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Veröffentlicht am 02.04.2019

Fesselndes Jugendbuch

Saligia
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Keira wird schon ihr ganzes Leben lang von ihrem immensen Zorn geleitet. Dadurch wird sie zur Außenseiterin, denn ihre Mitschüler merken, dass sie anders ist. Selbst die eigene Mutter hält sie auf Distanz. ...

Keira wird schon ihr ganzes Leben lang von ihrem immensen Zorn geleitet. Dadurch wird sie zur Außenseiterin, denn ihre Mitschüler merken, dass sie anders ist. Selbst die eigene Mutter hält sie auf Distanz. Eines Tages wird sie von einem unbekannten Mann aufgesucht, der ihr mitteilt, dass sie eine Saligia ist. Keira hat übernatürliche Kräfte und trägt das Erbe der Todsünde Zorn in sich. Doch damit ist Keira nicht alleine. Auf der Canterbury School soll sie mit anderen Saligia lernen, ihre Kräfte und ihre ungezügelte Wut zu kontrollieren. Keira lässt ihr altes Leben hinter sich und beginnt sich langsam an die neue Situation und ihre Mitschüler, die alle Erbe einer Todsünde, wie Hochmut, Habgier, Lust, Zorn, Völlerei, Neid und Trägheit sind, zu gewöhnen. Doch dann wird eine vermisste Mitschülerin tot aufgefunden. Keira merkt schnell, dass die anderen Saligia Geheimnisse haben. Ist vielleicht ein Mörder unter ihnen?

Obwohl man zunächst einen Moment braucht, um sich an die außergewöhnliche Hauptprotagonistin Keira, die sich oft von ihrem ungezügelten Zorn leiten lässt, zu gewöhnen, gelingt der Einstieg in die Geschichte mühelos. Der Schreibstil ist flüssig und äußerst angenehm lesbar. Man kann sich die beschriebenen Szenen mühelos vorstellen und wird außerdem, genau wie Keira selbst, langsam mit den Besonderheiten der Saligia vertraut gemacht. Die Charaktere wirken lebendig, sodass man sich ganz auf diese ungewöhnliche Welt einlassen kann.

Die Atmosphäre in der Schule wirkt düster und geheimnisvoll. Gemeinsam mit Keira versucht man die unterschiedlichen Saligia, die hier miteinander leben, einzuschätzen. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn jeder scheint hier ein Geheimnis zu haben. Man kann sich nicht sicher sein, wem Keira eigentlich vertrauen kann. Dadurch baut sich die Spannung recht früh auf, kann durchgehend gehalten werden und gipfelt in einem überraschenden Finale. Am Ende gibt es ein paar lose Handlungsfäden, die auf eine Fortsetzung hoffen lassen.

Mir hat dieser Genre-Mix aus Fantasy, Jugendbuch und Krimi, fein abgestimmt mit einer wohldosierten Prise Liebe, ausgesprochen gut gefallen. Einmal angefangen, mochte ich das Buch nur ungern aus der Hand legen, da mich der außergewöhnliche Plot, die lebendigen Charaktere, die geheimnisvolle Atmosphäre und die stets spürbare Spannung förmlich durch die Handlung getrieben haben.

Veröffentlicht am 02.04.2019

Spannender Pageturner!

Golden Cage. Trau ihm nicht. Trau niemandem. (Golden Cage 1)
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Faye und Jack Adelheim gelten als absolutes Traumpaar. Jack führt ein angesehenes Unternehmen, bei dessen Aufbau Faye entscheidenden Anteil hatte. Geld spielt für die beiden keine Rolle, denn sie sind ...

Faye und Jack Adelheim gelten als absolutes Traumpaar. Jack führt ein angesehenes Unternehmen, bei dessen Aufbau Faye entscheidenden Anteil hatte. Geld spielt für die beiden keine Rolle, denn sie sind mittlerweile sehr vermögend. Deshalb ist Faye auch nicht berufstätig, sondern kümmert sich um die gemeinsame Tochter Julienne. Doch der schöne Schein trügt, denn Jack scheint völlig zu vergessen, welchen Anteil Faye an seinem beruflichen Erfolg hatte, behandelt sie von oben herab und zeigt ihr die kalte Schulter. Faye setzt alles daran, ihrem Mann zu gefallen. Doch er hat nur Verachtung für sie übrig. Die Ratschläge ihre besten Freundin will Faye nicht hören, denn Jack bedeutet alles für sie. Doch dann kommt der Tag, an dem sie aus ihrem goldenen Käfig gestoßen wird und der Wahrheit ins Auge sehen muss.

Bei diesem Spannungsroman wird man, ohne langatmiges Vorgeplänkel, gleich mitten ins rätselhafte Geschehen geworfen. Denn im Prolog erlebt man Faye in einer sehr emotionalen Situation. Julienne wird vermisst. Eine riesige Blutlache, die ihr zuzuordnen ist, deutet auf ein Verbrechen hin - und Jack steht unter Verdacht! Das Interesse an der Handlung ist dadurch sofort geweckt, denn man stellt sich die Frage, was passiert ist und wie es dazu kommen konnte. Doch bis zur Aufklärung muss man sich fast bis zum Schluss gedulden. Der Schreibstil ist von Anfang an flüssig und sehr angenehm lesbar. Man kann sich die beschriebenen Szenen mühelos vorstellen und deshalb ganz in die Handlung eintauchen.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Am Anfang erlebt man Fayes Leben im goldenen Käfig. Sie ordnet sich ihrem Mann vollkommen unter, nimmt sich selbst zurück und bettelt förmlich um Anerkennung. Obwohl Faye sympathisch wirkt, möchte man sie beim Lesen am liebsten schütteln, damit sie die Augen nicht länger vor der Wahrheit verschließt und ihrem Mann entgegentritt. Denn Faye ist eigentlich viel intelligenter als ihr Mann und deshalb ist es zunächst nur schwer nachvollziehbar, warum sie sich so behandeln lässt. Rückblicke in Fayes Vergangenheit lassen außerdem die Schlussfolgerung zu, dass sie von einem Geheimnis umgeben ist, das von ihr streng gehütet wird. Sie scheint also keineswegs brav und vollkommen naiv zu sein. Doch in Bezug auf Jack, scheint sie eine rosarote Brille zu tragen.

Diese wird ihr in den folgenden zwei Teilen des Buchs genommen. Faye wird gezwungen, sich Jack zu stellen und schmiedet einen perfiden Racheplan. Ab hier nimmt die bis dahin bereits sehr spannende Handlung noch deutlich mehr Fahrt auf. Man gerät förmlich in den Sog der Ereignisse und mag das Buch kaum noch aus der Hand legen. Denn man erlebt eine vollkommen andere Frau und verfolgt gebannt ihre Aktionen. Die Autorin versteht es hervorragend, die Charaktere so lebendig zu schildern, dass man mit ihnen mitfiebert. Man entwickelt beim Lesen unwillkürlich selbst eine Wut auf Jack und hofft deshalb, dass Fayes Pläne aufgehen werden. Dadurch entwickelt sich das Buch zu einem echten Pageturner, der am Ende noch mit einer überraschenden Wendung punkten kann.

Ich habe mich beim Lesen dieses fesselnden Spannungsromans sehr gut unterhalten. Einmal angefangen, geriet ich förmlich in den Sog der Handlung und konnte das Buch erst aus der Hand legen, als ich am Ende angekommen war. Auf meiner persönlichen Bewertungsskala vergebe ich deshalb alle fünf Sternchen und eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 27.03.2019

Ein echter Wohlfühl-Roman

Bleib doch, wo ich bin
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Kaya ist mit ihrem Leben mehr als zufrieden. Sie wohnt in dem Ort, in dem sie bereits ihre Kindheit verbracht hat, hat sich dort mit einer kleinen Buchhandlung eine Existenz aufgebaut, trifft sich gerne ...

Kaya ist mit ihrem Leben mehr als zufrieden. Sie wohnt in dem Ort, in dem sie bereits ihre Kindheit verbracht hat, hat sich dort mit einer kleinen Buchhandlung eine Existenz aufgebaut, trifft sich gerne mit ihren Freunden, hat außerdem genug Zeit für ihr kleines Shetlandpony und genießt die Tage, an denen sie sich um ihre Nichte Milli kümmern darf. Dem richtigen Mann ist Kaya bisher nicht begegnet. Doch das erwartet und vermisst sie auch gar nicht. Eines Tages gesteht Milli Kaya, dass sie sich bei ihrem Schulpraktikum in ernsthafte Schwierigkeiten gebracht hat, von denen ihre Mutter unter keinen Umständen etwas erfahren darf. Sie fleht Kaya deshalb an, sich als ihre Mutter auszugeben und an deren Stelle zum Elterngespräch in die Schule zu gehen. Kaya kann Milli diesen Wunsch nicht abschlagen und stimmt schließlich zu. Sie ahnt nicht, welche Folgen das haben wird.....

Der Einstieg in die Geschichte gelingt mühelos, denn Lisa Keils Schreibstil ist nicht nur flüssig und sehr angenehm lesbar, sondern überzeugt durch Spritzig- und Lebendigkeit. Das Geschehen wird dabei aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet, wobei jeweils die Ich-Perspektive verwendet wird. Hier kommen Kaya, Millis neuer Klassenlehrer Lasse und Kayas Sandkastenfreund Rob zu Wort. Die Wechsel der Perspektiven sind leider nicht ganz deutlich zu erkennen, doch nach wenigen Sätzen weiß man sofort, aus welchem Blickwinkel man das Ganze gerade betrachtet.

Die Charaktere wirken sympathisch und äußerst lebendig. Es macht von Anfang an Spaß, der Handlung zu folgen. Obwohl es sich um einen Liebesroman handelt, braucht man sich hier nicht vor einer klischeehaften und kitschigen Geschichte zu fürchten. Denn Lisa Keil gelingt es einfach hervorragend, die Handlung so zu beschreiben, dass man mitten im Geschehen ist und die Gefühle der beiden Hauptprotagonisten glaubhaft nachvollziehen kann. Man kann nicht nur das Kribbeln zwischen den beiden förmlich zwischen den Zeilen spüren, sondern eine einzigartige Wohlfühlatmosphäre, die durch humorvolle Szenen aufgelockert wird, genießen. Und deshalb gerät man früh in den Sog der Ereignisse und mag das Buch nur ungern aus der Hand legen.

Obwohl ich sonst nur unter Protest und mit äußerstem Widerwillen zu Liebesromanen greife, da mir solche Handlungen meist zu vorhersehbar und zuckersüß sind, konnte mich dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite begeistern. Der spritzige Schreibstil, die lebendigen Charaktere und die einzigartige Wohlfühlatmosphäre haben dafür gesorgt, dass ich das Buch beinahe in einem Rutsch verschlungen habe und es erst aus der Hand legen konnte, als ich am Ende angekommen war.

Veröffentlicht am 25.03.2019

Interessante Familiengeschichte, die zum Nachdenken anregt

Was uns erinnern lässt
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In ihrer Freizeit sucht Milla mit Begeisterung nach "Lost Places", also verlorenen bzw. vergessenen Orten. Bei einer Wanderung abseits der Wege im Thüringer Wald entdeckt sie einen überwucherten Keller. ...

In ihrer Freizeit sucht Milla mit Begeisterung nach "Lost Places", also verlorenen bzw. vergessenen Orten. Bei einer Wanderung abseits der Wege im Thüringer Wald entdeckt sie einen überwucherten Keller. Sie steigt hinab und fühlt sich sofort in die Vergangenheit versetzt. Denn dort unten ist noch alles so, wie es von den Besitzern verlassen wurde. Milla wird neugierig und begibt sich auf Spurensuche. Dabei lernt sie die Familie Dressel kennen und erfährt, dass auf dem Keller früher das Hotel Waldeshöh stand, das nach der Teilung Deutschlands im Sperrgebiet lag.....

Die Geschichte wird in zwei wechselnden Handlungssträngen erzählt. In der Gegenwart lernt man Milla kennen, beobachtet wie sie den Keller entdeckt und sich dann auf Spurensuche begibt. Dadurch lernt sie die Familie Dressel kennen und erfährt nach und nach Unglaubliches aus der Familiengeschichte. Der Handlungsstrang der Vergangenheit beginnt 1945 und setzt sich bis ins Jahr 1977 fort. In diesen Rückblenden schildert die Autorin eindrucksvoll das Leben der Familie Dressel, das untrennbar mit dem Hotel Waldeshöh verbunden ist. Da es nach der Teilung im Sperrgebiet liegt, wird das Leben dort immer schwerer, doch die Dressels geben die Hoffnung nicht auf, dass der Tag kommen wird, an dem sie ihr Hotel erneut für Gäste öffnen können.

Beide Handlungsstränge sind durchgehend interessant. Es gelingt der Autorin mühelos, die Szenen so lebendig zu beschreiben, dass man Dressels Forst, das Hotel und alle Familienmitglieder sofort vor Augen hat. Man identifiziert sich mit den Charakteren und mag manchmal kaum glauben, was man liest. Man gerät förmlich in den Sog der Handlung und beobachtet gespannt, wie sich Vergangenheit und Gegenwart nach und nach verknüpfen. Dabei entdeckt Milla noch ein Geheimnis, mit dem wohl niemand gerechnet hat.

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Einmal angefangen, konnte ich mich kaum noch vom Gelesenen lösen. Beide Handlungsstränge haben ihren besonderen Reiz auf mich ausgeübt. Dieses Buch hat mich zum Nachdenken angeregt und wird mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben.

Veröffentlicht am 24.03.2019

Berührt und regt zum Nachdenken an

Kurt
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Lena hat mit ihrem Freund Kurt ein Haus in Brandenburg gekauft. Kurt teilt sich das Sorgerecht für seinen kleinen Sohn, der ebenfalls Kurt heißt, mit Jana. Damit der kleine Kurt ein richtiges Zuhause hat, ...

Lena hat mit ihrem Freund Kurt ein Haus in Brandenburg gekauft. Kurt teilt sich das Sorgerecht für seinen kleinen Sohn, der ebenfalls Kurt heißt, mit Jana. Damit der kleine Kurt ein richtiges Zuhause hat, wenn er Zeit bei Lena und Kurt verbringt, renovieren die beiden das Haus, beginnen einen Garten anzulegen und beziehen den kleinen Kurt mit ein. Als der kleine Kurt vollkommen unverhofft stirbt, ist für Lena, Kurt und Jana nichts mehr so, wie es vorher war. Die Trauer schlägt mit aller Macht zu und lähmt die Zurückgebliebenen. Wie soll Lena mit diesem Schicksalsschlag umgehen? Wie viel Trauer ist für sie erlaubt? Haben die echten Eltern nicht viel mehr Anspruch darauf? Und wie soll sie für den großen Kurt da sein, wenn er sich vollkommen in seiner Trauer vergräbt? Kann ihre Beziehung das aushalten?

Sarah Kuttner erzählt diese emotionale Geschichte aus der Sicht von Lena. Sie ist die Lebensgefährtin des großen Kurts und kennt auch den kleinen Kurt schon längere Zeit. Da sie nicht die richtige Mutter ist, denkt sie häufig darüber nach, welchen Platz sie in dieser Patchworkfamilie für den kleinen Kurt eigentlich einnimmt. Was ist für sie erlaubt, was wird erwartet und was könnte als anmaßende Einmischung angesehen werden?

Der Einstieg in die Handlung gelingt mühelos, denn Sarah Kuttners Schreibstil wirkt so lebendig, dass man sofort mitten im Geschehen ist. Man kann sich das gerade gekaufte Haus in Brandenburg vorstellen, beobachtet die Renovierungsarbeiten, die beginnende Gestaltung des Gartens und den Umgang zwischen Lena, dem großen und dem kleinen Kurt. Die drei scheinen ein hervorragendes Team zu sein, man kann die Liebe regelrecht spüren. Doch manchmal scheint Lena zu zweifeln, was für sie im Umgang mit dem kleinen Kurt angemessen ist und ist deshalb auch Jana gegenüber etwas unsicher. Gerade diese Zweifel lassen Lena so authentisch wirken. Man kann sich mit ihr identifizieren und folgt deshalb gerne der Erzählung. Doch von einem Moment auf den anderen ändert sich die Grundstimmung. Denn plötzlich ist nichts mehr so, wie es vorher war.

Sarah Kuttner gelingt es auf sehr emotionale Art und Weise, Lenas Gefühle zu beschreiben. Man beobachtet, wie sie versucht, ihre Trauer zu bewältigen. Doch wie soll ihr das gelingen, wo sie doch gar nicht die richtige Mutter ist? Hat Lena überhaupt ein Anrecht auf große Gefühle? Oder soll sie sich darauf beschränken, den großen Kurt aufzufangen? Doch will er das eigentlich? Wie soll sie zu ihm durchdringen? Was ist angemessen und was wird erwartet? Und wer ist eigentlich für Lena da?

Dieser Roman hat mich sehr berührt. Denn Sarah Kuttner ist es gelungen, mit ganz in den Bann der Ereignisse zu ziehen. Durch ihren unverblümten Schreibstil war ich sofort mitten im Geschehen. Dabei wirkte alles so echt auf mich, dass ich mich sofort mit Lena identifizieren konnte. Ich habe mit ihr gehofft, gezweifelt, geweint und getrauert. Doch zwischendurch gab es auch immer wieder Lichtblicke, die mich zum Schmunzeln bringen konnten. Diese Erzählung hat mich tief berührt und zum Nachdenken angeregt!