Cover-Bild Luft zum Leben
(5)
  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
  • Themenbereich: Biografien, Literatur, Literaturwissenschaft - Biografien und Sachliteratur
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 288
  • Ersterscheinung: 13.11.2025
  • ISBN: 9783423285131
Helga Schubert

Luft zum Leben

Geschichten vom Übergang | Helga Schubert neu entdecken – mit Erzählungen von den 1970er-Jahren bis in die Gegenwart

Vom Einverstandensein mit dem Leben – so, wie es ist

»Es gibt immer einen Ausweg in eine Rettung, es gibt immer einen Übergang in eine vorher unsichtbare unvorstellbare Lösung.«

Eine Frau flaniert in den frühen Achtzigerjahren nach Feierabend durch Ostberlin, weil sie einmal nicht als Erste zuhause sein möchte. In Moskau soll eine Schriftstellerin die Primaballerina Ulanowa portraitieren, wartet tagelang auf ein Treffen und erlebt dann Unverhofftes. Ein Kind atmet zum ersten Mal ein, eine Großmutter zum letzten Mal aus. Und eine Frau in den mittleren Jahren versucht, mit einer Krebsdiagnose umzugehen.
Von Sehnsucht und Fernweh, von Diktatur und innerer Freiheit, vom Menschsein und Menschbleiben erzählen diese Geschichten. So treffsicher, so lakonisch kann nur Helga Schubert dem Leben auf den Grund gehen.

»Helga Schubert ist eine Zuversichtsautorin.« Melanie Mühl, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Leicht heißt nicht leichtgewichtig; das spürt man am nächsten Morgen, wenn die Sätze von Helga Schubert nachhallen.« Claudia Ingenhoven, hr2

»Die Ausbeute eines langen unbeugsamen Lebens. Anrührend und unverwechselbar.« Klara Obermüller, Neue Zürcher Zeitung

Weitere Formate

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.11.2025

Spaziergänge, Sehnsucht, kleine Rettungen

0

Helga Schubert trifft einen mitten ins Morgengrauen und lässt einen gleichzeitig lachen und atemlos zurück. Diese Sammlung fühlt sich an wie ein Spaziergang durch Ostberlin mit offenem Kopf — mal lakonisch, ...

Helga Schubert trifft einen mitten ins Morgengrauen und lässt einen gleichzeitig lachen und atemlos zurück. Diese Sammlung fühlt sich an wie ein Spaziergang durch Ostberlin mit offenem Kopf — mal lakonisch, mal schneidend, immer genau. Geschichten über kleine Alltage, große Leiberfahrungen und die Art, wie Menschen an sich und an die Welt gewöhnen: selten war Wahrnehmung so unaufgeregt en detail. Da ist die Frau, die nach Feierabend flaniert, weil sie nicht als Erste zuhause sein will — ein kleiner Aufstand gegen Routinen, den man sofort versteht. Die Moskau-Erzählung zeigt, wie Warten zum Leben gerinnt; die Szene mit dem ersten Atemzug eines Kindes und dem letzten Ausatmen einer Großmutter sitzen so tief, dass man die Stille zwischen den Worten hören kann.

Humor hat hier nichts mit Klamauk zu tun, sondern mit scharfem Auge und milder Ironie. Schubert schreibt, als würde sie einem guten Freund einen Tipp geben, der zugleich tröstet und wachrüttelt. Die Kapitel sind kurz, aber wie kleine Fenster: man lehnt sich kurz raus, sieht etwas Unverhofftes, und geht weiter — bereichert. Nur selten wird eine Geschichte so melancholisch, dass sie fast klebrig wirkt, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Insgesamt ein Buch für Leute, die feine Beobachtungen mögen, keine Effekthascherei und trotzdem eine Portion Herzlichkeit erwarten. Wer kurzweilige, dennoch tiefe Literatur schätzt, findet hier Luft zum Atmen — und vielleicht ein kleines Rettungsseil fürs Herz.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.12.2025

Einblicke in ein langes Autorinnenleben

0

Für mich war der Erzählband "Luft zum Leben" das erste Buch der Schriftstellerin Helga Schubert, ich habe somit keinen Vergleich mit anderen Werken und beurteile hier allein diesen Erzählband.

Im Vorwort ...

Für mich war der Erzählband "Luft zum Leben" das erste Buch der Schriftstellerin Helga Schubert, ich habe somit keinen Vergleich mit anderen Werken und beurteile hier allein diesen Erzählband.

Im Vorwort schreibt die Autorin, dass sie sich wünscht, Menschen in ganz unterschiedlichem Alter und verschiedenen Lebenssituationen würden für sich etwas aus diesem Band mitnehmen können. Ich glaube, das ist tatsächlich so, denn in dem Buch finden sich Erzählschätze aus einem ganzen Leben. Die Autorin hat dafür sowohl schon einmal veröffentlichte als auch bisher unveröffentlichte Texte zusammengetragen und in eine einigermaßen chronologische Reihenfolge gebracht.

Es ist kein Buch zum Schnell-Durchlesen, da würde einem vieles entgehen. Wir erleben mit der Autorin verschiedene Situationen ihres langen Lebens mit: Zeiten, als sie als ganz junge Frau ungeplant mit ihrem Sohn schwanger wurde, ein weiteres Kind, das sie nicht bekommen hat, das Aufwachsen des Sohnes, ihre Sorge um ihn in der Zeit jugendlicher Rebellion, allgemeine Reflexionen über das Leben, eine Krebserkrankung in ihren 30ern und immer wieder verschiedene Situationen des Schriftstellerin-Seins in der DDR.

Insbesondere letzteres war für mich sehr interessant, da das Thema für mich in dieser Form neu war und ich überrascht war, wie viele Freiheiten Helga Schubert in ihrer Position als Schriftstellerin hatte, wie sie regelmäßig zu Literaturveranstaltungen in den Westen reisen konnte oder auch für einen Tagestrip aus Ostberlin in den Westen der Stadt. Bemerkenswert war für mich, wie gut sich die Autorin dem herrschenden politischen System anpassen und mit wenig Schwierigkeiten darin leben konnte, auch wenn sie sich insgeheim mehr Freiheit gewünscht hätte.

Vereinzelte Hinweise auf das, was in der DDR nicht möglich war, gibt es aber natürlich auch: einige der jetzt abgedruckten Texte durften damals nicht oder nur gekürzt erscheinen. Und in einer Geschichte erzählt sie davon, wie sie sich vor einer Kommission für einen ihrer Texte rechtfertigen muss und ihr geraten wird, ihre Beobachtungsgabe und Intelligenz lieber auf andere Themen zu fokussieren, als auf das politische System in der DDR.

Wenn man das Buch sorgfältig und mehrmals liest, fällt einem besonders auf, das die scheinbar für sich stehenden Texte durchaus so einige Bezüge zueinander haben und sich noch einmal eine differenziertere Erzählung ergibt, wenn man sie im Kontext miteinander betrachtet. Das zeigt sich an so einigen Themen, beispielsweise einmal, als es darum geht, dass Schreibende Informationen aus ihrem Umfeld verwenden und in ihre Texte einbauen: so erzählt die Autorin davon, dass sich jemand in einer ihrer Erzählungen mit der eigenen Familiengeschichte erkannt gefühlt hat - aber auch über den Verrat, den sie selbst empfunden hat, als sie sich selbst im Werk einer Schriftstellerkollegin auf unvorteilhafte und vielleicht in der DDR sogar potenziell nachteilige Art und Weise porträtiert und dadurch verraten gefühlt hat.

So ist es insgesamt ein vielseitiges Werk aus mal ganz kurzen, mal längeren Geschichten zu verschiedenen Aspekten des eigenen Lebens von Helga Schubert. Manches hätte ich vielleicht noch klarer einordnen können, wenn es dazu erläuternde Kommentare gegeben hätte oder wenn ich im Vorfeld schon mehr Bücher von der Autorin gelesen hätte. Und ein bisschen schade habe ich gefunden, dass der Zweitberuf der Autorin, die auch Psychologin und als solche therapeutisch tätig war, so gut wie gar nicht in den Erzählungen vorkam - doch auch dafür wird sie wohl ihre Gründe haben.

In Summe ist es ein interessanter Erzählband, den ich allen, die sich für diese Autorin oder auch speziell für das Schriftstellerin-Sein in der ehemaligen DDR interessieren, empfehlen kann.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.02.2026

Schön zusammengestellt

0

Im vorliegenden Buch sind Texte aus einem Lebenszeitraum von 65 Jahren versammelt, wie die Autorin im Vorwort schreibt. Darunter sind Erzählungen, Vorträge, Aufsätze und sogar WhatsApp-Nachrichten, was ...

Im vorliegenden Buch sind Texte aus einem Lebenszeitraum von 65 Jahren versammelt, wie die Autorin im Vorwort schreibt. Darunter sind Erzählungen, Vorträge, Aufsätze und sogar WhatsApp-Nachrichten, was eben so zusammenkommt in dem unglaublichen Zeitraum zwischen 1960 und 2025. Als Helga Schubert mit dem Schreiben anfing, war ich also noch nicht einmal geboren, man stelle sich das nur vor!

»Mit meinen Erzählungen wollte ich mich meiner Welt vergewissern.« (Seite 9)

Das Buch von Helga Schubert mit dem Titel »Der heutige Tag: Ein Stundenbuch der Liebe« hat mich vor ein paar Jahren begeistert und sehr berührt. Ich mochte ihre Art zu schreiben, die schöne Sprache und ihre Gedankengänge gefielen mir, sodass ich sehr gespannt war auf diese Sammlung ihrer Texte. Nicht alle konnten mich überzeugen, was bei einer solchen Fülle jedoch ganz natürlich ist, aber sprachlich ist auch dieser Band einfach toll. Meine unangefochtenen Favoriten waren das Gedicht »Lebenstopf« sowie ein Text mit dem Titel »Ein Opfer der Literatur«, weniger gefallen haben mir Texte, die so persönlich sind, dass diese für mich nicht ganz verständlich waren, weil mir da der Bezug fehlte und ein Zusammenhang sich nicht erschloss. Insgesamt aber ein schöner und lesenswerter Band. Vielen Dank.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 05.01.2026

Nüchtern persönlich

0

In Helga Schuberts "Luft zum Leben - Geschichten vom Übergang" lesen wir 38 verschiedene Texte der renommierten Autorin, manche wurden bereits andernorts veröffentlicht, viele finden in diesem Erzählband ...

In Helga Schuberts "Luft zum Leben - Geschichten vom Übergang" lesen wir 38 verschiedene Texte der renommierten Autorin, manche wurden bereits andernorts veröffentlicht, viele finden in diesem Erzählband ihre erste Publikation.

Die Texte sind unterschiedlich was ihre Länge und ihre Themenwahl betrifft, aber allesamt sind sie sehr persönlich. Wir lesen über ihre Familie, ihr Schriftstellerinnen-Dasein, Schicksalsschläge, das Leben in der DDR, erahnen politische Haltung und emotionale Achterbahnfahrten, auch wenn diese nur äußerst nüchtern betrachtet werden.

Um ehrlich zu sein: mit vielen der Texte konnte ich nichts anfangen, mir fehlte zu vielen Themen der Bezug, beispielsweise wenn sie über ihr Schriftstellerinnentum berichtet. Und auch wenn manche Themen interessant waren, fand ich den Schreibstil zu nüchtern, fand keinen Zugang. Lediglich wenn Schubert über das Fremde schreibt, die Beobachtungen, die sie hatte, wenn sie in den Westen reisen durfte, empfand ich sowas wie Emotionalität und es entstanden entsprechende Bilder in meinem Kopf. Dies geschah auch bei zwei Erzählungen, von denen ich einigermaßen begeistert war: Einerseits "Knoten" - ein Text über familiäre und persönliche Krebserkrankungen, der hinter der nüchternen Fassade Emotionalität hervorschauen, die Krankheit und den Umgang damit reflektieren ließ, verknüpft mit Sinnbildern, die der Geschichte abstrakten Raum geben. Der zweite Text: "Die Diktatur ist die Täterin. Oder?!". Hier verarbeitet Schubert ihr Verhältnis zum Regime der DDR, setzt ihre eigene Akte ein, die über sie geführt wurde und hält ihre Standpunkte fest, ihre Gedanken zur Partei. Hier ist sie explizit politisch, zeigt, wie unmöglich es war, der Partei genüge zu tun. Zwar ist die Sprache auch hier nüchtern und kaum emotional, aber sie gibt Einblick in ein Stück Zeitgeschichte, dessen Miterleben eng korsettiert war. In dem namengebenden "Luft zu Leben" berichtet die Autorin über ihr Muttersein, ein für mich eher verstörender Text, der "das Kind" mehr als Sache als ein Spross aus eigenem Fleisch und Blut erscheinen lässt.

Zweifelsohne ist Helga Schubert eine literarische Erzählerin, sie konnte mich im Gesamten aber nicht abholen, auch wenn einzelne Texte in Erinnerung bleiben werden. Wer sich schon intensiver mit der Autorin beschäftigt hat und den nüchternen Erzählstil mag, könnte von "Luft zum Leben" begeistert sein.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.12.2025

Was ich wollte an Liebe, Wärme, Bildern, Erinnerungen, Fantasien, Sonaten

0

Helga Schubert hatte mich mit ihren Büchern „Vom Aufstehen“ und auch „Der heutige Tag“ sehr berührt und begeistert. Daher war ich sehr erfreut über ihre Neuveröffentlichung „Luft zum Leben“. In dieser ...

Helga Schubert hatte mich mit ihren Büchern „Vom Aufstehen“ und auch „Der heutige Tag“ sehr berührt und begeistert. Daher war ich sehr erfreut über ihre Neuveröffentlichung „Luft zum Leben“. In dieser Kurzgeschichtensammlung sind 29 verschiedene alte und neue Texte enthalten, die ihr ganzes Leben umfassen; manche der Geschichten sind bisher unveröffentlicht.

„Denn ich habe mir in meinem langen Leben alles einverleibt, was ich wollte an Liebe, Wärme, Bildern, Erinnerungen, Fantasien, Sonaten. Es ist alles in diesem Moment in mir. Und wenn ich ganz alt bin, vielleicht gelähmt und vielleicht blind, und vielleicht sehr hilfsbedürftig, dann wird das alles auch noch immer in mir sein. Das ist nämlich mein Schatz.“

Besonders beeindruckt haben mich in dieser Sammlung vor allem die bisher unveröffentlichte Geschichte „Das fast weggeworfene Kind“, der 1991 bereits erschienene Text „Als 51-jähriges eigentlich ungewolltes Kind“ sowie die Kurzgeschichte „Frauenwürde“ (ebenfalls bisher unveröffentlicht); hier zeigt sich ganz besonders Helga Schuberts großes Talent zum Schreiben!

„Das fast weggeworfene Kind
[...]
Er sammelt alles, wirft kaum etwas weg. Will alles retten und reparieren.
[...]
Einmal gab er mir die Lebenserinnerungen seiner Mutter zum Lesen. Sie hatte unter der Überschrift »In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott über Dir Flügel bereitet« besonders die beschwerliche Flucht mit ihren Kindern im Zweiten Weltkrieg beschrieben.
Mit ihm war sie nach dem Krieg schwanger. Aber sie wusste nicht, dass sie Zwillinge in sich trug.
Als sie seinen Bruder geboren hatte, fühlte die Hebamme noch einen Rest im Bauch, und tatsächlich war da noch ein zweites Kind: er.
Die Hebamme holte diesen unvermuteten zusätzlichen Menschen in die Welt und schlug der Mutter vor, ihn wegzuwerfen. Es sei etwas nicht zusammengewachsen. Aber die Mutter, die schon ein Kind zu Hause hatte, sagte: Nein, ich will ihn sehen, mit nach Hause nehmen.

So überlebte er schon von Anfang an.
Und sieht in allem fast Weggeworfenen das Heile.“

Helga Schubert lässt uns teilhaben an ihrem schon langen Leben, nimmt uns mit in ihre persönlichen Gedanken und Erlebnisse, neuere und ältere aus der ehemaligen DDR:
„Ich habe für mein Geschriebenes weder im Gefängnis gesessen noch eine Geldstrafe zahlen müssen.
Ich wollte dieses System nämlich nicht ändern, sondern ich wollte es überhaupt nicht haben.
Ich glaube, das hat mich geschützt.“

Sprachlich ist das Buch eindeutig herausragend, wie von Helga Schubert gewohnt. Aber inhaltlich hatte ich hier wohl etwas anderes erwartet. Mich konnte das Buch leider emotional nicht so stark berühren wie z.B. „Vom Aufstehen“, vielleicht war meine Erwartungshaltung so gesehen zu hoch.
Ich konnte bis auf ein paar Highlights also leider nicht so viel wie erhofft mitnehmen aus dieser Geschichtensammlung, weshalb ich schweren Herzens leider nur 3 Sterne vergebe.
Dennoch hoffe ich, bald wieder etwas von Helga Schubert lesen zu dürfen!

Herzlichen Dank an den dtv Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere