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Veröffentlicht am 07.10.2017

Ein Schmöker mit dem Flair der goldenen 20er Jahre

Die fremde Schwester
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England, 1927: Rachel arbeitet als Erzieherin in einem französischen Haushalt. Ihren Vater hat sie bereits vor über zwanzig Jahren verloren. Deshalb ist ihr Entsetzen groß, als sie ein Telegramm aus der ...

England, 1927: Rachel arbeitet als Erzieherin in einem französischen Haushalt. Ihren Vater hat sie bereits vor über zwanzig Jahren verloren. Deshalb ist ihr Entsetzen groß, als sie ein Telegramm aus der englischen Heimat erhält, in dem ihr mitgeteilt wird, dass ihre Mutter schwer an der Grippe erkrankt ist. Rachel bricht sofort nach England auf. Doch sie kommt zu spät. Ihre Mutter ist bereits gestorben und beerdigt. Unter den Sachen der Mutter findet Rachel ein Foto, auf dem Graf Ardmore mit seiner Tochter zu sehen ist. Rachel glaubt ihren Augen nicht zu trauen, denn der Graf sieht genauso aus, wie ihr Vater. Doch der soll doch bereits lange verstorben sein. Um hinter das Geheimnis dieses Fotos zu kommen, reist Rachel nach London. Dort findet sie heraus, dass es sich tatsächlich um ihren Vater handelt, der dort mit ihrer Halbschwester abgebildet ist. Der Klatschkolumnist Simon Montfort bietet Rachel seine Hilfe an. Mit seiner Unterstützung gelingt es ihr, unter fremdem Namen Zugang zur Londoner High Society zu bekommen und sich unerkannt im Umfeld ihrer Halbschwester zu bewegen....

Der Einstieg in diesen Roman gelingt mühelos, denn die Autorin versteht es hervorragend, Handlungsorte und Protagonisten so lebendig zu beschreiben, dass man beinahe das Gefühl hat, selbst dabei zu sein. Die Atmosphäre der goldenen 20er Jahre wird eindrucksvoll beschrieben und ist zwischen den Zeilen förmlich spürbar. Dadurch kann man ganz in die Handlung eintauchen. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm lesbar, sodass man regelrecht durch die Seiten fliegt.

Die Hauptprotagonistin Rachel wirkt sehr sympathisch. Deshalb beobachtet man gerne, wie sie sich in die gehobene Gesellschaft einschleust und damit auf die Suche nach ihrer Familie macht. Besonders die Wortgefechte, die sie sich im Verlauf der Handlung mit dem Klatschkolumnisten Simon liefert, sorgen dafür, dass diese beiden Charaktere äußerst lebendig wirken. Die Geschichte selbst hält einige Überraschungen bereit, denn vieles ist nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint. Dadurch kommt beim Lesen keine Langeweile auf. 

"Die fremde Schwester" ist für mich ein wunderschöner Schmöker, den man durch den flüssigen Schreibstil sehr gut und schnell lesen kann. Ich habe mit diesem Buch jedenfalls einige interessante Stunden verbracht, die im Nu verflogen sind. Ich muss allerdings zugeben, dass mir die Ereignisse zum Ende hin doch sehr klischeehaft erschienen, sodass ich damit nicht ganz zufrieden war. Dennoch vergebe ich auf meiner persönlichen Bewertungsskala vier von fünf möglichen Sternchen. 

Veröffentlicht am 04.10.2017

Ein wunderschöner Roman, der einen nicht mehr loslässt

Preiselbeertage
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Ariane ist mit ihren Eltern und ihrer Schwester Jolante in Schweden aufgewachsen. Trotzdem hat es sich für Ariane nie so angefühlt, als wäre dort ihre Heimat. Deshalb ist sie auch gleich nach der Schule ...

Ariane ist mit ihren Eltern und ihrer Schwester Jolante in Schweden aufgewachsen. Trotzdem hat es sich für Ariane nie so angefühlt, als wäre dort ihre Heimat. Deshalb ist sie auch gleich nach der Schule nach Deutschland ausgewandert. Dort haben ihre Eltern bis zur Wende in der ehemaligen DDR gelebt. Über diese Zeiten zu reden, ist für Arianes Mutter ein absolutes Tabu. Als Ariane die Nachricht vom Tod des Vaters erreicht, der ihr ein geheimnisvolles Manuskript vererbt haben soll, das allerdings unauffindbar scheint, geht Ariane zurück nach Schweden. Sie versucht endlich herauszufinden, wohin sie gehört....

Der Einstieg in Stina Lunds Erzählung, die sich mit der deutsch-deutschen Geschichte beschäftigt, gelingt mühelos. Denn die Autorin versteht es hervorragend, Protagonisten und Handlungsorte so lebendig zu beschreiben, dass man sofort mitten im Geschehen ist und unbedingt erfahren möchte, was es mit dem geheimnisvollen Manuskript, oder vielmehr der Geschichte, die darin zu lesen sein wird, auf sich hat. 

Die Handlung wird auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen erzählt. In der Gegenwart beobachtet man die Hauptprotagonistin Ariane dabei, wie sie ihrem Leben in Deutschland den Rücken kehrt und in Schweden einen Neuanfang wagt. Arianes Verhältnis zu ihrer Mutter und ihrer Schwester ist eher distanziert. Doch durch die Suche nach dem Manuskript, bzw. dem darin verborgenen Familiengeheimnis, gelingt es ihr, sich den beiden wieder anzunähern. Die andere Zeitebene gewährt Rückblicke in die Vergangenheit von Ina, Arianes Mutter, und umfasst den Zeitraum von 1986 bis 1990. Hier erfährt man nach und nach, was sich damals in Inas Leben zugetragen hat. Denn Ina bekam damals die einmalige Chance mit einem Chor aus der DDR für ein Festival nach Schweden auszureisen. Obwohl es niemals in ihrer Absicht lag, ihr Leben grundlegend zu ändern, schlug das Schicksal dann gnadenlos zu und beeinflusst damit noch immer das Verhältnis von Mutter und Tochter.

Die Charaktere wirken glaubhaft und lebendig. Dadurch kann man sich ganz auf diese schicksalhafte Geschichte einlassen. Stina Lund beschreibt einfühlsam, die schicksalhafte Wende, die Inas Leben durch eine Verkettung ungünstiger Umstände nahm. Man kann die Gefühle der Protagonisten sowohl im aktuellen Handlungsstrang, als auch in der Vergangenheit glaubhaft nachempfinden. Der Schreibstil ist außerdem sehr flüssig und angenehm lesbar, sodass man unwillkürlich in den Sog des Geschehens gerät und das Buch nicht mehr aus der Hand legen mag. 

Ich habe mich beim Lesen dieser einfühlsam erzählten Geschichte sehr gut unterhalten. Eigentlich wollte ich das Buch nur mal kurz in die Hand nehmen und kurz reinschnuppern. Doch dann konnte ich mich nicht mehr davon lösen und habe "Preiselbeertage" an einem Nachmittag begeistert verschlungen. Deshalb vergebe ich auch alle fünf Bewertungssternchen und eine ganz klare Leseempfehlung. 

Veröffentlicht am 03.10.2017

Startet zunächst gemächlich, entwickelt sich dann aber zu einem wahren Pageturner

Durst
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Harry Hole arbeitet mittlerweile als Dozent an der Polizeihochschule. Als die Osloer Polizei es mit einem Serienkiller zu tun bekommt, der sich seine Opfer über die Dating-App Tinder sucht, versucht Hole, ...

Harry Hole arbeitet mittlerweile als Dozent an der Polizeihochschule. Als die Osloer Polizei es mit einem Serienkiller zu tun bekommt, der sich seine Opfer über die Dating-App Tinder sucht, versucht Hole, die Wellen die dieser Fall  in der Presse schlägt, zu ignorieren. Doch sein alter Chef Bellmann setzt Hole unter Druck. Da die Polizei im Dunkeln tappt, soll Harry Hole die Ermittlungen unterstützen. Schon bald wird Hole klar, dass der Killer kein Unbekannter ist...

"Durst" ist mittlerweile der elfte Fall für Harry Hole. Allerdings kann man den aktuellen Ermittlungen auch dann problemlos folgen, wenn man noch keinen Band der Reihe gelesen hat. Der Einstieg verläuft zwar zunächst etwas gemächlich, doch das Interesse an dem Fall wird sofort geweckt. Sobald Harry Hole sich an den Ermittlungen beteiligt, steigt die Spannung sprunghaft an, sodass man das Buch kaum noch aus den Händen legen mag. 

Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und sehr angenehm lesbar. Man kann sich die beschriebenen Szenen mühelos vorstellen und dadurch ganz in die Handlung eintauchen. Das Geschehen wird aus wechselnden Perspektiven geschildert. Man bekommt einen guten Gesamtüberblick  und kann in einigen Kapiteln sogar dem Täter über die Schulter schauen. Dieser wird recht schnell enttarnt. Das tut der Spannung allerdings keinen Abbruch, da die Jagd nach ihm einiges zu bieten hat. Außerdem hält der Autor noch einige Überraschungen bereit, die das Buch, trotz der nicht gerade geringen Seitenanzahl, zu einem wahren Pageturner machen. 

Die Charaktere wirken authentisch und lebendig, sodass man mit ihnen mitfiebern kann. Harry Hole hat sich allerdings verändert, denn er ist mittlerweile trocken. Doch auch dieser veränderte Hole wirkt sehr sympathisch und lässt sich bei seinen Ermittlungen nur schwer in die Karten schauen. Dadurch bleibt die Spannung bis zum Schluss erhalten und gipfelt in einem nervenaufreibenden Finale.

Ich habe mich beim Lesen dieses Falls sehr gut und spannend unterhalten gefühlt. Zugegebenermaßen habe ich am Anfang ein wenig die Spannung vermisst, aber das hat sich recht schnell gelegt. Dann konnte ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen und habe es regelrecht verschlungen. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala bekommt Harry Holes elfter Fall deshalb alle fünf Sternchen und eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 01.10.2017

Emotionale Erzählung

The One
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Es dauert nur noch ein paar Wochen, bis Lizzie mit ihrem Verlobten Josh vor den Traualtar tritt. Josh ist Lizzies zweite große Liebe. Alex, der erste Mann, mit dem Lizzie sich eine Zukunft vorstellen konnte, ...

Es dauert nur noch ein paar Wochen, bis Lizzie mit ihrem Verlobten Josh vor den Traualtar tritt. Josh ist Lizzies zweite große Liebe. Alex, der erste Mann, mit dem Lizzie sich eine Zukunft vorstellen konnte, verschwand vor zehn Jahren aus ihrem Leben, ohne sich richtig von ihr zu verabschieden. Lizzie war am Boden zerstört und hat lange gebraucht, um diesen Verlust zu überwinden. Doch ausgerechnet jetzt, in dem ganzen Trubel der Hochzeitsvorbereitungen, kehrt Alex zurück und möchte etwas Wichtiges mit Lizzie klären....

Der Einstieg in diesen Roman gelingt mühelos. Man beobachtet die Hauptprotagonistin Lizzie bei den Hochzeitsvorbereitungen. Lizzie wirkt sehr sympathisch und lebendig, sodass man sich gut in die Protagonistin und die Handlung hineinversetzen kann. Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm lesbar. Er wirkt außerdem sehr locker, sodass man mühelos durch die Seiten fliegt.

Die Handlung wird auf verschiedenen Zeitebenen erzählt. Im aktuellen Handlungsstrang beobachtet man die Hochzeitsvorbereitungen. Diese werden durch Rückblicke in die Vergangenheit unterbrochen. Hier erfährt man nach und nach, wie die Liebe zwischen Lizzie und Alex war und was sich damals zugetragen hat. Beide Handlungsstränge sind durchgehend interessant, sodass man gespannt das Geschehen verfolgt. Da Lizzie so lebendig wirkt, fällt es leicht, sich in ihre Gefühle hineinzuversetzen. Man kann den Zwiespalt, in dem sie durch die Rückkehr von Alex steckt, sehr gut nachempfinden und beobachtet gespannt, wie sie damit umgeht. Einen allzu vorhersehbaren Liebesroman, bei dem man von Anfang an weiß, wie er ausgeht, braucht man nicht zu befürchten. Denn es gibt einige Wendungen, die dafür sorgen, dass man gebannt der Handlung folgt. Bis zum Schluss schwebt man im Ungewissen, welche Entscheidungen Lizzie treffen wird.

Ich habe mich beim Lesen dieses Romans sehr gut unterhalten und das will schon was heißen, da mir allzu romantische Liebesgeschichten, bei denen man schon auf der ersten Seite weiß, wie alles enden wird, ein Graus sind. Maria Realf ist es allerdings gelungen, mich von der ersten bis zur letzten Seite, mit dieser zu Herzen gehenden Erzählung, zu begeistern. Ich habe Lizzies Geschichte regelrecht verschlungen und konnte ganz in ihre Gefühle eintauchen. Deshalb bekommt das Buch auf meiner persönlichen Bewertungsskala auch alle fünf Bewertungssterne. 

Veröffentlicht am 01.10.2017

Spannender Neuschwanstein-Thriller

Ins Herz
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Im Jahr 1875 laufen die Bauarbeiten der Hohenschwangauer Neuen Burg auf Hochtouren, denn König Ludwig II. kann es kaum erwarten, die Fortschritte, die der Bau seines Märchenschlosses macht, zu begutachten. ...

Im Jahr 1875 laufen die Bauarbeiten der Hohenschwangauer Neuen Burg auf Hochtouren, denn König Ludwig II. kann es kaum erwarten, die Fortschritte, die der Bau seines Märchenschlosses macht, zu begutachten. Tagsüber tummeln sich die Bauarbeiter auf der Baustelle, doch nachts ist es dort dunkel und einsam. Diesen Umstand will  der junge Hofbedienstete Lenz für sich ausnutzen, um seine Angebetete Klara endlich allein zu treffen. Doch es kommt vollkommen anders als gedacht, denn dunkle Gestalten haben sich ausgerechnet diese Nacht ausgesucht, um dem Bauführer Herold dort ein geheimnisvolles Päckchen abzunehmen, das ihm zur Aufbewahrung anvertraut wurde. Der Inhalt dieses Päckchens ist so brisant, dass König Ludwig in ernsthafte Schwierigkeiten geraten könnte, wenn es in die falschen Hände gerät. Bauführer Herold stirbt durch einen Schuss mitten ins Herz und Klara und Lenz geraten in den Sog einer mörderischen Intrige.....

Der Einstieg in diesen Neuschwanstein-Thriller gelingt mühelos, da der Autor es hervorragend versteht, vom ersten Moment an Spannung aufzubauen. Denn man befindet sich sofort mitten im Geschehen und beobachtet gebannt, wie Bauführer Herold verzweifelt versucht, den finsteren Gestalten zu entkommen, die es auf das geheimnisvolle Päckchen abgesehen haben. Die Atmosphäre ist düster und angespannt. Man fiebert sofort mit und gerät dadurch bereits von Anfang an in den Bann dieser mörderischen Intrige. 

Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven betrachtet, die oft an spannenden Stellen wechseln, sodass man förmlich durch das Buch getrieben wird, weil man unbedingt erfahren möchte, wie es weitergeht. Der Schreibstil ist flüssig und angenehm lesbar.  Handlungsorte und Protagonisten werden äußerst lebendig beschrieben. Dadurch kann man sich alles sehr gut vorstellen und hat schon fast das Gefühl, selbst vor Ort zu sein. Man erhält wichtige Informationen zu den einzelnen Akteuren und kann deshalb ihre Handlungen nachvollziehen. Außerdem werden interessante Erklärungen zu den damaligen Gegebenheiten in den Thriller eingestreut, sodass man ganz nebenbei noch etwas lernen kann. Die Spannung kann durchgehend gehalten werden, auch wenn es kleine Atempausen gibt, in denen man mit Hintergrundinformationen versorgt wird. Diese verfolgt man interessiert, da sie die Handlung abrunden. Dennoch ist man beim Lesen dieser Erklärungen leicht angespannt, da man unbedingt erfahren möchte, wie es im Haupthandlungsstrang weitergeht. 

Thriller sind ja meine absoluten Favoriten und deshalb habe ich aus diesem Bereich schon einige Bücher gelesen. "Ins Herz" konnte mich vom ersten Moment an in seinen Bann ziehen, da ich mir die beschriebenen Szenen mühelos vorstellen und so ganz in die Handlung eintauchen konnte. Ich habe mit den Charakteren mitgefiebert und es genossen, die mörderische Intrige aus den verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Auch wenn ich zugeben muss, dass mich die Szenenwechsel an den spannenden Stellen manchmal ganz kribbelig vor lauter Anspannung und Neugier gemacht haben. Doch genau das macht für mich den Reiz dieses Thrillers aus. Deshalb bekommt das Buch auf meiner persönlichen Bewertungsskala auch alle fünf Sterne und eine ganz klare Leseempfehlung.