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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.09.2017

Interessante, aber düstere Geschichte(n) langatmig erzählt

Die Herren der Grünen Insel
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Ich habe bereits einige der von der Autorin als Julia Kröhn veröffentlichten Romane gelesen, die mir alle gut bis sehr gut gefallen haben. Von diesem Buch war ich allerdings eher enttäuscht.
Dabei wäre ...

Ich habe bereits einige der von der Autorin als Julia Kröhn veröffentlichten Romane gelesen, die mir alle gut bis sehr gut gefallen haben. Von diesem Buch war ich allerdings eher enttäuscht.
Dabei wäre die Grundidee ganz vielversprechend: Das Irland des ausgehenden 12. Jahrhunderts wird von zahlreichen Auseinandersetzungen zwischen den Mächtigen überschattet. Eine Reihe von Personen versucht, unter schwierigen Bedingungen ihren Lebensweg zu meistern: Caitlin sieht sich gezwungen, den als grausamen Krieger verschrienen Ascall zu heiraten. Doch mit der Zeit entdeckt sie an ihm wie auch an seinem Bruder Ailillan manch unerwartete Seiten. Der gerissene Händler Pol weiß inzwischen seinen Nutzen aus den ständigen Kriegen zu ziehen, und ist geschickt darin, die Parteien zu manipulieren. Seine Tochter Roisin sowie seine eigenen Gefühle ihr gegenüber kann er dagegen nicht so leicht kontrollieren. Währenddessen träumt Aoife davon, Königin zu werden, und ist dafür zu vielen Opfern bereit.

Diese Geschichten werden aus vielen verschiedenen Perspektiven erzählt, was für einige Abwechslung sorgt. Die Handlungsstränge überschneiden einander gelegentlich, laufen oft aber auch nebeneinander her. Ihr Zusammenspiel ist an sich gut und durchdacht konstruiert. Die Schilderungen sind jedoch sehr langatmig, man hätte denselben Inhalt auch auf der Hälfte der Seiten unterbringen können.
Weiters ist die Atmosphäre dieses Buches großteils bedrückend, das Geschehen wird von Kriegen und Gewalttaten bestimmt. Dennoch konnte ich kein richtiges Mitgefühl für die Protagonisten aufbringen. Obwohl ihr Innenleben ausführlich beschrieben wird, bleiben sie doch abstrakt und haben oft von Kapitel zu Kapitel immer wieder dieselben Gedankengänge. Ihre Vergangenheit sowie die Faktoren, die ihre Persönlichkeit prägten, werden relativ genau ausgeleuchtet, trotzdem konnte ich viele ihrer Aktionen nicht wirklich nachvollziehen.
Manche Handlungsstränge weisen ein paar überraschende Wendungen auf, vieles ist aber auch vorhersehbar.
Das Ende lässt einige Fragen offen, die dann vermutlich im nächsten Teil der „Irland-Saga“ beantwortet werden.

Fazit: Der Roman enthält interessante Informationen zur irischen Geschichte. In punkto Lesevergnügen ist er allerdings weniger empfehlenswert.

Veröffentlicht am 11.09.2017

Auf den Spuren der Riemannschen Vermutung

Die Musik der Primzahlen
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Sie ist eines der berühmtesten Rätsel der modernen Mathematik, weil sie sich seit über 150 Jahren jedem Versuch eines Beweises entzieht, es wegen ihrer zentralen Bedeutung aber eine Reihe anderer Theoreme ...

Sie ist eines der berühmtesten Rätsel der modernen Mathematik, weil sie sich seit über 150 Jahren jedem Versuch eines Beweises entzieht, es wegen ihrer zentralen Bedeutung aber eine Reihe anderer Theoreme gibt, die von ihrer Richtigkeit abhängen – die Riemannsche Vermutung.

Marcus du Sautoy befasst sich hier mit dieser Hypothese, zeigt, wie die Tausende Jahre alte Beschäftigung mit den Primzahlen, den „Atomen der Arithmetik“, schließlich zu Bernhard Riemanns bahnbrechenden Veröffentlichungen geführt hat und erklärt ihre Bedeutung auch über die reine Mathematik hinaus.
Weiters erzählt er die Lebensgeschichten vieler Mathematiker, die sich mit Beiträgen in diesem Zusammenhang verdient gemacht haben, und zeigt so, dass auch in diesem als trocken verschrienen Fachgebiet durchaus interessante Persönlichkeiten zu finden sind.

Es gelingt dem Autor, ein schwieriges und abstraktes Thema so darzustellen, dass es auch für Laien großteils nachvollziehbar ist.
Allerdings enthält dieses Buch für meinen Geschmack ein bisschen zu wenig wirkliche Mathematik, die meisten Themen werden nur stark vereinfacht angedeutet. Vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, einige Fußnoten einzufügen, um dem interessierten Leser eine etwas tiefer gehende Auseinandersetzung zu ermöglichen.

Veröffentlicht am 11.09.2017

Lahme Geschichte vor interessantem Hintergrund

Herz-Jesu-Feuer
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Dieser Krimi ist vor einem sehr interessanten Hintergrund angesiedelt, die Umsetzung ist allerdings nicht besonders gelungen.

Fernando Lovecchio lebt auf einer abgelegenen Hütte in den Südtiroler Bergen ...

Dieser Krimi ist vor einem sehr interessanten Hintergrund angesiedelt, die Umsetzung ist allerdings nicht besonders gelungen.

Fernando Lovecchio lebt auf einer abgelegenen Hütte in den Südtiroler Bergen und schreibt Bücher über Serienmörder, womit er häufig auf ablehnende Reaktionen stößt. Doch eines Tages bringt diese Tätigkeit ihm einen unerwarteten Auftrag ein. Der Sohn des berühmten Winzers Antonio Giordano wurde in der Herz-Jesu-Nacht auf grausame Weise gefoltert und ermordet, und sein Vater engagiert Fernando, um den Täter zu finden.
Der Fall zieht immer weitere Kreise und seine Nachforschungen führen ihn zu einem dunklen Kapitel der Südtiroler Vergangenheit.

Diese Geschichte wird in einem häufig langatmigen und unpersönlichen Stil erzählt. Obwohl fast ausschließlich aus Fernandos Perspektive berichtet wird, bleibt sein Charakter blass und ich konnte mich kaum in ihn hineinversetzen.
Die Handlung verläuft vor allem im ersten Drittel eher schleppend, die Sache nimmt erst nach einiger Zeit etwas Fahrt auf, mit stellenweise fesselnden Enthüllungen, bevor das Ende vergleichsweise fast zu dramatisch ist.
Weiters verbleiben einige Ungereimtheiten und offene Fragen.
Außerdem wirkt die Darstellung der Situation in Südtirol seltsam. Einerseits werden die Konflikte zwischen Tirolern und Italienern stark übertrieben geschildert, wirklich spüren kann man sie jedoch kaum. Auch bleibt beispielsweise oft unklar, in welcher Sprache eine Unterhaltung eigentlich geführt wird.

Trotz der engagierten Themenwahl habe ich den Eindruck, dass der Autor besser bei den Insel-Krimis bleiben sollte.

Veröffentlicht am 11.09.2017

Faszinierende Appetithäppchen

Zaubergarten Biologie
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Gottfried Schatz berichtet hier in jeweils ca sechs bis acht Seiten langen Episoden von den Wundern des Lebens. Er erzählt beispielsweise, wie es den Mitochondrien gelang, das Feuer zu zähmen, wie unser ...

Gottfried Schatz berichtet hier in jeweils ca sechs bis acht Seiten langen Episoden von den Wundern des Lebens. Er erzählt beispielsweise, wie es den Mitochondrien gelang, das Feuer zu zähmen, wie unser Blut und unsere Zellen funktionieren oder wie die Gene unser Schicksal prägen.
Der Schwerpunkt des Inhalts liegt also in den Bereichen der Biochemie und Genetik, es werden aber auch andere Dinge angesprochen wie zukunftsfähige Formen der Energiegewinnung oder das Problem der Unbeständigkeit von Speichermedien.
Man kann die Faszination des Autors für seine Themen gut nachfühlen, bisweilen kommt er dabei richtig in Schwärmen, was zwar manchmal etwas übertrieben wirkt, aber gut zum Lesefluss passt.
Die Ausführungen sind allgemein verständlich und flott lesbar, wirken aber nichtsdestotrotz fachlich fundiert. Jedoch können aufgrund der Kürze der Kapitel viele interessante Punkte nur oberflächlich angerissen werden.
Dennoch ermöglicht es die Lektüre, in spannende Materien einzutauchen, und kann dazu anregen, sich mit einigen der angesprochenen Fragen noch näher auseinander zu setzen.

Veröffentlicht am 11.09.2017

Drei Frauen und ein Todesfall

Tausend kleine Lügen
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Dieser Roman beginnt gewissermaßen mit einem Knalleffekt: Während eines Quizabends für die Eltern der Grundschule im australischen Städtchen Pirriwee kommt es zu mehreren Körperverletzungen und einem Todesfall. ...

Dieser Roman beginnt gewissermaßen mit einem Knalleffekt: Während eines Quizabends für die Eltern der Grundschule im australischen Städtchen Pirriwee kommt es zu mehreren Körperverletzungen und einem Todesfall.
Nach diesem spannungsgeladenen Auftakt werden die letzten sechs Monate vor den dramatischen Ereignissen geschildert, wobei immer klarer wird, dass hinter den Kulissen dieser idyllischen Schule viele Streitigkeiten und Intrigen ablaufen.
Drei Frauen stehen im Mittelpunkt der Handlung, aus deren Perspektive abwechselnd erzählt wird: Die 24jährige Jane ist erst vor kurzem nach Pirriwee gezogen. Sie versucht, ihrem Sohn Ziggy eine gute Mutter zu sein und sich in die Schul-Gemeinschaft einzufügen, doch ihre diversen Unsicherheiten sowie ein traumatisches Erlebnis aus ihrer Vergangenheit belasten sie. Madeline ist fast das genaue Gegenteil. Sie ist offen und kommunikativ, geht aber auch keiner Konfrontation aus dem Weg. Und in solche wird sie häufig verwickelt, hat sie doch nicht nur mit Schwierigkeiten innerhalb ihrer Patchwork-Familie zu kämpfen, sondern zeigt auch immer großen Einsatz, wenn es darum geht, ihren Freunden beizustehen. Die wunderschöne Celeste scheint dagegen nach außen hin ein perfektes Leben zu führen, in ihrer Ehe liegt jedoch Einiges im Argen.
In den Text, vor allem am Ende vieler Kapitel, werden Ausschnitte aus Interviews eingefügt, die mit einigen der Beteiligten nach dem Quizabend geführt wurden. Diese geben neue Einblicke ins Geschehen, zeigen insbesondere, wie unterschiedlich dieselbe Situation von verschiedenen Leuten interpretiert werden kann, und bauen mit geschickt eingestreuten Andeutungen einige Spannung auf.

So entsteht ein flott geschriebener und unterhaltsamer Frauenroman, der mit ein paar kriminalistischen Elementen gewürzt ist. Dass man zu Beginn nicht weiß, was passieren wird und wer das Opfer ist, animiert zum Miträtseln. Die Auflösung ist zwar teilweise vorhersehbar, enthält aber auch einige überraschende Wendungen.
Die Protagonistinnen wirken sehr sympathisch. Es sind interessante Charaktere, die alle ihre eigenen Stärken und Schwächen haben, und mit vielerlei Problemen kämpfen müssen. Obwohl ich nicht jede ihrer Verhaltensweisen nachvollziehen konnte, fiel es mir - auch aufgrund des lebendigen Erzählstils - leicht, mich in sie hineinzuversetzen.
Außerdem gelingt es der Autorin sehr gut, den Mikrokosmos einer Grundschule darzustellen, mit all den Interaktionen und Reibereien zwischen den Eltern, bei denen allzu oft vor allem das eigene Ego im Vordergrund steht.

So bietet dieses Buch fesselndes Lesevergnügen von der ersten bis zur letzten Seite, weshalb ich es nur weiterempfehlen kann!

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