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Veröffentlicht am 25.03.2025

Familie Fletcher, bitte hier entlang zur Gruppentherapie!

Die Fletchers von Long Island
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Worum geht’s?

Carl Fletcher, ein reicher Jude, wird in den achtziger Jahren direkt vor seiner Villa entführt. Fünf Tage später taucht er nach Zahlung eines beträchtlichen Lösegeldes wieder auf. Seine ...

Worum geht’s?

Carl Fletcher, ein reicher Jude, wird in den achtziger Jahren direkt vor seiner Villa entführt. Fünf Tage später taucht er nach Zahlung eines beträchtlichen Lösegeldes wieder auf. Seine Mutter Phyllis tut alles, um ihn davon zu überzeugen, dass er das Erlebte nicht an sich heranlassen soll, das »sei nur seinem Körper passiert, nicht ihm.« In der Folge wird das Erlebte quasi totgeschwiegen und für Familie Fletcher beginnt eine neue Zeitrechnung, es gibt eine Zeit vor der Entführung und eine Zeit danach.

Im Roman begleiten wir die drei Kinder der Fletchers, Beamer, Nathan und die zum Zeitpunkt der Entführung noch ungeborene Jenny durchs Leben und stellen fest, dass so ein Trauma sich auch an spätere Generationen vererben lässt.

Beamer, der als erfolgloser Drehbuchautor in immer neuen Versionen seiner Manuskripte ständig die Entführung seines Vaters nachspielt und sich von Dominas erniedrigen lässt, Nathan, der sich als Anwalt für Bodenrecht lieber in seinen Akten verkriecht, als sich mit realen Menschen zu beschäftigen und der es nicht schafft, seiner Frau wichtige Neuigkeiten wie den Verlust seines Jobs mitzuteilen, und Jenny, die trotz ihrer hohen Intelligenz orientierungslos durchs Leben treibt, an Depressionen leidet und schließlich zum ersten Mal Erfüllung im Leben erfährt, als sie ein Computerspiel entdeckt, in dem sie dafür sorgen muss, dass ihr Avatar ein geregeltes Leben führt.

Wie war’s?

Die Fletchers sind mit ihren über 500 Seiten zwar keine leichte Kost und vor allem der mittlere Teil um Jenny hätte meiner Meinung nach gut ein wenig kürzer ausfallen können, aber insgesamt konnte mich das Buch sehr begeistern.

Die Charaktere sind wie aus dem Leben gegriffen, man kann ihre Beweggründe und Probleme sehr gut nachvollziehen. Man weint, leidet und lacht mit ihnen, denn die Fletchers sind vor allem eins: bitterböse und tragisch-komisch.

Die deutsche Übersetzung von Sophie Zeitz ist ebenso Weltklasse wie das Buch. Ich, ebenfalls Literaturübersetzerin, verneige mich vor den genialen Ideen der Kollegin.

Schon dieser Satz: »Ein anderer Kellner brachte einen Teller Whiskey Bacon Double Mayo Slam Jams, entweder weil die Schicht gewechselt hatte oder weil Lewis die erste Kellnerin gewarnt hatte, keine Knickerwichserin zu sein … einfach herrlich!


Fazit

Von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung und volle Punktzahl! Ich kann mir gut vorstellen, dass eines Tages auch dieses Buch wie das Erstlingswerk der Autorin »Fleishman steckt in Schwierigkeiten« verfilmt wird, Stoff für eine Serie bieten die Fletchers jedenfalls mehr als genug.

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Veröffentlicht am 18.03.2025

Wenn einer eine Reise tut, dann soll er auch erzählen!

In einem Zug
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Worum geht’s?

Eduard Brünhofer, ehemaliger Autor von Liebesromanen aus Wien, wird von seinem Verleger zu einem Treffen nach München zitiert, bei dem es beruflich um alles oder nichts geht. Eduard teilt ...

Worum geht’s?

Eduard Brünhofer, ehemaliger Autor von Liebesromanen aus Wien, wird von seinem Verleger zu einem Treffen nach München zitiert, bei dem es beruflich um alles oder nichts geht. Eduard teilt sich das Zugabteil mit einer unbekannten Frau mittleren Alters, Catrin Meyr, die sich später als Therapeutin entpuppt. Es entspinnt sich eine stundenlange Diskussion über die Liebe, Meyrs Auffassung von Langzeitbeziehungen und ihrer Unmöglichkeit, die Eduard Brünhofer allmählich immer unangenehmer wird. Bis der Zug schließlich in München einfährt und sich herausstellt, dass alles längst nicht so zufällig war, wie es den Anschein hatte.

Wie war’s?

«In einem Zug« war mein erster Roman von Daniel Glattauer. Gerade ausgelesen bin ich noch ein bisschen zwiegespalten, wie er mir nun gefallen hat. Die Dialoge zwischen Eduard und Catrin sind sehr authentisch und glaubwürdig, man kauft ihr die unbequeme, neugierige Art und ihm als Autor seinen Widerwillen, die unzähligen Fragen zu beantworten, problemlos ab. Die Ausführungen über die Ehe, das Leben und die Liebe fand ich mitunter etwas weitschweifig. Vielleicht tut es diesem Buch wirklich gut, wenn man es quasi »in einem Zug« liest und nicht in vielen kleinen Leseabschnitten. Ich hatte beim Lesen einige Unterbrechungen und habe immer wieder ein wenig den Faden verloren.

Fazit

Für Glattauer-Fans bestimmt klasse. Ich persönlich habe mich grundsätzlich gut unterhalten gefühlt und habe mich gerne als unsichtbare Dritte mit ins Zugabteil gesetzt, bin mir aber ziemlich sicher, dass dieses Buch nicht besonders lange »nachhallen« wird, zumindest nicht bei mir.

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Veröffentlicht am 14.02.2025

Ein wilder Ritt - einfach unfassbar gut!

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Worum geht’s?

Die ›alte Welt‹ ist untergegangen. Ein giftiger Nebel hat alles Leben verschlungen, mit Ausnahme einer kleinen Insel, wo es noch ein paar Überlebende gibt. Diese führen ein friedliches ...

Worum geht’s?

Die ›alte Welt‹ ist untergegangen. Ein giftiger Nebel hat alles Leben verschlungen, mit Ausnahme einer kleinen Insel, wo es noch ein paar Überlebende gibt. Diese führen ein friedliches Leben, jeder hat seine geregelte Beschäftigung und Hobbys, die drei Dorfältesten sorgen dafür, dass alles reibungslos läuft.

Bis eines Tages das Unvorstellbare geschieht. Niema, die Beliebteste der Dorfältesten, wird ermordet aufgefunden. Emory, wohl die Einzige auf der Insel, die bisher ihren Weg im Leben nicht gefunden hat und nie lange bei einer Beschäftigung bleibt, untersucht den Mord gemeinsam mit ihrer Tochter Clara. Die Zeit drängt, denn mit dem Mord an Niema wurden auch die Abwehrsysteme der Insel außer Kraft gesetzt, welche die Insel bis dato vor dem Giftnebel geschützt haben. Werden sie es rechtzeitig schaffen, den Mord aufzuklären, bevor der Nebel die Insel erreicht und alle tötet?

Wie war’s?

Vorab möchte ich mal die unfassbar schöne Gestaltung des Covers mit Farbschnitt loben. Ich habe selten ein so schön gestaltetes Buch gesehen und bin schon fast in Versuchung, es zukünftig als Wohnungsdeko zu benutzen, weil die Farben so gute Laune machen.

Zum Inhalt: Es ist schwer, viel über das Buch zu schreiben, ohne zu spoilern. Stuart Turton ist für mich einer dieser Autoren, die in keine Schublade passen, und genau das macht seinen Reiz aus. Ob Krimi à la »und täglich grüßt das Murmeltier«, Gespenstergeschichte auf hoher See oder wie hier düstere Endzeit-Apokalypse mit unerwarteten Twists, sein Werk ist abwechslungsreich und vielseitig.

Die Story ist unfassbar gut konstruiert, man fliegt nur so durch die Seiten. Beim Lesen kommen immer mehr Fragen auf: Was hat es mit Abi auf sich, einer KI, die in den Köpfen aller Bewohner sitzt und ihre Gedanken liest? Warum die nächtliche Sperrstunde und wieso haben die Dorfbewohner morgens oft unerklärliche Verletzungen? Die abschließende Auflösung des Ganzen ist stimmig und es bleiben eigentlich keine Fragen offen.

Auch die Übersetzung der lieben Kollegin Dorothee Merkel möchte ich nicht unerwähnt lassen. Sie hat mir sehr gut gefallen und man vergisst, dass man kein Original liest, ein größeres Lob können wir Literaturübersetzer: innen uns kaum wünschen.

Fazit

Es war mir ein Fest! Schon lange hat mich kein Buch mehr so begeistert wie dieses. Von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung und 11 von 10 Sternen. Greift zu, ihr werdet es nicht bereuen.

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Veröffentlicht am 05.02.2025

Drei Frauen, gefangen in unglücklichen Ehen – ein beeindruckendes Debüt!

Coast Road
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Worum geht’s?

Colette Crowley hat das Undenkbare getan: für eine Affäre hat sie Mann und Kinder verlassen und ist nach Dublin durchgebrannt. Doch jetzt ist sie zurück im irischen Küstenstädtchen Ardglas. ...

Worum geht’s?

Colette Crowley hat das Undenkbare getan: für eine Affäre hat sie Mann und Kinder verlassen und ist nach Dublin durchgebrannt. Doch jetzt ist sie zurück im irischen Küstenstädtchen Ardglas. Jeder ihrer Schritte wird von der Gemeinde argwöhnisch beobachtet. Sie mietet sich im Cottage von Donal und Dolores Mullen ein, um erstmal zur Ruhe zu kommen. Als ihr Mann Shaun ihr nach ihrer Rückkehr den Kontakt zum jüngsten Sohn Carl verbietet, sucht sie in ihrer Verzweiflung schließlich Rat bei Izzy, die in einer unglücklichen Ehe mit Lokalpolitiker James gefangen ist, der sich für die Legalisierung der Scheidung in Irland einsetzt. Izzy versucht, Colette den Kontakt mit Carl zu ermöglichen, was natürlich nicht lange unbemerkt bleibt. So steuern die Frauen immer näher auf die abschließende Katastrophe zu.

Wie war‘s?

Coast Road war für mich ein packendes, erschütterndes Debüt. Ein Buch, dessen Handlung gut vor 100 Jahren spielen könnte, denn ich konnte kaum glauben und mir war bis dato nicht bewusst, dass es 1994 in Irland nicht möglich war, sich einfach scheiden zu lassen, wenn eine Ehe nicht mehr funktioniert. Alan Murrin schildert sehr eindrücklich, was es mit den Frauen macht, nicht aus ihren unglücklichen Beziehungen ausbrechen zu können. Vor allem der Hass, den Izzy auf ihren Mann James entwickelt, war meiner Meinung nach sehr anschaulich dargestellt und auch gut nachzuvollziehen.



Fazit

Kein vergnügliches Buch, kein Buch, das man einfach so nebenbei liest – dafür ein Debüt, das einen lange beschäftigt und im Gedächtnis bleibt.

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Veröffentlicht am 20.01.2025

Solide Sommerunterhaltung, die allerdings viele Fragen offen lässt

Drei Wochen im August
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Worum geht’s?

Elena macht Urlaub in Frankreich. Nana, die Frau ihrer Chefin Ali, liegt im Sterben, deswegen steht das Haus leer. Elena nutzt also die Gelegenheit und macht sich für drei Wochen mit Kind ...

Worum geht’s?

Elena macht Urlaub in Frankreich. Nana, die Frau ihrer Chefin Ali, liegt im Sterben, deswegen steht das Haus leer. Elena nutzt also die Gelegenheit und macht sich für drei Wochen mit Kind und Kegel auf an die französische Atlantikküste. Mit dabei sind ihre beiden Kinder Rinus und Linn, Nanny Eve sowie eine Freundin ihrer Tochter. Ihr Mann Kolja bleibt zu Hause, in der Ehe läuft es nicht rund. Was als entspannte Urlaubsreise beginnt, steht von Anfang an unter keinem guten Stern und läuft aufgrund innerer Konflikte und äußerer Bedrohungen immer mehr aus dem Ruder.

Wie war’s?

Irgendwie wollte ich den Roman mögen, richtig warm geworden bin ich mit meinem ersten Buch von Nina Bussmann allerdings nicht. Das alles wirkt etwas lieblos runter erzählt, die Charaktere bleiben blass, unnahbar und man kann sich mit niemandem so richtig identifizieren (abgesehen davon, dass mir beim Lesen immer wieder durch den Kopf schoss, dass die eigentlich alle eine Therapie bräuchten).

Viele Handlungsfäden verlaufen irgendwie ins Nichts, vor allem die plötzlich auftauchenden ungebetenen Besucher, die sich ebenfalls bei Elena einnisten. Was genau will Franz eigentlich dort? Auch dieser latente Konflikt zwischen Eve und Elena. Beide scheinen um die Liebe und Aufmerksamkeit der Kinder zu buhlen, Ehrlichkeit und Offenheit sucht man zwischen ihnen vergeblich.

Das im Klappentext groß angekündigte Verschwinden eines der Mädchen spielt sich erst auf den letzten Seiten des Romans ab und ist irgendwie auch weder schlüssig, noch sonderlich interessant.

Fazit

Weglegen und abbrechen war keine Option, weil mich trotz allem interessiert hat, wie die Geschichte ausgeht und was genau Elena in diesen Wochen in Frage stellt oder auf welche Katastrophe das ganze nun hinausläuft (obwohl es sich die ganze Geschichte über schon angedeutet hat und mich letztlich auch nicht überraschen konnte). Insgesamt hat mich das Buch zwar ganz gut unterhalten, fällt aber meiner Meinung nach in die Kategorie »kann man mal lesen, muss man aber nicht«. Auf jeden Fall nichts, was einem längere Zeit im Gedächtnis bleibt.

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