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Veröffentlicht am 18.11.2024

Eine bewegende Geschichte über die Welt der Igel und übers Loslassen

Das Igel-Tagebuch
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„Das Igel-Tagebuch“ von Sarah Sands ist weit mehr als nur die Geschichte eines kleinen Igels, der an einem verregneten Oktobernachmittag gerettet wird – es ist ein liebevoll geschriebenes Werk über das ...

„Das Igel-Tagebuch“ von Sarah Sands ist weit mehr als nur die Geschichte eines kleinen Igels, der an einem verregneten Oktobernachmittag gerettet wird – es ist ein liebevoll geschriebenes Werk über das Leben, den Abschied und den Trost, den uns die Natur spenden kann. Sarah Sands nimmt uns mit auf eine persönliche und zugleich universelle Reise, die sich um Peggy, den geretteten Igel, dreht, aber ebenso um das Loslassen und den Umgang mit dem nahenden Verlust ihres pflegebedürftigen Vaters.

Das Buch beeindruckt durch seine facettenreiche Erzählung, die Naturkunde, Philosophie und sogar gesellschaftspolitische Themen aufgreift – immer in Bezug zum stacheligen Protagonisten. Sands gelingt es, die erstaunlichen Eigenheiten der Igelspezies mit fundierter Sachkenntnis und tiefem Respekt darzustellen. So erfahren wir beispielsweise, dass Igel während des Winterschlafs ihre Körpertemperatur drastisch auf zwei Grad absenken können, oder dass sogar der Philosoph Jacques Derrida den Igel als poetische Metapher verwendet hat. Der umfangreiche Rechercheaufwand, den die Autorin betrieben hat, zeigt sich am detaillierten Quellenverzeichnis, das ihren Text abrundet und das sachlich fundierte Wesen des Buches unterstreicht.

Stilistisch merkt man Sarah Sands journalistische Herkunft. Ihre Prosa ist klar, sachlich und doch berührend, wenn sie von persönlichen Ängsten, Trauer und der langsamen Annäherung an den Abschied spricht. Die nüchterne Sprache untermauert die Authentizität und Nachdenklichkeit der Geschichte, ohne je ins Sentimentale abzudriften.

Doch was das Buch auch sehr besonders macht, ist die Nähe, die es schafft – zu den Igeln und zur Natur an sich. Die Geschichte lädt dazu ein, sich mit der verletzlichen Schönheit der Welt um uns herum auseinanderzusetzen und Parallelen zwischen Mensch und Tier zu ziehen. Das Loslassen eines geliebten Menschen wird sensitiv thematisiert, und es zeigt sich, wie zerbrechlich und zugleich voller Hoffnung das Leben ist.

„Das Igel-Tagebuch“ ist eine bewegende Lektüre für alle, die sich mit Themen wie Abschied, Trost und der Verbindung zur Natur auseinandersetzen möchten. Es ist zugleich informativ und emotional berührend – eine Hommage an das Leben und die unvorhersehbaren Begegnungen, die es prägen. Ein Buch, das im Gedächtnis bleibt und dazu inspiriert, die kleinen Wunder des Alltags bewusster wahrzunehmen. Insgesamt ein Werk, das sowohl Sachbuchliebhaber als auch Naturfreunde und Menschen, die berührende persönliche Geschichten schätzen, begeistern wird.

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Veröffentlicht am 30.10.2024

Gelungener Episodenroman, der von der Macht unserer Muster erzählt

23 Leben
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„23 Leben“ von C. P. Haller ist ein außergewöhnlicher Episodenroman, der auf faszinierende Weise 23 Einzelschicksale miteinander verwebt. Die Protagonisten, die sich in einer Art Kettenreaktion nacheinander ...

„23 Leben“ von C. P. Haller ist ein außergewöhnlicher Episodenroman, der auf faszinierende Weise 23 Einzelschicksale miteinander verwebt. Die Protagonisten, die sich in einer Art Kettenreaktion nacheinander begegnen, erfahren dadurch Momente, die ihr Leben teils unbemerkt, teils drastisch verändern. C. P. Haller beweist dabei einen angenehmen, fließenden Schreibstil, der es leicht macht, die unterschiedlichen Charaktere und ihre jeweiligen Lebenswelten kennenzulernen und sich in ihre Erfahrungen und Gedanken hineinzuversetzen.

Bemerkenswert ist auch die Erzählweise der Autorin, die es schafft, sowohl psychologische Tiefe als auch eine leicht verständliche Handlung zu vereinen. Die kurzen Episoden formen ein dichtes Netzwerk von Begegnungen und Entscheidungen, die im Laufe des Romans zunehmend die Frage nach dem freien Willen und der Möglichkeit zur Veränderung aufwerfen. Im zweiten Teil des Buches nimmt die Autorin die Leser:innen mit auf eine psychologische Erkundungsreise: Kann der Mensch wirklich seine Muster durchbrechen und neue Entscheidungen treffen, oder bleibt er in seinem inneren Kreis gefangen, wiederholt die gleichen Erfahrungen und nimmt unbewusst Einfluss auf die Menschen um ihn herum? In umgekehrter Reihenfolge erlebt man die „23 Leben“ erneut – diesmal mit dem Fokus auf den psychologischen Spannungen und Veränderungen, die diesen Schicksalen innewohnen.

„23 Leben“ ist dabei nicht nur ein Roman über Schicksal und Entscheidungen, sondern auch eine Einladung an die Leser:innen, sich mit ihren eigenen Lebenswegen und den Entscheidungen, die sie selbst betreffen, auseinanderzusetzen. C. P. Hallers Stil ist gleichermaßen poetisch und präzise. Sie versteht es, komplexe Lebensthemen in zugängliche Geschichten zu verpacken und lässt die Leser:innen nachdenklich, aber auch hoffnungsvoll zurück. Der Roman ist eine echte Empfehlung für alle, die an den Schnittstellen zwischen Alltag, Schicksal und Psychologie interessiert sind.

Leider bekommt das Buch trotzdem nur 4 Sterne von mir, weil es nicht ordentlich lektoriert bzw. korrigiert wurde. Dafür kann die Autorin zwar nichts, aber mich haben die zahlreichen Fehler während der Lektüre doch ziemlich gestört.

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Veröffentlicht am 16.10.2024

Weihnachtsromantik trifft Tierschutz: Ein Wintermärchen mit Herz und Seele

Weihnachten mit Tony
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Weihnachten mit Tony von Stella Lucas bietet eine perfekte Mischung aus Winterwunder-Atmosphäre, romantischer Spannung und tierischer Wärme. Es ist ein toller Wohlfühlroman für die kalte Jahreszeit, der ...

Weihnachten mit Tony von Stella Lucas bietet eine perfekte Mischung aus Winterwunder-Atmosphäre, romantischer Spannung und tierischer Wärme. Es ist ein toller Wohlfühlroman für die kalte Jahreszeit, der Leserinnen und Leser in das verschneite Schottland entführt und gleichzeitig das Herz für eine besondere Tierart, die Wallabys, öffnet.

Die Geschichte spielt im malerischen Schottland, das während der (Vor-)Weihnachtszeit in tiefem Schnee versinkt und eine bezaubernde Kulisse für die Handlung bietet. Überaus sympathische Protagonisten kämpfen dort um die Rettung der dort lebenden Wallabys.

Wie so oft in Feel-Good-Romanen geht es um Hoffnungen, Träume und die große Liebe.

Die beiden Hauptfiguren des Romans, Carrie und Marc, struggeln mit typischen Beziehungsproblemen, Missverständnissen und der Angst, verletzt zu werden. Zahlreiche emotionale Ups and Downs fügen der ansonsten eher leichten, romantischen Handlung eine tiefere Ebene hinzu.

Was diesen Roman besonders auszeichnet, sind die insgesamt hervorragend gezeichneten Charaktere. Nicht nur Carrie und Marc sind von Anfang an echte Sympathieträger, die sofort mein Leseherz erobert haben. Unter anderem konnten mich auch Carries eigensinniger Vater Henry, der Hallodri Darren und die überaus liebenswerte Fanny überzeugen. Nicht zu vergessen Wallaby Tony und Kater Merlin.

Neben den klassischen Motiven der Liebe und des Neuanfangs spielt der Roman gekonnt mit Themen wie Authentizität und Verlustängsten. Die Rettung der Wallabys ist dabei mehr als nur eine Nebenhandlung – sie spiegelt auch Carries und Marcs emotionale Reise wider. Beide kämpfen auf ihre Weise um das, was ihnen wichtig ist. Die Tiere werden dabei zu Symbolfiguren für Verletzlichkeit, aber auch für Hoffnung und Neuanfänge. Das Schicksal der Wallabys und der Protagonisten sind eng miteinander verknüpft, was dem Roman eine ergreifende Tiefe verleiht.

Bemerkenswert ist die authentische Darstellung der Beziehungskonflikte. Im Gegensatz zu manch oberflächlichen Liebesgeschichten arbeitet die Autorin hier mit realen, emotionalen Problemen. So werden Verlustängste, Selbstzweifel und Kommunikationsprobleme sensibel und glaubwürdig behandelt. Dies macht es leicht, sich mit den Figuren zu identifizieren.

Stella Lucas versteht es meisterhaft, eine winterliche Atmosphäre zu schaffen, die Lust auf Kaminfeuer, heiße Schokolade und gemütliche Lesestunden auf dem Sofa macht. Das gesamte Setting erzeugt ein wohliges Gefühl der Geborgenheit. Und reichlich Wortwitz in Form knackiger Dialoge machen die Lektüre umso charmanter.

Kurzum, Weihnachten mit Tony ist ein herzerwärmender Winterroman, der nicht nur durch seine romantische Geschichte, sondern auch durch seine liebevoll gezeichneten Charaktere und die Tierschutz-Thematik überzeugt. Stella Lucas gelingt es, auch eher ernste Themen in eine hoffnungsvolle und positive Geschichte zu verpacken, die gleichzeitig unterhaltsam, berührend und tiefgründig ist. Die Rettung der Wallabys und die romantische Spannung zwischen Carrie und Marc sind wunderbar miteinander verwoben und machen diesen Roman zu einem absoluten Lese-Highlight.

Für alle, die sich nach einer gefühlvollen und bewegenden Geschichte sehnen, in der es um Liebe, zweite Chancen und die Rettung einer kleinen, pelzigen Gemeinschaft geht, ist dieser 5-Sterne-Roman die perfekte Wahl.

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Veröffentlicht am 25.09.2024

Matt Haig in Bestform

Die Unmöglichkeit des Lebens
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Eines vorab: Ich habe schon einige Bücher von Matt Haig gelesen und fand sie alle toll und lesenswert, aber „Die Unmöglichkeit des Lebens“ toppt alle. Dieses Buch ist wirklich ganz außergewöhnlich und ...

Eines vorab: Ich habe schon einige Bücher von Matt Haig gelesen und fand sie alle toll und lesenswert, aber „Die Unmöglichkeit des Lebens“ toppt alle. Dieses Buch ist wirklich ganz außergewöhnlich und hat mir in jeder Hinsicht sehr gut gefallen. Insbesondere die paranormalen und spirituellen Elemente haben mich sehr angesprochen. Kombiniert mit einer guten Portion Realität ergab sich ein guter Mix. Auch die Charaktere fand ich wundervoll gezeichnet. Speziell Grace mit ihrem Mathe-Faible konnte mich überzeugen. Über den Inhalt möchte ich sonst nicht viel sagen. Nur so viel: Es geht um Wunder, Hoffnungen und Neuanfänge. Die gesamte Storyline wirkt sehr stimmig, und so habe ich mich während der Lektüre bestens unterhalten gefühlt. Zahlreiche wirklich super formulierte Passagen habe ich mir markiert und bin jetzt schon gespannt, ob ich sie beim nächsten Lesen des Buchs noch genauso genial finden werde. Denn das ist jetzt schon sicher: Diese brillante Geschichte werde ich auf jeden Fall noch öfter lesen. Matt Haigs Art zu schreiben und zu erzählen, fand ich immer schon toll, aber hier erreicht sie ein neues Level. Fazit: 5 Sterne für ein besonderes, sehr berührendes Buch!

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Veröffentlicht am 17.06.2024

Ein Feel-good-Roman, der nicht nur Gartenfans ansprechen wird

Forgotten Garden
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In Sharon Goslings drittem Roman Forgotten Garden geht es um ein Gartenprojekt der besonderen Art. Protagonistin Luisa soll als Auftragsarbeit in Collaton, einem kleinen Ort an der englischen Küste, einen ...

In Sharon Goslings drittem Roman Forgotten Garden geht es um ein Gartenprojekt der besonderen Art. Protagonistin Luisa soll als Auftragsarbeit in Collaton, einem kleinen Ort an der englischen Küste, einen Garten anlegen und stößt zunächst auf einigen Widerstand seitens der Bevölkerung. Nur Lehrer Cas und die Schülerin Harper stehen ihr von Anfang an hilfreich zur Seite. Nach und nach beteiligen sich aber auch weitere Personen an dem Versuch, aus einem öden Stück Land einen prachtvollen Gemeinschaftsgarten zu gestalten. Jung und Alt und sehr verschiedene Charaktere finden mehr und mehr zusammen, bis es zu einem tragischen Zwischenfall kommt, der das gesamte Projekt in Frage stellt ... Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten ...

Forgotten Garden ist einer dieser Romane, die man nur ungern wieder aus der Hand legt, bevor man die letzte Seite gelesen hat. Ich habe die gesamte Geschichte an nur zwei Tagen gelesen und hatte währenddessen eine wundervoll kurzweilige Auszeit. Sharon Goslings Schreibstil ist sehr anregend und flüssig. Vor allem die spritzigen Dialoge haben mir sehr gefallen. Und auch das Setting fand ich großartig. Von allen Protagonisten konnte mich Harper am meisten überzeugen. Sie war die eigentliche Heldin des Romans. Ihrem Bruder Max hätte ich persönlich mehr „Profil“ gegeben, denn aus meiner Sicht ist er ein wirklich interessanter Charakter, und ich hätte gern mehr über ihn erfahren. Doch dies ist Kritik auf hohem Niveau.

Insgesamt hat mich Forgotten Garden bestens unterhalten. Ich denke, es ist ein toller Roman für die Sommerzeit, kann aber natürlich auch zu jeder anderen Jahreszeit gelesen werden. Wer nach einer nicht allzu anspruchsvollen Wohlfühl-Lektüre sucht, der wird diesen Roman auf jeden Fall mögen. Ich empfehle ihn gerne weiter!

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