Stella tanzt
Sonnenaufgang Nr. 5Der 19-jährige Jonas hat mit beidem Probleme: Dem Leben und der Erinnerung.
Sein Germanistikstudium hat er gerade geschmissen, und der Konfrontation mit seiner schmerzhaften Vergangenheit weicht er aus.
Stattdessen ...
Der 19-jährige Jonas hat mit beidem Probleme: Dem Leben und der Erinnerung.
Sein Germanistikstudium hat er gerade geschmissen, und der Konfrontation mit seiner schmerzhaften Vergangenheit weicht er aus.
Stattdessen will er als Ghostwriter anderen helfen, ihre Lebensgeschichten festzuhalten. Seine erste Klientin ist die exzentrische alte Filmdiva Stella, die in ihrer Autobiografie ihr Leben glücklich und erfüllt darstellen will.
So als hätte sie nur richtige Entscheidungen getroffen.
Gemeinsam lernen die beiden, dass man jeden Tag so leben muss, als sei es der letzte.
Damit man ein Leben führt, das unvergesslich ist.
Jonas wollte schon immer schreiben. Nach einem zuerst nicht näher benannten Ereignis wird er, gegen den Willen seines Vaters, Ghostwriter.
Die Biografie der exzentrischen alternde Filmdiva Stella ist sein erster Auftrag.
Stella lebt in ihrer eigenen, längst vergessenen Welt und schnell wird klar - ihre Erinnerungen differieren mehr als einmal mit der Realität, bzw. den Erinnerungen anderer.
Und auch wenn sie tatsächlich ein recht divenhaftes Auftreten hat, mochte ich Stella sehr.
Stellenweise hat sie mich an Norma Desmond aus "Sunset Boulevard" erinnert.
Stella ist nicht allein. Oft in der Nähe sind der ehemalige, an Demenz leidende Hausmeister Paul und sein Hund "Guter Junge"; und der pensionierte Lehrer Gerardo, der nur Sonnenuntergänge malt und diese durchnummeriert.
Jonas trifft an der Bushaltestelle auf Bentje, eine Witwe, die dort täglich auf den Bus wartet, nur um die Ansage zu hören, die ihr verstorbener Mann einmal eingesprochen hatte.
Und auf die aus Thailand stammende Nessa, die sich nicht an ihre Kindheit erinnert.
All diese Personen, und noch ein paar mehr, werden in keinster Weise skurril, sondern ausgesprochen liebenswert und respektvoll dargestellt.
Die Geschichte wird aus der Sicht von Jonas erzählt und seine wachsende Sympathie zu Stella wird sehr realistisch beschrieben.
Der Roman erzählt auf sehr emotionale Art wie unterschiedlich Erinnerungen sein können und verzichtet dabei komplett auf Kitsch oder Klischees.
Mit der Hilfe von Nessa und seinem Vater schafft Jonas es, sich der Vergangenheit zu stellen und Erinnerungen zuzulassen, auch wenn es zuerst schmerzt.
Beim Anschauen des Videos (kein weiterer Spoiler!) kamen nicht nur Jonas die Tränen. Auch ich musste mir an der Stelle ein Taschentuch holen.
Stella lernt - nicht zuletzt durch Jonas - Vergangenes loszulassen und sich auf Neues einzulassen.
Das bei sowohl Jonas, als auch Stella, halb-offene Ende ist stimmig, positiv und hoffnungsvoll.
Die ruhige Erzählstimme von Oliver Siebeck passt ganz hervorragend.