Tiefgründige Familiengeschichte
Der Gott des WaldesDie Familie Van Laar ist reich und benimmt sich auch so. Reiche Leute, denen es an Empathie mangelt, die denken, sie können sich alles erlauben (wobei sie leider oft auch recht behalten) und die selbst ...
Die Familie Van Laar ist reich und benimmt sich auch so. Reiche Leute, denen es an Empathie mangelt, die denken, sie können sich alles erlauben (wobei sie leider oft auch recht behalten) und die selbst ihre eigenen Familienangehörigen schlecht behandeln, kennen wir natürlich aus der Literatur. Doch obwohl das Thema nicht neu ist, sorgt u. a. Liz Moores präziser und mitreißender Stil dafür, dass ich „Der Gott des Waldes“ nicht aus der Hand legen kann.
Gelungen finde ich die verschiedenen Erzählperspektiven, die Liz Moore für ihren Roman gewählt hat. Sie lässt mich nicht nur in den Jahrzehnten hin- und herspringen (von den 1970ern geht es in die 50er und 60er und wieder zurück), sondern wechselt auch mit jedem Kapitel das erzählende Personal. So komme ich der Auflösung immer näher. Einer Auflösung, die mich überrascht und die ich nicht habe kommen sehen.
Besonders gut hat mir auch die Vielfalt der Themen gefallen. Das Thema „Familie“ ist an sich ja schon komplex, aber hier kommt auch noch die soziale Komponente hinzu. Die reichen Van Laars sind natürlich aus dem Schneider. Jegliche Verfehlungen ihrerseits – mögen sie auch noch so blutig sein – haben selten Konsequenzen – dafür haben sie ihre gut bezahlten Anwälte. Die weniger privilegierten Angestellten des Camps kommen da schon mal unter die Räder und müssen für Dinge ins Gefängnis, die sie nicht zu verantworten haben. Das macht wütend – aber Liz Moore schaut ja nur, wie es in der Welt zugeht. Und so ist es leider (fast?) überall. So ist „Der Gott des Waldes“ also nicht nur ein Roman, der mich auf perfekte Weise unterhalten hat, sondern er bewirkt auch, dass ich über verschiedene Dinge nachdenke. Gute Romane können so was.
Fazit: „Der Gott des Waldes“ ist eine tiefgründige Familiengeschichte mit vielschichtigen Charakteren und einem mitreißenden Stil. Darüber hinaus punktet Liz Moore mit literarischer Eleganz, unterhält und regt zum Nachdenken an. Ein großartiger Roman.