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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.07.2018

SPANNEND UND HERZERWÄRMEND

Ein unvergänglicher Sommer
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Wenn Isabel Allende zur Feder greift, darf man sicher sein, dass eine wunderbare Geschichte entsteht. In ihrem neuen Buch “Ein unvergänglicher Sommer” erzählt sie die Geschichte von Lucía, die Vorträge ...

Wenn Isabel Allende zur Feder greift, darf man sicher sein, dass eine wunderbare Geschichte entsteht. In ihrem neuen Buch “Ein unvergänglicher Sommer” erzählt sie die Geschichte von Lucía, die Vorträge an der Uni hält, “ihrem” Professor Richard und der jungen Evelyn, die nach einer Odyssee illegal bei einer reichen Familie in Brooklyn den behinderten Sohn pflegt und behütet. Durch ein kleines Missgeschick werden ihre Schicksale im eisigen, tiefsten Winter für immer miteinander verbunden.
Isabel Allende gelingt es, mit einer etwas skurrilen Ausgangssituation ein spannendes Abenteuer, ja fast ein Roadmovie zu kreieren. Sie beschreibt so anschaulich und detailliert, das Protagonisten und Situationen direkt vor dem inneren Auge entstehen, sehr fesselnd! Warm, einfühlsam und mitreißend erzählt, erfährt der Leser von den unterschiedlichen Lebensgeschichten der drei Hauptpersonen und erlebt, wie meisterhaft und nur mit gegenseitiger Hilfe möglich, sie ihr Abenteuer bestehen. Eine unerwartet kuriose Wendung sorgt für ein Happy End und man versteht, wie “Ein unvergänglicher Sommer” mitten im Winter entstehen kann. Ein fantastisches Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen kann!

Veröffentlicht am 25.07.2018

Hinterlässt einen bleibenden Eindruck

Der Duft des Lebens
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Clara Maria Bagus Buch “Der Duft des Lebens” ist ein kleiner Schatz. Ein zartes Blumencover und ein ansprechender Titel machen neugierig. Auch darauf, warum es gerade im Ullstein leben erschienen ist?
Die ...

Clara Maria Bagus Buch “Der Duft des Lebens” ist ein kleiner Schatz. Ein zartes Blumencover und ein ansprechender Titel machen neugierig. Auch darauf, warum es gerade im Ullstein leben erschienen ist?
Die Geschichte ist eigentlich gruselig, wäre sie nicht so schön und poetisch geschrieben: Aviv verliert seine Mutter bei seiner Geburt - sie kann ihm gerade noch eine Nachricht hinterlassen. Selma, die Hebamme, nimmt den Kleinen bei sich auf und erfreut sich jeden Tag an ihm. In Güte und Weisheit wächst er heran und wird Glasbläser. Als er eines Tages gebeten wird, für den Arzt Kaminski spezielle Glasfläschchen zu fertigen, nimmt eine Tragödie ihren Lauf…
Clara Maria Bagus erzählt einen Krimi, Mord und Grausamkeiten kommen nicht zu kurz und ich finde, in den Grundzügen erinnert das Buch sogar an “Das Parfüm” von Patrick Süskind. Aber die Absicht dahinter ist sicher eine ganz andere. Der Verlag hat die Veröffentlichung unter dem “leben”-Label gut gewählt. Clara Maria Bagus appelliert an die Menschlichkeit, mahnt sehr sanft vor dem Verfall der Tugenden und erinnert den Leser stets daran, das der Mensch, egal unter welchen (unsäglichen) Umständen er auch lebt, vieles selbst in der Hand hat. In Zeiten wie diesen, wo Anstand leider fast ein Fremdwort geworden ist, tut es gut, dieses Buch zu lesen. Man meint geradezu, die Güte und Wärme des Buches zu spüren (wenn man sich darauf einlassen mag). Es sind so viele kluge Sätze darin, und doch wird es nicht pathetisch oder kitschig. Eine spannende Geschichte, die Weisheit vermittelt und bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Sehr berührend und absolut empfehlenswert!

Veröffentlicht am 14.07.2018

Lebensklug und einfach schön

Helle Tage, helle Nächte
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Ein minimalistischer Einband – klar und sehr ansprechend – ein schöner Titel, der alle Möglichkeiten offen lässt, und ein Klappentext, der neugierig macht!
Hiltrud Baiers Buch „Helle Tage – helle Nächte“ ...

Ein minimalistischer Einband – klar und sehr ansprechend – ein schöner Titel, der alle Möglichkeiten offen lässt, und ein Klappentext, der neugierig macht!
Hiltrud Baiers Buch „Helle Tage – helle Nächte“ erzählt über einen langen Lebensabschnitt hin die Geschichte zweier Schwestern, den Zwillingen Anna und Marie, die – äußerlich so ähnlich und innerlich doch so verschieden – beide ihr Herz jede auf ihre Weise an einen starken Mann verlieren, einen Lappländer, der mit den Rentieren und seiner Heimat mehr verbunden ist, als mit den Frauen in seinem Leben. Marie stirbt jung bei einem Autounfall, ihr Mann kann ihren Tod nicht verwinden und scheidet aus dem Leben. Anna kümmert sich rührend um deren Tochter Frederike – trägt aber eine schwere Schuld und ein Versprechen mit sich, um dessen Klärung sie sich nach einer Krebsdiagnose umgehend und schweren Herzens bemühen muss.
Hiltrud Baier schreibt sehr liebevoll (aber nicht kitschig), kann sehr gut, locker und detailreich erzählen und beschreibt ihre Protagonisten so lebendig, das man sie vor sich sieht. Mit Hingabe schildert sie Menschen, Situationen und Landschaften – sehr bildreich und sehr einfühlsam. Dass man aus Liebe auch falsche Entscheidungen treffen kann, man Freunde vor den Kopf stößt und das es manchmal Jahre dauert, bis man zur Wahrheit findet, dass müssen die Frauen in der Familie erst erkennen und akzeptieren. Am Ende ist es die Liebe, die alles verzeiht… Ein wunderschöner Frauenroman, einfühlsam und malerisch, verwoben mit der einsamen, kargen Landschaft Lapplands, stets spannend, erfüllt mit Lebensweisheit und zarter Romantik, einfach herrlich zum Schmökern für lange Sommerabende! Ein Buch, das man nicht gerne aus der Hand legt und das am Ende auch ein bisschen zu Tränen rührt!

Veröffentlicht am 09.07.2018

Überzeugend

Dominotod (Ein Nathalie-Svensson-Krimi 2)
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Aufgrund der durchweg starken Bewertungen der Vorableser habe ich mir als Lesestoff “Dominotod” von Jonas Moström gekauft. Das Cover weist eindeutig auf einen Skandi-Krimi hin, reißt mich aber nicht gerade ...

Aufgrund der durchweg starken Bewertungen der Vorableser habe ich mir als Lesestoff “Dominotod” von Jonas Moström gekauft. Das Cover weist eindeutig auf einen Skandi-Krimi hin, reißt mich aber nicht gerade vom Hocker.
Das Buch selbst allerdings schon. Sehr spannend erzählt Jonas Moström vom Arzt eines Krankenhauses, der tot aufgefunden wird, während ein zweiter Kollege spurlos verschwunden ist. Psychiaterin Nathalie Svensson, Mutter zweier Kinder und in Scheidung lebend, steht unter Druck. Der Gerichtstermin zum Entscheid des Sorgerechts steht an. Und da wird sie zu dem mysteriösen Todes- und Vermisstenfall hinzugezogen. Es stellt sich heraus, dass ihre eigene Schwester Estelle, zu der sie nur einen lockeren Kontakt pflegt, die letzte Kontaktperson des Vermissten war…
Jonas Moström erzählt sehr fesselnd, lässt den Leser intensiv an den Ermittlungen, Vermutungen und Gedanken des Teams teilhaben. Die Protagonisten sind gut beschrieben und mit ihren persönlichen Hintergründen sehr menschlich und sympathisch. Die Spannung lässt nie wirklich nach, man meint, dem Täter näher zu kommen, landet dann in einer Sackgasse und gerät immer mehr in einen Wettlauf mit der Zeit, denn es gilt, den Vermissten, einen Freund von Ermittler Johan Axberg schnellstens lebend aufzufinden. Als dann auch noch Estelle, Nathalies Schwester, verschwindet, überschlagen sich die Ereignisse. Ein insgesamt spannender Krimi, den man in einem Rutsch durchlesen kann, schlüssig und überzeugend - empfehlenswert!

Veröffentlicht am 06.07.2018

ZUM NACHDENKEN

Das weibliche Prinzip
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Greer Kadetzky, jung, schüchtern und neu an der Uni, erlebt auf einer Party den erschreckenden und abstoßenden Übergriff eines älteren Studenten. Der Grapsch-Angriff weckt in ihr und ihrer Freundin den ...

Greer Kadetzky, jung, schüchtern und neu an der Uni, erlebt auf einer Party den erschreckenden und abstoßenden Übergriff eines älteren Studenten. Der Grapsch-Angriff weckt in ihr und ihrer Freundin den Mut, sich künftig zu wehren und selbstbestimmt aktiv zu werden.
Ein kleiner Auslöser mit großer Wirkung, denn er bestimmt den Grundton in Meg Wolitzer’s Buch “Das weibliche Prinzip”. Greers Leben und ihre weitere Entwicklung werden stets bestimmt von Emanzipation und Eigeninitiative, aber auch von Schicksalsschlägen und Enttäuschungen. Sehr fesselnd und spannend erzählt Meg Wolitzer, wie Greer Faith Frank, eine Frauenrechtlerin kennenlernt und schließlich sogar in ihrer Stiftung Arbeit findet. Sie verehrt Faith, muss aber letztlich erkennen, das auch sie nur ein Mensch ist…
Ein berührendes Buch, das zum Nachdenken anregt. Es hält uns vor Augen, das man gerade als Frau vieles selbst in der Hand hat, aber nie vor Schicksalsschlägen sicher ist und sich auch äußeren Einflüssen nicht immer entziehen kann. Und es macht Mut, an seinen Träumen und Zielen festzuhalten und sie nie aus den Augen zu verlieren. Ein sehr einfühlsames Buch, das für mich etwas plötzlich und zu schnell zu Ende war!