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Veröffentlicht am 13.01.2026

Hat mich leider nicht erreicht

Die letzten Tage
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Der Kreisleiter Johann Braun errichtet ein höchstpersönliches Standgericht, es ist April im Jahr 1945, die letzten Tages des Zweiten Weltkrieges sind angebrochen, die Rote Armee steht quasi vor der Tür. ...

Der Kreisleiter Johann Braun errichtet ein höchstpersönliches Standgericht, es ist April im Jahr 1945, die letzten Tages des Zweiten Weltkrieges sind angebrochen, die Rote Armee steht quasi vor der Tür. Es werden Menschen abgeurteilt, mit denen er oder einer seiner Helfer eine Rechnung offen haben, Junge, Alte, Unschuldige, Personen, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren oder an denen ihnen etwas nicht passt. Wegen diesem Mordregime wird den Beteiligten etwas später der Prozess gemacht.

»Du bist ein halbes Kind. Sie haben dich nicht durchsucht. Sie haben dich aufgegriffen und in der Arrestbaracke eingesperrt. Sie haben deine Angst gesehen, sie mussten dich nicht durchsuchen. Dich und deine Angst. Sie war das Einzige, das dir geblieben ist.« (Seite 9)

Anhand von Gerichtsakten und anderen Unterlagen dokumentiert Martin Prinz einen ungeheuerlichen Vorgang aus den letzten Kriegsjahren, er zeigt auf, wie die Täter vorgingen und sich später herausredeten, keiner von ihnen stand zu seiner Schuld. Auf diesen Tatsachenroman hatte ich mich sehr gefreut, bin aber leider nicht warm geworden mit der Geschichte. Dies lag in erster Linie an dem Aufbau des Buches, der mehr als außergewöhnlich gewesen ist. Die Sprache trocken, für mich unzugänglich, veraltet, die Chronologie mir zu sprunghaft, stellenweise verstand ich gar nicht, was gemeint war. Für Leserinnen und Leser historischer Literatur sicherlich eine Bereicherung, für mich leider eher nichts.

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Veröffentlicht am 10.01.2026

Vom Loslassen und Festhalten

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Güstrow, Mai 1945: Die 14-jährige Marlen versteckt sich in der Schublade einer Kommode vor russischen Soldaten. Die Malerin Wilma, die ihr dabei geholfen hat, nimmt das junge Waisenmädchen bei sich auf. ...

Güstrow, Mai 1945: Die 14-jährige Marlen versteckt sich in der Schublade einer Kommode vor russischen Soldaten. Die Malerin Wilma, die ihr dabei geholfen hat, nimmt das junge Waisenmädchen bei sich auf. In ihrem Versteck findet Marlen ein Porträt, das sie an sich nimmt. Jahrzehnte später, Berlin 2023: Hannah Borowski wird plötzlich und unerwartet von ihrem Vater kontaktiert, den sie nicht kennt. Angeblich haben Hannahs Mutter und Großmutter das so gewollt.

Nach »Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid« und »Bei euch ist es immer so unheimlich still« legt Alena Schröder mit dem vorliegenden Buch, das wieder einen ungewöhnlichen Titel trägt, den Abschluss ihrer Trilogie vor. Ich kenne das erste Buch nicht, bin in der Mitte eingestiegen und habe nun mit dem Ende weitergemacht. Wenn man sich die Klappentexte anschaut, könnte es egal sein, in welcher Reihenfolge man die Bücher liest, ich hatte jedenfalls beim Lesen des mittleren Teils nicht das Gefühl, dass mir Informationen fehlen, was hier ebenfalls nicht der Fall war. Ich kann nicht sagen, ob es ratsam gewesen wäre, vor dem Abschluss das erste Buch zu kennen, schließlich zieht sich die Geschichte des auch hier thematisierten Bildes durch alle drei Bände.

Wie bereits der zweite Teil, lässt auch dieser Roman mich nach dem Lesen restlos begeistert zurück. Auf zwei Zeitebenen und mittels verschiedener Perspektiven führt die Autorin durch die Geschichte und lässt mich durch kleine Hinweise Dinge wissen, die ihren Figuren verschlossen bleiben. Dies führt zu einer gewissen Intimität, die mich berührt und manches mal ein Taschentuch brauchen lässt. Die komplexe Geschichte und der feine Humor ergänzen sich wunderbar und hinterlassen fast ein Gefühl der Leere, als das Buch ausgelesen ist. Großartig!

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Höllisch gut!

The Puppet Master
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Der Selbstmord eines Mannes gibt DCI Cara Elliot Rätsel auf, die Umstände scheinen mehr als verdächtig. Als ein weiterer Selbstmord hinzukommt, werden sie und ihre Mitarbeiter stutzig, die ersten Ergebnisse ...

Der Selbstmord eines Mannes gibt DCI Cara Elliot Rätsel auf, die Umstände scheinen mehr als verdächtig. Als ein weiterer Selbstmord hinzukommt, werden sie und ihre Mitarbeiter stutzig, die ersten Ergebnisse der Ermittlungen geben ihnen recht. Das Team der Major Crimes Unit arbeitet fieberhaft, kann den nächsten Todesfall aber nicht verhindern. Anscheinend ist ein Serienmörder am Werk und er ist noch lange nicht fertig.

»Als Mordermittler bekommt man im Leben vielleicht einen Serienmörder - und sie hat jetzt schon zwei. Drei, wenn man die Geschehnisse vom letzten Jahr dazuzählt, wobei sie die Ermittlungen nicht geleitet hat.« (Seite 131)

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den dritten Teil der Major Crimes Unit-Reihe, die bedauerlicherweise bisher nicht vollständig übersetzt worden ist. Der erste Band »The Echo Man« erscheint hierzulande im Herbst 2026, worüber ich mich nun leider nur mäßig freuen kann, denn im vorliegenden Buch wurden nicht nur Einzelheiten der Ermittlung gespoilert, sondern auch verraten, wer die Täterperson war. Auch die Lösung des zweiten Falles wird thematisiert, allerdings in einem Nebensatz, sodass dies leicht übersehen werden kann. Wer auf unfassbar spannende, einfalls- und wendungsreiche, brutale Thriller mit interessanten Beteiligten steht, greift hier zu, fängt allerdings am besten direkt von vorne an, um sich nicht um das Vergnügen zu bringen, mitraten und mitfiebern zu können. Diese Buchreihe ist übrigens so phänomenal gut, dass ich die Neuerscheinung im Herbst lesen werde, obwohl ich weiß, wer die Täterperson gewesen ist.

War ich beim ersten Band begeistert, bin ich es hier nicht weniger. Der Thriller hat das perfekte Maß an Brutalität, die Todesfälle sind ungewöhnlich und die Ermittlung spannend. Die privaten Beziehungen der beteiligten Personen ergänzen das Gesamtbild, auch hier hat die Autorin es perfekt umgesetzt, nicht zu übertreiben, was persönliche Dinge angeht. Das hohe Level an Spannung konnte bis zur letzten Seite gehalten werden und eine kleine Anmerkung in der Danksagung lässt mein Herz höher schlagen, wenn ich an die Fortsetzung denke, die dringend auf die Übersetzung wartet und Großes verspricht. Ich freue mich drauf!

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Chronik eines Verrats

Die Verlorene
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Als Lauras Großmutter Änne nach einem Sturz bewusstlos im Krankenhaus liegt, fällt ihr auf, dass sie so gut wie nichts über Änne weiß, obwohl diese oft von ihrer Kindheit während der Kriegsjahre in Schlesien ...

Als Lauras Großmutter Änne nach einem Sturz bewusstlos im Krankenhaus liegt, fällt ihr auf, dass sie so gut wie nichts über Änne weiß, obwohl diese oft von ihrer Kindheit während der Kriegsjahre in Schlesien erzählt hat. Trotz Einwände ihrer Mutter fährt Laura nach Polen, um den ehemaligen Gutshof der Familie zu suchen und mehr über die Vergangenheit zu erfahren. Dabei findet sie Unglaubliches heraus.

»Sie war stur, manchmal so mürrisch, dass man nicht mehr mit ihr reden konnte, meistens aber auf ruhige Art fröhlich, sie lachte nie laut, sondern gluckste immer nur leise vor sich hin. Sie war gutmütig und freundlich, eine Großmutter wie alle Großmütter. Laura hatte ihr Früher nicht wahrgenommen.« (Seite 185)

Meine Großmutter lebte in Schlesien, weder als Kind, noch später als Erwachsene war mir klar, was das bedeutet. Auch verstand ich nicht, warum in ihrem Haus eine alte Frau wohnte, die von allen nur verächtlich »Niemka«, was auf Polnisch deutsche Frau heißt, geschimpft wurde und über die allerhand gruselige Geschichten erzählt wurden, die selbstverständlich alle erfunden waren, wie mir meine Oma dann irgendwann verriet. Daran erinnerte ich mich beim Lesen sowie insbesondere an ein schwarzweißes Foto, das meine Oma wie einen Schatz gehütet hat, auf dem ein junger Mann zu sehen war in einer Uniform. Es war nicht mein Großvater auf dem Bild und obwohl meine Oma mir nie verraten hat, was es mit dieser Fotografie auf sich hat, wusste ich trotzdem schon damals mit Bestimmtheit, dass sie ihn geliebt hat, diesen unbekannten Mann auf dem Bild. Auch im vorliegenden Buch fängt alles mit einem Foto an, das zu Spekulationen und Fragen führt sowie dazu, dass Laura sich auf den Weg macht, um mehr über die Geschichte ihrer Familie herauszufinden.

Mit diesem Buch habe ich mein erstes Jahreshighlight für dieses Jahr gefunden. Dieses Buch ist Drama, Tragödie, Bericht über Kriegstraumata, Familiengeschichte und eine Prise Krimi in einem. Auch wenn es zu Beginn wegen der Zeitsprünge sowie der vorgestellten Personen für mich ein bisschen verwirrend war, entfaltete es bald einen Sog, dem ich mich bis zuletzt nicht entziehen konnte. In kleinen Schritten verriet die Autorin, was damals geschehen ist, sie füllte die Seiten mit Fiktion, die so nah an der seinerzeitigen Realität lag, dass es wehtat, manche Stellen zu lesen. Auf oberflächliche Effekthascherei wurde genauso verzichtet wie auf unnötige Beschreibungen von Gräueltaten, allerdings machte die Andeutung dieser das Grauen der damaligen Zeit nicht minder klein. Früh hatte ich einen Verdacht, den die Autorin aber kurz darauf zerstreuen konnte, wobei sich dieser letztendlich als zutreffend erwies, was dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch tat. Sogar auf den letzten Seiten konnte mich Miriam Georg mit Enthüllungen überraschen, ich klebte an den Seiten, wie eine Motte am Licht. Das sehr emotionale Finale ließ erneut die ein oder andere Träne fließen, und das Nachwort enthielt Informationen, die das Gelesene abgerundet haben. Große Leseempfehlung gibt es dafür von mir.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Wunderschön illustriert

Katzentage
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Als die Bahn streikt, stranden die Kollegen Paula und Peter in einer fremden Stadt. Seit längerer Zeit gibt es eine Anziehungskraft zwischen ihnen, nun wird sich zeigen, ob diese bei der unfreiwilligen ...

Als die Bahn streikt, stranden die Kollegen Paula und Peter in einer fremden Stadt. Seit längerer Zeit gibt es eine Anziehungskraft zwischen ihnen, nun wird sich zeigen, ob diese bei der unfreiwilligen Auszeit weiterhin Bestand haben wird.

»Es prickelte, so zu tun, als seien sie ein Paar. Als hätten sie gemeinsame Rituale. Auf der einen Seite sich darüber lustig zu machen und auf der anderen Seite auszuprobieren, wie es sich anfühlte. Mit dir, Paula. Mit dir, Peter.« (Seite 25)

Ich muss zugeben, ich bin ein wenig enttäuscht von der Geschichte, die überwiegend ein fast schon peinlicher Balz-Tanz zwei erwachsener Menschen voller Selbstzweifel ist. Sie möchte am liebsten die Devise von Harald Juhnke umsetzen, der einst sagte: »Meine Definition von Glück? Keine Termine und leicht einen sitzen«. Er hingegen nach einer miteinander verbrachten Nacht das Eheversprechen erhalten. Es gibt zwar einige vielversprechende Ansätze, die aber letztendlich nicht umgesetzt werden. Die Illustrationen von Florian Bayer hingegen sind eine Augenweide und der Grund dafür, dass meine Bewertung nicht ins bodenlose fällt. Die wunderschönen Bilder ergänzen die Erzählung und bereichern diese. Insgesamt eine nette Kurzgeschichte für zwischendurch, passend und perfekt bebildert.

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