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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.07.2017

Anders als erwartet

Als die Träume in den Himmel stiegen
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Samar muss ihre Heimat verlassen und mit ihrer Familie aus Kabul flüchten. Ihre Reise führt sie zuerst zu den Großeltern, die in einem kleinen Ort im Hindukusch leben. Zunächst sieht es so aus, als ob ...

Samar muss ihre Heimat verlassen und mit ihrer Familie aus Kabul flüchten. Ihre Reise führt sie zuerst zu den Großeltern, die in einem kleinen Ort im Hindukusch leben. Zunächst sieht es so aus, als ob die Familie dort endlich eine neue Heimat finden würde. Doch dann kommen die Taliban und die Familie beschließt, noch einmal zu fliehen und dieses Mal das Land zu verlassen.

Samars Geschichte wird in der Ich-Form, aus ihrer Sicht, geschildert. Die Erzählung startet mit einer scheinbar unendlichen Zugreise in der Transsibirischen Eisenbahn. Samar blickt dabei zurück in die Vergangenheit. Dabei kommt es zu zeitlichen Sprüngen, die manchmal nur schwer eingeordnet werden können.

Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm lesbar. Man hat beim Lesen das Gefühl, dass man Samar gegenüber sitzt und ihrer Geschichte lauscht. Dabei erzählt sie so anschaulich, dass man sich die beschriebenen Szenen mühelos vorstellen kann. Zunächst ist es etwas schwierig, sich an die fremd klingenden Namen zu gewöhnen und die Personen richtig zuzuordnen. Doch die lebendigen Schilderungen des Mädchens sorgen schnell dafür, dass man die Familienmitglieder vor Augen hat und einen guten Eindruck von Samars Umfeld bekommt. Samar erlebt auf der Flucht furchtbare Dinge, sodass man oft zum Nachdenken angeregt wird und sich fragt, wie ein junges Mädchen das alles verkraften kann. Besonders die Szenen im Flüchtlingslager gehen einem dabei sehr nah. Samars Erzählung überrascht durch eine vollkommen unerwartete Wendung, die dafür sorgt, dass man komplett umdenken und die Geschichte mit anderen Augen betrachten muss.

Mir hat die Erzählung im Großen und Ganzen recht gut gefallen. Auch wenn ich zugeben muss, dass sich zwischen den Buchdeckeln eine ganz andere Geschichte verbirgt, als ich erwartet hatte. Samar wirkte auf mich sehr sympathisch. Dennoch bin ich den ganzen Verlauf über eher auf Distanz geblieben, sodass ich ihre Erlebnisse zwar entsetzt verfolgt habe, doch emotional berührt haben sie mich, durch meinen eher distanzierten Beobachterposten, leider nicht. Ich habe die Geschichte zwar mit großem Interesse gelesen und sie hat mich auch zum Nachdenken angeregt, sodass ich diese fiktive Erzählung lange im Gedächtnis behalten werde. Dennoch bekommt das Buch auf meiner persönlichen Bewertungsskala nur drei von fünf Sternchen.

Veröffentlicht am 24.07.2017

Konnte mich leider nicht überzeugen

Schwindelfrei ist nur der Tod
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Kommissar Jennerwein und sein Team sind dieses Mal auf der Suche nach einem verschwundenen Heißluftballon. Ist er abgestürzt oder gar explodiert? Handelt es sich eventuell um einen Anschlag? Die Beobachtungen ...

Kommissar Jennerwein und sein Team sind dieses Mal auf der Suche nach einem verschwundenen Heißluftballon. Ist er abgestürzt oder gar explodiert? Handelt es sich eventuell um einen Anschlag? Die Beobachtungen einer Augenzeugin sind leider nicht ganz eindeutig, sodass die Ermittlungen sich schwierig gestalten. Jennerwein selbst steht bei diesem Fall etwas neben sich und ist nicht mit vollem Einsatz dabei, da er von privaten Hintergründen, die er seinen Kollegen nicht unbedingt auf die Nase binden will, abgelenkt wird....

"Schwindelfrei ist nur der Tod" ist bereits der achte Fall für Kommissar Jennerwein. Da die Bände in sich abgeschlossen sind, kann man den aktuellen Ermittlungen aber auch problemlos folgen, wenn man noch keinen Jennerwein-Fall gelesen hat. Um die Weiterentwicklung der Charaktere und die beruflichen und privaten Nebenhandlungen zu verfolgen, empfiehlt sich allerdings, wie bei jeder anderen Bücherserie auch, die Einhaltung der Reihenfolge.

Jörg Maurers Schreibstil ist locker und humorvoll. Die Charaktere wirken sehr authentisch, sodass man sie lebhaft vor Augen hat und bei manch skurrilem Ereignis auch spontan ein Lächeln im Gesicht hat. Leider ist der Einstieg in die Geschichte allerdings etwas zäh. Es gibt mehrere Handlungsstränge, die es einzuordnen gilt. Da keiner davon besonders spannend ist, kommt  man nur schwer in die Geschichte und gerät manchmal sogar in Versuchung, die ein oder andere Zeile zu überspringen. Durchhalten lohnt sich allerdings, da die Handlung am Ende tatsächlich noch Fahrt aufnimmt. Es gibt noch ein paar überraschende Wendungen, die dafür sorgen, dass man das Finale mit großem Interesse liest. Allerdings scheint es dann so, als ob noch ein paar Seiten fehlen würden, da noch einige Fragen offen bleiben, die man gerne geklärt hätte.

Ich habe mich beim Lesen im Großen und Ganzen recht gut unterhalten, wobei mir über weite Teile die Spannung gefehlt hat. Die Handlung plätscherte, für meinen Geschmack, viel zu sehr vor sich hin und konnte zunächst kaum mein Interesse wecken. Obwohl sich das Durchhalten doch noch gelohnt hat, war mir das einfach zu wenig. Noch dazu hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte nicht ganz abgeschlossen ist, da für mich ein paar Fragen offen blieben. Deshalb bekommt das Buch auf meiner persönlichen Bewertungsskala auch nur drei von fünf möglichen Sternchen. 

Veröffentlicht am 21.07.2017

Humorvolles Kinderbuch

An der Arche um Acht
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Irgendwo in einer Welt voller Schnee und Eis  leben drei Pinguine, die nicht nur ziemlich nach Fisch stinken, sondern auch noch die allerbesten Freunde sind. Eines Tages kommt, woher auch immer, ein Schmetterling ...

Irgendwo in einer Welt voller Schnee und Eis  leben drei Pinguine, die nicht nur ziemlich nach Fisch stinken, sondern auch noch die allerbesten Freunde sind. Eines Tages kommt, woher auch immer, ein Schmetterling geflogen. So etwas Schönes haben die Pinguine noch nie gesehen. Dennoch kommt der kleinste Pinguin auf die Idee, den Schmetterling abzumurksen. Die anderen versuchen ihn davon abzuhalten, da Gottes Gebot ja schließlich aussagt, dass man nicht töten soll. Die Pinguine diskutieren eine Weile über Gott und der kleine Pinguin wird noch einmal eindringlich gewarnt, dass Gott alles sieht, ziemlich gute Ohren hat und ihn sicher bestrafen wird, wenn er den Schmetterling tötet. So geht es hin und her und endet schließlich damit, dass der Schmetterling stirbt, wenn auch durch ein Missgeschick. Aber tot ist nun mal tot. Der kleine Pinguin bekommt Angst und watschelt nach einem Streit mit den anderen missmutig davon. Als die beiden anderen Pinguine allein sind, beginnt sich plötzlich der Himmel bedrohlich zu verdunkeln. Eine dicke  Taube kommt geflogen, die den beiden eine Nachricht von Gott und zwei Tickets für die Arche überbringt. Zwei Tickets für drei Pinguine? Unmöglich! Oder hat Gott etwa gesehen, was der kleinste Pinguin gemacht hat und will ihn nun dafür bestrafen?

Das niedlich aufgemachte Büchlein wird Kindern ab etwa 8 Jahren empfohlen. Der Schreibstil ist deshalb recht einfach, strotzt aber vor Humor. Somit lässt es sich leicht lesen oder vorlesen. Die Handlung beschäftigt sich auf kindgerechte und humorvolle Weise mit der Frage, ob es Gott wirklich gibt. Die Pinguine erleben auf der Arche einige Abenteuer, sodass die Geschichte nur so dahinfliegt. Alles wirkt sehr lebendig, sodass man sich die kleinen, ziemlich nach Fisch stinkenden, Tiere lebhaft vorstellen kann. Niedliche Illustrationen untermalen das Ganze.

Obwohl ich das Alter der Zielgruppe ja schon etwas überschritten habe, konnte mich die Geschichte in ihren Bann ziehen. Ich musste oft breit grinsen und habe das Geplänkel der Tiere begeistert verfolgt. Deshalb vergebe ich auch alle fünf Bewertungssterne und eine klare Leseempfehlung für das recht dünne Büchlein.

Veröffentlicht am 14.07.2017

Nicht besonders spannend, aber flüssig zu lesen

Totenstille im Watt
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Dr. Bernhard Sommerfeldt lebt in Norddeich und kümmert sich in seiner Praxis um die kleinen und großen Probleme seiner Patienten und die der Urlaubsgäste. Er wird von ihnen gemocht und das ist ihm auch ...

Dr. Bernhard Sommerfeldt lebt in Norddeich und kümmert sich in seiner Praxis um die kleinen und großen Probleme seiner Patienten und die der Urlaubsgäste. Er wird von ihnen gemocht und das ist ihm auch außerordentlich wichtig. Keiner seiner Bekannten und Freunde ahnt, dass Sommerfeldt gar keiner richtiger Arzt ist und unter falscher Identität mitten unter ihnen lebt. Selbst seine große Liebe Beate weiß nicht, mit wem sie es eigentlich zu tun hat. Als Beate in Schwierigkeiten gerät, tut Sommerfeldt alles, um ihr zu helfen. Dabei nimmt er sogar den ein oder anderen Mord in Kauf.....

Klaus-Peter Wolf ist für seine Ostfriesen-Krimis, in denen Hautkommissarin Ann Kathrin Klaasen ermittelt, bekannt. In diesem Krimi geht es jedoch um den Hochstapler Sommerfeldt, der Regeln und Gesetze gerne bricht, wenn er für sich und andere einen Vorteil daraus ziehen kann. Auf Ann Kathrin Klaasen braucht man in diesem Krimi allerdings nicht ganz zu verzichten, da sie auftaucht, um die Morde, die sich ja in ihrem Ermittlungsgebiet ereignen, aufzuklären.

Da "Totenstille im Watt" in der Ich-Perspektive, aus der Sicht von Sommerfeldt, erzählt wird, nimmt man Ann Kathrins Ermittlungen allerdings nur am Rande wahr. Im Zentrum des Geschehens steht eindeutig Sommerfeldt.

Durch die verwendete Ich-Perspektive hat man eine etwas eingeschränkte Sicht auf das Gesamtgeschehen, da man in die Gedanken und Gefühle von Sommerfeldt eintaucht und nur das erfährt, was auch ihm bekannt ist. Sommerfeldt wirkt zunächst recht sympathisch, sodass man gerne liest, was er zu berichten hat. Er erzählt so flüssig und locker, dass man beinahe meint, ihm entspannt gegenüber zu sitzen und dabei seiner Geschichte zu lauschen. Das, was er zu erzählen hat, ist durchaus interessant, doch zuweilen schweift er ziemlich ab, sodass man in Versuchung gerät, die ein oder andere ausufernd beschriebene Szene zu überspringen. Man merkt beim Lesen, dass Sommerfeldt ganz von sich überzeugt ist und sich gerne reden hört.

Obwohl man, durch die Ich-Perspektive, ja quasi in der Haut des Hauptprotagonisten steckt, fällt es schwer, sich mit ihm zu identifizieren. Denn so wie Sommerfeldt denkt und agiert, würde man an seiner Stelle wohl kaum handeln, da ja etliche Leichen seinen Weg pflastern. Man bleibt also immer etwas auf Distanz.

Die Handlung ist aber durchgehend interessant und lässt sich sehr flüssig lesen. Wobei die Spannung zugegebenermaßen nicht besonders hoch ist. Denn man beobachtet Sommerfeldt ja bei seinen Taten und weiß deshalb genau was passiert. Zum Ende hin, als alles um ihn herum zusammenzubrechen droht, kommt dann allerdings doch etwas Spannung auf.

Ich habe mich beim Lesen dieses Krimi recht gut unterhalten. Nicht weniger - doch leider auch nicht mehr! Für mich war es eine ziemlich kurzweilige Lektüre, ohne großen Spannungsbogen. Das besondere Flair der ostfriesischen Küste und der flüssige Schreibstil haben allerdings dafür gesorgt, dass ich das Buch ziemlich schnell durchgelesen habe. Ich vergebe drei von fünf möglichen Bewertungssternen und die Empfehlung, sich selbst ein Bild zu machen, da man über Geschmack ja streiten kann. 

Veröffentlicht am 11.07.2017

Spannende Fortsetzung

Göttertochter
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Prinz Alex hat seine erste große Schlacht, durch die Hilfe von Kats Magie und ihrem Einfallsreichtum, gewonnen. Trotzdem steht der Rat seinen Entscheidungen noch immer skeptisch gegenüber. Er muss sich ...

Prinz Alex hat seine erste große Schlacht, durch die Hilfe von Kats Magie und ihrem Einfallsreichtum, gewonnen. Trotzdem steht der Rat seinen Entscheidungen noch immer skeptisch gegenüber. Er muss sich behaupten, denn die nächsten wichtigen Entscheidungen stehen an. Die aesarischen Fürsten scheinen ein doppeltes Spiel zu spielen, sodass nur schwer einzuschätzen ist, welches Ziel sie verfolgen. Die Mutter des Prinzen ist ebenfalls unberechenbar und die Beziehung zu seinem besten Freund stark angespannt. Wem kann Alex noch vertrauen?

"Göttertochter" ist nach "Schattenkrone" der zweite Band der Royal-Blood-Reihe von Eleanor Herman. Die Geschichte von Alexander dem Großen wird in einem Mix aus historischem Roman, Fantasy und Magie weitererzählt. Der Folgeband knüpft beinahe nahtlos an die Schicksale der Hauptcharaktere Alex, Heph, Kat, Jacob, Cyn, Königin Olympias und der persischen Prinzessin Zofia an. Um die Hintergründe zu verstehen und die abenteuerliche Geschichte genießen zu können, ist es deshalb ratsam, die Royal-Blood-Reihe in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Denn sonst dürfte man die Charaktere nur schwer einordnen und ihr Verhältnis untereinander kaum zuordnen können.

Auch in diesem Band hat man es mit vielen unterschiedlichen Handlungssträngen zu tun, da man den jeweiligen Charakteren bei der Verwirklichung ihrer abenteuerlichen Bestimmungen über die Schulter schaut. In dieser Fortsetzung verbinden sich aber die ersten Stränge miteinander, sodass man die unterschiedlichen Protagonisten und ihre Beweggründe besser einschätzen kann. Die Charaktere wirken dadurch authentischer und nicht ganz so blass wie im ersten Band. Man kann mit ihnen mitfiebern und die Intrigen und Machtspiele gespannt auf sich wirken lassen. Da man nun deutlich mehr Hintergrundinformationen hat und die Akteure besser einschätzen kann, fällt es leichter, die Übersicht zu behalten.

Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und angenehm lesbar. Es gelingt der Autorin hervorragend, die historische Hintergrundkulisse zum Leben zu erwecken und durch magische Elemente aufzuwerten. Man kann sich ganz auf das spannende Geschehen einlassen und hat sowohl die Charaktere, als auch die Handlungsorte, dabei spontan vor Augen. Durch die wechselnden Perspektiven, die oft an geschickt gewählten Stellen wechseln, gerät man in den Sog der Handlung und merkt kaum, wie schnell die Seiten dahinfliegen.

Ich habe mich beim Lesen dieses zweiten Teils deutlich besser unterhalten, als beim ersten Band. Denn die Charaktere und die Handlung wirkten auf mich lebendiger und wesentlich spannender. Das mag sicher daran liegen, dass sich die ersten Stränge miteinander verbinden und nun besser zugeordnet werden können. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf die Fortsetzung und freue mich schon darauf. Dieses Mal bewerte ich ein wenig höher und vergebe auf meiner persönlichen Skala vier von fünf möglichen Sternen.