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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.05.2026

Ein spannender Fall und ein sehr sympathischer Hobbydetektiv

Tod auf Hohenzollern
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Der Einstieg in die Geschichte war sehr rätselhaft, denn der Prolog schildert eine Begebenheit aus dem 2. Weltkrieg auf der Burg Hohenzollern. Warum hat mich lange beschäftigt, bis es Sinn ergab.

Wolfgang ...

Der Einstieg in die Geschichte war sehr rätselhaft, denn der Prolog schildert eine Begebenheit aus dem 2. Weltkrieg auf der Burg Hohenzollern. Warum hat mich lange beschäftigt, bis es Sinn ergab.

Wolfgang Kramer, der Schlossmeister auf der Burg, bodenständiger Schwabe und Familienmensch, findet in der St. Michaeliskapelle einen toten Sicherheitsmann. Nicht irgendeinen, sondern Basti, ein enger Freund seit Kindertagen. Sofort tun es alle als Unfall ab, denn Basti hatte ein Alkoholproblem. Wolfgang will das nicht glauben und dank zahlreicher Erfahrungen aus gesehenen Krimis, beginnt er , nach - und zu hinterfragen. Damit stößt er nicht auf Gegenliebe und er selbst muss sich fragen, ob er seine alten Freunde wirklich kennt. Nur seine älteste Tochter Hannah unterstützt ihn, auch wenn sie öfters Bedenken äußert. Die Lösung des Falles offenbart eine Tragödie, die so nicht zu erwarten war.

Die Handlung war sehr fesselnd. Es gab viele Verdächtige und jeder schien ein Geheimnis zu haben. Ich konnte Wolfgangs wachsendes Misstrauen gut nachvollziehen. Er war mir mit samt seiner Familie von Herzen sympathisch. Die Familie ist mit ihren kleinen und großen Problemen ein wichtiger Bestandteil der Handlung, was ich ebenfalls unterhaltsam fand und passt in meinen Augen gut zu dem gelungenen , bodenständigen Cosy Crime. Was mir zudem sehr gut gefallen hat, die Autorin bindet historischen Begebenheiten und bauliche Besonderheiten der Hohenzollern gekonnt in den Krimi ein, so dass man einen guten Eindruck von der Burg bekommt.

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Veröffentlicht am 28.04.2026

Trügerische Sicherheit

Sturmtage
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Nach ihrer dramatischen Affäre haben sich Johanna und ihr Mann Sven, ein Norweger, ein neues Leben in Oslo aufgebaut. Aufmerksam verfolgt Johanna die Ereignisse in Deutschland mit bangem Herzen, hat sie ...

Nach ihrer dramatischen Affäre haben sich Johanna und ihr Mann Sven, ein Norweger, ein neues Leben in Oslo aufgebaut. Aufmerksam verfolgt Johanna die Ereignisse in Deutschland mit bangem Herzen, hat sie doch dort gute Freunde und ihren Vater zurücklassen müssen. Sowohl sie als auch ihr Bruder mussten Hals über Kopf vor den Nazis aus Deutschland fliehen. Als es aus politischen Gründen erforderlich wird, dass ihr Bruder, ehemaliger SPD - Abgeordneter, nach Deutschland zurückkehrt, übernimmt Johanna den Auftrag für ihn aus Sicherheitsgründen.

In Deutschland verschlechtern sich die Verhältnisse rapide. Andersdenkende und Juden werden zusehends zu Freiwild. Um so fester ist Johanna entschlossen, ihre beste Freundin Ruth aus dem KZ zu befreien. Die Aktion entwickelt sich zu einem echten Husarenstück und fordert schwere Opfer. Zurück in Norwegen ist die scheinbare Sicherheit trügerisch , denn die Nazis besetzen Norwegen. Nun wird Johanna erneut zur Gejagten durch die Nazischergen.

Der 2. Band führt Johannas Geschichte mit einer kurzen Unterbrechung weiter. An einigen Stellen ist die Kenntnis des 1. Bandes hilfreich, aber nicht unbedingt erforderlich. Was mir besonders gut gefallen hat, Johanna ist Beobachterin und Betroffene zugleich. Das ergibt eine gewisse Distanz, als sie die Stimmung in Berlin beschreibt oder die Ereignisse der Reichskristallnacht dokumentiert. Die Atmosphäre , die dadurch entsteht, ist um so beklemmender. Sehr bewegend fand ich die Rettungsaktion für Ruth und gleichzeitig gab es hier auch Humor, denn ich fühlte mich an den Hauptmann von Köpenick erinnert.

Für mich waren die Ereignisse zurück in Norwegen besonders dramatisch und voller Emotionen. Man kann sich gar nicht vorstellen, was es für die Geflüchteten aus Nazideutschland bedeutet haben muss, alles erneut zu verlieren und sich auf eine ungewisse Flucht zu begeben. Gerade durch die nüchterne Sprache , aber mit eindrücklichen Bildern, wurde das sehr gut dargestellt. Solche Geschehnisse brauchen in meinen Augen keine pathetische Sprache. Das wäre für mich unangemessen. Dennoch ist es ein gelungener Unterhaltungsroman, der berührt.

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Veröffentlicht am 22.04.2026

Unterhaltsamer Roman über Verlust, Verfolgung und Familie

Schwesternland
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Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. Da ist Antonia, eine von vier Schwestern, die nach dem Selbstmord des Vaters ihren Ruhepol verloren hat und die enge Bindung zu ihren Schwestern. Anlässlich des ...

Die Geschichte spielt auf zwei Zeitebenen. Da ist Antonia, eine von vier Schwestern, die nach dem Selbstmord des Vaters ihren Ruhepol verloren hat und die enge Bindung zu ihren Schwestern. Anlässlich des 100.Geburtstags ihrer Oma Henriette lernt sie deren Großcousine Max kennen, die Antonia mit der Familiengeschichte bekannt macht. Antonias Vorfahrin war die Tochter eines Seidenwebers in Lyon. Aufgrund des Edikt von Nantes sind viele Hugenotten aus Frankreich geflohen, darunter auch Jeanne und ihre Familie. Antonias Interesse ist geweckt und sie begibt sich auf Spurensuche. Wie kam Jeanne nach Berlin und was ist mit ihrer Familie passiert ? Dies wird in Rückblenden anschaulich geschildert. Es ist eine Geschichte von Verlust, Verrat, Flucht , Demütigung und auch Heimat finden. Das war unglaublich spannend und berührend zu lesen . Und wieder einmal stellt sich die Frage, wie kann ein Mensch dem anderen das antun. Und wieviel Leid kann man ertragen, ohne daran zu zerbrechen ? Gleichzeitig habe ich viel über die Vertreibung der Hugenotten erfahren und welche Möglichkeiten es bei der Ahnenforschung gibt. Beides Neuland für mich und sehr informativ. Antonia reist zum Ausgangspunkt der Ereignisse nach Lyon und findet dort tatsächlich Spuren von Jeanne. Auch für sie persönlich wird Lyon zum Schicksalsort. Ein bestürzender Anruf aus Berlin lässt sie kopflos nach Hause aufbrechen. Für mich war der Roman beste Unterhaltung. Die Reise in die Vergangenheit war sehr emotional und informativ. Antonia blieb mir ein wenig fremd, auch wenn ich ihre Geschichte interessant fand. Da es eine Fortsetzung geben wird, bleiben zwangsläufig einige Fragen offen und warten auf Antworten im Folgeband, den ich unbedingt lesen will.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Eine gelungene Mischung aus Zeitgeschehen und Krimielementen

Wo der Wind die Namen trägt
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Das Lesevergnügen musste ich mir zu Beginn etwas erarbeiten. Zum einen gab es eine Fülle von Namen und zum anderen wechselt die Autorin ohne Vorwarnung die Zeitebenen. Nach kurzer Eingewöhnungsphase ...

Das Lesevergnügen musste ich mir zu Beginn etwas erarbeiten. Zum einen gab es eine Fülle von Namen und zum anderen wechselt die Autorin ohne Vorwarnung die Zeitebenen. Nach kurzer Eingewöhnungsphase nahm mich die Handlung dann gefangen.

Die über 80jährige Inge erhält eine Einladung zu einem Klassentreffen in die alte Heimat, nahe Celle. Ein Anlass zu freudigen Aufregung sollte man meinen. Bei Inge weckt es Erinnerungen, die mit Unbehagen und Schuldgefühlen gepaart sind. Dabei sind die ersten Eindrücke in meinen Augen durchaus schön - eine Kindheit, die ein wenig an Bullerbü erinnert. Inge wächst mir ihrer alleinerziehenden , einer Ärztin, in einem kleinen Weiler auf. Es ist zudem die Zeit kurz nach dem 2. Weltkrieg, in der alle nur das Geschehene vergessen wollen und sich nicht verantwortlich fühlen. Helga, eine Journalistin, soll eine Chronik über die Kriegsereignisse in der Region schreiben und erfährt in ihren einfühlsamen Gesprächen mit der Bevölkerung vieles, das ihr Beklemmung bereitet. Warum wurden die Täter, die heute noch das Sagen haben, nicht bestraft ? Welches Geheimnis hat Inges Mutter, deren Arzthelferin ermordet wurde ? Die alten Seilschaften funktionieren noch. Die Schuldigen leben fröhlich weiter.

Als Inge doch zum Klassentreffen fährt, erhält sie Einblick in Helgas Nachforschungen und plötzlich fallen Puzzleteile an ihren Platz. Viele positive Erinnerungen bekommen Flecken. Inge muss sich der Frage stellen, Schweigen oder die Wahrheit in die Welt tragen .

Mich hat beeindruckt, wie die Autorin es schafft , die Idylle von damals immer mehr zu einem Ort des Schreckens werden zu lassen. Dieses Schweigen und Verdrängen damals hat mich wütend gemacht und auch fassungslos., weil es zu weiterem Unrecht geführt hat. Vor allem Inge tat mir leid. Ihre kindliche Sicherheit wird nachträglich zerstört. Helga habe ich bewundert, weil sie den Mut hatte, das richtige zu tun und Unrecht als solches zu benennen. Und das obwohl ihr Leben bedroht wurde. Wer nun glaubt, die Autorin habe sich das alles nur ausgedacht , wird im Anhang eines besseren belehrt. Hier nennt die Autorin die historisch belegten Namen und Ereignisse, die im Roman ihren Niederschlag gefunden haben. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, das auf unterhaltsame und informative Weise einen weiteren Aspekt des Dritten Reiches beleuchtet.

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Veröffentlicht am 15.04.2026

Mensch, liebender Ehemann und Vater, Widerstandskämpfer, Christ

Helmuth James von Moltke
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Ich interessiere mich als Laie sehr für die Ereignisse während des Dritten Reiches, weil ich es wichtig finde, sich zu erinnern. Und stelle immer wieder fest, dass ich nur kleine Puzzleteile kenne. So ...

Ich interessiere mich als Laie sehr für die Ereignisse während des Dritten Reiches, weil ich es wichtig finde, sich zu erinnern. Und stelle immer wieder fest, dass ich nur kleine Puzzleteile kenne. So sind mir zwar die Ereignisse rund um den 20.Juli 44 bekannt und Graf von Stauffenberg ein Begriff, aber der Kreisauer Kreis und Helmuth James von Moltke eher eine Leerstelle.

Der Autor zeichnet anhand des regen Briefwechsel, den von Moltke mit vielen verschiedenen Personen und im besonderen mit seiner Ehefrau Freya führte , ein lebendiges Bild und zeigt den Menschen hinter der historischen Person. Von Moltke wurde 1907 im kleinen Dorf Kreisau nahe Breslau geboren . Sein Elternhaus war liberal, besonders dank seiner Mutter Dorothy, die aus Südafrika stammte. Er war neuen Ideen aufgeschlossen und durch seine Reisen und Kontakten zu fortschrittlichen Gruppierungen nicht in engen Denkweisen gefangen. Von Anfang an stand er dem Naziregime ablehnend gegenüber. Er studierte Jura, sah seine Berufung aber in der Politik.

Zum Widerstandskämpfer , der Gleichgesinnte um sich sammelte, wurde er 1940 durch die Kriegshandlungen. Er war ein strikter Gegner der Appeasement Politik des Auslandes. Auf der anderen Seite lehnte er einen Umsturz durch ein Attentat auf Hitler aus nachvollziehbaren Gründen ab. Er sah seine Aufgabe darin, einen Plan für die politischen Ordnung nach dem Zusammenbruch des Regimes zu schaffen .

Moltke war sich immer bewusst, dass ihm sein Engagement, das Leben kosten konnte. Trotz dieser Gefahr hat ihn seine Frau Freya vorbehaltlos unterstützt und zuhause den Rücken frei gehalten. Für mich waren die Kapitel, die seinen Gefängnisaufenthalt schildern die mich am meisten berührt haben. Er hat in seiner Haltung nicht gewankt und hat seine Hoffnung auf Gott gesetzt. Der Briefwechsel mit Freya aus dieser Zeit ist sehr emotional und zeugt von großer Liebe. Für mich zeigt sich hier der Mensch , dem ich nahe kommen kann. Zudem gibt es einen kleinen Eindruck davon, was er und seine Mitstreiter persönlich auf sich genommen haben.

ich als Laie konnte dem Inhalt gut folgen. Es ist verständlich geschrieben und die vielen Zitate machen es lebendig. Eine Herausforderung war die Fülle der Daten. Der Autor gibt parallel zu Moltkes Leben einen kurzen Abriss der jeweiligen politischen Ereignissen und Entwicklungen. Da sind Vorkenntnisse von Vorteil, um den Überblick nicht zu verlieren. Das Buch mir viele neue Informationen beschert und einiges zum Nachdenken gegeben. Gut gefallen hat mir zudem , dass die Lebenswege der überlebenden Mitstreiter und seiner Ehefrau nach seinem Tod nachgezeichnet werden .

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