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Veröffentlicht am 19.08.2026

Spione unter sich

Hinter dem Nebel
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Man findet den Schriftsteller Johan Oskarsson erhängt vor, die Polizei geht von Selbstmord aus. Ein Autorenkollege und früherer Freund glaubt jedoch nicht daran und fängt an, die Arbeit von Oskarsson, ...

Man findet den Schriftsteller Johan Oskarsson erhängt vor, die Polizei geht von Selbstmord aus. Ein Autorenkollege und früherer Freund glaubt jedoch nicht daran und fängt an, die Arbeit von Oskarsson, der zuletzt an einer Biographie über die berühmte schwedische Autorin Ingrid Klinga geschrieben hat, zu überprüfen. Die Recherchen führen in die 1950er Jahre, sie betreffen schwedische Nachrichtendienste und legen Praktiken offen, die bis heute heikel sind. Und sie betreffen Menschen, die gegen ihren Willen beteiligt waren, ihre Seele verkauft haben und dadurch traumatisiert wurden oder sind.

»Hinterher versucht sie, sich einzureden, dass dies der Wendepunkt war, der Augenblick, in dem ihr Entschluss fiel. Aber wann beginnt Verrat? Verrat hat keinen Anfang. Seine Wurzeln lassen sich in die Tiefe verfolgen, doch niemals bis zum Ursprung. Nur tiefer.« (Seite 135)

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den vierten Teil der Halland-Krimireihe, alle Bände können unabhängig voneinander gelesen werden. Diesen Teil empfand ich etwas aus der Reihe gefallen, denn politische Themen interessieren mich nicht beziehungsweise nur, wenn sie für die Geschichte wichtig, aber nicht hauptsächlich sind. Vordergründig sind hier zwar die zwischenmenschlichen Beziehungen, aber die politische und besonders die Seite der Spionage und der Agenten nimmt einen großen Raum ein. Hinzukommt, dass die Sprünge zwischen Personen, Orten und Jahren für mich teilweise verwirrend waren, ich wusste an manchen Stellen nicht, wer gemeint ist und wo ich bin. Diese Geschichte verlangt volle Konzentration, was schwierig ist, wenn ein Thema nicht interessiert.

Der vierte Teil der tollen Halland-Krimireihe lässt mich insgesamt zwiegespalten zurück. Die Art und Weise der Erzählung gefällt mir, die politische Komponente allerdings nicht. Es gab viele Stellen, die mich völlig gefesselt haben, andere wiederum überhaupt nicht. Ich erfreue mich also an den vielen großartigen Zitaten, die ich mir markiert habe, und warte geduldig, bis es weitergeht.

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Veröffentlicht am 17.08.2026

Das Dorfleben

Mirabellentage
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Der Ortspfarrer Josef ist tot, er starb plötzlich und unerwartet, Mitten in der Nacht verließ er die Welt. Seine Haushälterin Anna hat keine Zeit zum Trauern, vieles muss organisiert werden und ein neuer ...

Der Ortspfarrer Josef ist tot, er starb plötzlich und unerwartet, Mitten in der Nacht verließ er die Welt. Seine Haushälterin Anna hat keine Zeit zum Trauern, vieles muss organisiert werden und ein neuer Pfarrer ist bereits auf dem Weg. Dazu muss die Asche von Josef unbemerkt aus dem Ort geschmuggelt werden, schließlich wollte dieser eine Beerdigung am Meer. Seine Haushälterin versprach ihm eine Seebestattung, aber wie die Reise zu bewerkstelligen ist mit ihrem Mofa, das weiß sie noch nicht. Wie gut, dass in der Garage der Mercedes des Pfarrers steht, allerdings sind die Fahrstunden Jahrzehnte her und Gelegenheit zum Fahren gab es seither nicht. Es folgen Reisevorbereitungen, die - genauso wie die Fahrt - unterbrochen werden von Erinnerungen und Anekdoten, das Dorf und seine Menschen betreffend.

»Er war ja gerade mal siebenundfünfzig. Außerdem hat er in letzter Zeit sogar ab und an Sport gemacht, also, wenn man Spazierengehen mit Skistöcken so nennen will.« (Seite 24)

Vor einer Weile konnte mich die Autorin mit ihrem Debütroman »Mühlensommer« restlos begeistern, nun war ich sehr gespannt auf das Nachfolgewerk. Auch im vorliegenden Buch gibt es Zeitsprünge, die Erinnerungen an vergangene Zeiten nehmen viel Raum ein, dazu kommt ein Humor, der die Geschichte auflockert. Tatsächlich habe ich letzteres nicht erwartet, bin nämlich kein Fan von lustigen Büchern. Dennoch kann ich sagen, dass ich angenehm überrascht darüber bin, wie gut der Humor zur Geschichte passte. Eine Erzählung über das Dorfleben, die Menschen, Freundschaft und dass man seine Träume ausleben soll. Ich empfehle Taschentücher, da man Tränen lachen wird. Viel Spaß dabei!

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Veröffentlicht am 15.08.2026

Großer Lesespaß

Weiße Westen, schwarze Nächte
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Es sind die 1960er Jahre, Hedy Voss, Meisterin der Verkleidung, ist ziemlich verzweifelt, weil die Versorgung ihrer Schwester sehr kostspielig ist. Gut, dass sie auch eine Meisterin im Einbrechen ist, ...

Es sind die 1960er Jahre, Hedy Voss, Meisterin der Verkleidung, ist ziemlich verzweifelt, weil die Versorgung ihrer Schwester sehr kostspielig ist. Gut, dass sie auch eine Meisterin im Einbrechen ist, einem zuverlässigen Hehler inklusive. Als sie eines Tages ein Notizbuch findet, in dem brisante Dinge stehen, ahnt sie nicht, dass sie dieses in Lebensgefahr bringen wird, als ihre Schwester Elsa auf die dumme Idee kommt, den Eigentümer zu erpressen.

Der erste Fall für die Meisterdiebin Hedy Voss konnte mich wunderbar unterhalten, das Ruhrgebiet der 1960er Jahre kenne ich zwar nicht persönlich, aber die im Buch erwähnten Stadtteile, Straßen und Bauwerke, die seinerzeit noch gar nicht fertiggestellt waren, natürlich schon. Die Welt der Spionage ist mir ebenfalls bekannt, sodass es eine Freude war, zu lesen, wie gut die Autorin echte Menschen und Begebenheiten in die Geschichte eingebunden hat. Die Überschneidung mit der Hauptfigur aus der parallelen Buchreihe hat mich zusätzlich begeistert und ich bin sehr gespannt darauf, wie es mit der ein bisschen zwielichtigen, aber auch taffen und sympathischen jungen Frau weitergeht. Ich freue mich drauf!

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Veröffentlicht am 05.08.2026

Verlassen und geborgen

Laute Nächte
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»Irgendwo habe ich gelesen, dass manche Menschen bereits mit fünfundzwanzig sterben, aber erst mit fünfundsiebzig beerdigt werden. Ich war neunzehn, als ich gestorben bin.« (Seite 301)

Kenni flieht nach ...

»Irgendwo habe ich gelesen, dass manche Menschen bereits mit fünfundzwanzig sterben, aber erst mit fünfundsiebzig beerdigt werden. Ich war neunzehn, als ich gestorben bin.« (Seite 301)

Kenni flieht nach einem persönlichen Verlust nach Wien, dort wohnt er in einer Wohngemeinschaft zusammen mit Elif und Julia bei Paul, ein weiterer Mitbewohner kommt später hinzu. Gefangen zwischen Trauer und einem Neuanfang fühlt er sich wie ein führerloses Boot auf dem Meer, verarbeitet den Tod seiner Freundin schlecht und trifft miese Entscheidungen, die zu einem Bruch führen. Zehn Jahre später gibt es ein Wiedersehen der vier früheren Freunde, es folgt eine laute Nacht. Wieder vergehen Jahre, bis es ein erneutes Treffen gibt.

»Wir hatten so viele Nächte zusammen, laute und solche, die leise waren. Die jedenfalls so schienen. Doch rückblickend waren sie die lautesten von allen. Und diese Nacht reiht sich nahtlos ein. Eine Nacht, an deren Anfang ich ein anderer war.« (Seite 196)

Dieses Buch handelt von Trauer, dem Tod, dem Verlust und dem Umgang mit ihnen. Es handelt aber auch von Liebe, der ersten, der großen, der vergangenen und der zukünftigen. Einer Liebe, die nimmt, ohne zu geben, und einer, die gibt, ohne zu fragen, was sie als Gegenwert bekommt. Es handelt von Freundschaft, von Hoffnung und Heilung, der Weg zur letzteren ist steinig und schwer. Diese Geschichte ist anstrengend und federleicht, diese Geschichte ist eine der schlimmsten und schönsten zugleich.

»Ich glaube, Erkenntnis ist der schrecklichste Schlag von allen, tausend Fäuste, die einen gleichzeitig treffen.« (Seite 301)

Jedes Buch von Anne Freytag ist anders, jedes ein eigenes Universum, ein anderer Bereich. Dieses jedoch hat mich bereits auf den ersten Seiten mitten ins Herz getroffen, mich seufzen lassen, mich dermaßen berührt, dass es weh tat, aber es war ein schönes Gefühl. So viele Sätze, die ich am liebsten einrahmen würde, findet man selten - trotz Trauer und Schmerz. Am Ende war ich fast unglücklich darüber, dass es vorbei war, aber auch überglücklich, dass ich dabei gewesen bin. Es war einfach wunderschön.

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Veröffentlicht am 03.08.2026

Hat mir gefallen

Drei Frauen
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Drei Frauen leben unter einem Dach, Großmutter, Mutter und Tochter, die auch Enkelin ist. Die sechzigjährige Gesuina pfeift auf ihr Alter und auf die Konventionen, solange sie lebt, will sie das Leben ...

Drei Frauen leben unter einem Dach, Großmutter, Mutter und Tochter, die auch Enkelin ist. Die sechzigjährige Gesuina pfeift auf ihr Alter und auf die Konventionen, solange sie lebt, will sie das Leben genießen und dabei nicht prüde sein. Ihre Tochter Maria liebt Bücher, in der Literatur fühlt sie sich wohl. Ihren Freund sieht sie nur alle paar Monate, wenn sie gemeinsam in den Urlaub fahren, ansonsten schreiben sie sich Briefe, ganz altmodisch mit der Hand. Ganz anders Lori, Tochter und Enkelin, die noch zur Schule geht und rebelliert. Das Zusammenleben bekommt erste Risse, als ein Mann die Bühne betritt.

»Der lächerliche Franzose ist da, der bei näherem Hinsehen gar nicht so lächerlich wirkt, mon amour sieht richtig gut aus und Mama umschwärmt ihn, ist über beide Ohren verliebt.« (Seite 53)

Ein Jahr und einen Monat lang habe ich die drei Frauen begleitet, jede von ihnen hatte viel zu berichten, ein paar Überschneidungen gehörten dazu. Es war interessant, wie unterschiedlich gleiche Situationen interpretiert wurden, einem Voyeur gleich hörte ich bei allen dreien fasziniert hin. Die Kapitel sind mit dem jeweiligen Datum versehen, aber wer gerade erzählte, kristallisierte sich erst beim Lesen heraus. Die Großmutter nutzte dafür ein Diktiergerät, die Tochter wählte die Briefform und die Enkelin das gute alte Tagebuch. Eine ungewöhnliche Geschichte, die mich amüsiert und gut unterhalten hat, bis ein Verrat zur Tragödie führte und das Drama seinen Lauf nahm. Nah am Leben und schmerzhaft, drei Generationen und ich mittendrin. Gerne schaue ich mir nun weitere Bücher der mir bisher unbekannten Autorin an.

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