Profilbild von Lese-Mops

Lese-Mops

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Lese-Mops ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lese-Mops über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.02.2025

Tiefgründige Familiengeschichte

Der Gott des Waldes
0

Die Familie Van Laar ist reich und benimmt sich auch so. Reiche Leute, denen es an Empathie mangelt, die denken, sie können sich alles erlauben (wobei sie leider oft auch recht behalten) und die selbst ...

Die Familie Van Laar ist reich und benimmt sich auch so. Reiche Leute, denen es an Empathie mangelt, die denken, sie können sich alles erlauben (wobei sie leider oft auch recht behalten) und die selbst ihre eigenen Familienangehörigen schlecht behandeln, kennen wir natürlich aus der Literatur. Doch obwohl das Thema nicht neu ist, sorgt u. a. Liz Moores präziser und mitreißender Stil dafür, dass ich „Der Gott des Waldes“ nicht aus der Hand legen kann.

Gelungen finde ich die verschiedenen Erzählperspektiven, die Liz Moore für ihren Roman gewählt hat. Sie lässt mich nicht nur in den Jahrzehnten hin- und herspringen (von den 1970ern geht es in die 50er und 60er und wieder zurück), sondern wechselt auch mit jedem Kapitel das erzählende Personal. So komme ich der Auflösung immer näher. Einer Auflösung, die mich überrascht und die ich nicht habe kommen sehen.

Besonders gut hat mir auch die Vielfalt der Themen gefallen. Das Thema „Familie“ ist an sich ja schon komplex, aber hier kommt auch noch die soziale Komponente hinzu. Die reichen Van Laars sind natürlich aus dem Schneider. Jegliche Verfehlungen ihrerseits – mögen sie auch noch so blutig sein – haben selten Konsequenzen – dafür haben sie ihre gut bezahlten Anwälte. Die weniger privilegierten Angestellten des Camps kommen da schon mal unter die Räder und müssen für Dinge ins Gefängnis, die sie nicht zu verantworten haben. Das macht wütend – aber Liz Moore schaut ja nur, wie es in der Welt zugeht. Und so ist es leider (fast?) überall. So ist „Der Gott des Waldes“ also nicht nur ein Roman, der mich auf perfekte Weise unterhalten hat, sondern er bewirkt auch, dass ich über verschiedene Dinge nachdenke. Gute Romane können so was.

Fazit: „Der Gott des Waldes“ ist eine tiefgründige Familiengeschichte mit vielschichtigen Charakteren und einem mitreißenden Stil. Darüber hinaus punktet Liz Moore mit literarischer Eleganz, unterhält und regt zum Nachdenken an. Ein großartiger Roman.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.02.2025

Ein Highlight

Umlaufbahnen
0

Samantha Harvey nimmt mich mit an einen ganz besonderen Ort, nämlich eine internationale Raumstation. Auf dieser treffe ich auf sechs Astronauten bzw. Kosmonauten aus Amerika, Japan, Großbritannien und ...

Samantha Harvey nimmt mich mit an einen ganz besonderen Ort, nämlich eine internationale Raumstation. Auf dieser treffe ich auf sechs Astronauten bzw. Kosmonauten aus Amerika, Japan, Großbritannien und Japan sowie Russland. Jeweils aus der Sicht eines der Protagonisten erlebe ich ihre Zeit im All.

„So einsam sind sie in ihrem um die Erde kreisenden Raumschiff und gleichzeitig einander so nah, dass ihre Gedanken, ihre individuellen Mythologien, bisweilen zusammenfinden.“ (Seite 7)

Schon mit diesem ersten Satz zieht mich die Autorin hinein in ihren klugen und wundervollen Roman, der mich mehr als einmal zum Taschentuch greifen lässt. Tief beeindruckt hat mich die Schönheit der Worte, die Samantha Harvey für ihr mit dem Booker Prize 2024 ausgezeichnetes Buch gewählt hat und die von Julia Wolf so grandios ins Deutsche übersetzt wurden.

Die poetische Sprache trägt mich durch das Buch und als wäre das nicht genug, verzaubert Harvey mit eindrucksvollen, sehr bildhaften Beschreibungen des Himmels, der unendlichen Weiten des Alls und den Aussichten auf die Erde. Das ist absolut faszinierend! Schon aufgrund der Schönheit der Sprache ist der Roman eine Empfehlung wert.

Als Leserin folge ich den Gedanken der Astronauten, die oft existenziell sind. „Was zur Hölle mache ich hier, in einer Blechbüchse im luftleeren Raum? Ein konservierter Mann in einer Konservendose. Zehn Zentimeter Titan trennen ihn vom Tod. Nicht einfach vom Tod, sondern von der Auslöschung, der völligen Nichtexistenz.“ (Seite 83)

Das berührt und macht nachdenklich. Neben den bewegenden Gedanken erlebe ich auch die Einsamkeit der Astronauten. Sie vermissen ihre Liebsten und dennoch wollen sie nirgendwo anders sein als im All.

Samantha Harvey erzählt davon, unaufdringlich, leise und sehr glaubwürdig. „Umlaufbahnen“ ist kein Science-Fiction-Roman, die Autorin hat für ihr Buch akribisch recherchiert und das merkt man ihm auch an. Ein Highlight!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.02.2025

Ein psychologischer Krimi

Die Frau des Serienkillers
0

Alice Hunters Thriller „Die Frau des Serienkillers“ verspricht Spannung und Nervenkitzel, denn wie schlimm kann es sein, herauszufinden, dass der eigene Mann ein Serienkiller ist?

Der Weg ist allerdings ...

Alice Hunters Thriller „Die Frau des Serienkillers“ verspricht Spannung und Nervenkitzel, denn wie schlimm kann es sein, herauszufinden, dass der eigene Mann ein Serienkiller ist?

Der Weg ist allerdings nicht ganz so nervenaufreibend, wie ich gedacht habe. Das Buch lässt sich zwar sehr flüssig lesen, doch die Geschichte entfaltet sich sehr gemächlich. Deshalb fiel es mir am Anfang schwer, am Ball zu bleiben. Dabei geholfen haben dann aber die vielen Cliffhanger und verstreuten Hinweise, die zu immer noch einem Kapitel führten. Irgendwann las sich Die Frau des Serienkillers dann doch sehr flott. Leider habe ich schon früh am Anfang vermutet, was Beth so umtreibt und diese Vorahnung hat sich bewahrheitet, was dafür gesorgt hat, dass die Spannung gemindert wurde.

Sowohl Beth als auch Tom waren recht unsympathisch, was aber angesichts ihres Werdeganges nicht weiter verwunderlich ist. Mit einem fiesen Schmunzeln habe ich Beths Weg verfolgt und ihre Konsequenz in Sachen Zukunft bewundert. Wie sie mit der Situation umgeht und ihrem Mann trotzt, fand ich insgesamt dann doch sehr unterhaltsam. Als Thriller würde ich das Buch dennoch nicht bezeichnen (nicht im Sinne blutiger/nervenaufreibender Spannung).

Fazit: „Die Frau des Serienkillers“ ist ein psychologischer Krimi über eine Frau, deren Ehemann sich als Serienkiller entpuppt. Einige vorhersehbare Wendungen und die unsympathischen Charaktere dämpfen etwas die Lesefreude. Insgesamt bietet das Buch aber eine unterhaltsame Geschichte über eine Frau, die ihre Zukunft selbst in die Hand nimmt – koste es, was es wolle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.02.2025

Märchenhaft und dramatisch

Der Blumensammler
0

Das Cover von „Der Blumensammler“ ist mir sofort aufgefallen. Ich liebe Blumen! Doch nicht nur das Äußere ist wunderschön, auch die Geschichte, die David Whitehouse hier erzählt, hat einiges zu bieten.

Der ...

Das Cover von „Der Blumensammler“ ist mir sofort aufgefallen. Ich liebe Blumen! Doch nicht nur das Äußere ist wunderschön, auch die Geschichte, die David Whitehouse hier erzählt, hat einiges zu bieten.

Der Beginn des Blumensammlers ist schon spektakulär, ein wirklich fantastischer Einstieg. So etwas habe ich lange nicht gelesen. Die Geschichte mit dem Wal mag für einige zu weit hergeholt sein, doch der Klappentext verrät uns ja bereits eine „fantastische“ Reise. Und genau so – eben märchenhaft – habe ich das Buch auch gelesen.

Die Geschichte ist in mehrere Stränge geteilt, die anfangs nichts miteinander zu tun zu haben scheinen, sich im Laufe des Buches aber immer weiter verschlingen, bis am Ende alles zusammen passt – und das auf eine Art und Weise, die ich nicht vorausgesehen habe. Hier und da gibt es natürlich kleinere Andeutungen und Menschen, die z. B. auch beim „Tatort“ immer recht schnell wissen, wer der Mörder ist (zu denen gehöre ich nicht bzw. selten), könnten womöglich ahnen, worauf es hinausläuft. Doch mich hat der Ausgang überrascht und begeistert. Was als leicht fantastische Reise begann, entwickelt sich zum (Familien-)drama mit einem Schuss Krimi.

Mir haben die einzelnen Erzählstränge sehr gefallen, was vor allem am wundervollen Stil des Autors David Whitehouse lag. Seine Art zu schreiben hat mich gleich auf den ersten Seiten berührt (um es nochmal zu schreiben: die Wal-Geschichte ist so unglaublich!), und dieses Gefühl hat mich das ganze Buch über nicht verlassen.

„Alte Zeitungsstapel gehörten fast immer zu dem Inventar derer, die lange unentdeckt blieben. Alles, was diese Leute hatten, war eine Vergangenheit, von der sie kaum jemals wirklich ein Teil gewesen waren.“ (Zitat Seite 39)

Das ist schön und gleichzeitig traurig – ich mag diesen bildhaften Stil sehr. Und davon gibt es in „Der Blumensammler“ jede Menge.

Fazit: „Der Blumensammler“ ist eine teils märchenhafte, teils dramatische Reise, die auch durch ihre bildhafte, sehr schöne Sprache besticht. Ein toller Roman!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.02.2025

Temporeicher, spannender und mitreißend geschriebener Kriminalroman

Der Tod und das dunkle Meer
0

Im Jahr 1634 fährt ein Schiff von Indonesien nach Amsterdam. Neben der Besatzung sind auch einige Edelleute sowie der bekannte Detektiv Samuel Pipps und sein Freund und Beschützer Arent Hayes an Bord der ...

Im Jahr 1634 fährt ein Schiff von Indonesien nach Amsterdam. Neben der Besatzung sind auch einige Edelleute sowie der bekannte Detektiv Samuel Pipps und sein Freund und Beschützer Arent Hayes an Bord der Saardam. Doch auch eine dunkle Macht ist zugegen und macht den Menschen die Schifffahrt zur Hölle: Menschen sterben, Angst und Aberglaube greifen um sich.
Klingt das gut? Ja! Und lasst euch gesagt sein, es klingt nicht nur gut.

Schon die ersten Seiten haben mich mitten ins Geschehen gerissen. Bevor die Saardam ablegt, teilt ein Aussätziger der versammelten Mannschaft mit, dass die Reise verflucht ist und der Teufel mitreisen wird. Dann geht er in Flammen auf. Auf den wenigen ersten Seiten lässt Stuart Turton schon so viel passieren, dass ich nur dachte, was wird noch alles passieren? Nun, einiges…
Ein leises Flüstern geht auf dem Schiff um. Eine Stimme raunt der Besatzung und den Edelleuten zu, dass sich ihre größten Wünsche erfüllen werden, aber dafür müssen sie natürlich auch etwas tun. Umsonst ist eben nichts. Das Misstrauen untereinander wächst. Wer ist der Aussätzige, der über das Deck schleicht? Ist es der, der im Hafen von Batavia verbrannt ist? Wie kommt er – lebendig – auf dieses Schiff? Und überall wimmelt es vor den Zeichen des Teufels, den alle nur der Alte Tom nennen. Drei unheilige Wunder werden geschehen und dann sollen alle sterben, die sich nicht dem Teufel anschließen.

Stuart Turton spielt mit den Menschen auf dem Schiff. Jeder ist verdächtig, dem Alten Tom zu dienen. Er spielt Reiche und Arme gegeneinander aus, lässt sie aber auch Verbindungen knüpfen. Das macht er in einem mitreißenden Erzählstil und gutem Tempo. "Der Tod und das dunkle Meer“ lässt sich kaum aus der Hand legen. Dadurch, dass niemand das Schiff verlassen kann, gerät das Buch zu einem unheimlichen und spannenden Kammerspiel. Überall lauern Gefahren, Falltüren, Geheimverstecke, Menschen, die an nassen Schiffswänden heraufklettern… Hach, ich bin begeistert. :)

Auf den letzten Seiten hatte ich plötzlich eine bange Vorahnung, dass die Auflösung mir nicht gefallen wird. Aber Stuart Turton reißt das Ruder rum und präsentiert eine Erklärung, die mich komplett überrascht und sehr befriedigt das Buch zuschlagen lässt. Bravo Stuart Turton – und Bravo Dorothee Merkel, die das Buch hervorragend übersetzt hat (wie auch schon Stuart Turtons erstes Buch sowie Ein wenig Glaube von Nickolas Butler).

Wer sich Sorgen macht, dass das Buch zu historisch sein, dem nehme ich gern die Sorge. Stuart Turton schreibt in einer sehr humorvollen Nachricht am Ende des Buches (auch unbedingt lesen!), dass Der Tod und das dunkle Meer weder ein historischer Roman, noch einer über Schiffe ist. Er schreibt, dass er Details bewusst ignoriert hat und sich die geschichtlichen Ereignisse auch zu anderen Zeiten oder ganz anders (oder gar nicht) zugetragen haben. Natürlich spielt die Geschichte auf einem Schiff, weshalb auch maritime Begriffe fallen, aber das sollte niemanden vom Lesen abhalten.

Fazit: Ein temporeicher, spannender und mitreißend geschriebener Kriminalroman, der mit ambivalenten Charakteren und überraschenden Wendungen punktet. „Der Tod und das dunkle Meer“ ist ein grandioses Schauer- und Kammerspiel zu hoher See, das ich euch sehr gerne ans Herz lege.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere