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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.03.2026

Ein verwirrender Todesfall beschert unruhige Ostern

Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl
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Zwar ist dies meine erste Ermittlung mit dem neapolitanischen Commissario Gaetano, aber der Einstieg fiel mir leicht. Der Krimi hatte mich bereits am Haken mit seiner lebendigen Schilderung des neapolitanischen ...

Zwar ist dies meine erste Ermittlung mit dem neapolitanischen Commissario Gaetano, aber der Einstieg fiel mir leicht. Der Krimi hatte mich bereits am Haken mit seiner lebendigen Schilderung des neapolitanischen Karfreitags, der so ganz anders ist, als ich ihn kenne . Und auch für Gaetano läuft das Osterfest so ganz anders als geplant.

Seine junge Kollegin Beppa Bellucci sieht sich einer Wasserleiche gegenüber und ist voller Eifer, ihren ersten Mordfall zu lösen. Nur schießt sie mit ihren Aktionen etwas über das Ziel hinaus, was Gaetano auf den Plan und aus dem Urlaub holt. Er neigt dazu, den Fall als Unfall oder Selbstmord zu betrachten. Bellucci beharrt auf Mord. Um sicher zu gehen, ordnet Gaetano nun doch umfangreiche Ermittlungen an. Das war unterhaltsam und spannend zu lesen und gab immer wieder auch Einblicke in die neapolitanische Seele. Die Fakten sprechen mehr für Selbstmord, aber es gibt auch Ungereimtheiten. Gaetanos Hartnäckigkeit schreckt seinen Vorgesetzten auf, denn der Tote war Mitarbeiter eines erfolgreichen Start-ups, das kurz vor dem Börsengang steht. Alles andere als ein Selbstmord würde das gefährden.

Im Laufe der Nachforschungen gibt es mehr Lügen als Wahrheiten. Mich hat das genauso aufgeregt wie das Team und manchmal hatte ich den Eindruck, Gaetano verrennt sich in was. Zumal er durch den menschlichen Aspekt des Falles auch persönlich berührt ist.

Die Auflösung des Falles war richtig gute Teamarbeit und hat mich komplett überzeugt. Der Krimi hat mich sehr gut unterhalten . Die Handlung war fesselnd und perfekt in die örtlichen Gegebenheiten eingebettet. Das Ermittlungsteam ist eine gute Mischung aus unterschiedlichen Temperamenten und war mir sehr sympathisch. Für mich ein sehr gelungener und lesenswerter Krimi

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Ein Agentenroman aus der Zeit der Perestroika

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Rom zu Beginn der 90ziger Jahre. Die Sowjetunion gibt es nicht mehr . Endlich beginnt das Zeitalter ewigen Friedens und der Kalte Krieg ist Geschichte .Jakob Dreiser, Anfang 20, Poet , lebt in Rom und ...

Rom zu Beginn der 90ziger Jahre. Die Sowjetunion gibt es nicht mehr . Endlich beginnt das Zeitalter ewigen Friedens und der Kalte Krieg ist Geschichte .Jakob Dreiser, Anfang 20, Poet , lebt in Rom und ist erleichtert über die Zeitenwende. Da trifft er auf einem Sommerfest in der russischen Botschaft Dieter Germershausen . Der kann der neuen Weltordnung nichts gutes abgewinnen, denn er war Doppelagent und fürchtet nun , enttarnt zu werden . Ein letzter großer Coup soll ihm Geld und damit ein neues Leben bescheren. Dafür braucht er Jakob mit seinem offenen gewinnenden Wesen. Es beginnt ein wahnwitziges Abenteuer, das so nur in einer Welt möglich ist, die sich neu erfinden muss.

Gemeinsam reisen die beiden nach Kasachstan. Dort will Germershausen sein großes Geschäft abwickeln. Das führt zu absurd anmutenden Begegnungen , Dialogen und Wendungen. , die ich so nicht erwartet habe. Und immer bleibt die Frage, wer arbeitet für welchen Geheimdienst und wer ist Freund und wer Feind.

Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Sprachlich ist es ein Fest mit wunderbaren Bildern und herrlichen Dialogen. Wer die Zeit nicht miterlebt hat, dem wird die Geschichte wie ein modernes Märchen anmuten. Wer die Umbrüche miterlebt hat, weiß , dass vieles einen realen Hintergrund hat. Auch in dieser Hinsicht hatte der Roman seinen Reiz für mich. Gut gefallen hat mir, dass sowohl Jakob als auch Germershausen im Grunde in etwas hinein gestolpert sind, womit sie beide nicht gerechnet haben. Improvisieren ist angesagt und das beherrscht Jakob perfekt., sehr zum Ärger vom Berufsagenten Germershausen. Das Ende lässt in meinen Augen Raum für Spekulationen und das fand ich auch angemessen . Für mich bietet der Roman gute Unterhaltung mit einer guten Portion Tragikkomik.

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Veröffentlicht am 11.03.2026

Der Dreikönigenschrein und sein Erbauer

Der Schrein der Könige
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Wie oft steht man staunend vor einem Kunstwerk, egal ob weltlich oder sakral und weiß nichts über seinen Erschaffer. So ist es auch beim Dreikönigenschrein in Köln, der bis heute jedes Jahr Millionen von ...

Wie oft steht man staunend vor einem Kunstwerk, egal ob weltlich oder sakral und weiß nichts über seinen Erschaffer. So ist es auch beim Dreikönigenschrein in Köln, der bis heute jedes Jahr Millionen von Besuchern in seinen Bann zieht. Die Autorin gibt nun dem Künstler ein Gesicht und eine bewegte Familiengeschichte, die zugleich einige Informationen zu den damaligen politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen liefert.

Nikolaus von Verdun ist ein begnadeter Goldschmied und so ist es nicht verwunderlich, dass die Wahl des Kölner Erzbischofs auf ihn fällt. Von dieser Tatsache ausgehend erzählt die Autorin seine zum Teil fiktive Lebensgeschichte, die sich so zugetragen haben könnte. Die Kölner Goldschmiede sind nicht begeistert, dass ein Fremder diesen prestigeträchtigen Auftrag bekommt. Zum Glück steht der Mönch Gilles Nikolaus und seiner Familie zur Seite, hilft Probleme zu lösen und gibt Zuspruch, wenn es notwendig ist. Nikolaus ältester Sohn Louis ist ein Tunichtgut, der immer mehr dem Vater entgleitet und erhebliche Probleme bereitet. Er war definitiv eine Person, die ich von Herzen verabscheut habe und dessen Schicksal die Ernte seines Verhaltens war. Nur gut, dass Nikolaus noch den jüngeren Sohn Bastien hat, der zwar kränklich ist, aber große Begabung für das Handwerk zeigt. Nikolaus ist Witwer und hätte gerne wieder eine Ehefrau. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihm. Hingegen gewinnt er immer mehr an Ansehen für seine Arbeit am Schrein. Die Arbeit geht schleppend voran. Mal fehlt das Geld, mal sind die Mächtigen mit ihren kriegerischen Auseinandersetzungen beschäftigt oder haben Sonderwünsche und machen die Arbeit vieler Monate zunichte.

Beide Handlungsstränge konnten mich fesseln. Mir war nicht bewusst , wie viel Mühe und widrige Umstände, die Herstellung des Schreins begleiten haben. So ist es nicht überraschend, dass bis zu seiner Fertigstellung fast 40 Jahre vergangen sind. Auch Nikolaus Familiengeschichte fand ich interessant und oft bewegend. Beides hat sich für mich gut ergänzt und mir einige unterhaltsame Lesestunden beschert.

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Tod auf dem Friedhof

Commissario Leone und die Toten von Rom
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Commissario Leone und sein Team müssen sich dieses Mal um den Mord an einem Minister kümmern. Das an sich macht es schon zu einem schwierigen Fall , denn die Presse wittert Schlagzeilen. Der Minister scheint ...

Commissario Leone und sein Team müssen sich dieses Mal um den Mord an einem Minister kümmern. Das an sich macht es schon zu einem schwierigen Fall , denn die Presse wittert Schlagzeilen. Der Minister scheint ohne Fehl und Tadel zu sein, bis sich durch einen Hinweis eine brisante Spur ergibt. Es soll Mauscheleien gegeben haben, bei denen sich das Opfer eine goldene Nase verdient hätte. Nun geraten die Freunde aus Jugendtagen ins Visier, ohne dass es eine konkrete Spur gibt. Auch die die Witwe kann keinen entscheidenden Hinweis geben.. Als Commissario Leone feststellen muss, dass sie einigen Hinweise nicht die erforderliche Aufmerksamkeit geschenkt haben, ist es fast zu spät. Der Mörder holt zum nächsten Schlag aus und auch Leones Leben ist keinen Pfifferling mehr wert.

Bereits der Auftakt des Krimis bietet Hochspannung. Man ist Ohrenzeuge des Verbrechens. Für mich eine besondere Freude war, der Ort des Verbrechens, der Cimitero Acattolica ., ein Friedhof , auf dem nur Nicht-Katholiken beerdigt werden, darunter bekannte Künstler wie Keats. Ich habe etwas dazu gelernt und einen Ort kennengelernt, der sicher einen Besuch lohnt. - hoffentlich ohne Mord.

Die umfangreichen Ermittlungen sind packend und bieten Raum für Spekulationen, was mir persönlich gut gefällt und auch wichtig ist. Gefallen hat mir auch, dass den Beamten Fehler passiert sind, was es in meinen Augen nur realistischer macht. Wenn ich etwas bemängeln wollte, dann, dass der Täter die Bühne des Geschehens relativ spät betritt. Das wird aber durch das furiose Ende mehr als ausgeglichen. Das Team ist sehr sympathisch und hält zusammen. Besonders mochte ich Vanni, der mit seiner Unbekümmertheit und losen Zunge für die besonderen Momente sorgt.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Überzeugend realistischer Thriller aus Berlin kurz nach Kriegsende

Im Schatten der Ruinen
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Berlin liegt 1948 in Trümmern. Hunger und Kälte haben die Bevölkerung fest im Griff. Überleben ist alles, was zählt. Das ist die Stunde der Schwarzmarkthändler und Schieberbanden, die sich viel zu oft ...

Berlin liegt 1948 in Trümmern. Hunger und Kälte haben die Bevölkerung fest im Griff. Überleben ist alles, was zählt. Das ist die Stunde der Schwarzmarkthändler und Schieberbanden, die sich viel zu oft am Elend der Bevölkerung bereichern. An dieser Stelle kommt der strafversetzte amerikanische Captain Wallet ins Spiel. Er soll die Bandenkriminalität unter Kontrolle bringen. Wallet ist wenig begeistert, hält er doch von den Deutschen nicht all zu viel . Aber er war im Zivilleben ein guter Polizist mit Berufsehre. Wallet sieht sich einer schier unlösbaren Aufgabe gegenüber. Wenig Unterstützung von seinem Vorgesetzten, Querelen mit den Sowjets und ein extrem gut organisierter Gegner. Wie bereits in der Heimat sucht sich Wallet Hilfe durch einen ortskundigen Spitzel und trifft auf Heiner, einen zwölfjährigen Jungen, der mit allen Mitteln versucht, seine Mutter Klara zu unterstützen. Gegen seinen Willen bekommt Wallet durch die beiden einen anderen Blick auf die Deutschen und umso größer die Bestürzung, als Heiner spurlos von der Bildfläche verschwindet.

Zu Beginn war mir Wallet mit seiner vorgefassten Meinung nicht gerade sympathisch. Was aber von Anfang an für ihn sprach, war der Wille, den Schieberbanden ein Ende zu setzen. Mit der Zeit konnte ich erkennen, dass er doch ein weiches Herz besitzt und bereit ist, seine Vorurteile zu relativieren. Von da an war er mein Held. Um so größer deshalb meine Wut und mein Entsetzen, wenn eine wohl durchdachte Aktion scheiterte, der Gegner immer einen Schritt voraus war. Es gab Situationen, da hätte ich keinen Cent für sein Leben gegeben. Am Ende sind die Ermittlungen dann doch von einem Erfolg gekrönt, wenn auch ein paar Fragen offen bleiben, die mich auf eine Fortsetzung hoffen lassen.

Was mich ebenfalls , neben der fesselnden Handlung und meinem Helden Wallet, für das Buch eingenommen hat, war die Fülle gut recherchierter Fakten, die perfekt in die Handlung eingearbeitet waren. Angefangen bei der trostlosen Lage der Zivilbevölkerung, über die Zwistigkeiten mit den Sowjets bis hin zu der Nazi-Einheit "Brandenburger" gab es viele Informationen, die in meinen Augen ein lebensnahes Bild der damaligen Zustände ergeben.

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