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Veröffentlicht am 06.01.2026

Liebenswerte Schrägheit

Happiness Forever
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Sylvie ist eine Person der Extreme: entweder sie widmet sich etwas mit Haut und Haar, oder gar nicht. Momentan gilt ihre komplette Aufmerksamkeit ihrer Therapeutin - in die sie nicht nur verliebt, sondern ...

Sylvie ist eine Person der Extreme: entweder sie widmet sich etwas mit Haut und Haar, oder gar nicht. Momentan gilt ihre komplette Aufmerksamkeit ihrer Therapeutin - in die sie nicht nur verliebt, sondern von der sie förmlich besessen ist. Mit ihr arbeitet sie ihr bisheriges Leben auf und als Lesende erkennt man bald: hier ist einiges schief gelaufen. Das scheint Sylvie gar nicht so zu stören, denn wichtig ist nur: die Therapeutin samt ihren dazugehörigen Phantasien. Als Chloe in ihr Leben tritt, findet sie eine Gleichgesinnte, die das Leben für sie erträglicher macht.

So außergewöhnlich das Cover, so außergewöhnlich das Buch. Adelaide Faiths "Happiness Forever" ist ein Text, der sich nicht so leicht kategorisieren lässt. Die Protagonistin Sylvie ist mehr als schräg: besessen, zwänglerisch, aber auch irrsinnig liebenswert. Eigentlich hat sie die Hölle auf Erden durchgemacht, wurde von Ex-Partnern in einer Tour gedemütigt und ausgenutzt, doch das scheint sie gar nicht weiters zu stören. Oder sie verdrängt es geschickt. Und man ertappt sich immer wieder bei dem irrgeleiteten Gedanken: kein Wunder, Sylvie ist doch eine irrsinnig anstrengende Person, da sind doch viele Schrauben locker. Klarerweise rechtfertigt dies in keiner Weise, wie mit ihr umgegangen wurde und zeigt das Problem: nur weil ein Mensch gesellschaftlich schwer ertragbar ist, rechtfertigt das noch lange nicht, schlecht mit ihm umzugehen.

Fast schon bewundernswert ist Sylvies Art mit Problemen umzugehen: sie lächelt sie schlicht weg. Sie wirkt naiv, doch sie verdrängt, um nicht alles aushalten zu müssen. Wie sie von ihren psychisch oft sehr grausamen Erlebnissen spricht, bricht einem teilweise das Herz, aber sie strotzt dem mit ihrer Besessenheit und bestimmt absichtlich zugelegten Naivität. Was noch sehr schräg, aber umso liebenswerter ist, ist Sylvies Ehrlichkeit gegenüber ihrer Therapeutin. Sie gesteht ihr ihre teils abstrusen Phantasien und die Professionistin nimmt alles mit Gelassenheit hin. Sylvie interpretiert jeden Wort, jede Geste der Therapeutin bis zum Umfallen. Ihre neue Freundin Chloe nimmt alles so hin, nimmt Sylvie so, wie sie ist, auch wenn sie selbst kaum Raum einnehmen kann in der Freundschaft. Aber so genau wissen wir das auch nicht, wird uns doch nur Sylvies Sichtweise geschildert. Tiere spielen ebenfalls eine wichtige Rolle im Leben der Protagonistin, ist sie doch auch spätberufene Tierpflegerin und hat selber einen Hund mit Beeinträchtigung. Allerdings halten sich ihre Emotionen gegenüber den Tieren in Grenzen, muss sie diese ja ganz für ihre Besessenheit aufsparen.

Der Schreibstil der Autorin ist einnehmend, aber da die Protagonistin viele anstrengende Charakterzüge aufweist und diese sehr detailliert beschrieben werden, konnte ich das Buch nicht am Stück lesen, weil ich zwischendurch immer wieder ziemlich genervt war. Trotzdem wird mir das Buch ob der Schrägheit und Ehrlichkeit aber sich noch lange in Erinnerung bleiben.

Mein Fazit: "Happiness forever" ist ein sehr spezielles Buch, das einem ob der Schrägheit der Protagonistin einiges abverlangt. Es lohnt sich aber, wenn man dranbleibt, denn irgendwie hält uns die nervige Sylvie mit ihrer Naivität einen großen gesellschaftlichen Spiegel vor die Nase und regt so zum Reflektieren und Nachdenken über den Umgang miteinander an.

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Veröffentlicht am 06.01.2026

Rasant, unerwartet, spannungsgeladen

Blutwild
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Anka ist noch immer traumatisiert: vor sechs Jahren wurde sie Opfer eines Psychopathen, der sie qualvoll in den Tod schicken wollte. Doch die ehemalige Polizistin entkam in letzter Sekunde, der Täter wurde ...

Anka ist noch immer traumatisiert: vor sechs Jahren wurde sie Opfer eines Psychopathen, der sie qualvoll in den Tod schicken wollte. Doch die ehemalige Polizistin entkam in letzter Sekunde, der Täter wurde inhaftiert. Oder war es doch nicht der richtige Täter? Das fragt sich Anka nun, nachdem mysteriöse Vorfälle passieren und sie sich wieder im Zentrum einer Verfolgung sieht, die ihr erst keiner glauben will. Dass die Fakten dann doch so anders sind, als sie sich je vorstellen hätte können, werfen sie nicht nur aus der Bahn, sondern lassen sie ums bittere Überleben kämpfen.

Saskia te Marvelds Thriller "Blutwild" ist ein höchst spannendes und rasantes Debut, das viele unerwartete Ereignisse hervorbringt, viel Rätselraten auslöst und dann doch ganz anders ist, als vermutet. Die Protagonistin Anka wirkt anfänglich paranoid, schnell stellt sich aber heraus, dass sie sich sehr gut auf ihre Instinkte verlassen kann. Des Öfteren dachte ich mir: ok, das ist jetzt aber unglaubwürdig, jedoch schafft es die Autorin sehr gut, die Vorkommnisse nachvollziehbar aufzuklären und immer wieder für neue Überraschungen zu sorgen. Der Schreibstil ist sehr eingänglich, sodass sich das Buch sehr schnell lesen lässt. Sehr schön und ein zusätzlicher Spannungsmoment ist die Erzählperspektive: größtenteils werden die Vorkommnisse um Anka geschildert, einige Kapitel jedoch verfolgen einzelne Momente des Täters: so können wir erahnen, weshalb er zu dem geworden ist, was er ist, ohne über lange Zeit jedoch zu wissen, wer er tatsächlich ist. Zudem wird man immer wieder in die Vergangenheit geschickt, um auch genauer zu erfahren, was mit Anka passierte. Im Laufe der Zeit kommen die Erlebnisse von Izzy, Ankas bester Freundin, die ebenfalls eine entscheidende Rolle in dem Thriller spielt, hinzu.

Grundsätzlich braucht man beim Lesen wirklich gute Nerven, denn es ist äußerst spannend, das Tempo ist hoch und die Art, wie der Täter mordet ist wirklich sehr, sehr grausam. Auch wird Tierquälerei nicht ausgelassen, was mich immer besonders erschüttert. Das führte auch dazu, dass ich das Buch etliche Male weglegen musste, obwohl ich grundsätzlich schon einiges gewohnt bin. Insgesamt war mir das Tempo auch etwas zu rasant, ich hätte es angenehm empfunden, wenn man sich zwischendurch auch einmal erholen hätte können. Das ist aber natürlich Geschmacksache.

Mein Fazit: Blutwild ist ein rasanter und höchst spannender Thriller, der mit vielen unerwarteten Wendungen aufwarten kann. Für meinen persönlichen Geschmack war das Tempo teilweise zu hoch, denn es ist kein Platz für eine Atempause. Zudem greift der Täter auf enorme Grausamkeiten zurück, die den Magen flau werden lassen. Leseempfehlung für alle, die eine hohe Spannungs- und Grausamkeitstoleranz haben und sich beim Lesen verausgaben möchten.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Nüchtern persönlich

Luft zum Leben
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In Helga Schuberts "Luft zum Leben - Geschichten vom Übergang" lesen wir 38 verschiedene Texte der renommierten Autorin, manche wurden bereits andernorts veröffentlicht, viele finden in diesem Erzählband ...

In Helga Schuberts "Luft zum Leben - Geschichten vom Übergang" lesen wir 38 verschiedene Texte der renommierten Autorin, manche wurden bereits andernorts veröffentlicht, viele finden in diesem Erzählband ihre erste Publikation.

Die Texte sind unterschiedlich was ihre Länge und ihre Themenwahl betrifft, aber allesamt sind sie sehr persönlich. Wir lesen über ihre Familie, ihr Schriftstellerinnen-Dasein, Schicksalsschläge, das Leben in der DDR, erahnen politische Haltung und emotionale Achterbahnfahrten, auch wenn diese nur äußerst nüchtern betrachtet werden.

Um ehrlich zu sein: mit vielen der Texte konnte ich nichts anfangen, mir fehlte zu vielen Themen der Bezug, beispielsweise wenn sie über ihr Schriftstellerinnentum berichtet. Und auch wenn manche Themen interessant waren, fand ich den Schreibstil zu nüchtern, fand keinen Zugang. Lediglich wenn Schubert über das Fremde schreibt, die Beobachtungen, die sie hatte, wenn sie in den Westen reisen durfte, empfand ich sowas wie Emotionalität und es entstanden entsprechende Bilder in meinem Kopf. Dies geschah auch bei zwei Erzählungen, von denen ich einigermaßen begeistert war: Einerseits "Knoten" - ein Text über familiäre und persönliche Krebserkrankungen, der hinter der nüchternen Fassade Emotionalität hervorschauen, die Krankheit und den Umgang damit reflektieren ließ, verknüpft mit Sinnbildern, die der Geschichte abstrakten Raum geben. Der zweite Text: "Die Diktatur ist die Täterin. Oder?!". Hier verarbeitet Schubert ihr Verhältnis zum Regime der DDR, setzt ihre eigene Akte ein, die über sie geführt wurde und hält ihre Standpunkte fest, ihre Gedanken zur Partei. Hier ist sie explizit politisch, zeigt, wie unmöglich es war, der Partei genüge zu tun. Zwar ist die Sprache auch hier nüchtern und kaum emotional, aber sie gibt Einblick in ein Stück Zeitgeschichte, dessen Miterleben eng korsettiert war. In dem namengebenden "Luft zu Leben" berichtet die Autorin über ihr Muttersein, ein für mich eher verstörender Text, der "das Kind" mehr als Sache als ein Spross aus eigenem Fleisch und Blut erscheinen lässt.

Zweifelsohne ist Helga Schubert eine literarische Erzählerin, sie konnte mich im Gesamten aber nicht abholen, auch wenn einzelne Texte in Erinnerung bleiben werden. Wer sich schon intensiver mit der Autorin beschäftigt hat und den nüchternen Erzählstil mag, könnte von "Luft zum Leben" begeistert sein.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

In den Gedanken der willenlosen Männer

Vaim
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Eline nimmt sich die Männer, wie sie sie braucht. Erst Jatgeir, dann Olav, den sie aber immer nur Frank nennt, dann wieder Jatgeir und genau: sie landet wieder bei ihrem Frank. Aber so genau wissen wir ...

Eline nimmt sich die Männer, wie sie sie braucht. Erst Jatgeir, dann Olav, den sie aber immer nur Frank nennt, dann wieder Jatgeir und genau: sie landet wieder bei ihrem Frank. Aber so genau wissen wir das alles nicht, wird die punktlose Geschichte doch rein aus der Innenschau von Männern erzählt wird: Kapitel 1 folgt Jatgeir, Kapitel 2 Elias - ein Freund des erstgenannten, dem Eline mutmaßlich einen Keil in die Freundschaft mit Jatgeir getrieben hat, Kapitel 3 aus Olavs Sicht. Sie alle scheinen wehrlos gegen die dominante Frau, nur: Abwehrhaltung sieht anders aus.

Literaturpreisträger Jon Fosse liefert mit "Vaim" den ersten Teil einer Trilogie, der einen sofort vereinnahmt, sei es durch die atemlose Erzählweise ohne einen einzigen Punkt oder durch die rätselhafte Erscheinung einer Frau, der sich Männer schier ungefragt unterordnen. Rätselhaft ist in "Vaim" vieles, so ganz durchschaut man nicht, was an Eline so besonders ist. Aber wahrscheinlich ist nicht sie die Besondere, sondern die Männer selbst - sie erscheinen über weite Strecken willenlos, schaffen es nicht, ihre Zweifel ordentlich zu artikulieren. Sie wirken gefangen in sich selbst und gefangen in gesellschaftlichen Werten und Normen, die es um jeden Preis zu erfüllen gilt. Da lässt sich Mann schon einmal - oder besser gesagt zweimal - einen benötigten Garn samt Nadel zu einem Wucherpreis aufschwatzen und obwohl der offensichtliche Betrug an ihm nagt, kann er doch sein Gesicht nicht verlieren und als Knauserer dastehen. Wenn einer so wissentlich übers Ohr gehauen wird, kann er sich dem mutmaßlichen Begehr einer Frau folglich keinesfalls entziehen.

Auf den ersten Blick könnte es so wirken, als wär die Frau das dominierende Feindbild, ein pechbehaftetes Schicksal, dem sich Mann nicht entziehen kann. Doch die Männer sind sich selbst Feind, lassen geschehen, lassen sich fremdbestimmen, zumindest mutet es so an. Denn wie eingangs erwähnt lernen wir das Zentrum der Männerwelt nur aus der männlichen Innenschau kennen und darin sind selbsterklärend viel patriarchal geprägte Weltbilder vorhanden. Das ist natürlich nur die eigene Interpretation, möglich und wahrscheinlich, dass es hierzu andere Sichtweisen gibt. Aber das ist das Schöne an diesem literarischen Text: er lässt viel Raum zur Interpretation, aber nicht zu viel, um auszuufern und dadurch unbefriedigt zu hinterbleiben. Vielmehr weiß man, dass es zwei weitere Teile geben wird, die eventuell weitere Andeutungen und Interpretationen liefern, um das Gesamtbild des bislang recht konturlosen, fiktiven Dorfes "Vaim" zu schärfen.

Es war mein erstes Buch (und sicher nicht das letzte), das ich von Literaturnobelpreisträger Fosse gelesen habe und ich liebe den punktlosen Stil, auch wenn es mir am Anfang schwer gefallen ist, nicht auf das Atmen zu vergessen, so rasant wirken die Gedankenströme des Erzählten, die eben nicht durch Punktsetzen begrenzt sind. Fosse hat es für mich vorzüglich geschafft, mich direkt in die Köpfe der Männer zu versetzen, direkt heimisch habe ich mich darin gefühlt ob der Intensität und Ausschweifungen ihrer Gedanken. Geschüttelt hätte ich sie gerne des Öfteren, hätte gerne nachgefragt, warum sie so schwach sind, warum es kein Aufbegehren gibt, wo denn überhaupt die Emotionen bleiben, den diese sind rar gesät. Fasziniert hat mich auch die Tatsache, dass der Text so zeitlos ist: Zeit spielt kaum eine Rolle, nur im Vergänglichen ist sie andeutungsweise zu finden, doch deren Bedeutung ist nicht wesentlich. Symbolik hingegen scheint für Fosse wichtig zu sein, es gibt wiederkehrende Motive wie einen Koffer, Gedankenkreisel, das Meer, Schiffe, Namen, denen man eine tiefere Bedeutung zuweisen könnte und anderes. Ich als Unfähige der Symboldeutung enthalte mich diesbezüglich einer Interpretation, kann mir aber vorstellen, dass diese für viele ein zusätzliches Schmankerl in dieser Lektüre sein könnte.

Mein Fazit: "Vaim" ist ein rasantes, mitreißendes Gedankenspiel eines Literaturnobelpreisgewinners, das den perfekten Raum zur Interpretation zulässt, ohne darin auszuufern. Die Geschichte ist trotz ihrer Rauheit und Einseitigkeit mitreißend und hinterlässt ein angenehmes Maß an Fragezeichen. Durch Vaim wurde ich Fosse-Fan und kann es kaum abwarten, die beiden Folgeteile zu lesen! Absolute Leseempfehlung und ein Highlight des Jahres 2025!

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Veröffentlicht am 31.12.2025

Inspirierende und heterogene Kurzaufsatzsammlung über das, was uns spaltet - und vielleicht wieder zusammenbringt

Polarisierung - Dialog - Perspektivwechsel
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Welch wunderbare Zusammenstellung vielfältigster Meinungen hat Autor Ralf M. Ruthardt hier zusammengetragen! Viele Stimmen sind hier vertreten: aus dem Gesundheitsbereich, der Bildung, dem IT- und AI-Sektor, ...

Welch wunderbare Zusammenstellung vielfältigster Meinungen hat Autor Ralf M. Ruthardt hier zusammengetragen! Viele Stimmen sind hier vertreten: aus dem Gesundheitsbereich, der Bildung, dem IT- und AI-Sektor, Wirtschaftswissenschaften, Politologie, Philosophie, Coaching, Kunst, Religion und so weiter. So unterschiedlich die Professionen, so unterschiedlich auch die Meinungen und Haltungen. Aber nicht nur - ebenso gibt es Beiträge, die wissenschaftliche Erklärungen liefern, andere, die Erfahrungswissen weitergeben. Es gibt Texte, die sehr konservativ sind, genauso wie linksgerichtete, wissenschaftsbasierte, objektivierte, aber auch emotionale, persönliche und manchmal nicht ganz nachvollziehbare Aufsätze. Und das ist nicht selbstverständlich: hier kommen Argumente aus den unterschiedlichen Wertehaltungen zu Wort. Das ist nicht immer leicht auszuhalten, aber umso mehr regt es an, die Perspektive zu wechseln, sich zu reflektieren, sich anzusehen: was stimmt für mich, was kann man gesellschaftlich gelten lassen, ändere ich vielleicht meine Meinung, überdenke ich Positionen neu oder fühle ich mich in dieser gefestigt und bestärkt?

Im Kern wollen alle das selbe: dazu aufrufen, einander zuzuhören, auch andere Meinungen gelten zu lassen, auf Dialog zu setzen, die Perspektiven zu wechseln. Es ist auch wenig die Sehnsucht vieler, als Gesellschaft wieder mehr zusammenzurücken, dem anderen wieder mehr Aufmerksam zu geben, das Uns in der Gemeinschaft zu finden. Die Kurzaufsatzband bietet ein geistiges Feuerwerk an Ursachen für Polarisierung, an Anregungen, was unsere Gesellschaft spaltet, was Lösungsansätze dagegen sein könnten.

Die Autor*innen sind allesamt Menschen aus dem gebildeten Milieu, was ich etwas schade finde, da Alltagswissen und -Erleben deshalb größtenteils ausgeblendet wird. Trotzdem kann ich dieses Buch nur allen ans Herz legen, die offen dafür sind, sich mit dem Status Quo unserer Gesellschaft zu befassen, die sich für andere interessieren und verstehen wollen. Die Anregungen, die ich mitnehmen konnte, sind vielfältig und ich habe mir eine riesige, inspirierende und nachdenklich stimmende Zitatesammlung mitgenommen - und werde ganz bestimmt noch oft zu "Polarisierung. Dialog. Perspektivwechsel." greifen, denn eines ist gewiss: es gibt nicht nur Schwarz und Weiß, sondern die Vielfältigkeit der Menschen glänzt in allen Farb- und Meinungsnuancen.

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