckett, die Englischlehrerin, die mit Ruhe und Verständnis auftritt und Patch auch dann zuhört, wenn er eine kleine Nervensäge ist.
Die Freundschaft zwischen Patch und Jean bildet einen zentralen Kern der Geschichte – weniger romantisch, dafür eine klare Hommage an platonische Nähe und gegenseitige Unterstützung. Patch macht im Verlauf eine emotionale Entwicklung durch, nicht groß, aber erkennbar. Er wächst an seinen Enttäuschungen und den Problemen, die er selbst überdramatisiert. Eine romantische Beziehung spielt erst ganz am Ende eine Rolle, als sich etwas zwischen ihm und einem der neuen Jungs aus dem Drama‑Club anbahnt. Der Schluss, besonders der Brief, wirkt fast so, als könnte eine Fortsetzung folgen – und tatsächlich erscheint im Dezember 2026 der zweite Band "Das legendäre Comeback eines Drama Kings".
Fazit: Am Ende bleibt "Die romantischen Tragödien eines Drama Kings" für mich eine nette Coming‑of‑Age‑Geschichte, die humorvoll startet, dann aber stärker von Patchs Egozentrik und seiner inneren Theaterwelt geprägt wird. Manche Passagen sind mühsam, andere überraschend warmherzig. Wer jugendliches Chaos, Theateratmosphäre und viel Fantasie mag, wird hier gut unterhalten. Trotz allem bin ich gespannt, wie es im nächsten Buch mit Patch weitergeht – und wie viel Drama er diesmal in sein Leben bringt.