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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.08.2024

O la la, gefährliche Obsession!

Mein Mann
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Worum geht’s?

Eine Frau, die rundum zufrieden sein könnte. Glücklich verheiratet, zwei süße Kinder, im Job erfolgreich als Lehrerin und Übersetzerin. Trotzdem gibt diese leise Stimme in ihrem Kopf einfach ...

Worum geht’s?

Eine Frau, die rundum zufrieden sein könnte. Glücklich verheiratet, zwei süße Kinder, im Job erfolgreich als Lehrerin und Übersetzerin. Trotzdem gibt diese leise Stimme in ihrem Kopf einfach keine Ruhe: Liebt mich mein Mann wirklich? Gesagt hat er es gestern Nacht wieder – oder habe ich das nur geträumt? Aber wenn er mich wirklich liebt, warum hat er dann gestern nicht meine Hand genommen, als wir zusammen Ferngesehen haben … dabei habe ich sie doch extra zu ihm rübergeschoben? Und warum hat er vorgestern vergessen, mir eine gute Nacht zu wünschen? Und wie kann ich ihn für seine kleinen Vergehen bestrafen? Als die Fragen immer drängender werden, beschließt SIE, ihren Mann auf die Probe zu stellen. Erst nur ein kleines bisschen, irgendwann ein bisschen mehr bis sie irgendwann eine Grenze überschreitet.

Wie war’s?

Ich habe diesen Roman am Wochenende quasi in einem Rutsch verschlungen und kann verstehen, warum er in Frankreich so gut angekommen ist.

Der Spannungsbogen baut sich erst ganz allmählich auf, trotzdem kann man das Buch kaum aus der Hand legen und fliegt quasi durch die Kapitel. Immer mit der Frage im Kopf, ob ER irgendwann mitbekommt, was für ein falsches Spiel SIE mit ihm treibt.
Einige Punkte fand ich doch schockierend, so zum Beispiel, dass SIE überlegt, dass sie es zwar verkraften könnte, wenn eines ihrer Kinder stirbt, nicht aber den Tod ihres Mannes. Auch IHRE Fantasien sind teilweise erschreckend, hier mal eine kleine Kostprobe:

»Eine kleine Dosis Gift in seinen Kaffee, an jedem Morgen, an dem ich wegen der geschlossenen Fensterläden schlecht schlafen konnte? Natürlich nicht so viel, dass es ihn umbringen würde, aber vielleicht wäre ein leichtes Abführmittel oder ein Schlafmittel angemessen«.

Den Epilog auf den letzten Seiten habe ich mit angehaltenem Atem gelesen, mit dem Twist hätte ich am Ende so gar nicht mehr gerechnet. Chapeau, Maud Ventura und ihre weiteren Werke werde ich auf jeden Fall im Auge behalten.

Fazit

Meine unbedingte Leseempfehlung! Super für alle, die gern französische Romane lesen, kein Problem damit haben, wenn sich ein Spannungsbogen erst allmählich aufbaut, dafür aber umso mehr psychologische Hintergründe der Protagonisten aufgedeckt werden. Eine sehr empfehlenswerte Geschichte über eine obsessive Liebe und ihre Folgen.

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Veröffentlicht am 10.08.2024

»Dass ich erkenne, was die Welt im Innersten zusammenhält « (Goethe)

Das Wesen des Lebens
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Worum geht’s?

In diesem Sachbuch in Romanform dreht sich alles um die Stellersche Seekuh (von der ich, wenn ich ehrlich bin, vor diesem Buch nie gehört hatte). Von der ersten Entdeckung durch Georg Wilhelm ...

Worum geht’s?

In diesem Sachbuch in Romanform dreht sich alles um die Stellersche Seekuh (von der ich, wenn ich ehrlich bin, vor diesem Buch nie gehört hatte). Von der ersten Entdeckung durch Georg Wilhelm Steller im Jahr 1741 bei der Großen Nordischen Expedition über die Wiederentdeckung des von Steller zurückgelassenen Skeletts im Jahr 1859 durch Johan Hampus Furuhjelm, den finnischen Gouverneur von Alaska, das damals noch zu Russland gehörte, über den Transport des Skeletts nach Finnland, wo es später von Hilda Olson, einer begabten jungen Zeichnerin und Assistentin von Professor Alexander von Nordmann, auf Papier für die Nachwelt festgehalten wird. Der Kreis schließt sich, als John Grönvall, ein Ornithologe, 1952 beauftragt wird, das Skelett der Seekuh im Naturkundemuseum von Helsinki für eine Ausstellung zu restaurieren.

Wie war’s?

Mit der Bewertung dieses Buches tue ich mich etwas schwer und habe die drei Teile auch jeweils unterschiedlich wahrgenommen.

Der erste Teil rund um die Große Nordische Expedition und die Arbeit von Steller hat mich absolut fasziniert. Hier lief in meinem Kopf ein regelrechter Abenteuerfilm in Schwarz-Weiß ab und ich habe mitgefiebert und mitgelitten, sowohl mit den getöteten Tieren als auch mit den verstorbenen Expeditionsteilnehmern.
Im Vergleich dazu fällt der zweite Teil meiner Meinung nach ein wenig ab. Er kam mir sehr langatmig vor und ich habe mich stellenweise gefragt, was das nun mit der eigentlichen Story zu tun hat.
Der letzte Teil der Geschichte rund um John Grönvall, den Präparator und ›Retter der kaputten Eier‹ hat mich wieder deutlich mehr abgeholt, sodass ich das Buch insgesamt doch empfehlen kann.

Der Schreibstil wirkte auf mich phasenweise ein wenig trocken und erinnerte wirklich eher an ein Sachbuch als an einen Roman oder Reisebericht, was auch daran liegen mag, dass keine wörtliche Rede vorhanden ist und man sich nur schwer mit den einzelnen Protagonisten identifizieren kann.

Gelernt habe ich in diesem Buch so einiges, u. a. war mir beispielsweise entfallen, dass Alaska früher zu Russland gehörte und für ein stolzes Sümmchen an die USA verkauft wurde. Einige Exkurse in die Tierwelt und die Entstehung bzw. das Aussterben verschiedener Arten habe ich irgendwann nur noch überflogen, weil es mir einfach ein wenig ›too much information‹ war.


Fazit

Für alle, die sich für Natur, aussterbende Arten und Expeditionen quer durch die Jahrhunderte interessieren, ist dieses Buch sicherlich eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 03.08.2024

»Wir gleichzeitig Lebenden sind füreinander von geheimnisvoller Bedeutung«

Der Bademeister ohne Himmel
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Worum geht’s?

Linda hat mit ihren fünfzehn Jahren genug vom Leben. Am liebsten würde sie sich vor ein Auto werfen, nur zwei Menschen halten sie davon ab, der 86-jährige Hubert, einst Bademeister, heute ...

Worum geht’s?

Linda hat mit ihren fünfzehn Jahren genug vom Leben. Am liebsten würde sie sich vor ein Auto werfen, nur zwei Menschen halten sie davon ab, der 86-jährige Hubert, einst Bademeister, heute an Demenz erkrankt und auf seine eigenen vier Wände beschränkt, um den sie sich drei Nachmittag die Woche kümmert, um Ewa, die polnische Pflegekraft, zu entlasten, und ihr Freund Kevin.

Wie war’s?

Ich war von diesem Buch absolut beeindruckt. Locker-leicht schreibt Pellini über zwei sehr ernste Themen, Depression (von der ja bekanntlich auch Jugendliche nicht verschont bleiben) und Demenz.

Linda als Protagonistin ist überzeugend und einzigartig. Die Fünfzehnjährige versteht es, Hubert mit immer neuen Ideen so lange es irgendwie geht im Leben zu halten, lässt die Freibadatmosphäre in seinem Wohnzimmer wieder aufleben, denn auch wenn Hubert das meiste längst vergessen hat und seit 7 Jahren auf seine verstorbene Frau wartet, bei ihm ist nie ein Kind ertrunken, darauf ist er ganz besonders stolz. Auch die guten alten orangen Schwimmflügel von damals dürfen nicht fehlen.

Die ganze Geschichte sprüht bei aller Tragik und latenten Traurigkeit, während es mit Hubert Stück für Stück bergab geht, vor Witz. Über Huberts Dramen, wenn er einen Giftanschlag auf sein Leben vermutet oder mal wieder die Zahnprothese unauffindbar ist, musste ich oft lächeln. Auch Ewa, die polnische Pflegerin, wächst einem beim Lesen sofort ans Herz, vor allem ihre Lebensweisheiten: Tee braucht Farbe! (und muss deshalb 20 Minuten ziehen) und Beten macht Stress klein.

Fazit

Ein herzerwärmendes Buch, das einem als Leser:in sämtliche Emotionen bietet. Von einem wunderbaren Sommernachmittag im imaginären Freibad, das Linda im Wohnzimmer für Hubert aufleben lässt über einen Weihnachtsabend, an dem alle zusammenfinden. Ich jedenfalls habe gelacht und ab und zu auch heftig geschluckt. Ein Buch, das man nicht so schnell vergisst.

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Veröffentlicht am 30.07.2024

Kaugummizähe letzte Reise eines ehemaligen Königs auf der Suche nach sich selbst

Reise nach Laredo
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Worum geht’s?

Karl, ehemaliger König und Kaiser, hat all seine Ämter niedergelegt und sich in ein abgelegenes Kloster in Yuste zurückgezogen, in dem er seine letzten Tage verbringt. Die siebenundvierzig ...

Worum geht’s?

Karl, ehemaliger König und Kaiser, hat all seine Ämter niedergelegt und sich in ein abgelegenes Kloster in Yuste zurückgezogen, in dem er seine letzten Tage verbringt. Die siebenundvierzig Angestellten, die ihm dort Gesellschaft leisten, warten im Grunde nur darauf, dass es endlich vorbei ist, damit sie mit ihrem eigenen Leben weitermachen können.

Karl, der im Grunde nichts gegen den Tod hätte, wenn er denn wenigstens das Gefühl hätte, sein Leben gelebt zu haben, begibt sich mit dem Jungen Geronimo auf eine Reise nach Laredo. Da sein Gesundheitszustand ihm keine großen Sprünge mehr erlaubt, findet diese Reise (meiner Meinung nach) ausschließlich in seinem Kopf statt, hier kommt auch das Laudanum ins Spiel, auf das Karl immer wieder zurückgreift. Auf ihrem Weg begegnen sie vielen anderen Menschen, unter anderem einem Geschwisterpaar, das zu den damals geächteten Cagots gehört und entsprechend um seinen Platz in der Gesellschaft kämpft.


Wie war’s?

Mein erstes Buch von Arno Geiger und ich bin leider nicht so begeistert, wie ich es anhand von Klappentext und Cover gerne gewesen wäre. Die Erzählung zieht sich stellenweise zäh wie Kaugummi und obwohl das Buch die eine oder andere Lebensweisheit oder Anregung zum Nachdenken parat hält, hat es mich insgesamt nicht wirklich abgeholt. Obwohl ich die Idee dieser letzten Reise auf dem Weg zu sich selbst grundsätzlich sehr gelungen finde, vor allem die Art, wie Karls letzte Minuten im Wasser beschrieben werden.

Fazit

Für Fans des Autors sicher ein interessantes Buch… wenn es allerdings um die Frage geht, was im Leben wirklich zählt, habe ich schon Besseres gelesen. Und dass ich den Roman sonderlich »magisch« fand, was ebenfalls im Klappentext beworben wird, kann ich leider auch nicht behaupten.
Alles in allem eher eine Leseenttäuschung und von mir leider keine Empfehlung.

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Veröffentlicht am 21.07.2024

Insgesamt gelungene Fortsetzung mit ein paar Schwächen

Signum
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Worum geht’s?

»Signum«, der mit Spannung erwartete zweite Teil der Stormland-Trilogie von John Ajvide Lindqvist. Nachdem Band 1, »Refugium«, mit einem fiesen Cliffhanger endete, geht es in Band 2 direkt ...

Worum geht’s?

»Signum«, der mit Spannung erwartete zweite Teil der Stormland-Trilogie von John Ajvide Lindqvist. Nachdem Band 1, »Refugium«, mit einem fiesen Cliffhanger endete, geht es in Band 2 direkt äußerst spannend weiter.

Kim Ribbing hat seinen Peiniger von einst, den berüchtigten Schockdoktor Martin Rudbeck, entführt und hält ihn in seinem Keller gefangen. Er will nach all den Jahren endlich Antwort auf die Frage »Warum?«. Sein ausgeklügelter Plan könnte tatsächlich aufgehen, wenn Astrid Hellander, die nach der Ermordung ihrer Eltern auf die schiefe Bahn geraten ist, und die Ex-Polizistin Julia Malmros nicht wären. Nach und nach zieht sich die Schlinge um Kims Hals immer enger zu. Wird er es schaffen, ungeschoren davonzukommen?


Wie war’s?

Insgesamt ist Signum eine würdige Fortsetzung der Reihe und ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Allerdings war ich hier nicht ganz so begeistert wie von Refugium.

Kritikpunkt Nr. 1 ist der ganze Handlungsstrang um Julia Malmros, die gegen die rechtsextreme Partei Die Wahren Schweden ermittelt. Diese Geschichte hat mir mit der eigentlichen Handlung rund um Kim und die Entführung viel zu wenig zu tun, hängt irgendwie zusammenhangslos in der Luft.

Auch Julia Malmros Verhalten fand ich in diesem Band überdurchschnittlich naiv, sie kommt einem vor wie eine Dreizehnjährige, die ihrem Schwarm wie ein treudoofes Hündchen hinterherläuft und alles mitmacht. Sie hat auf mich im ersten Teil wesentlich glaubwürdiger gewirkt.

Fazit

Für Fans der Reihe und Leute, die einfach nur einen guten Thriller zu schätzen wissen, sicherlich eine gute Wahl. Die perfekte Urlaubslektüre für Balkonien oder Strandkorb, man sollte allerdings den ersten Teil gelesen haben.

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