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Veröffentlicht am 18.02.2026

Familien

Alle glücklich
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„Alle glücklich“ von Kira Mohn hatte mich ab der 1. Seite! Was für eine authentische, berührende Geschichte!
Es geht um eine Familie, deren 4 Mitglieder alle mit eigenen Problemen zu kämpfen haben. Die ...

„Alle glücklich“ von Kira Mohn hatte mich ab der 1. Seite! Was für eine authentische, berührende Geschichte!
Es geht um eine Familie, deren 4 Mitglieder alle mit eigenen Problemen zu kämpfen haben. Die Geschichte wird jeweils abwechselnd aus Sicht eines Protagonisten erzählt, für mich war das Buch dadurch sehr echt und unglaublich nahbar.
Alexander, der Vater, ist ein bekannter Arzt, der die meiste Zeit in der Klinik verbringt und es völlig normal findet, dass Nina, seine Frau, die komplette Care-Arbeit und den Haushalt erledigt. Er ist der Hauptverdiener der Familie, erwartet dafür die Dankbarkeit seiner Frau und Kinder, hat aber zu allen dreien den Bezug verloren. So merkt er auch erst spät, dass Nina ihre Rolle in der Familie zu hinterfragen beginnt, er weiß nichts von ihrem Zweitjob, den sie nur angenommen hat, um Geld für sich ganz allein zu verdienen. Nina wird durch eine neue Freundin dazu animiert, ihr Leben zu hinterfragen. Emilia, die Tochter der Familie, ist schwer verliebt in einen älteren Jungen aus ihrer Schule, von dem sie im Laufe der Geschichte bitter enttäuscht wird und Ben treibt orientierungslos durch ein Studium, das ihn nicht mehr richtig interessiert und ist ansonsten unglücklich, weil sein soziales Leben ausschließlich vorm Computerbildschirm stattfindet.
Selten kommt es vor, dass mir tatsächlich alle Protagonisten sympathisch bzw. deren Handlungen nachvollziehbar sind, hier ist es so. Jedes Familienmitglied kämpft mit Problemen und mir hat es gezeigt, dass man noch so viel über den anderen zu wissen glaubt, am Ende ist es nicht so und man ist mit seinen Problemen allein. Ich habe selbst 2 Jugendliche in ähnlichem Alter, wahrscheinlich gingen mir die Geschichten, Gedanken und Gefühle von Emilia und Ben deshalb so nah.
Aber auch die Themen des Buches – langjährige Beziehungen, erste Liebe, Selbstfindung, Kommunikation bzw. deren Fehlen interessierten mich sehr. Und der Schreibstil ist wirklich hervorragend zur Geschichte – lebendig und fesselnd, Kira Mohn kann wirklich gut schreiben! Schicht für Schicht zieht sie den Vorhang zur Seite und man beobachtet die Familie dabei, wie sie sich ins Unglück katapultiert. Man liest und liest und mag gar nicht aufhören weil man eigentlich schon von Anfang an, als alles noch ganz ok war, ahnt, dass es zu einer Katastrophe kommen wird. Und als es soweit ist, hat mich das ungemein berührt und mir auch wieder gezeigt, wie wichtig es ist, dass man offen und aufmerksam bleibt. Auch oder gerade den jungen Erwachsenen gegenüber, die nicht mehr alles erzählen, die oft so cool wirken und doch Probleme haben.
Das Buch endet mit einer Träne. Und die lief auch mir übers Gesicht.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

eine Reise durch die Lebensmitte

Mitte des Lebens
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Die Autorin Barbara Bleisch präsentiert mit ihrem Buch ein philosophisches Werk, das tief in die Seelenlage von Menschen in der Lebensmitte eintaucht. Ich bin gerade 50 und habe, wenn man sich an die Statistiken ...

Die Autorin Barbara Bleisch präsentiert mit ihrem Buch ein philosophisches Werk, das tief in die Seelenlage von Menschen in der Lebensmitte eintaucht. Ich bin gerade 50 und habe, wenn man sich an die Statistiken hält, die Hälfte meines Lebens bereits gelebt. Ehrlich gesagt, fühlt sich dieser Gedanke nicht gut an. Ich stelle mir Fragen wie 'Habe ich genug aus meiner Zeit gemacht?' oder 'Werde ich noch genug Zeit haben?' Es ist nicht so, dass ich gerade unzufrieden bin, mein Leben ist toll und genau dieses Gedankenwirrwarr zu entwirren erhoffte ich mir von diesem Buch.

Und ich habe wirklich viele gute Impulse mitgenommen. Statt oberflächlicher Ratschläge erkundet die Autorin die existenziellen Fragen, die Menschen um die Jahrhundertmitte ihres Daseins beschäftigen: Habe ich meine Potenziale ausgeschöpft? Entspricht mein Leben meinen ursprünglichen Vorstellungen?
Zunächst entfaltet Bleisch eine schonungslose Bestandsaufnahme der inneren Konflikte und Zweifel, denen sich Menschen in dieser Lebensphase gegenübersehen. Doch ihre Darstellung bleibt nicht beim kritischen Befund stehen. Vielmehr entwickelt sie einen inspirierenden Ansatz, der Stillstand nicht als Scheitern, sondern als Chance zur Selbstreflexion interpretiert.

Der zentrale Gedanke des Buches liegt in der Ermutigung, sich von gesellschaftlichen Erwartungsdrücken zu befreien. Statt einem unrealistischen Perfektionsideal hinterherzujagen, plädiert Bleisch für eine authentische Selbstwahrnehmung. Die Autorin lädt die Leserschaft ein, die eigenen Leidenschaften zu entdecken und sich von aufoktroyierten Zielsetzungen zu emanzipieren.

Ein besonders bemerkenswerter Aspekt ist Bleischs Analyse der Identitätsentwicklung. Sie unterscheidet zwischen der jugendlichen Phase des Abgrenzens und der mittleren Lebensphase des Sich-Verstehens. Während junge Menschen primär definieren, wer sie im Verhältnis zu anderen sind, geht es im reiferen Alter darum, sich selbst zu ergründen und bewusst zu gestalten.
Obwohl das Werk einen akademischen Anspruch hat, gelingt es Bleisch, komplexe philosophische Konzepte zugänglich zu präsentieren.

Das Buch ist keine Gebrauchsanweisung für ein gelungenes Leben, sondern eine Einladung zur Selbstreflexion. Es ermutigt dazu, das Staunen nicht zu verlieren, Begeisterungsfähigkeit zu bewahren und sich von externen Erfolgsdefinitionen zu lösen.
Für alle, die bereit sind, sich auf eine philosophische Reise der Selbsterkundung einzulassen, bietet 'Mitte des Lebens' wertvolle Impulse. Bleisch gelingt es, universelle Lebensweisheiten zu formulieren, die zum Nachdenken anregen und gleichzeitig Trost und Orientierung schenken.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

Eine Frau und Ihre Töchter

Ein anderes Leben
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Anlässlich des Todes ihres Vaters blickt die Tochter auf das Leben ihrer ebenfalls bereits verstorbenen Mutter Hanna zurück. Hanna heiratete nacheinander drei ihrer Studienfreunde und bekam mit jedem eine ...

Anlässlich des Todes ihres Vaters blickt die Tochter auf das Leben ihrer ebenfalls bereits verstorbenen Mutter Hanna zurück. Hanna heiratete nacheinander drei ihrer Studienfreunde und bekam mit jedem eine Tochter. Für mich war „Ein anderes Leben“ von Caroline Peters vor allem wegen der töchterlichen Sicht auf die Mutter so besonders. Hanna ist exzentrisch und eckt mit dem was sie sagt und tut an. Sie hat Lyrik im Kopf und nicht den Alltag. Während sie sich bemüht, den Erwartungen zu entsprechen, verleugnet sie einen Teil ihrer Selbst. Dabei habe ich Hanna oft als omnipräsent und teilweise lieblos empfunden.

Caroline Peters, bekannt als Schauspielerin, beweist hier eindrucksvoll ihr Talent als Autorin. Sie lässt Persönliches einfließen. Der Roman besticht durch seine prägnante Sprache und die vernünftige Darstellung der Protagonistin, die mit den Herausforderungen des Lebens konfrontiert wird. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, allerdings nicht gerade sympathisch. Hanna ist ignorant und gleichgültig, die Schwestern untereinander sind ziemlich gehässig.

Insgesamt ist „Ein anderes Leben“ eine lesenswerte und bewegende Familiengeschichte, die mich zum Nachdenken angeregt hat. Es ist eine Geschichte über Veränderung.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Was willst Du, Kora?

Die Liebe, später
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Die Autorin gibt sich wirklich alle Mühe, dem Leser das Seelenleben von Kora nahe zu bringen und prinzipiell kann ich das ganze Zweifeln und ihre Depressionen gut nachvollziehen, auch ihre Gedanken über ...

Die Autorin gibt sich wirklich alle Mühe, dem Leser das Seelenleben von Kora nahe zu bringen und prinzipiell kann ich das ganze Zweifeln und ihre Depressionen gut nachvollziehen, auch ihre Gedanken über Freiheit. Kora muss eine aufwühlende Herzoperation verarbeiten, steckt in einer späten Midlife Crisis, hadert mit ihrer beruflichen Situation und dem Renteneintritt ihres Mannes; sie fühlt sich einerseits krank und alt, andererseits noch nicht bereit, in den kürzer oder gar in den Ruhestand zu treten. Und daher auch nicht, sich über die Freizeitpläne ihres Mannes zu freuen oder diese gar zu teilen. Stundenlang liest man von ihrem Zweifeln, ihrem Betrug (ja, so habe ich das empfunden) an ihrem wirklich tollen Mann und ihren kopflosen Aktionen.

Kora hat einiges durchmachen müssen, ja, aber sie hatte jederzeit Unterstützung, sicherlich auch eine private Krankenversicherung, lebt privilegiert. Sie hat so viel mehr als andere: einen großartigen Ehemann, Wohlstand, Sicherheit, Zeit und Geld. Aber sie seht sich nach einer leeren kleinen Wohnung in Berlin, nach ihrem Exfreund, der sie betrogen hat und ihren beruflichen Anfängen.

Für ihren verzweifelten Freund, dessen Frau spurlos verschwunden ist, hat sie keinen Nerv, weil sie nur um sich selbst kreiselt. Mich ärgerte, dass sie ihm immer wieder unterstellt, selbst schuld an dem Verschwinden seiner Frau zu sein, einfach nicht glauben will, dass es keine Eheprobleme gab. Auch für ihre Mentorin Gabriella hat sie keinen Nerv, obwohl es ihr offensichtlich gesundheitlich sehr schlecht geht. Kora ist eine Person, die andere Menschen verletzt, die keine Dankbarkeit empfinden kann und meint, das Leben wäre ihr etwas schuldig.

Fazit: Kann ich verstehen, dass Kora sich neu finden will? Ja, absolut. Aber ging sie mir mit ihren Gedankenkreiseln und ihrer Unsicherheit tierisch auf die Nerven? Ebenfalls ja.

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Veröffentlicht am 28.01.2026

Eine mutige Frau

Eine wie Frankie
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Frances Howe wächst im Irland der 1950iger Jahre auf. Sie verliert früh ihre Eltern durch einen Unfall und kommt zur Tante mütterlicherseits, die mit einem Pfarrer verheiratet ist. Fortan ist Frances Jugend ...

Frances Howe wächst im Irland der 1950iger Jahre auf. Sie verliert früh ihre Eltern durch einen Unfall und kommt zur Tante mütterlicherseits, die mit einem Pfarrer verheiratet ist. Fortan ist Frances Jugend durch Verbote und Bibelzitate gekennzeichnet. Gerade 18 geworden, verheiraten ihre Pflegeeltern sie mit einem deutlich älteren Geistlichen, die Ehe hält nur kurz aber in dieser Zeit warten zahlreiche weitere Enttäuschungen auf die junge Frau. Nach dem Ende der Ehe gelangt Frances völlig ahnungs- und mittellos nach London zu Norah, einer Freundin aus der Schulzeit, die sie ihr gesamtes Leben begleiten wird, und vorn dort aus weiter nach New York. Eins muss man Frances lassen, ihr wird im Leben nichts geschenkt, aber sie hat immer Glück im Unglück.
Und davon zu lesen, macht wirklich Spaß! Es passiert viel und gerade in Sachen Glaubwürdigkeit ist der Roman sehr gut gelungen. Ja, Frances trifft – vor allem in Ihrer Jungend – dumme Entscheidungen bzw. lässt zu, dass diese über sie gefällt werden, aber das ist alles mit ihrer Erziehung zu begründen und daher glaubwürdig. (Über die Anzahl der Zufälle, die Frankie immer weiterhelfen, könnte man allerdings diskutieren.) Aber auch wie Graham Norton die Wechsel der Zeitebenen managt, fand ich sehr gut. Denn die Geschichte beginnt mit einer alten Frankie, die nach einem Beinbruch von einem Pfleger betreut wird und diesem ihre Geschichte erzählt. Damien ist ein toller Mensch, er arbeitet gern mit und bei älteren Menschen und liebt seinen Job, das spürt man als Leser. Frankie ist ebenfalls eine sehr symphytische Protagonistin und ihre Entwicklung ist bemerkenswert. Ist sie als junges Mädchen noch scheu, weltfremd und unwissend, gewinnt sie im Lauf der Geschichte zunehmend an Selbstsicherheit, die sich von keiner Niederlag abschrecken lässt. Ich bewundere Frankie sehr für ihren Mut!

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