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Veröffentlicht am 31.01.2025

Ein gelungener Mix aus Grusel-Fantasy und Humor,

The Hollow Places
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Schon auf den ersten Seiten wusste ich, dass mich T. Kingfishers Fantasy-Roman begeistern wird, denn der Tonfall hat genau meinen Geschmack getroffen. „The Hollow Places“ folgt der Protagonistin Kara, ...

Schon auf den ersten Seiten wusste ich, dass mich T. Kingfishers Fantasy-Roman begeistern wird, denn der Tonfall hat genau meinen Geschmack getroffen. „The Hollow Places“ folgt der Protagonistin Kara, die nach einem Beziehungsende von ihrem Onkel eingeladen wird, bei ihm zu wohnen. Er ist der Besitzer eines Wundermuseums, einem großartigen Ort voller skurriler Exponate und merkwürdiger Artefakte, die mir sofort Lust auf einen Besuch gemacht haben.

Kara zieht in eine kleine Kammer im Wundermuseum, erzählt ausgestopften Tieren von ihrem miesen Leben und hilft ihrem Onkel, der gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe ist. Als ihr Onkel ins Krankenhaus muss, entdeckt Kara einen Zugang zu einer Parallelwelt, einer Art Anti-Narnia, die den Besuchern an die Haut will. Zunächst erscheint die Welt recht schön. Wasser, Ruhe, kleine Inseln, auf denen viele Weiden stehen. Doch die Weiden sind nicht so freundlich, wie man annehmen sollte und dann gibt es auch noch ein unsichtbares Grauen, dass sich einen Spaß daraus macht, Menschen zu zerlegen und neu zusammenzusetzen – und das meine ich wortwörtlich.

Kingfisher hat mich in der Weidenwelt das Gruseln gelernt und ich war froh, dass Kara mich mit ihrem trockenen Humor durch die unheimlichen Ereignisse geführt hat. Dadurch konnte ich es ganz gut aushalten, wobei es wirklich ordentlich zur Sache geht. Ihr solltet über einen starken Magen verfügen. Zum Glück muss Kara nicht alleine in die fiese Weidenwelt. Ihr zur Seite steht der etwas schräge Simon, der Barista aus dem Nachbarcafé, den ich auch sofort mochte.

Karas Interaktion mit ihm sorgt für eine wunderbare Dynamik. Auf ihrem Feldzug gegen die wütenden Weiden bilden sie ein unschlagbares Team. Sie stellen sich ihren Ängsten, machen sich auch gerne mal über sie lustig und sind ein ungewöhnliches, aber letztlich stimmiges Team. Für einige Lacher sorgen die schlagfertigen Dialoge, was angesichts der bedrohlichen Schatten um die Protagonisten herum zu kleinen Verschnaufpausen führt. Ein tolles Buch zum Schaudern und Schmunzeln.

Fazit: „The Hollow Places“ ist ein gelungener Mix aus Grusel-Fantasy und Humor, angereichert mit großartigen Charakteren und einem faszinierenden Setting. Ich habe das Buch von der ersten Seite an geliebt und empfehle es sehr gerne weiter.

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Veröffentlicht am 30.01.2025

NIcht überzeugt

Alles gut
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"Alles gut" ist mehr als nur die Liebesgeschichte zwischen Jess und Josh, die bis zum Ende des Buches wie eine Achterbahn verläuft. Dafür sorgen auch ihre teils sehr konträren Ansichten. Die Autorin Cecilia ...

"Alles gut" ist mehr als nur die Liebesgeschichte zwischen Jess und Josh, die bis zum Ende des Buches wie eine Achterbahn verläuft. Dafür sorgen auch ihre teils sehr konträren Ansichten. Die Autorin Cecilia Rabess baut zudem Gesellschaftskritik, (Alltags)Rassismus und Gleichberechtigung der Geschlechter ein.

Ihre Schwarze Protagonistin Jess muss sich nicht nur gegen Männer zur Wehr setzen, die sie an ihrer Arbeitsstelle von oben herab behandeln, sondern auch gegen Männer, die Dinge sagen wie „Mädchen wie dich“ (wobei es um die Hautfarbe geht).
Viele Zeitsprünge

Der Roman springt immer wieder den Zeiten, mal geht es in Jess‘ Kindheit, dann in ihre Studienzeit, dann wieder in die Gegenwart (und auch hier springt es oft hin und her). Diese vielen Sprünge gepaart mit dem Schreibstil haben leider dafür gesorgt, dass mir Alles gut nicht wirklich nahe kam. Zwischendurch haben mir einige Szenen ganz gut gefallen und ich dachte „jetzt hat sich der Knoten gelöst“, doch schon nach ein paar Seiten spürte ich wieder, dass meine Konzentration schwand.

„Du machst mich so glücklich“, sagt sie. Josh sagt: „Glück kommt nicht von außen. Es muss von innen kommen“, und als Jess die Augen verdreht, lächelt er und fügt hinzu. „Aber so oder so, du machst mich auch glücklich.“ (Zitat Seite 55)

Zusätzlich zu den bereits genannten Punkten konnten mich auch die Protagonisten nicht richtig von sich überzeugen, sie blieben mir fremd, irgendwie unnahbar, wie der Schreibstil. Und so kann ich trotz der behandelten wichtigen Themen und einiger recht guter Szenen leider keine wirkliche Empfehlung aussprechen.

Fazit: "Alles gut" ist eine Liebesgeschichte, die wichtige Themen wie Gleichberechtigung und Rassismus behandelt. Leider bleiben mir die Charaktere fremd und der Schreibstil konnte mich nicht abholen.

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Veröffentlicht am 30.01.2025

Ein großes Lesevergnügen

The Stranger Times
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The Stranger Times ist eine Zeitung, die sich mit den Nachrichten auseinandersetzt, die die anderen (seriösen) Zeitungen links liegen lassen, z. B. UFO-Sichtungen, Begegnungen mit Nessi, vom Teufel besessenen ...

The Stranger Times ist eine Zeitung, die sich mit den Nachrichten auseinandersetzt, die die anderen (seriösen) Zeitungen links liegen lassen, z. B. UFO-Sichtungen, Begegnungen mit Nessi, vom Teufel besessenen Toiletten – halt das ganz normale Unnormale. Verrückt, also noch verrückter, wird es, als plötzlich die Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten, doch passieren.
Der Chefredakteur dieses Blattes ist Vincent Banecroft, ein Typ den niemand gern als Chef haben möchte. Er brüllt ständig alles und jeden an, schießt gerne mal wahllos mit einem altertümlichen Gewehr um sich und hält nichts von Körperhygiene. Auch deshalb (oder wohl vor allem deshalb) hat die Zeitung nur wenig Personal.

Neu dabei ist Hannah, die gerade ihrem untreuen Ehemann das Haus abgefackelt hat und dringend Geld braucht. Obwohl der Rest der Belegschaft glaubt, dass Hannah schnell die Segel streichen wird, kommt sie jeden Tag aufs Neue in die Redaktion, die übrigens in einer ehemaligen Kirche untergebracht ist.

Im Erdgeschoss steht die monströse Druckerpresse, die für den Zeitungsdruck scheinbar keine externe Energie benötigt und von einem Typ bedient wird, der außer weißer, bodenlanger Dreadlocks nichts trägt. Herz der Zeitung ist Grace, die den Empfang managt und darauf achtet, dass Banecroft nicht mehr als nötig flucht, was diesem sehr schwer fällt. Außerdem gibt es die beiden Redakteure Ox und Reggie sowie Stella, von der eigentlich niemand so richtig weiß, was sie macht und die immer zeitgleich in ihr Handy und ein Buch guckt.
Allein diese bunt gemischte Truppe sorgt schon für kuriose Szenen. Dazu kommt aber noch die eigentliche Handlung, in der ein Untier auf Menschenjagd geht, allerlei Magie im Spiel ist und noch mehr verrückte Leute auftreten. Wie die Magie funktioniert, wird nicht großartig erklärt – die Menschen fuchteln halt irgendwie mit ihren Händen in der Luft rum. Und aus irgendeinem Grund werden die Menschen in Typ 2, Typ 7 etc. eingeteilt, was aber auch nicht weiter erklärt wird. Gestört hat es mich nicht, es passt zum Stil des Buches. Außerdem gehe ich davon aus, dass es weitere Erklärungen im nächsten Band gibt.

Wie wahrscheinlich deutlich geworden ist, ist „The Stranger Times“ ein sehr witziges Buch. Aber Humor ist ja immer so eine Sache, manche mögen es subtil, andere lieben es ins Gesicht. C. K. McDonnell ist ein ehemaliger Stand-up-Comedian und das merkt man dem Fantasy-Krimi-Roman auch an. Der Humor ist zudem very british – das sollte man mögen, bevor man zu dem Buch greift. Meinen Humor-Nerv trifft es auf jeden Fall. Mehr als einmal fühlte ich mich an Jasper Fforde oder Terry Pratchett erinnert. Die Wortgefechte, an denen dank seines furchtbaren Verhaltens natürlich oft Banecroft beteiligt ist, haben mir besonders gut gefallen. Ein Lob deshalb auch an den Übersetzer André Mumot. Was für ein Spaß.

Fazit: „The Stranger Times“ ist ein großes Lesevergnügen. Das Buch ist ein gelungener Mix aus Fantasy und Krimi, der bis zur letzten Seite mit seinen skurrilen Charakteren und witzigen Sprüchen unterhält. Ein grandioses, weil lustiges, rasantes und einfach komplett verrücktes Buch. Ich freue mich schon sehr auf die Fortsetzung(en).

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Veröffentlicht am 22.01.2025

Ein einfühlsamer Debütroman

9 Grad
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In „9 Grad“ geht es um Josie, die auf Wunsch ihrer schwer kranken Freundin Rena in winterlichkaltes Wasser begibt – und Gefallen daran findet. Mehr als das, es wird zu einer Obsession, hilft es ihr doch, ...

In „9 Grad“ geht es um Josie, die auf Wunsch ihrer schwer kranken Freundin Rena in winterlichkaltes Wasser begibt – und Gefallen daran findet. Mehr als das, es wird zu einer Obsession, hilft es ihr doch, sich selbst zu finden und sich zu fokussieren. Während des Kälteschwimmens geht es nur um sie, erst danach macht sie sich wieder Sorgen um ihre kranke Freundin, die möglicherweise stirbt, oder um ihre Beziehung zu Lee, der Depressionen hat und sich nicht immer so verhält, wie Josie es sich wünscht.

Josie führt mich als Ich-Erzählerin durch eine Geschichte, in der Themen wie physische und psychische Krankheiten behandelt werden. Es geht aber auch um den Druck, dem durch „manipulative Marketingstrategien“ idealisierten Körperbild (wie wahr!) zu entsprechen und das Unvermögen, sich in belastenden Situationen zu behaupten. Gelungen finde ich, dass Elli Kolb ihrer Hauptfigur authentische Gedanken in den Kopf setzt – auch, wenn sie nicht immer nett sind. Es ist doch natürlich, Wut über die schwere Krankheit der Freundin zu verspüren oder auch die depressiven Phasen des Freundes nicht nachvollziehen zu können. Während ich Josie durch ihre Gedanken recht nahe kam, blieben die Nebencharaktere leider etwas blass.

Großartig fand ich die Szenen mit dem Eisbaden. Elli Kolb beschreibt das Schwimmen im kalten Wasser so eindrücklich, teils poetisch, dass ich das Gefühl hatte, mit im Wasser zu sein. Ich habe die Kälte auf der Haut gespürt, wie sie in meine Poren eindringt, tief unter die Haut, mich ganz einnimmt.

„9 Grad“ ist ein einfühlsamer Debütroman, der zum Nachdenken anregt. Er erzählt von Freundschaft und Beziehungen, Leistungsdruck und Depression, aber auch von der Kraft, für sich selbst einzustehen und den eigenen Körper zu akzeptieren. Leider sind mir die Nebencharaktere nicht sehr nahe gekommen. Die starken Beschreibungen der Kältebäder waren hingegen ein Highlight.

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Veröffentlicht am 22.01.2025

Eine kraftvolle, berührende Geschichte

Bright Young Women
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Inspiriert von wahren Begebenheiten ist Jessica Knoll eine kraftvolle Geschichte gelungen. Das liegt vor allem an dem Fokus, den die Autorin gewählt hat. Sie hat sich dafür entschieden, einem weltweit ...

Inspiriert von wahren Begebenheiten ist Jessica Knoll eine kraftvolle Geschichte gelungen. Das liegt vor allem an dem Fokus, den die Autorin gewählt hat. Sie hat sich dafür entschieden, einem weltweit bekannten Serienmörder keine große Bühne zu bieten; sein Name fällt im gesamten Buch nicht ein einziges Mal. Stattdessen stellt die Autorin Frauen in den Mittelpunkt. Diese waren seine Opfer, wurden getötet oder haben überlebt, oder sie wurden auf andere Weise in den Dunstkreis seiner grausamen Taten gezogen. Die Protagonistinnen sind authentisch und vielschichtig. Sie zeigen die Herausforderungen, mit denen Frauen in einer von Männern dominierten Gesellschaft konfrontiert sind. Ihre Gefühle waren für mich immer greifbar.

„Bright Young Women“ hat mich durch seine vielfältigen Themen begeistert und sehr bewegt. Trauer und Verlust sind allgegenwärtig, und wie die Leben der Überlebenden aufgrund des Traumas belastet sind, war manchmal sehr bedrückend. Doch Jessica Knoll beschreibt die Trauer nicht nur als ein persönliches, sondern auch als kollektives Gefühl, dass die Frauen verbindet. Ganz stark zeigt die Autorin, wie die Geschichten von Frauen (gerade bei solchen Gewalttaten) ignoriert oder gar verzerrt werden (Stichwort: Ja warum hat sie sich auch so angezogen, kein Wunder, dass sie vergewaltigt/ermordet wurde.) Mich hat das Buch stellenweise so wütend gemacht. Der frauenhassende Mörder wird ins Rampenlicht gestellt und angehimmelt und die Frauen sehen sich teilweise extremen Anfeindungen entgegen. Ein doppeltes Leid. Furchtbar!

Jessica Knolls Umgang mit den wahren Ereignissen ist sehr gelungen. Sie schafft es, die Schwere dieser Taten zu vermitteln, gerät jedoch niemals in den Bereich der Sensationsgier. Zum Glück verzichtet die Autorin auch weitestgehend auf explizite Gewaltdarstellungen.

Das Ende hat mich noch einmal sehr berührt, und ich habe das Buch mit feuchten Augen beendet. „Bright Young Women“ ist ein großartiges Buch und ein absolutes Highlight.

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