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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.07.2017

Außergewöhnliches Thema, das interessant umgesetzt wurde

Einzig
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Ihre Freunde glauben, dass sie die sechszehnjährige Teva gut kennen und dass sie ein ganz normales, eher zurückgezogenes Leben mit ihrer Mutter führt. Doch Tevas Leben ist alles andere als normal. Denn ...

Ihre Freunde glauben, dass sie die sechszehnjährige Teva gut kennen und dass sie ein ganz normales, eher zurückgezogenes Leben mit ihrer Mutter führt. Doch Tevas Leben ist alles andere als normal. Denn in dem alten, unheimlichen Haus, in das sie nie Freunde einladen darf, leben nicht nur Teva und ihre Mutter, sondern bald ein Dutzend jüngerer Teva-Versionen. Diese dürfen nie das Haus verlassen, damit niemand erfährt, dass jede Teva nur 365 Tage Zeit hat, bis sich eine neue Teva aus ihrem Körper löst. Und diese wird dann das Leben in der Außenwelt übernehmen. Sie hat dann die Freunde, den Schulalltag und die aktuelle Teva muss dann, genau wie ihre vorherigen Versionen, eingesperrt im Haus leben. Teva kann und will das nicht akzeptieren. Sie beginnt sich gegen ihr Schicksal zu wehren...

Tevas Geschichte wird in der Ich-Form, aus ihrer Sicht, geschildert. Man steckt also quasi selbst in Tevas Haut und kann ihre Gedanken und Gefühle deshalb sehr gut nachvollziehen. Da Teva selbst nicht genau weiß, was eigentlich mit ihr los ist, tappt man beim Lesen lange Zeit im Dunkeln. Das Interesse, endlich zu erfahren, was es mit den anderen Tevas auf sich hat und wie es überhaupt dazu kommen konnte, steigt dabei mit jeder Seite. Teva selbst wirkt eigentlich recht sympathisch, obwohl man gelegentlich das Gefühl hat, dass sie zu sehr auf sich bezogen ist und viele Sachen im Alleingang macht, die sie vielleicht doch lieber mit ihren früheren Versionen, die ja auch ihre Geschwister sind, besprechen sollte. Dennoch kann man nachvollziehen, wie verzweifelt sie ist und warum sie so handelt.

Der Schreibstil ist sehr flüssig und angenehm lesbar. Man kann sich die beschriebenen Szenen mühelos vorstellen und ganz in die rätselhafte Geschichte eintauchen. Die Protagonisten wirken lebendig, sodass man gerne mit ihnen mitfiebert und hofft, dass alles ein gutes Ende nehmen wird. Deshalb fliegt man förmlich über die Seiten und mag zum Schluss kaum glauben, was hinter allem steckt. Zugegebenermaßen gibt es auch ziemlich viele ruhige Momente, in denen die Geschichte ein wenig auf der Stelle zu treten scheint.

Ich habe mich beim Lesen dieses Jugendromans sehr gut unterhalten und ihn innerhalb weniger Stunden beendet. Die interessante und neuartige Geschichte wirkte auf mich durchgehend interessant, sodass ich das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen mochte. Ich vergebe deshalb vier von fünf möglichen Bewertungssternchen. Das eine ziehe ich für die vielen ruhigen Szenen ab, halte das Buch aber dennoch für äußerst lesenswert!

Veröffentlicht am 03.07.2017

Eine harte Nuss...

Gray
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Dr. Augustus Huff ist Dozent an der Universität von Cambridge. Als einer seiner Studenten vom Dach der King's Chapel in den Tod stürzt, ändert sich Huffs Leben abrupt. Denn Huff kommen Zweifel, dass es ...

Dr. Augustus Huff ist Dozent an der Universität von Cambridge. Als einer seiner Studenten vom Dach der King's Chapel in den Tod stürzt, ändert sich Huffs Leben abrupt. Denn Huff kommen Zweifel, dass es sich bei dem Sturz wirklich um einen Unfall handelt. Der Graupapagei Gray des Verstorbenen ist nun sein ständiger Begleiter und nur mit List und Tücke von seiner Schulter zu locken. Gemeinsam versuchen die beiden das Rätsel um den verhängnisvollen Sturz aufzuklären. Doch schon bald stellt sich heraus, dass der Fall eine ziemlich harte Nuss ist, der Huff nicht nur in ziemlich merkwürdige, sondern auch äußerst gefährliche Situationen bringt....

In diesem tierischen Krimi von Leonie Swan übernehmen keine Schafe die Ermittlungen, sondern ein äußerst sprachbegabter Graupapagei namens Gray, der seine Kommentare gerne lauthals herausschreit und sich nicht darum kümmert, in welch unangenehme Situationen er seinen neuen Partner Huff dadurch bringt. Graupapagei Gray gehört eigentlich dem zu Tode gestürzten Studenten, findet bei Dr. Augustus Huff jedoch eine neue Schulter, die ihn durch die Gegend trägt, und damit auch einen Menschen, der ihn mit Trauben, Bananen, Kernen, Keksen und allem was das Papageienherz begehrt, versorgt. Huff ist ziemlich verschroben und hat feste Grundsätze, von denen er sich allerdings nach dem Einzug des Papageien nach und nach verabschieden muss. Huff glaubt nicht daran, dass der Student freiwillig in den Tod gestürzt ist und einen Unfall hält er auch für ausgeschlossen. Gemeinsam mit Gray begibt er sich deshalb auf Spurensuche.

Gray und Huff sind ein kurioses, aber auch sehr sympathisches Ermittlerteam. Auch wenn der kriminalistische Teil der Handlung eher gemächlich verläuft, wird man durch ihren wunderbaren Umgang miteinander mehr als ausreichend dafür entschädigt. Denn es macht einfach Spaß, dieses einzigartige Team dabei zu beobachten, wie es unterschiedliche Indizien zusammenträgt und verzweifelt versucht daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Kritisch betrachtet könnte man anmerken, dass Kommissar Zufall ihnen dabei ein wenig zu oft unter die Arme greift, doch bei dem lockeren Erzählstil und diesem sympathischen Ermittlerteam, kann man darüber großzügig hinwegsehen und sich einfach beim Lesen zurücklehnen und die wunderbare Geschichte genießen.

Ich habe mich beim Lesen jedenfalls sehr gut unterhalten, auch wenn ich zugeben muss, dass mir ein paar Kleinigkeiten aufgefallen sind, dir mir nicht ganz logisch erschienen. Doch das hat mich eigentlich nicht gestört, da ich Gray und Huff einfach zu gern beobachtet und ihnen bei ihren Ermittlungen über die Schulter geschaut habe. Ich vergebe deshalb begeisterte vier von fünf Bewertungssternchen und eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 03.07.2017

Berührende Geschichte, die zum Nachdenken anregt

Solange die Hoffnung uns gehört
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Anni Kluger ist eine bekannte Sopranistin an der Frankfurter Oper. Als eine Konkurrentin zufällig erfährt, dass Anni Jüdin ist, dauert es nicht mehr lange, bis sie der Oper verwiesen wird und nicht mehr ...

Anni Kluger ist eine bekannte Sopranistin an der Frankfurter Oper. Als eine Konkurrentin zufällig erfährt, dass Anni Jüdin ist, dauert es nicht mehr lange, bis sie der Oper verwiesen wird und nicht mehr auftreten darf. Gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter Ruth versucht sie sich durchzuschlagen und hofft auf bessere Zeiten. Doch die werden für Juden immer schrecklicher. Es vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht irgendwelchen Schikanen und Ängsten ausgesetzt sind. Anni versucht gemeinsam mit ihrer Tochter das Land zu verlassen. Doch die Kosten dafür werden immer höher, sodass eine gemeinsame Ausreise einfach nicht möglich ist. Als Anni davon hört, dass es Kindertransporte nach England gibt, fasst sie den Entschluss, Ruth ein besseres und weniger gefährliches Leben zu ermöglichen und schickt sie auf die Reise. Anni hofft, dass sie ihrer Tochter bald folgen kann, doch dann bricht der Krieg aus. Anni sitzt in der Falle und kann das Land nicht mehr verlassen....

Der Einstieg in Linda Winterbergs Erzählung gelingt mühelos. Denn Personen und Schauplätze wirken so lebendig, dass man das Gefühl hat, selbst dabei zu sein. Da die Charaktere so authentisch wirken, fiebert man regelrecht mit ihnen mit und verfolgt gebannt, was das Schicksal für sie vorgesehen hat. Man merkt beim Lesen, dass die Autorin die Hintergründe diese Geschichte sehr gut recherchiert hat und lernt deshalb nebenbei noch einiges, was man vorher nicht gewusst hat. Im Nachwort erfährt man, wie sich Realität und Fiktion mischen. Denn die Erzählung ist an Begebenheiten angelehnt, die sich tatsächlich so zugetragen haben.

Linda Winterbergs Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm zu lesen. Es gelingt ihr mühelos, die damalige Zeit zum Leben zu erwecken, sodass man ganz in das berührende Schicksal der beiden Hauptprotagonistinnen eintauchen und die Handlung auf sich wirken lassen kann. Zwischen den Zeilen kann man die Atmosphäre der damaligen Zeit spüren. Man merkt, wie sich die Lage immer mehr zuspitzt und mag manchmal kaum glauben, was man dort liest. Doch es gibt auch Lichtblicke für Anni und ihre Tochter, sodass man fasziniert der Geschichte folgt und sich kaum von ihr lösen mag. Linda Winterberg berührt mit ihrem Roman und regt außerdem zum Nachdenken an.

Mir hat diese Erzählung sehr, sehr gut gefallen. Charaktere und Handlungsschauplätze wirkten auf mich so lebendig, dass ich von der ersten bis zur letzten Seite, von der Geschichte mitgerissen wurde und sie beinahe in einem Rutsch verschlungen habe. Dabei habe ich mit den Protagonisten mitgefiebert und fasziniert ihr Handeln beobachtet. Dieser Roman hat mich tief berührt und außerdem zum Nachdenken angeregt. Ich werde ihn noch lange Zeit in Erinnerung behalten und vergebe deshalb eine begeisterte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 25.06.2017

Durchgehend spannend

Sieh nichts Böses (Ein Kommissar-Dühnfort-Krimi 8)
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Bei ihrer Prüfung spürt die künftige Leichenspürhündin Ronja tatsächlich eine Leiche auf, die etwa zwei Jahre unentdeckt im Wald vergraben lag. Mit diesem Fall wird der Münchner Kommissar Konstantin Dühnfort ...

Bei ihrer Prüfung spürt die künftige Leichenspürhündin Ronja tatsächlich eine Leiche auf, die etwa zwei Jahre unentdeckt im Wald vergraben lag. Mit diesem Fall wird der Münchner Kommissar Konstantin Dühnfort unmittelbar nach seiner Rückkehr aus den Flitterwochen konfrontiert. Da die junge Frau nicht vermisst gemeldet wurde, ist es zunächst nicht ganz leicht ihre Identität zu klären. Doch Dühnfort stellt sich mit seinem Team der Herausforderung und nach einem Aufruf in den Medien kommt langsam Fahrt in die Ermittlungen....

"Sieh nichts Böses" ist bereits der achte Fall der Krimireihe um den Münchner Kommissar Konstantin Dühnfort. Da die Handlungen in sich abgeschlossen sind, können die Bände unabhängig voneinander gelesen werden. Zum besseren Verständnis der privaten und beruflichen Nebenhandlungen, und der Weiterentwicklung der Charaktere, empfiehlt sich allerdings, wie bei jeder anderen Bücherserie auch, die Einhaltung der vorgesehenen Reihenfolge. Den aktuellen Ermittlungen kann man allerdings mühelos ohne diese Vorkenntnisse folgen. 

Der Einstieg in die Ermittlungen gelingt mühelos. Denn Inge Löhnig versteht es hervorragend, das Interesse an diesem Fall von Anfang an zu wecken. Man möchte unbedingt erfahren, was es mit dem geheimnisvollen Mordfall auf sich hat und warum die junge Frau nicht vermisst wurde. Der Krimi besteht aus verschiedenen Erzählsträngen, die zunächst kaum Gemeinsamkeiten zu haben scheinen. Man stellt deshalb beim Lesen eigene Ermittlungen an und versucht Verbindungen zu knüpfen. Die Autorin legt dabei Spuren aus, denen man nur allzu bereitwillig folgt. Allerdings muss man feststellen, dass nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint und die eigenen Ermittlungen deshalb über den Haufen werfen und neu ansetzen. Dadurch bleibt der Krimi durchgehend spannend und kaum vorhersehbar. Der Schreibstil ist gewohnt flüssig, sodass man regelrecht durch die Seiten fliegt und sich ganz auf das spannende Geschehen einlassen kann.

Das Privatleben des Kommissars und seiner Ehefrau Gina nehmen auch in diesem Band einigen Raum ein. Dieser Teil drängt sich allerdings nicht zu sehr in den Vordergrund, sondern sorgt dafür, dass die Charaktere noch sympathischer und lebendiger wirken. Die eigentliche Ermittlungsarbeit kommt deshalb nicht zu kurz.

Ich habe bisher alle Bände dieser Reihe gelesen und auch dieser Fall konnte mich durch spannende Ermittlungsarbeit, interessante Nebenhandlungen und facettenreiche Charaktere wieder voll und ganz begeistern. Ich vergebe deshalb alle fünf Bewertungssternchen und freue mich bereits jetzt auf den nächsten Band.

Veröffentlicht am 18.06.2017

Gefühlvolle Erzählung, die mitten ins Herz trifft

Was fehlt, wenn ich verschwunden bin
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Die kleine Phoebe ist verzweifelt, denn ihre große Schwester April ist nicht mehr da. Sie ist in einer Klinik und soll dort ihre Magersucht überwinden. Phoebe schreibt ihr Briefe, auf die sie nie eine ...

Die kleine Phoebe ist verzweifelt, denn ihre große Schwester April ist nicht mehr da. Sie ist in einer Klinik und soll dort ihre Magersucht überwinden. Phoebe schreibt ihr Briefe, auf die sie nie eine Antwort bekommt. Dennoch kann Phoebe einfach nicht aufhören an ihre Schwester zu denken und ihr in den Briefen zu zeigen, wie sehr sie sie vermisst. Phoebe versteht nicht, was mit April los ist und die Eltern sind mit der Situation vollkommen überfordert. Deshalb gibt Phoebe auch nicht auf, sondern versucht ihre Schwester mit ihren Briefen zu erreichen......

Dieser Jugendroman ist in Briefform geschrieben. Zunächst liest man die Briefe, die die jüngere Schwester Phoebe an ihre große Schwester April schreibt. Da April nicht antwortet, hat man  das Gefühl, das Tagebuch von Phoebe zu lesen. Die kleine Schwester schreibt über alles, was ihr auf dem Herzen liegt und findet dabei stets wunderbare Worte, die mitten ins Herz treffen und zum Nachdenken anregen. Denn, obwohl Phoebe erst im Grundschulalter ist, hat sie eine einzigartige Sicht auf die Dinge und begreift, was wirklich wichtig ist.

Im zweiten Teil des Buchs liest man die Briefe von April. Sie liest die Briefe von Phoebe mit Begeisterung und freut sich stets darüber. Sie antwortet auch, doch die Eltern erlauben nicht, dass sie ihre Briefe auch an Phoebe schickt. Man bekommt beim Lesen einen guten Einblick in Aprils Gedanken, ihren Umgang mit der Magersucht und der Stille,die sie in sich trägt und die nur Phoebe durchbrechen kann. April wirkt sehr sympathisch und man leidet beim Lesen förmlich mit ihr mit.

Beide Seiten schreiben wunderbare Briefe, die einen mitten ins Herz treffen. Man fliegt förmlich über die Seiten und genießt die Worte der beiden. Der Schreibstil ist leicht und sehr gefühlvoll, sodass man ganz in das Schicksal der beiden Mädchen eintauchen kann. Ganz nebenbei lernt man auch etwas über die Magersucht, sie sie sich langsam anschleicht und sich dann nur schwer, wenn überhaupt, vertreiben lässt.

Ich habe das Lesen dieses Jugendromans sehr genossen und konnte mich kaum vom Gelesenen lösen. Beide Schwestern sind mir ans Herz gewachsen, sodass ich gerne mit ihnen gelacht, gelitten und mitgefiebert habe. Das Buch hat mich tief berührt und zum Nachdenken angeregt. Deshalb vergebe ich auch alle fünf Bewertungssterne und eine begeisterte Leseempfehlung!