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Veröffentlicht am 09.07.2024

Spiegelbild der sozialen Verhältnisse in Italien von 1950 - 1968

Die geheimnisvolle Freundin
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Selten empfand ich den Titel und die Inhaltsangabe eines Romans so wenig zutreffend wie hier. Das ist ärgerlich, weil es Erwartungen weckt, die das Buch nicht erfüllen kann und der Leser dadurch enttäuscht ...

Selten empfand ich den Titel und die Inhaltsangabe eines Romans so wenig zutreffend wie hier. Das ist ärgerlich, weil es Erwartungen weckt, die das Buch nicht erfüllen kann und der Leser dadurch enttäuscht wird. Und Leser, die genau so etwas gerne lesen, nehmen es gar nicht erst in die Hand.

Die Autorin erzählt Ninas Geschichte, eine Geschichte von Leid, Ungerechtigkeit, missbrauchter Freundschaft und innerer Befreiung. Nina wird gleich nach der Geburt in einem Nonnenkloster abgegeben. Sie ist ein Findelkind und Mädchen und steht damit in der Hierarchie des Waisenhauses ganz unten. Das Leben dort ist geprägt von Strenge, Disziplin, Entbehrungen, starren Moralvorstellungen, fehlender Liebe und Ungerechtigkeit. Als die Waise Lucia ins Kloster kommt, ändert sich Ninas Leben. Sie fühlt sich für Lucia verantwortlich, beschützt sie und übt zu ihren Gunsten Verzicht. In meinen Augen hat Lucia Ninas Liebe nicht verdient. Lucia ist verwöhnt, selbstgefällig, manipulativ und immer auf ihren Vorteil bedacht. Als Nina für Lucia auf die Möglichkeit einer Adoption verzichtet, verlässt Lucia das Kloster ohne Abschied. Nina bleibt zurück. Nina verlässt fast erwachsen das Waisenhaus und wird Arbeiterin in der ortsansässigen Tabakfabrik, dem größten Arbeitgeber am Ort. Als die Eigentümer Entlassungen und sogar die Schließung des Werkes planen, wehren sich die Arbeiterinnen mit Streik. Und Nina, die aus Selbstschutz ihr Herz nicht mehr verschenken wollte und nur auf ihr eigenes Wohl bedacht war, lernt Freundschaft und Solidarität kennen. Es ist das Jahr 1968 und die Welt ist im Umbruch.

Der größte Teil des Romans schildert Ninas Leben im Waisenhaus. Ich habe das als sehr belastend empfunden, weil die Zustände in meinen Augen unmenschlich und nicht Kind gerecht waren. Bildung beschränkt sich auf das notwendigste. Die Welt draußen hält keinen Einzug. Ich konnte Nina nur bewundern, das sie sich nicht brechen lässt. So bleibt Nina nach dem Auszug aus dem Kloster nur die Stelle als ausgebeutete Dienstmagd und als erster Schritt der Selbstbestimmung die Arbeit in der Fabrik. Nina ist intelligent und wissbegierig und lernt , die Welt draußen zu begreifen. Dass Nina am Ende so was wie Glück findet, hat mich sehr berührt. Bezeichnend dafür ist das Bild, das die Autorin am Ende beschreibt. Es ist ein einzigartiger Moment der Hoffnung und Befreiung.

Für mich war das Buch lesenswert, auch wenn es über weite Strecken nur schwer zu ertragen war, aber es zeigt nach meinem Dafürhalten ein realistisches Bild der damaligen Zeit.

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Veröffentlicht am 07.07.2024

Tod auf dem Jahrmarkt

Sündiges Grab (Zwischen Mord und Ostsee - Küstenkrimi 6)
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Die Kommissare Ina Drews und Jörn Appel stehen kurz vor ihrem Abschied aus Flensburg und sitzen quasi auf gepackten Koffern. da kommt der Mord an der jungen Wiebke auf dem Jahrmarkt eher zur Unzeit. als ...

Die Kommissare Ina Drews und Jörn Appel stehen kurz vor ihrem Abschied aus Flensburg und sitzen quasi auf gepackten Koffern. da kommt der Mord an der jungen Wiebke auf dem Jahrmarkt eher zur Unzeit. als die beiden mit den Ermittlungen beginnen, ahnen sie nicht, welcher Sumpf aus Überheblichkeit, Egoismus, Gewalt und Kaltherzigkeit sie trocken legen müssen.

Die Tote wollte sich mit ihrem Lehrer treffen, der kurz darauf ebenfalls ermordet wird. Wiebkes bester Freund Daniel ist voller Trauer und Wut und sinnt auf Rache. War er der Mörder ? Und welchen Rolle spielen die getürkten Schulnoten ? Ein Mordmotiv ?

Was mir an diesem Krimi besonders gut gefallen hat, war wie ein Stückchen Wahrheit zum nächsten führt. Das war logisch ausgeführt und dabei unglaublich spannend. Einer der Dreh-und Angelpunkte ist Daniel. Er sinnt auf Rache und könnte Täter sein. Gleichzeitig ist er Opfer. So richtig gut leiden konnte ich ihn nicht, seine Treue gegenüber Wiebke hat mich dennoch sehr beeindruckt. Was mich sehr erschreckt hat - obwohl es keine Überraschung sein sollte - , dass Geld fast alles kann und die, die es haben keine Skrupel zeigen, es für sich einzusetzen. Ein gutes Beispiel ist, dass ein Vater gute Noten für seinen Sohn kauft und einige Lehrer willfährige Helfer sind. Das ist nur die Spitze des Eisbergs. So konnte ich die Genugtuung und Schadenfreude der Beamten teilen, als sie die Täter mit wasserdichten Beweisen überführen konnten. Was mir nicht so gut gefallen hat, die neuen Kollegen, die Ina und Jörn ersetzen werden. Die beiden konnten bereits am Fall mitarbeiten und ich fand sie nicht wirklich sympathisch.

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Veröffentlicht am 01.07.2024

Spannende Ermittlungen in den Untiefen menschlicher Abgründe

Totenhändler
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Zwei vermisste Frauen, die tot aufgefunden werden. Bei der einen wurde wenig präzise die Leber entnommen, bei der anderen professionell das Herz. Diese Sachlage stellt die Kommissarin Jana Brinkhorst ...

Zwei vermisste Frauen, die tot aufgefunden werden. Bei der einen wurde wenig präzise die Leber entnommen, bei der anderen professionell das Herz. Diese Sachlage stellt die Kommissarin Jana Brinkhorst und ihr kompetentes Team vor große Herausforderungen. Die Suche nach Motiv und möglichen Tätern beginnt. Schließlich erscheinen zwei Szenarien denkbar. Es war ein Mord, der in die Satanistenzene führt. Das würde den aktuellen Mord mit einem ungeklärten Fall in Kiel verbinden, den Jana damals nicht lösen konnte. Die anderen Überlegungen legen die Taten der Organmafia zur Last. Beide Spur n müssen akribisch verfolgt werden.

Beide Täterkreise gehören nicht zu meinem Alltag und so fand ich es ausgesprochen interessant und spannend, was die Ermittler an Fakten zusammengetragen haben . Beides sind Welten, die meinen Wertevorstellungen völlig widersprechen .Was mir des weiteren Freude gemacht hat, es wird gute alte Ermittlungsarbeit geleistet und ich bin mittendrin . Ich hatte meine eigenen Verdächtigen und Arbeitshypothesen, die mal richtig und oft auch weit daneben lagen. Ständig gab es neue Erkenntnisse, die zu einer neuen Bewertung der Beweislage führten . Wie im richtigen Leben !

Zum Glück führen die Ermittlungen auf die richtige Spur. Und ich war regelrecht erleichtert, als die Schuldigen aus dem Verkehr gezogen wurden. Ich fand es abstoßend, dass keiner ein Unrechtsbewusstsein oder zumindest Mitleid hatte. Allmachtsphantasien, Selbstüberschätzung und die blanke Gier nach Geld und Macht ohne moralische Grenzen waren die Triebfeder. Dabei gab es auf Seite der Täter auch Opfer, die zumindest bei mir etwas Mitleid geweckt haben.

Der Krimi war für mich fesselnd und ich fand es gelungen, wie der Autor aktuellen Themen nachvollziehbar und auch emotional in den Fall eingebaut hat. Das Ende hat mich überzeugt, obwohl einige der Täter sich der irdischen Gerechtigkeit entziehen konnten. Definitiv eine Krimi-Reihe, die ich gerne weiter lesen werde.

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Veröffentlicht am 01.07.2024

Große Gefühle im romantischen Schottland

Sommerträume im Sunset Hill House (Herzklopfen in Schottland)
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Lara arbeitet als Altenpflegerin. Seit ihrer Scheidung vor 2 Jahren ist dies ihr ganzer Lebensinhalt. Private Kontakte, Hobbies, Ausgehen - Fehlanzeige. Da erhält sie die Nachricht eines schottischen Rechtsanwaltes, ...

Lara arbeitet als Altenpflegerin. Seit ihrer Scheidung vor 2 Jahren ist dies ihr ganzer Lebensinhalt. Private Kontakte, Hobbies, Ausgehen - Fehlanzeige. Da erhält sie die Nachricht eines schottischen Rechtsanwaltes, sie habe ein Haus in Schottland geerbt. Ihre Mutter erklärt Lara, dass ihr Vater, der kurz nach ihrer Geburt gestorben war , aus Schottland stammt und der Erblasser dessen Bruder war. Plötzlich scheint es für Lara durch die Erbschaft möglich, ihren Traum von einer Strandbar an der Ostsee zu realisieren. Aufgeregt und voller Vorfreude fliegt sie nach Schottland. Dort fühlt sie sich sofort vom Zauber des Landes umfangen. Die Bewohner des kleinen Fischerdorfes Fallbury begegnen ihr herzlich und sie fühlt sich seit langem , wieder in eine Gemeinschaft aufgenommen. Das mit der Erbschaft gestaltet sich schwieriger , als erwartet. Jonathan, der Ziehsohn vom Sohn des Onkels, setzt sich für dessen Anspruch ein. Als Kompromiss beschließen Lara und Jonathan, das Haus gemeinsam auszuräumen und nach einem möglichen neuen Testament zu suchen. Was sie finden, ist die Liebe.

Ich konnte mich von der ersten Seite an, mit Lara identifizieren. Sie ist warmherzig und liebt ihren Beruf. Auch dass sie sich nach der Scheidung zurückgezogen hat, konnte ich verstehen. Ebenso wie ihre Vorfreude auf das unerwartete Erbe. Die Beschreibungen der schottischen Landschaft und von Fallbury sind einfach nur schön und man möchte sofort dorthin reisen. Zu erleben, wie Lara aufblüht und der Liebe wieder einen Platz in ihrem Leben gibt, hat mich glücklich gemacht. Das war von der Autorin sehr gut beschrieben und berührend. Zumal auch Jonathan ein sehr einfühlsamer und gutaussehender Mann ist.

Die Botschaft war für mich, dass man Liebe nicht planen kann, aber wenn man sie findet, sollte man sie annehmen, obwohl es keine Garantie für immer währendes Glück gibt. Hier gibt es ein Happyend, das perfekt zu Lara und Jonathan passt.

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Veröffentlicht am 30.06.2024

Geister als Mörder und jede Menge gute Unterhaltung

Tote Hunde weckt man nicht
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Sara schläft schlecht. Das liegt an nächtlichen Geräuschen, die ein Unbekannter vor ihrem Haus verursacht. Ablenkung wäre gut und die kommt in Gestalt der verschwundenen Gemeindesekretärin Milly. Da Inspektor ...

Sara schläft schlecht. Das liegt an nächtlichen Geräuschen, die ein Unbekannter vor ihrem Haus verursacht. Ablenkung wäre gut und die kommt in Gestalt der verschwundenen Gemeindesekretärin Milly. Da Inspektor Webster Sara androht, sie in Haft zu nehmen, wenn sie sich einmischt, beschließen sie und ihre Mitstreiter aus dem Crime Club, sich lieber um einen Cold Case zu kümmern.. Charles, der Mann von Margret, der Freundin von Saras Bruder Zac, wurde bei einem Autounfall tödlich verletzt - Fahrerflucht. Die Spur führt an dessen alten Arbeitsplatz, die Underground Passages. Nur gut, dass Sara nicht an Geister glaubt, die dort angeblich ihr Unwesen treiben. Vielleicht kann Silly Old Joe weiter helfen, der auf dem Friedhof gerne mal mit Geistern ein Schwätzchen hält. Joe bringt sie tatsächlich auf eine heiße Spur.

Ich mag die Cozy Crime Reihe um Sara Rattlebag sehr. Sara ist sympathisch und eine emanzipierte und selbstbewusste Frau. Ihr zur Seite stehen der pensionierte Polizist Bobby Bobby und Miss Spinster, beide schon im Rentenalter, aber mit guter Spürnase und einer gehörigen Portion Neugierde. Saras Freund Cedric ist der Bedenkenträger und sorgt sich um Saras Sicherheit. Ihr Bruder Zac versucht ebenfalls ihren Spürsinn zu zügeln. Kater Sir Arthur Doyle und der Welpe Hitchcock vervollständigen das Personal. Dann wäre noch Inspektor Webster zu erwähnen, dessen Benehmen gegenüber Sara mich jedes Mal auf die Palme bringt. Zu seiner Ehrenrettung muss ich zugeben, dass er in diesem Fall fast schon fürsorglich gegenüber Sara ist. Besonders gefreut hat mich, dass Silly Old Joe eine größere Rolle spielt und der entscheidenden Hinweis von ihm und seinen Geisterfreunden kommt

Die Auflösung des Falles hat mich schockiert. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es in einer Kleinstadt so ein Ausmaß an Verschwörung und kaltblütiger Morde möglich ist. Vielleicht gerade deswegen fand ich das Finale sehr gelungen, wie den ganzen Krimi, der spannend und unterhaltsam war.


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