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Veröffentlicht am 16.05.2026

Von Kunst und Liebe

Im Licht der Lofoten
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Anfang der 1930er Jahre reist die schwedische Malerin Anna Boberg (1864-1935) in ihre einsam gelegene Hütte auf den Lofoten, um dort endlich ein Kunstwerk zu erschaffen, das ihr die bisher ausgebliebene ...

Anfang der 1930er Jahre reist die schwedische Malerin Anna Boberg (1864-1935) in ihre einsam gelegene Hütte auf den Lofoten, um dort endlich ein Kunstwerk zu erschaffen, das ihr die bisher ausgebliebene Anerkennung in ihrer Heimat bringen soll. Das von ihrem Mann, dem berühmten Architekten Ferdinand Boberg, gebaute Atelier hilft Anna jeden Winter dabei, die raue Schönheit der Arktis und das besondere Licht dort auf die Leinwand zu bringen. Sie ahnt, dass diese Reise ihre letzte sein könnte.

»Je tiefgehender ich diese Häfen, diese Fjorde, diese sich ins Meer stürzenden Felsen ergründete, desto mehr bestätigte sich das Gefühl, verstärkte es sich sogar. Nach und nach begann diese Landschaft in mir zu wirken. Ich musste sie malen. Dringend.« (Seite 11)

Um Kunst und Liebe ging es im Buch, wobei die Kunst in erster Reihe stand, die Liebe blieb immer ein bisschen dahinter. Das Porträt der Malerin Anna Boberg von Sophie Van der Linden animierte mich beim Lesen dazu, mehr über diese herauszufinden. Über eine Frau, die Hosen trug, rauchte und in ungehöriger Weise Grenzen überschritt, die damals für Frauen galten. Die schwedische Künstlerin war und ist für ihre Landschaftsmalerei bekannt, sie erschuf Bilder, die wirklich faszinierend sind. Leider konnte mich das vorliegende Buch nicht so begeistern, wie es die Werke von Anna Boberg vermochten, ich habe es zwar gerne gelesen, aber der berühmte Funke wollte einfach nicht überspringen auf mich. Dennoch eröffnete es mir einen Weg in eine besondere Welt. Danke dafür.

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Veröffentlicht am 13.05.2026

Die Feinde deiner Feinde

Tief
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»An manchen Tagen hasste er seinen Job, und ab morgen würde er auch diesen Strand hassen. Er war vergiftet mit einer Erinnerung an tote kleine Kinderaugen, die den Himmel anstarrten.« (Seite 20)

Ein kleiner ...

»An manchen Tagen hasste er seinen Job, und ab morgen würde er auch diesen Strand hassen. Er war vergiftet mit einer Erinnerung an tote kleine Kinderaugen, die den Himmel anstarrten.« (Seite 20)

Ein kleiner Junge wird am Ufer des Bodensees entdeckt, eine Botschaft wurde auf seinem Körper hinterlassen. Kommissar Heinzle fängt an zu ermitteln und gerät unter Zeitdruck, als das nächste Opfer auftaucht. Da ist es nicht hilfreich, dass sich der Verfassungsschutz einschaltet, der Informationen zurückhält und ziemlich mauert. Gegen alle Widerstände ermittelt Heinzle weiter und stößt bald auf eine Spur, die in ferne Länder führt.

Seit ich vor Jahren das erste Buch von Rebekka Moser gelesen habe, fiebere ich einem weiteren Werk der sympathischen Autorin entgegen. Nun war es endlich soweit und zu meiner großen Freude beinhaltet dies auch ein Wiedersehen mit dem großartigen Kommissar Heinzle aus dem ersten Buch mit dem Titel »UNTEN«, auf das nun »TIEF« folgt. Man muss das vorherige Buch nicht gelesen haben, um dieser Geschichte folgen zu können, allerdings würde man sich dann um einen Thriller bringen, der mich damals vor lauter Begeisterung ausflippen und extra Sternchen vergeben ließ. Ich meine ja nur.

Ziemlich schnell war ich mitten im Geschehen drin, erlebte Unbegreifliches, spürte Trauer und Schmerz, war entsetzt und erschüttert, kochte vor Wut und verzweifelte wegen mancher Situation. Dies hatte ich mit Heinzle gemeinsam, der gegen Windmühlen zu kämpfen schien, wie einst Don Quijote. Der Fall war hart, zimperlich darf man nicht sein, wenn es um ein totes Kind geht, das versprach bereits der Klappentext. Insgesamt war dies ein kluger, vielschichtiger, voller Überraschungen steckender Thriller, der für mich keine Wünsche offen ließ. Trotz der schweren Thematik gab es einige amüsante Momente, die die tragische Geschichte etwas leichter ertragen ließen. Das Ende war perfekt und ich hoffe sehr, dass eine Fortsetzung nicht wieder Jahre auf sich warten lässt. Fünf Sterne mit Sternchen, das hatten wir schon, deswegen sind es an extra Sternchen nun doch lieber zwei. Danke für die wunderbare Unterhaltung!

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Veröffentlicht am 11.05.2026

Gefangen im Nichts

Abendlied
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Emily, Arlene, Kitzi und Susie sind Freundinnen, sie kümmern sich umeinander und auch um die Menschen in ihrer Umgebung - sie nennen sich selbst den Humpty Dumpty Club, eine Selbsthilfeorganisation von ...

Emily, Arlene, Kitzi und Susie sind Freundinnen, sie kümmern sich umeinander und auch um die Menschen in ihrer Umgebung - sie nennen sich selbst den Humpty Dumpty Club, eine Selbsthilfeorganisation von und für alte Frauen, der weitere Freundinnen und Bekannte angehören. Ob Fahrten zum Krankenhaus, Besuche zu Hause oder Beerdigungen, die geplant werden müssen, zusammen meistern sie jede Situation. Als ihre Anführerin Joan eine Treppe runterfällt, müssen neue Planungen her, aber auch diese Hürde meistern die Frauen vorbildlich. Eine Geschichte über Freundschaft, das Altern und den Zusammenhalt einer Gemeinschaft.

»Die Frage war, was sie anziehen sollten. Inzwischen gab es so selten besondere Anlässe, die nicht mit einer Beerdigung verbunden waren, und obwohl das Requiem schwermütig war, war es auch ein Konzert, der Höhepunkt im Herbstprogramm der Calvary Church.« (Seite 146)

Seit ich vor vielen Jahren den Erstlingsroman von Stewart O’Nan mit dem Titel»Engel im Schnee« gelesen habe, warte ich Jahr für Jahr sehnsüchtig auf ein neues Buch des Autors. Er ist ein wunderbarer Erzähler, der faszinierende Geschichten erfindet. Voller Vorfreude begann ich sein neuestes Buch, das mich allerdings ziemlich enttäuscht zurücklässt. Dabei klang die Story so vielversprechend: vier Frauen gehören einem Club an, der dazu da ist, sich umeinander zu kümmern, was besonders im Alter eine wichtige und tolle Angelegenheit sein dürfte. Schon nach den ersten Seiten war ich ein bisschen irritiert und nach einigen Kapiteln regelrecht desillusioniert. Diese Erzählung war so banal, dass ich kaum glauben kann, dass sie von einem meiner Lieblingsautoren stammt. Bis zum Schluss wartete ich darauf, dass sich das Blatt wendet, dies passierte aber leider nicht. Bedauerlicherweise kann ich diesmal keine Leseempfehlung aussprechen, lediglich auf seine vorherigen Werke hinweisen, die allesamt großartig waren.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Großartige Unterhaltung!

Das Antiquariat am alten Friedhof
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In der Bücherstadt Leipzig schwänzen die vier Freunde Felix, Vadim, Julius und Eddie, alle Söhne aus gutem Hause, ihr Studium, und gründen lieber den »Club Casaubon«, um ihrer Leidenschaft für Literatur ...

In der Bücherstadt Leipzig schwänzen die vier Freunde Felix, Vadim, Julius und Eddie, alle Söhne aus gutem Hause, ihr Studium, und gründen lieber den »Club Casaubon«, um ihrer Leidenschaft für Literatur nachzugehen. Hierzu gehören auch Diebestouren, bei denen sie okkulte Bücher stehlen, um diese zu verkaufen. Als die rätselhafte Eva zu ihnen stößt, bekommen sie ein Angebot, das sie nicht ausschlagen können. Diesmal aber geht alles schief und kurz darauf sind die Freunde auf der Flucht. Fünfzehn Jahre später, im Jahr 1945, arbeitet Felix als Bibliothekar für die Amerikaner. Diese Arbeit führt ihn nun auch nach Leipzig, wo er einen geheimnisvollen Mann verhören soll, der nur mit ihm sprechen will. Bald findet sich Felix mitten in einem Machtkampf, der seinen Ursprung in den Geschehnissen vor fünfzehn Jahren hat.

Der vierte Teil der Buchreihe über die Geheimnisse des Graphischen Viertels in Leipzig lässt mich begeistert zurück. Auf zwei Zeitebenen erzählt Kai Meyer, was geschehen ist, dabei verflechtet er Wirklichkeit und Fiktion, erschafft vor meinen Augen ganze Welten, wie dies sonst nur ein Film zu tun vermag. Das Wiedersehen mit einigen Figuren aus den vorherigen Bänden tut ihr übriges, um mein Entzücken zu steigern. Mein dritter Ausflug ins Leipzig der Vor- und Nachkriegsjahre hat damit meine Erwartungen weit übertroffen. Die Geschichte der Bücherdiebe nebst der einer großen, aber unerfüllten Liebe konnte mich von der ersten Seite an fesseln, mir spannende Lesestunden schenken und die Vorfreude auf den nächsten Teil der unterhaltsamen Reihe mehr als steigern. Dies ist eine Form der Erzählkunst, die einfach meisterlich ist. Ich liebe es!

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Veröffentlicht am 05.05.2026

Rasante Fortsetzung

Die Farm der Mädchen
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Zwei Frauen auf der Flucht, beide sind hochschwanger, sie laufen durch den Wald, um ihren Verfolgern zu entkommen. Kurz darauf wird ein totes Baby entdeckt, von der Mutter aber fehlt jede Spur. Die Polizistin ...

Zwei Frauen auf der Flucht, beide sind hochschwanger, sie laufen durch den Wald, um ihren Verfolgern zu entkommen. Kurz darauf wird ein totes Baby entdeckt, von der Mutter aber fehlt jede Spur. Die Polizistin Hannah Wester, die nach einer einjährigen Abwesenheit zurück im Dienst ist, stürzt sich in die Ermittlungen. Bald gibt es Parallelen zu einem zurückliegenden Fall, die einen ungeheuerlichen Verdacht aufkommen lassen.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den zweiten Teil der Buchreihe mit der Polizistin Hannah Wester, den ersten Band mit dem Titel »Wolfssommer« fand ich phänomenal gut. Obwohl ein Jahr vergangen ist, schließt dieses Buch fast nahtlos an die zurückliegenden Ereignisse an, sodass ich empfehlen würde, die Reihenfolge einzuhalten. Wer dies nicht möchte, profitiert von den beiläufig erwähnten Erklärungen, ein vollständiges Bild aber bekommt nur, wer den Reihenauftakt gelesen hat. Es lohnt sich!

Endlich durfte ich die Fortsetzung lesen, endlich gab es ein Wiedersehen mit Haparanda in Schweden, Hannah und ihren Kollegen sowie auch zwielichtigen Personen, allen voran die Auftragskillerin, die bereits im ersten Teil eindrucksvoll bewiesen hat, wie eiskalt und empathielos sie agiert. Viel zu schnell war ich mit dem Buch durch, gefühlt in wenigen Stunden war es zu Ende, und ich bin begeistert, wie spannend, komplex und wendungsreich auch dieser Thriller gewesen ist. Der Fall wurde abgeschlossen, geht aber weiter, und wer wissen möchte, wie das gemeint ist, macht sich am besten selbst ein eigenes Bild. Ich genieße noch ein wenig den Rausch der letzten Stunden und koste die Vorfreude aus darauf, was da noch kommen wird. Dies ist ein unbeschreibliches Gefühl!

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