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Karin1910

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.01.2026

Unterhaltsame Tour durch die Welt der Wissenschaft

Mensch und Universum
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Die erwähnte BBC-Serie kenne ich nicht, das Buch dazu hat mir aber jedenfalls sehr gut gefallen. Aufgeteilt in fünf Kapitel werden alle möglichen Themen beleuchtet. Ausgangspunkt stellen jeweils Überlegungen ...

Die erwähnte BBC-Serie kenne ich nicht, das Buch dazu hat mir aber jedenfalls sehr gut gefallen. Aufgeteilt in fünf Kapitel werden alle möglichen Themen beleuchtet. Ausgangspunkt stellen jeweils Überlegungen dar wie „Wo sind wir?“, „Wer sind wir?“, „Sind wir allein?“ ....
Es geht dabei also zunächst mal um das Universum und den Platz des Menschen darin, somit um Fragen rund um Urknall und schwarze Löcher, die mögliche Existenz von Außerirdischen oder die Zukunft von Erde und Weltall. Deren Beantwortung zieht jedoch immer weitere Kreise und führt in verschiedenste Bereiche der Wissenschaft. Es geht dann beispielsweise um die Entstehung von Leben auf der Erde, die Evolution des Menschen, die Relativitätstheorie oder das Standardmodell der Teilchenphysik. Veranschaulicht wird das Alles durch zahlreiche Grafiken und einen farbigen Bildteil in der Mitte des Buches. Zusätzlich streut der Autor persönliche Erlebnisse, Anekdoten und Ansichten ein.
Erwartungsgemäß bedient er sich einer einfachen Sprache und gestaltet den Inhalt unterhaltsam. Er scheut aber nicht davor zurück, auch komplexere Konzepte zu beschreiben. Es kommen einige Formeln vor und an manchen Stellen werden die Leser sogar aufgefordert, sich beispielsweise eine Berechnung selbst herzuleiten, was in einem populärwissenschaftlichen Werk schon als mutig gelten kann.
Natürlich gibt es zu jedem der hier behandelten Themen Bücher, die diese umfassender und gründlicher ausleuchten. (Ich hätte mir diesbezüglich ein paar weiterführende Literaturhinweise gewünscht.) Hier wird dafür eine kompakte Tour durch die Welt der Wissenschaft geboten, die sicher vielen Lesern Lust auf mehr macht.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Reliquienhandel im Mittelalter

Im Schatten des Klosters
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Köln im Hochmittelalter: In einem nahe gelegenen Kloster herrscht helle Aufregung: Der Schädel des heiligen Albo ist verschwunden - jene Reliquie, welche die Klostergemeinschaft zusammenhält. Bruder Ulrich, ...

Köln im Hochmittelalter: In einem nahe gelegenen Kloster herrscht helle Aufregung: Der Schädel des heiligen Albo ist verschwunden - jene Reliquie, welche die Klostergemeinschaft zusammenhält. Bruder Ulrich, der Archivar, macht sich auf in die Stadt, um sie zu suchen. Er scheint nicht gerade die beste Wahl für diese Mission zu sein. Doch immerhin stehen ihm mit dem halbseidenen Sänger Rinaldo und dem mittellosen Ritter Jörg bald zwei Begleiter zur Seite, die ihn mit Rat und Tat unterstützen.
Zur selben Zeit hegt die junge Witwe Barbara Rachegedanken. Ihr Ehemann wurde bei einem missglückten Reliquienhandel ermordet. Auch mit ihrem eigenen Leben hat sie schon abgeschlossen, will zuvor aber unbedingt noch den Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.

Die Geschichte ist durchdacht komponiert und wird ganz flott und mit einigem Humor erzählt. Dabei werden auch die Auswüchse des von Betrügereien aller Arten geprägten mittelalterlichen Reliquienhandels ausgeleuchtet. Die Protagonisten sind überwiegend sympathische Charaktere mit Stärken und Schwächen, weshalb ich sie gern bei ihren Abenteuern begleitet habe. Ihre Persönlichkeiten wirken jedoch manchmal inkonsistent und ihre Aktionen sind nicht immer nachvollziehbar.
Leider ist die Handlung als solches eher nichtssagend. Zugegeben, es gibt ein paar spannende oder amüsante Szenen und ein paar wenige Überraschungen. Vieles ist aber unlogisch oder unglaubwürdig bzw wirkt zu weit hergeholt.
Nicht zuletzt aufgrund des interessanten Themas ist dies dennoch eine nette Lektüre für zwischendurch.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Geschichte der Besiedlung Europas, bei der die Mütter etwas zu wenig präsent sind

Mütter Europas
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Die schwedische Wissenschaftsjournalistin Karin Bojs beleuchtet hier die Geschichte der Besiedlung Europas innerhalb der letzten 43.000 Jahre. Wie aktuelle Forschungsergebnisse belegen, wurde diese von ...

Die schwedische Wissenschaftsjournalistin Karin Bojs beleuchtet hier die Geschichte der Besiedlung Europas innerhalb der letzten 43.000 Jahre. Wie aktuelle Forschungsergebnisse belegen, wurde diese von drei großen Wellen geprägt, welche man sehr vereinfachend als „Jäger“, „Bauern“ und „Indoeuropäer“ klassifizieren kann. Auch wenn dies nichts grundsätzlich Neues mehr ist und mir die drei Einwanderungswellen in groben Zügen bereits (nicht zuletzt durch Bojs „Meine europäische Familie“) bekannt waren, ist es doch spannend zu beobachten, wie diese im Detail abgelaufen sind, welche Kulturen in verschiedenen Teilen des Kontinents entstanden und wie diese miteinander interagierten.
Besonders interessant ist dabei, wie viele, teilweise überraschende, Erkenntnisse gerade in den letzten Jahren gewonnen wurden. Hauptsächlich gelang dies natürlich durch Fortschritte bei der Analyse prähistorischer DNA. Doch auch generell wurden alte Paradigmen hinterfragt. So wurde beispielsweise (an)erkannt, dass ein Großteil der Gegenstände auf Wohnplätzen aus Materialien wie Holz oder Textilien gefertigt war, die schnell verrotten und deshalb von Archäologen selten gefunden werden. Die Fixierung auf Metalle (die in Begriffen wie „Bronze“- oder „Eisenzeit“ anklingt) kann daher nur ein unvollständiges Bild vergangener Lebensumstände liefern.
Die Autorin geht bei ihrer Darstellung immer wieder auf die Stellung der Frauen und deren Wandel im Lauf der Zeiten ein. Sie referenziert häufig auf die Ansichten der litauischen Archäologin Marija Gimbutas, die zu ihren Lebzeiten auf großen Widerstand stieß, deren Theorien jedoch von der aktuellen Forschung teilweise (wenngleich bei weitem nicht vollständig) bestätigt wurden. Diese drehten sich vor allem darum, dass das Patriachat durch die Einwanderung Indoeuropäisch sprechender Männer aus den eurasischen Steppen nach Europa gelangt sei. So begrüßenswert der Versuch, einer unterschätzen Vordenkerin Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, auch ist, fand ich dieses ständige „Gimbutas hat gesagt" jedoch ein bisschen zu viel der Heldenverehrung. Gerade, weil diese ja öfters doch Unrecht hatte, sich beispielsweise die Position der Frauen in manchen Gesellschaften schon vor der Ankunft der Indoeuropäer zu verschlechtern begann.
Ebenfalls negativ aufgefallen ist mir, dass die Autorin einerseits die Voreingenommenheit mancher männlicher Archäologen kritisiert, sich andererseits aber selbst diverser Klischees bedient. Wenn sich beispielsweise eine Argumentationslinie darauf stützt, dass gewisse Arbeiten wie das Mahlen von Mehl ausschließlich oder überwiegend von Frauen ausgeführt worden sein sollen.
Außerdem sind für mich die „Mütter“ zu kurz gekommen. Es werden öfters die Ergebnisse von Untersuchungen mitochondrialer DNA erwähnt und dabei die Namen diverser Mitochondriengruppen (wie H, L, D1,…) eingestreut, jedoch ohne die Verbindungen zwischen ihnen wirklich zu erklären oder sie in ein Gesamtbild einzufügen.
Insgesamt kann ich dieses Buch allen an der Frühgeschichte Europas Interessierten dennoch weiterempfehlen. Es dürfte gut recherchiert sein, gibt den aktuellen Forschungsstand auf allgemein verständliche Weise wieder und zeigt, dass viele gängige (vielleicht noch auch dem Schulunterricht oder aus populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen der letzten Jahrzehnte bekannte) Vorstellungen zu diesem Thema inzwischen überholt sind.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Etwas zu abenteuerlich aber auch informativ

Die abenteuerliche Reise des Pieter van Ackeren in die neue Welt
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Februar 1701: Der zweiundzwanzigjährige Pieter van Ackeren begibt sich auf eine Reise in die niederländische Kolonie Suriname, wo er sich der pietistischen Gemeinde in Providentia anschließen möchte. Doch ...

Februar 1701: Der zweiundzwanzigjährige Pieter van Ackeren begibt sich auf eine Reise in die niederländische Kolonie Suriname, wo er sich der pietistischen Gemeinde in Providentia anschließen möchte. Doch es soll anders kommen. Denn kaum, dass er einen Fuß in die neue Welt gesetzt hat, läuft nichts wie geplant. Er macht unerwartete Erfahrungen und lernt (meist unfreiwillig) die unterschiedlichsten Menschen kennen, wodurch er auch veranlasst wird, manche seiner Einstellungen zu überdenken.

Der historische Hintergrund, vor dem dieser Roman angesiedelt ist, ist jedenfalls interessant. Da ich über die Aktivitäten der Niederländer in Südamerika bisher nicht viel wusste, konnte ich durch Pieters Erlebnisse und vor allem durch das Glossar einiges dazulernen.
Dennoch muss ich sagen, dass mir die Teile, welche sich um die Überfahrt (und in etwas geringerem Ausmaß die Rückfahrt) drehen, am besten gefallen haben. Obwohl dabei (zu) viele Begriffe aus der Seefahrt vorkommen, die aber ebenfalls im Glossar erklärt werden. Der Aufenthalt in den Kolonien macht dem Titel des Buches wirklich alle Ehre, ein Abenteuer reiht sich an das nächste, was für meinen Geschmack jedoch übertrieben wirkt. Nur zum Ende hin geht dann alles zu glatt.
Mit dem Protagonisten musste ich erst warm werden. Vor allem sein ständiges Nachdenken über religiöse Themen war etwas viel, passt aber zugegeben zu seiner Persönlichkeit. Dass öfters Ausschnitte aus seinem Tagebuch eingestreut werden, ist außerdem ein gelungener Kniff, um ihn nahbarer zu machen. Gestört hat mich allerdings, dass nicht-weiße Personen generell nur negativ oder abwertend beschrieben werden. (Natürlich spiegelt dies die damaligen Einstellungen wider, es hätte aber auch die eine oder andere Szene eingefügt werden können, die dazu anregt, diese zu hinterfragen.)
Der Erzählstil ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, insgesamt aber doch mitreißend und es werden zahlreiche authentische Begriffe aus der damaligen Zeit verwendet. An einigen Stellen gibt es jedoch unlogische Wechsel der Zeitform, in dem Sinn, dass in einen im Imperfekt erzählten Abschnitt plötzlich einige Sätze im Präsens eingestreut werden. Derartiges hat den Lesefluss ein paar Mal gestört.
Alles in allem ein ungewöhnlicher, aber durchaus lesenswerter historischer Roman.

Veröffentlicht am 04.01.2026

Seriös, aber oberflächlich

Die unheimliche Stille
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Der Physiker und bekannte Popularisierer von Wissenschaft Harald Lesch nimmt sich diesmal, gemeinsam mit Co-Autor Harald Zaun, des Themas Außerirdische an. Das beweist einen gewissen Mut, scheint dieses ...

Der Physiker und bekannte Popularisierer von Wissenschaft Harald Lesch nimmt sich diesmal, gemeinsam mit Co-Autor Harald Zaun, des Themas Außerirdische an. Das beweist einen gewissen Mut, scheint dieses doch unter seriösen Wissenschaftlern eher verpönt zu sein. Teilweise zu Unrecht, wie vor allem die erste Hälfte des Buches zeigt.
Die Autoren beschreiben, welche Versuche bisher unternommen wurden, um Hinweise auf außerirdische Intelligenzen zu entdecken oder selbst Signale an diese zu senden und wie kontrovers vor allem letzteres immer wieder diskutiert wurde. Dabei werden diverse Aspekte beleuchtet, wie das (aus Sicht der Autoren zu Unrecht so genannte) Fermi-Paradoxon oder ein mögliches Klassifikationsschema für außerirdische Zivilisationen. Die Darstellung wirkt fundiert, ist aber stellenweise trocken.
Der Rest des Buches ist dann spekulativer. Diverse potentielle Gründe für das „Schweigen“ der Anderen werden präsentiert und erläutert. Dies geschieht auf etwas flottere, teilweise humorvolle Weise. Die Erklärungsansätze werden jedoch ohne roten Faden aneinander gereiht und sind oft nicht gut voneinander abgegrenzt bzw werden eigentlich unterschiedliche Grundgedanken vermischt. Insgesamt liegt der Schwerpunkt eher auf negativen Szenarien in dem Sinn, dass das Universum ein gefährlicher Ort und es besser sei, nicht die Aufmerksamkeit von potentiell angriffslustigen Aliens zu erregen.
Alles in allem ist das Buch interessant, bleibt aber sehr an der Oberfläche. Mir hat vor allem eine Auseinandersetzung mit der Frage gefehlt, ob und unter welchen Voraussetzungen es die angeblichen Superzivilisationen (oder Leben als solches) im Universum überhaupt geben kann. Vielleicht besteht die Ursache der unheimlichen Stille ja schlicht darin, dass es niemanden gibt, der technisch weit genug fortgeschritten wäre, um sie zu brechen. Diese Möglichkeit wird kaum in Betracht gezogen. Außerdem ist der Inhalt schlecht strukturiert, beispielsweise sind die Gründe für das Schweigen wahllos auf drei Kapital verteilt.
Immerhin sind die Ausführungen leicht lesbar und streckenweise unterhaltsam. Es gibt aber bessere Bücher zu dem Thema.