Wie kann ein Neuanfang gelingen?
Lass uns tanzen, Fräulein LenaLena Buth. das Flüchtlingsfräulein aus Pommern, ist in Niebüll angekommen. Doch als Vertriebene, als Rucksackfräulein, hat sie bescheiden und demütig zu sein, etwas, dass ihr zusehends schwer fällt. Ihre ...
Lena Buth. das Flüchtlingsfräulein aus Pommern, ist in Niebüll angekommen. Doch als Vertriebene, als Rucksackfräulein, hat sie bescheiden und demütig zu sein, etwas, dass ihr zusehends schwer fällt. Ihre Freundschaft mit Rainer kommt auch nicht voran. Ihr Lichtblick: die Aussicht, ihre Mutter und ihre große Schwester zu sich und ihrer kleinen Schwester Margot holen zu können. Doch die Vergangenheit ist nicht so vergessen, wie sie gern sein soll....
Der Titel kommt so leicht daher, doch die Handlung hat es in sich. Die Autorin schafft es perfekt, das Gefühl der Zeit einzufangen und etwas, dass sicherlich überall vorkam, im Kleinen zu konzentrieren. Die Vorbehalte und das abgrenzende Verhalten den Vertriebenen gegenüber, die NS-Ideologie, die noch in einigen Köpfen vorherrscht, das Vergessen wollen (wunderbar durch das Weißtünchen von Wänden verbildlicht) - alles sehr empathisch und authentisch geschildert. Es ist sogar so geschrieben, dass man Mitgefühl mit der Antagonistin bekommt, trotz aller Wut über ihr Verhalten! Der Stil ist wunderbar leicht und am liebsten hätte ich das Buch in einem Rutsch gelesen, musste es aber doch zwischendurch zur Seite legen, um kurz durch zu atmen - oft musste ich beim Lesen an meine Großmütter denken, die beide aus Schlesien fliehen mussten. Eine sehr bewegende Fortsetzung, die mich berührt hat und die mir sogar besser als Teil 1 gefallen hat.