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Veröffentlicht am 30.05.2020

Wenn es keine Beweise gibt, ist alles denkbar

Die Wahrheit
3

Maggie Costello, Ex-Mitarbeiterin im Weißen Haus, nimmt sich gerade eine Auszeit. Da bittet sie die Gouverneurin von Virginia um Unterstützung. Sie befürchtet Rassenunruhen, weil ein Geschichtsprofessor ...

Maggie Costello, Ex-Mitarbeiterin im Weißen Haus, nimmt sich gerade eine Auszeit. Da bittet sie die Gouverneurin von Virginia um Unterstützung. Sie befürchtet Rassenunruhen, weil ein Geschichtsprofessor ermordet wurde und man eine schwarze Studentenbewegung dafür verantwortlich macht. Der Mord erhält zusätzliche Brisanz, weil der Historiker Keane, der leugnet, dass es je Sklaverei in Amerika gab, gerade einen Prozess wegen Verleumdung seiner Person führt und deshalb bereits die Stimmung aufgeheizt ist. Trotz Bedenken lässt sich Maggie auf die Aufklärung des Falles ein. Bald muss sie zu ihrem Entsetzen feststellen, dass der Mord nur einer in einer Reihe von vielen ist, denen Geschichtsprofessoren und Zeitzeugen z.B. vom Holocaust zum Opfer gefallen sind. Gleichzeitig gehen kurz hinter einander die so genannten Alexandria- Bibliotheken in Flamen auf und mit ihnen bedeutende Kulturschätze der Menschheit. Durch deren Verlust lassen sich geschichtliche Ereignisse nicht mehr beweisen. Als Maggie endlich den entscheidenden losen Faden zur Aufdeckung der Verschwörung in Händen hält, gerät sie in Todesgefahr.
Der Autor spielt mit einer erschreckenden Vorstellung : der völligen Vernichtung von nicht ersetzbaren Kulturgütern und lebender Zeitzeugen. Wenn man alle Beweise vernichtet, kann Geschichte auch anders gewesen sein. Krieg, Sklaverei, Holocaust sind dann nur Möglichkeiten. Nachfolgende Generationen können frei von Schuld leben. Diese Sichtweise wird im Buch vom Autor in verschiedenen Gesprächen thematisiert. Für mich waren sie die Höhepunkte im Thriller . sprachlich brillant, überzeugend und auf den ersten Blick frappierend logisch. Gepackt hat mich auch die sehr anschauliche und detaillierte Beschreibung der Vernichtung einer Bibliotheken. Die Handlung selbst ist dem Genre Thriller gemäß sehr actionreich. Zum Schluss des Buches überschlagen sich die Ereignisse und die Heldin Maggie muss einiges aushalten. Die von ihr immer mehr in die Enge getriebenen Widersacher versuchen mit allen Mittel Maggie mundtot zu machen. Das reicht von Diskreditierung bis zur physischen Vernichtung. Dabei gestattet sich der Autor ein paar Ungereimtheiten, über die ich aber hinweg gesehen habe.
Insgesamt fand ich den Thriller sehr unterhaltsam, gut geschrieben und mit einem interessanten Gedankenansatz, der auch über die Lektüre hinaus Anlass zur Diskussion gibt.

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  • Handlung
  • Thema
  • Spannung
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 23.05.2020

Ein Serienmörder im Schatten der Burg

Stumm vor Angst
0

Surendra Sinha befindet sich in einer Sinnkrise. Er zweifelt, ob er seinen Beruf bei der Kriminalpolizei weiter ausüben soll. Er beschließt deshalb seinen Freund und ehemaligen Kollegen Hasemann, der unterhalb ...

Surendra Sinha befindet sich in einer Sinnkrise. Er zweifelt, ob er seinen Beruf bei der Kriminalpolizei weiter ausüben soll. Er beschließt deshalb seinen Freund und ehemaligen Kollegen Hasemann, der unterhalb der Burg Hohenzollern lebt, zu besuchen. Er hofft dort zu einer Entscheidung zu kommen uns sich dort aus jeder polizeilichen Ermittlung heraus zu halten. Doch das Schicksal hat anderes geplant. Ehe Sinha sich versieht, findet er sich mitten in einer Mordserie. Eines der Opfer kennt er von seiner Arbeit in Friedrichshafen. Als er auch noch die Witwe des Opfers einer Brandstiftung, die wohl Auslöser für die aktuelle Mordserie ist, kennenlernt, lösen sich seine guten Vorsätze in Luft auf. Zumal die Witwe Sinha bittet, sich um ihre Tochter Linnea zu kümmern, die seit dem Tod ihres Vaters, den sie miterleben musste, stumm ist. Ohne es zu ahnen, gerät Sinha in Lebensgefahr.
Wie bereits die lesenswerten Vorgängerbände hat mich der Krimi erneut wunderbar unterhalten und mir die Gelegenheit gegeben vom Alltag abzuschalten. Die Krimi hat einige vermeintliche Lösungen angeboten und ich konnte gut mit raten. Es gab eine ganze Reihe Verdächtiger, die dann nach und nach wieder aus dem Blickfeld verschwanden. Am Ende blieb ein perfides Komplott und ein Täter, den ich fast ein wenig bedauert habe. Insgesamt fand ich diesen Teil des Buches sehr überzeugend. Was mich dieses Mal jedoch mehr beschäftigt hat, waren die persönlichen Umstände Sinhas. Seine Sinnkrise fand ich gut dargelegt. Und seine indischen Wurzeln spielen eine wichtige Rolle. Er ist - in meinen Augen widerwärtigen - fremdenfeindlichen sowohl körperlichen als auch verbalen Attacken ausgesetzt. Sogar Kollegen schämen sich nicht, ihn beleidigend zu behandeln. Das Ganze gipfelt in einer bösartigen Anzeige, die zu einer schweren Belastung für Sinha wird. Nur gut, dass er in Hasemann einen verlässlichen Freund hat.
Der Krimi ist in meinen Augen lesenswert, weil er spannend, gelegentlich humorvoll ist, ganz nebenbei die Schönheiten der schwäbischen Alb ins rechte Licht rückt und sich durch einen angenehmen Erzählstil auszeichnet. Gleichzeitig werden wichtige gesellschaftliche Themen angesprochen, ohne zu moralisieren.

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Veröffentlicht am 23.05.2020

Ein unglaublich sympathischer Held wider Willen

Secret Protector, Band 1: Tödliches Spiel
0

Der junge Lukas Crowe lebt gerade in einem Wohnmobil auf einem verlassenen Parkplatz in New Orleans und arbeitet im dortigen Zoo. Er hält sich nie lange an einem Ort auf und versucht möglichst unter dem ...

Der junge Lukas Crowe lebt gerade in einem Wohnmobil auf einem verlassenen Parkplatz in New Orleans und arbeitet im dortigen Zoo. Er hält sich nie lange an einem Ort auf und versucht möglichst unter dem Radar zu bleiben. Das gelingt ihm richtig gut, bis bei einer Promotion-Veranstaltung im Zoo der jüngere Bruder der erfolgreichen Gamerin Una Britcross entführt wird. Luke nimmt die Verfolgung auf, aber ohne Erfolg. Una erhält kurz darauf eine Forderung der Gangster, die mit der Ermordung des Bruder drohen. Und Luke entschließt sich aus einem drängenden Gefühl der Verantwortung heraus, Una zu helfen, obwohl er dadurch mehr Aufmerksamkeit erregt, als ihm lieb ist. Es beginnt eine spannende Verfolgungsjagd über Berlin nach Dubai.
Das Buch hat mich absolut begeistert. Das lag zum einem an dem gut zu lesenden Erzählstil des Autors. Der Hauptgrund ist jedoch Luke Crowe. Nicht nur, dass er gut aussieht, Tiere liebt, sich mit Autos auskennt, Motorrad fährt und verdammt clever ist, hilft er Una ohne Rücksicht auf seine eigenen Interessen und ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Zusätzlich umgibt ihn eine Aura des Geheimnisvollen Ich hoffe sehr, dass in den folgenden Bänden mehr über ihn verraten wird. Er ist wie der einsame Wolf aus alten Westernfilmen, aber ohne dass Leichen seinen Weg pflastern. Die Geschichte spielt in der Gamer-Szene, die mir nicht vertraut ist. Ich fand die Einblicke deshalb sehr interessant. Höhepunkt ist eine sehr anschauliche Verfolgungsjagd am Schluss, die auch gut in einen James Bond Film gepasst hätte.
Mich hat das Buch vollkommen überzeugt und ich freue mich schon riesig auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 21.05.2020

Eine Liebe über den Tod hinaus

Wo du nicht bist
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Irma Weckmüller lebt mit ihrer Schwester Martha im Wedding. Sie arbeitet als Verkäuferin im KaDeWe. Durch Zufall lernt sie 1929 den gut situierten, jüdischen Arzt Erich Bragenheim kennen. Trotz der sozialen ...

Irma Weckmüller lebt mit ihrer Schwester Martha im Wedding. Sie arbeitet als Verkäuferin im KaDeWe. Durch Zufall lernt sie 1929 den gut situierten, jüdischen Arzt Erich Bragenheim kennen. Trotz der sozialen Unterschiede verlieben sich die beiden und beschließen zu heiraten - gegen den Widerstand der Schwester und trotz des zunehmenden Antisemitismus in der Bevölkerung. Die Nürnberger Rassengesetze verhindern in letzter Sekunde die Eheschließung. Erich wird in Ausschwitz ermordet. Irma überlebt das Dritte Reich und hat nur ein Ziel : Erichs Frau zu werden.
Das Buch, das auf einer wahren Begebenheit beruht, hat mich sehr bewegt. Mit dazu beigetragen hat der eher nüchterne Erzählstil, durch den die Autorin vermeidet, dass aus diese tragischen Geschichte ein kitschiger Liebesroman wird. Irma wird durch ihren Rechtsanwalt aufgefordert, ihre Beziehung zu Erich zu schildern. Ich war dabei, wie sie sich kennenlernen und durfte das langsame Wachsen der Zuneigung miterleben - Momente des Glücks und der Vorfreude auf ein gemeinsames Leben. Dann ändert sich die Stimmung. Irma erinnert sich an die Anfeindungen der Kollegen und vermeintlicher Freunde bis hin zum Tag von Erichs Festnahme. Auch nach Ende des Krieges hofft sie auf seine Rückkehr, sucht ihn im zerstörten Berlin. Dieser Abschnitt zählt zu meinen Lieblingsstellen und hat mir feuchte Augen beschert. Irmas Erfahrungen bei der Suche nach einem Rechtsanwalt, der sie unterstützt, fand ich unglaublich und abstoßend, zeigen sie doch überdeutlich, dass der Antisemitismus den Krieg überlebt hat. Ich habe Irma für ihre bedingungslose Liebe und die Beharrlichkeit, mit der sie ihr Ziel verfolgt bewundert. Gleichzeitig blieb sie mir durch ihre an Besessenheit grenzende Treue auch fremd.
Dennoch kann ich das Buch nur weiter empfehlen . Es ist absolut lesenswert und zeigt an Hand dieser wahren Geschichte das menschenverachtende und grausame Gesicht des Nationalsozialismus.

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Veröffentlicht am 11.05.2020

Aufstieg einer Bremer Uhrmacherfamilie

Das Erbe der Altendiecks
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Der Roman erzählt den wechselhaften Aufstieg der Bremer Uhrmacherfamilie Altendieck in einem Zeitraum von fast hundert Jahren. 1776, gerade als es so aussieht, als würde die Familie gesellschaftliches ...

Der Roman erzählt den wechselhaften Aufstieg der Bremer Uhrmacherfamilie Altendieck in einem Zeitraum von fast hundert Jahren. 1776, gerade als es so aussieht, als würde die Familie gesellschaftliches Ansehen erringen, werden alle Träume durch eine Intrige zerstört. Nur Gesche, die jüngste Tochter glaubt weiter an die Zukunft und versucht die in Misskredit geratene Uhrmacherwerkstatt zu neuer Blüte zu bringen. Gesche opfert dafür ihr persönliches Glück. Nur der gute Name Altendieck und der gute Ruf der Werkstatt zählen. Sie hofft, dass ihre Kinder diese Tradition fortsetzen. Doch Napoleon überzieht Europa mit Krieg und erneut werden Träume zerstört. Die Familie übersteht die dunkle Zeit und stets bleibt die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Der Roman hat mich von der ersten Seite an, gefangen genommen. Besonders gut gefallen haben mir die detaillierten Beschreibungen des historischen Bremens. Ich konnte es geradezu bildlich vor mir sehen, riechen und hören. Die Familiengeschichte selbst ist voller Höhen und Tiefen. Ganz nebenbei habe ich einiges über das Uhrmacherhandwerk gelernt. Der Dreh - und Angelpunkt der Geschichte ist Gesche, die dafür sorgt, dass die Werkstatt weiter lebt. Sie geht unbeirrt ihren Weg und ist bereit, dafür auch persönliche Opfer zu bringen. Dies erwartet sie auch vom Rest der Familie. Dadurch wirkt sie oft hart und gefühllos. Heute würde sie vermutlich ein erfolgreiches Familienunternehmen leiten. Überhaupt sind in meinen Augen die Frauenfiguren im Buch die interessanteren und charakterfesteren Persönlichkeiten. Eine Ausnahme muss ich dennoch positiv hervor heben : Nicolaus, Gesches ältester Sohn. Ihm verdanke ich im Buch einige überaus gefühlvolle Kapitel. Er hat sich damit meinen Respekt verdient. Das Buch endet folgerichtig mit Gesches Tod.
Es hat unglaublich Spaß gemacht, die Familie zu begleiten. ich konnte völlig in ihre Welt ein- und abtauchen. ein kleiner Kritikpunkt ist für mich, dass einige Ereignisse allzu vorhersehbar waren. Dafür wurde ich durch manche Wendung überrascht, so dass es nie langweilig war. Es lohnt sich wirklich, die Familie Altendieck kennenzulernen.

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