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Veröffentlicht am 15.12.2023

Eine berührende, wunderschön erzählte Geschichte über Demenz, das Leben vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg und über Malerei

Elsbeth
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Elsbeth Pilz lebt in einer lieblosen Beziehung und ihre fortschreitende Demenz macht sie zur Last für ihren Lebensgefährten. Während sie verzweifelt versucht, ihm alles recht zu machen, ist Theo nie zufrieden ...

Elsbeth Pilz lebt in einer lieblosen Beziehung und ihre fortschreitende Demenz macht sie zur Last für ihren Lebensgefährten. Während sie verzweifelt versucht, ihm alles recht zu machen, ist Theo nie zufrieden mit ihren Bemühungen und nutzt Elsbeth aus. Selbst die Malerei, mit der Elsbeth ihren Lebensunterhalt bestritten hatte, will er ihr verbieten und Elsbeth malt nur noch heimlich. Erinnerungen an ihr Leben ohne Theo tauchen auf, an die Zeit ihres Aufwachsens im Sudetenland, als sie Malen lernte. An die Vertreibung, die entbehrungsreichen Nachkriegsjahre, an ihre erste Ehe und ihre Malerei.

Mir hat das Buch sehr, sehr gut gefallen. Neben Elsbeths Geschichte gefiel mir besonders die Erzählweise, die trotz der schwierigen Themen und Erlebnisse Ruhe ausstrahlt. Besonders zu Beginn wurden die Episoden aus Elsbeths Leben eher lose verbunden. So wurde man oft mit neuen Situationen überrascht und durch die kurze Darstellung konnte man viel aus Elsbeths langem Leben erfahren. Später wird die Darstellung ausführlicher, dort wo die Erlebnisse bedeutsamer werden. Auch da habe ich gern mitgelesen. Ich empfand kein Wort als zuviel und bewunderte die Fähigkeit der Autorin, sich mit wenigen Worten auszudrücken. Oft reicht ein Satz und die Stimmung der Situation, die Tragweite des Geschehens sind deutlich geworden.

Interessant fand ich auch die Aufteilung der Kapitel in einen Teil für die Gegenwart und einen für die Vergangenheit. Jedes Kapitel beginnt mit Elsbeths Gegenwart, die zunehmend verwirrend für sie wird. Irgendetwas leitet ihre Gedanken dann zu Erinnerungen und dann beginnt der zweite Kapitelteil, der von lange zurückliegenden Ereignissen aus Elsbeths Leben erzählt.

Mir hat auch gefallen, dass die Erzählweise wenig wertend ist. So bleibt es fast allein dem Leser überlassen, beispielsweise Elsbeths Lebensgefährten für seine Missetaten zu verdammen. Man ist als Leser frei, über die Fakten nachzudenken und zu eigenen Schlüssen zu kommen. Und es nimmt dem Text auch ein Stückweit das Gefühl; man fühlt sich nicht allzu bedrückt, wenn man mit jedem neuen Kapitel liest, was sich Theo an neuen Gemeinheiten für Elsbeth ausgedacht hat. Trotzdem gefiel mir zum Schluß das Happy End für Elsbeth; dass sie aus Theos düsterem Haus herauskommt, mit viel Licht lebt und malen kann, wie sie Lust hat.

Veröffentlicht am 15.12.2023

Abenteuer eines Wichtelkindes im Frühling in Lappland - Eine fantasievolle, lehrreiche Geschichte, die neugierig macht und sehr gut unterhält

Tuuli, das Wichtelmädchen 1. Tuuli und die geheimnisvolle Flaschenpost
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Es ist Frühling und das Wichtelkind Tuuli erwacht aus dem Winterschlaf. Zusammen mit den Eltern, der Oma-Ziege und den Hühnern wandert sie durch den Skullewald ins Glockenblumental zum Sommerhaus. Dort ...

Es ist Frühling und das Wichtelkind Tuuli erwacht aus dem Winterschlaf. Zusammen mit den Eltern, der Oma-Ziege und den Hühnern wandert sie durch den Skullewald ins Glockenblumental zum Sommerhaus. Dort findet sie am Fluß eine Flaschenpost, die einen Hilferuf enthält.

Das Buch, das für Kinder ab 6 Jahren zum Vorlesen gedacht ist, hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Es fallen zunächst die Illustrationen von Julia Christians auf. Nach einer Karte der Landschaft, in der die verschiedenen Etappen der Geschichte spielen, ist im Folgenden jede zweite Doppelseite dekoriert. Die Farben scheinen die samische Flagge aufzugreifen und sind vorwiegend in Blau, Rot, Grün und Gelb gehalten. Die Wichtel tragen eine samische Tracht. Das entspricht dem, was die Autorin Stefanie Taschinski vorgibt. Denn sie bezieht sich vielfach auf die nordische Mythologie und Lebenswelt. Beispielsweise ist Tuuli ein Vorname, den man in Finnland und Estland findet, und die Moltebeere ist ein Wahrzeichen Lapplands. Die Illustrationen wirken lebhaft ohne aufzuregen und greifen sehr gut die Gefühle der dargestellten Situation auf. In vielen Zeichnungen schaut Tuuli so herrlich neugierig und spitzbübisch.

In die Geschichte und Sprache ist sehr viel Fantasie hineingeflossen. Man fragt sich oft, was Realität, was eine Anspielung oder eine Erfindung ist. Es gibt viele Anregungen und Ideen, um zu fragen und nachzuschlagen (tut man es nicht, versteht man die Geschichte trotzdem). Die Autorin bringt uns unsere eigene Welt näher, indem sie durch Wortkreationen wie Tannenspitzenschnee unseren Blick auf besondere Details unserer Realität lenkt. Oder sie verwendet reale, eher unbekannte Worte in einem anderen Sinn und macht beispielsweise die Raubfliege namens Grauwicht zu einem Fabelwesen.

Durch solche Details wird die Geschichte sehr lebhaft und abwechslungsreich. Auch die Erzählweise trägt dazu bei, da Tuuli sich oft erinnert oder die Oma-Ziege Gedanken daran hat, was alles passieren könnte. Diese ordnen sich aber in die Geschichte ein und sich dieser unter. Man kommt sehr flüssig in der Geschichte voran, auch wenn man den Gedanken hat, dass dies oder jenes auch ein spannendes Buch ergeben würde.

Interessant wird die Geschichte auch durch Wendungen, die man nicht kommen sieht. Die Autorin hat mit mehrfach erfolgreich angetäuscht. Dann wenn etwas absehbar erscheint, kommt es doch anders.

Auch wie die Figuren dargestellt werden, trägt dazu bei. So kann beispielsweise die überängstliche Oma-Ziege auch einmal sehr mutig sein. Die darin enthaltene Botschaft, dass Leute verschiedene Seiten haben, gefällt mir sehr gut. Stefanie Taschinski zeigt dem Leser immer wieder, dass man nicht vorschnell urteilen sollte. So können Kinder auf eine vollkommen unaufdringliche Art lernen, wie man beispielsweise mit Angst umgeht. Man sieht Tuuli zu, wie sie das macht und ihre Angst bewältigt. Auch andere ernsthafte Themen wie den Klimawandel greift die Geschichte auf, lässt sich davon jedoch nicht dominieren. Die Geschichte zeigt, dass das Leben nicht nur positive Seiten hat, und sie ist damit realistisch - bei aller Magie, die man in einer Geschichte von Wichteln eben erwarten kann.

Schön fand ich, dass fast alle Kapitel in sich abgeschlossen sind. Es liegt dem Buch zwar eine fortlaufende Geschichte zugrunde. Aber nach fast jedem Kapitel ist die Szene ohne Cliffhanger beendet und ein deutlicher Schlußstrich gezogen. So kann man das Buch gut unterbrechen und in Etappen lesen.

Ein sehr schönes Buch besonders für Kinder oder Eltern, die Skandinavien im Allgemeinen und Lappland im Besonderen lieben.

Veröffentlicht am 15.12.2023

Sach-Info über Gewürze & Übungen zur Verbesserung des Wohlbefindens - Viel Interessantes, aber auch etliches, was mir zu esoterisch war

Die sinnliche Welt der Gewürze
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"Seit Menschengedenken werden Gewürzpflanzen gesammelt und zum Wohl von Körper und Seele eingesetzt", wie die Autorin Julia Gruber einleitend schreibt und im weiteren Verlauf erläutert. Nach einem Vorwort ...

"Seit Menschengedenken werden Gewürzpflanzen gesammelt und zum Wohl von Körper und Seele eingesetzt", wie die Autorin Julia Gruber einleitend schreibt und im weiteren Verlauf erläutert. Nach einem Vorwort des veganen Starkochs Surdham Göb über die Würze des Lebens bzw. wie er sie in Gewürzen und Aromen findet, erklärt Julia Gruber in einigen Kapiteln, beispielsweise warum Gewürze Essen zu einem Balsam für die Seele machen, aber auch, dass früh bereits erkannt wurde, dass sie zudem ein Balsam für den Körper sein können. Sie geht kurz auf den Unterschied zwischen Aromen, die aus der Natur stammen, und Aromen, die die Natur nachahmen ein, und erklärt unseren Geschmackssinn. Danach stellt sie 40 europäische und internationale Gewürze vor hinsichtlich ihrer Geschichte, ihrer Inhaltsstoffe, ihrer gesundheitlichen Wirkung und der Verwendung in der Küche. Jedem Gewürz sind vier Seiten gewidmet, die auch Rezepte (vegan) enthalten und mit einem Ritual oder einer Meditation zur Steigerung des Wohlbefindens abschliessen. Am Ende des Buches werden noch Heilwirkungen der Gewürze und die seelischen Impulse, die sie vermitteln können, gelistet.

Mir ist zu Beginn die geschickte Mischung aus Fotos und Zeichnungen wie aus einem altertümlichen Herbar aufgefallen. Das fand ich sehr ansprechend, aber leider zog sich diese Darstellungsweise nicht durch das gesamte Buch. Die Abbildungen stammen aus verschiedenen Quellen. Sie sind alle schön und meist passend, aber eben nicht so schön wie die allerersten Seiten. Außerdem nehmen sie etwas viel Platz ein. Man muss damit rechnen, dass von einer Doppelseite mindestens 0,5 Seiten von einem Bild eingenommen werden.

Am Buch haben mich hauptsächlich die Gewürze intressiert. Dieser Teil ist am umfangreichsten, was ich auch richtig so finde. Dort gab es viel Neues für mich z. B. was genau denn die Gewürznelke für ein Pflanzenteil ist oder dass der Meerrettich ursprünglich aus dem Mittelmeerraum kommt und -50 Grad überlebt. Mit der Benennung der Inhaltsstoffe konnte ich nicht so viel anfangen. Dieser Abschnitt enthält aber neben diesen "Vokabeln" immer auch andere Info wie Wirkung auf den Menschen oder Verwendungsmöglichkeit. So ist dieser Teil nicht uninteressant. Die Verwendung in der Küche, wo auch der Geschmack des Gewürzes beschrieben wird, und die Rezepte haben mich dann wieder mehr interessiert. Die Rezepte sind recht unterschiedlich im Aufwand. Manche sind recht einfach mit wenigen Schritten und Zutaten (wie eine Rosmarin-Salz-Verreibung), andere sind aufwändiger. Es geht von Pesto, Smoothie, Kekse, Salat, hin bis zum Hauptgericht. Mit der seelischen Wirkung des Gewürzes konnte ich nichts anfangen, das war mir zu esoterisch. Dieser Aspekt umfasst jeweils aber nur 2 Sätze; also konnte ich gut damit leben. Der Abschnitt zum Ritual/der Mediation ist dann etwas länger und enthält mehr Anregungen; meist 2 Übungen. Allerdings hat dieser mit dem Gewürz nur insofern zu tun, dass die Übungen die seelische Wirkung des Gewürzes aufgreifen und herstellen sollen. Gar nichts anfangen konnte ich mit dem Karten-Set, das zum Buch gehört. Darauf ist zu jedem Gewürz eine seelische Botschaft vermerkt, die mir wiederum zu esoterisch war.

Insgesamt finde ich das Buch gut, weil es auch interessant ist für Menschen, die mit dem Aspekt der seelischen Wirkung nichts anfangen können. Trotz des speziellen Themas schafft es die Autorin, viele Menschen anzusprechen.

Veröffentlicht am 15.12.2023

Darin blättere ich immer wieder gerne - Der Pudel des Todes und viele einzelne Comics

Nichtlustig 3
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Kleiner "Spoiler" zum Beginn: ich fand es sehr wohl lustig 😅

Zunächst scheinbar gänzlich unverbunden reiht Joscha Sauer ein Comic-Bild ans nächste. Figuren wie die Lemminge oder die Yetis wiederholen ...

Kleiner "Spoiler" zum Beginn: ich fand es sehr wohl lustig 😅

Zunächst scheinbar gänzlich unverbunden reiht Joscha Sauer ein Comic-Bild ans nächste. Figuren wie die Lemminge oder die Yetis wiederholen sich. Dann nach ein paar Seiten beginnt eine Bilder-Strecke mit dem Tod und dem Pudel. Der Tod soll aufstehen und an die Arbeit. Der möchte aber nicht und schließlich übernimmt der Pudel den Job. Der Pudel des Todes ist geboren. Immer wieder wird diese Geschichte durch einzelne Comics unterbrochen, die mit der Geschichte nicht viel zu tun haben. Am Ende hat der Pudel viel mitgemacht, wenig geschafft und die verschiedenen Stränge der Geschichte kommen mit einem finalen Rumms zusammen.

Die Darstellung, bei der die Geschichte seitenlang unterbrochen wird, ist ungewöhnlich. Aber weil die Geschichte nicht sehr umfangreich ist, kann man sich ihre Inhalte über die Unterbrechungen hinweg sehr gut behalten. Ich finde Joscha Sauers Assoziationen und Ideen oftmals überraschend und sehr oft lustig. Allerdings muss man darauf gefasst sein, dass sich Joscha Sauer über Themen lustig macht, die anderen ernst sind oder sie vielleicht triggern könnten: Tod, Suizid, Krankheit, Verbrechen... Aber wer im Band 3 angekommen ist, wird das bis dahin mitbekommen haben. In einem Rutsch durchgeblättert ist man sehr schnell fertig mit dem Buch. Oder man nimmt es dann, wenn man nicht viel lesen und nur ein bißchen blättern möchte. Durch die Gestaltung eignet es sich sehr gut, es immer mal wieder in die Hand zu nehmen. Ich finde die farbliche Gestaltung auch sehr schön. Auch dort, wo die Seiten aus Einzelbildern bestehen, harmonieren die Farben gut. Der Zeichenstil von Joscha Sauer gefällt mir sowieso. Er stellt sehr gut Emotionen und Stimmungen dar.

Veröffentlicht am 15.12.2023

Streit als wichtiges Thema des Alltags schön verpackt - Keine Anleitung, um Streit zu schlichten, aber eine Möglichkeit, darüber zu reden, wie es zu Streit kommt

Die kleine Eule und der große Streit
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Das ist der Inhalt: Die kleine Eule spielt mit dem Igel. Die Haselmaus kommt dazu. Es gibt einen Streit und dann ein Happy End.

Das Buch hat pro Doppelseite einen Vers á 8 Zeilen. Daher kann an der Geschichte ...

Das ist der Inhalt: Die kleine Eule spielt mit dem Igel. Die Haselmaus kommt dazu. Es gibt einen Streit und dann ein Happy End.

Das Buch hat pro Doppelseite einen Vers á 8 Zeilen. Daher kann an der Geschichte nicht viel dran sein. Muss auch gar nicht, denn es ist schließlich ein Buch für die recht Kleinen (ab 3 Jahre). Es ist ein Beispiel für den Kinderalltag und zeigt: Streit gehört zum Leben und man kann sich auch wieder vertragen. Was allerdings nicht dargestellt wird: wie man Streit schlichtet. Trotzdem bietet das Buch die Möglichkeit, eben dies zu besprechen oder darüber zu reden, wie es zum Streit gekommen ist.

Der Text von Susanne Weber ist gereimt und Reime sollen ja auch den Spracherwerb fördern. Sie bieten sich daher für die kleineren Kinder an, für die diese Geschichte gedacht ist. Ich finde die Reime gelungen, weil sie sich für mich rund, glatt und natürlich anhören.

Die Illustrationen gefallen mir sehr. Sie stehen eigentlich im Vordergrund und erzählen neben dem Text die Geschichte auch sehr gut. Teils besteht eine Doppelseite aus mehreren Szenen, um die Geschichte lückenlos zu darzustellen. Man sieht genau, was passiert. Gesten und Gesichtsausdrücke helfen ebenso beim Verständnis. Sehr deutlich sind Gefühle in den Gesichtern abzulesen. Die Figuren finde ich hübsch, auch wenn die kleine Eule mit dem Mini-Schnabel und den Schlappohren für mich wenig wie eine Eule aussieht. Ich finde die farbliche Gestaltung sehr ansprechend. Ich mag das Himmelblau und das frische Juni-Grün. Die Illustratorin Tanja Jacobs hat es geschafft, Waldstimmung einzufangen, wo es heimelig beschattet ist, aber auch mal Lichtstrahlen gleißend hell einfallen können. Durch die wenigen Farben, die benutzt wurden, wirken die Illustrationen unaufgeregt, und es gibt viele kleine, bunte Hingucker wie die Fliegenpilze oder die Schmetterlinge. Die Bilder laden dazu ein, nach Details zu suchen wie nach der Schnecke im Baum oder nach den vielen Ameisen. Ich mag besonders den Wald aus realistischen, filigranen Pflanzensilouhetten. Auch in diesen Abklatschbildern gibt es Dinge zu entdecken wie ein vierblättriges Kleeblatt. So bietet das Buch hinausgehend über die Geschichte eine weitere Möglichkeit der Beschäftigung.

Insgesamt ist das Buch nach meiner Meinung schön und wichtig. Fantastische Geschichten haben ihren eigenen Reiz. Aber etwas über die realen negativen Dinge wie Streit zu lernen, denen man im Alltag begegnet, ist wichtig für Kinder. Dieses Buch hat so ein Thema so schön verpackt, dass man gut darüber reden kann und es gerne tut.

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