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Veröffentlicht am 16.11.2019

Traumatisches Geheimnis

Unwetter
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In meinem aktuellen Post soll es dann auch schon um das gehen, was auf meinem Blog großen Raum einnehmen wird: Literatur. Die folgende Buchbesprechung handelt von einem Roman, den ich im Oktober gelesen ...

In meinem aktuellen Post soll es dann auch schon um das gehen, was auf meinem Blog großen Raum einnehmen wird: Literatur. Die folgende Buchbesprechung handelt von einem Roman, den ich im Oktober gelesen habe. Diese Rezension fällt mir alles andere als leicht, denn so wirklich identifizieren konnte ich mich mit den Figuren der Geschichte und der Erzählweise der Schriftstellerin nicht. »Unwetter« heißt das Werk von Marijke Schermer, das im Kampa-Verlag im Herbst diesen Jahres erschien.

Inhalt zusammengefasst

Emilia lebt mit ihrem Ehemann und ihren beiden kleinen Söhnen im niederländischen Amsterdam. Das Zusammenleben ist vor allem von Hektik, Einladungen und Arbeiten im Haus geprägt. Die Eheleute scheinen jedoch rundum zufrieden mit ihrem Leben, bis Emilia ein traumatisches Erlebnis erinnert, dass alles auf den Kopf stellt und von dem niemand weiß. Nicht einmal ihr Mann.

Vor über zwölf Jahren hat Emilia eine schlimme sexuelle Erfahrung machen müssen, deren Schmerz und Scham nun immer mehr an die Oberfläche kommen. Durch ihr Schweigen beginnt ihr Mann Misstrauen gegenüber seiner Frau zu entwickeln und die bis dahin harmonische Ehe bekommt Risse.

So war »Unwetter«

In die Geschichte zu finden, fiel mir anfangs sehr schwer. Weder der Schreibstil, noch die Handlungsweisen der Protagonistin waren für mich absehbar oder immer nachvollziehbar. Im Laufe des Buches wird deutlich, dass Emilia gegen eine Erinnerung ankämpft und versucht mit dieser zu leben. Und so wurde für mich das bis dahin undeutliche Bild klarer. Die Art, wie Schermer ihre Figuren zeichnet, erzeugte in mir kein Gefühl der Nähe für die Personen. Das ist natürlich eine rein individuelle Sichtweise, aber auch der Grund, weshalb mich »Unwetter« nicht ganz einfangen konnte.

Ich favorisiere Familien- und Paargeschichten, mag durchaus auch schwere Kost, komplizierte Charaktere und und tiefgründige Geschichten. Hier aber fehlte mir die Identifikation mit Emilia und die Nachvollziehbarkeit ihrer Handlungen. Die Melancholie, von welcher die Story getragen wird, ist durchweg spürbar und lässt kaum andere Stimmungen zu. Die Beziehung, die vordergründig wichtig für den Handlungsverlauf ist, blieb für meinen Geschmack zu sehr im Dunkeln.So konnte das Buch bei mir leider keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Zitat aus dem Buch

»Sie ließ die innere Verzweiflung hervorbrechen wie eine Woge, der kein Einhalt zu gebieten ist. Für Emilia ist irgendwo an diesem Abend ein Gefühl der Leere aufgeklafft, das sie mit tiefer Bedeutung assoziiert. Es hat sie melancholisch gemacht.« Seite 7

Fazit

Eine langjährige Paarbeziehung, ein großes Geheimnis, tiefe Sehnsüchte, unausgesprochene Worte und die Frage danach, ob wir einander wirklich kennen.

Ich danke dem Kampa-Verlag.

Veröffentlicht am 07.11.2019

Glauben und Gefühl

Die Hochzeit der Chani Kaufman
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"Die Hochzeit der Chani Kaufman" ist ein Roman von Eve Harris aus dem Hause Diogenes, welcher 2015 veröffentlicht wurde. Darin wird die Geschichte der neunzehnjährigen gläubigen Jüdin Chani Kaufman erzählt, ...

"Die Hochzeit der Chani Kaufman" ist ein Roman von Eve Harris aus dem Hause Diogenes, welcher 2015 veröffentlicht wurde. Darin wird die Geschichte der neunzehnjährigen gläubigen Jüdin Chani Kaufman erzählt, die nach nur drei Treffen den angehenden Rabbiner Baruch Levy heiraten soll.

Chani wächst in einer jüdisch-orthodoxen Gemeinde in einem streng gläubigen Umfeld im Londoner Stadtteil Golders Green auf. Neben ihr selbst haben ihre Eltern noch sieben weitere Töchter. Die Brauteltern müssen die Hochzeit ihrer mittleren Tochter Chani ausrichten, die sie bereits ein Vermögen kostete. Auf der Suche nach dem Richtigen lernt Chani den angehenden Rabbiner Baruch kennen.

Baruch stammt, ganz im Gegensatz zu Chani, aus einer wohlhabenden Familie. Seine Mutter ist deshalb nicht von der Wahl ihres Sohnes angetan. Die beiden jungen Leute lassen sich von ihren Heiratsplänen jedoch nicht abbringen, dürfen sich vor der Hochzeit aber weder berühren, noch ihre Zuneigung füreinander bekunden. Neben Chani hat die Rebbetzin Rivka eine tragende Rolle in Harris´Roman. Ihre Geschichte beginnt im Jahr 1982. An der Hebräischen Universität lernt Rivka (damals Rebecca) Chaim kennen, der sich vom liberalen Studenten zum konservativen Rabbiner mausert. Für Chaim ändert Rivka ihr ganzes Leben.

Eve Harris erzählt die ernsthafte Handlung mit viel Witz und Raffinesse und unterhält ihren Leser so auf sehr charmante Weise. Das jüdische Leben im Nordwesten Londons wird sehr lebendig und informativ wieder gegeben. Chani besticht durch ihre mutige, eigensinnige Persönlichkeit, die so ganz anders ist, als die der anderen Mädchen ihrer Gemeinde. So ist sie eine der großen Sympathieträgerinnen des Buches. Eve Harris gestattet ihren Lesern einen tiefen Einblick in die Geheimnisse und Gefühle, in die Rituale und Bräuche der jüdisch-orthodoxen Lebensweise.

Ab der Hälfte fällt das Lesen zusehends schwerer, weil die Geschichte nicht recht weiter zu kommen scheint. Die vielen Perspektivwechsel nehmen der Handlung das Tempo und die Lebendigkeit. Die literarischen Mittel Harris´versagen aber auch hier nicht. Der Mix aus jüdisch-britischem Witz macht Die Hochzeit der Chani Kaufman aus. Ein kluger, tiefsinniger Roman über die Herausforderungen junger Menschen, Glauben und Gefühl miteinander zu vereinen.

Veröffentlicht am 07.11.2019

Von der Angst und wie man sie besiegen kann

Hummeln fliegen auch bei Regen
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Zm zweiten Mal nun nehme ich an der Herzensbuch-Aktion teil und möchte euch ein weiteres meiner Lieblingsbücher näher bringen. Vorweg sei gesagt, dass es mich aus persönlichen Gründen sehr berührt und ...

Zm zweiten Mal nun nehme ich an der Herzensbuch-Aktion teil und möchte euch ein weiteres meiner Lieblingsbücher näher bringen. Vorweg sei gesagt, dass es mich aus persönlichen Gründen sehr berührt und auch geprägt hat. Es handelt von einer jungen Frau, welche an Depressionen und damit einhergehenden Panikattacken leidet. Da ich selbst gut weiß wie unangenehm Panikattacken sein können, weiß ich auch, wie deplatziert Aussagen und Darstellungen – gerade in der Literatur – diesbezüglich oft sind.

Hannah ist Mitte dreißig und depressiv. In aller Regelmäßigkeit muss sie sich mit plötzlich auftretenden Panikattacken auseinandersetzen, die es ihr oft schwer machen, einen normalen Alltag zu führen. Nach dem Auffinden ihres alten Tagebuches in welchem Hannah ihre Träume von einst aufgeschrieben hat, findet ein Umdenken statt. Sie möchte ihre Wünsche in die Tat umsetzen und muss feststellen, dass ihre Ängste ihr zwar zunächst einen Strich durch die Rechnung machen, es sich aber doch lohnt sich diesen zu stellen.

Wie oft habe ich Texte gelesen, in denen die Thematik verharmlost und bagatellisiert wird oder der Erkrankung so viel Raum gegeben wird, dass sie die ganze Persönlichkeit des Betroffenen auszumachen scheint. Es gibt hier meist nur Extreme, die den Kern in keinster Weise treffen. Faktisch ist und bleibt es eine Krankheit, die sich niemand aussucht, die professionelle Unterstützung erfordert, aber wegen derer kaum ein Betroffener eine spezielle Behandlung durch seine Mitmenschen wünscht. Körperlich Kranken wird, aus persönlicher Erfahrung, auch heute noch häufig mehr Verständnis entgegen gebracht als psychisch Erkrankten. Seelisches Leiden ist für die Meisten nicht greifbar und dementsprechend verliert es an Relevanz.

Andrea Kraft litt selbst lange Zeit unter Depressionen und Angstattacken, sodass sie sehr authentisch und einfühlsam, aber auch aufrüttelnd und schonungslos beschreibt, was eine solche Erkrankung mit einem Betroffenen macht und wie er lernen kann sich mit der Depression zu akzeptieren, diese als Teil seiner selbst zu betrachten und Strategien zu entwickeln, letztendlich die Oberhand über diese zu gewinnen. Krafts Protagonistin Hannah durchläuft Phasen der Erleichterung, des Glücks und der Zuversicht, muss aber auch oft gegen Niedergeschlagenheit und Lethargie ankämpfen.

Hummeln fliegen auch bei Regen" ist mutmachend und wertschätzend geschrieben, sodass ich mich als Leserin angenommen und verstanden fühlte. Jeder Betroffene wird sofort spüren, dass die Autorin weiß, wovon sie spricht. Schnell verliert man sich in Selbstmitleid und beginnt, sich von der Außenwelt zu isolieren. Die Kernaussage des Romans: Nimm die Krankheit an und nimm sie ernst, aber lass dein Leben nicht von ihr bestimmen!

Veröffentlicht am 07.11.2019

Erschreckende Interviews

Sex und Lügen
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"Sex und Lügen – Gespräche mit Frauen aus der islamischen Welt" ist ein Sachbuch aus dem Jahr 2018, geschrieben von Leïla Slimani. Veröffentlicht wurde das Buch im btb-Verlag im Hause Randomhouse. Die ...

"Sex und Lügen – Gespräche mit Frauen aus der islamischen Welt" ist ein Sachbuch aus dem Jahr 2018, geschrieben von Leïla Slimani. Veröffentlicht wurde das Buch im btb-Verlag im Hause Randomhouse. Die gebürtige Marokkanerin beschäftigt sich mit einem der größten Tabuthemen der islamischen Gesellschaft, Sexualität, und deckt auf, welch unterschiedliche Rechte Männer und Frauen auch heute noch haben.

Slimani gibt Frauen aus der islamischen Welt eine Stimme. Selbst aus Marokko stammend weiß sie genau, wie schwer es Frauen in dem Land ihrer Eltern haben, wenn es darum geht, offen zu ihrer Sexualität zu stehen. Wer sich als Frau allein auf die Sraße wagt, offen zu seinen Gefühlen steht und seine Partner frei wählt, bringt damit Schande über seine Familie. Die Gesetzeslage geht sogar so weit, das Homosexualität und Ehebruch mit Gefängnis betraft werden. Obwohl Religion in islamischen Ländern eine wichtige Rolle spielt und auch Frauen diese achten, gibt es eine große Zahl unter ihnen, die ein Doppelleben führen, um ihre Sexualität ausleben zu können.

Die Autorin nimmt sich Zeit, um marokkanische Frauen unterschiedlichen Alters und ganz verschiedenen Sozialisationen, gänzlich ungefiltert und vorurteilsfrei Raum zu geben, ihre Erfahrungen mit Sexualität zu schildern. Die Erzählerinnen sind verschieden und haben doch eines gemeinsam: sie spüren eine tiefe Zerrissenheit gegenüber ihrem Land. Da ist zum Einen die Religion und Tradition und zum Anderen der drängende Wunsch nach Selbstbestimmung. Slimani gewährt wichtige Einblicke in die Regeln und Traditionen ihres Heimatlandes und prangert immer wieder die schizophrene gesellschaftliche Denkweise an.

Marokko rangiert auf Platz fünf der Länder weltweit, die Pornografie konsumieren. Viele Männer im Land besuchen regelmäßig Prostituierte um ihre sexuelle Lust zu stillen, während Frauen das Recht auf freie Sexualität verwehrt bleibt. Diese Tatsache allein ist bezeichnend für die Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Ein Umdenken muss stattfinden, damit es auch Frauen ermöglicht wird, sich frei zu fühlen, ihren ganz natürlichen, menschlichen Bedürfnissen nachzugehen. Insgesamt sind es sechzehn Geschichten von Frauen, die Slimani nieder geschrieben hat, die alle auf ihre eigene Weise wachrütteln und nahe gehen.

Leïla Slimani beeindruckt durch ihre klaren Aussagen, ihre wichtige Botschaft und ihren unerschöpflichen Mut. Absolut ein Buch, das man gelesen haben sollte.

Veröffentlicht am 07.11.2019

Zauberhafte Geschichte über eine kleine, mutige Hummel

Die kleine Hummel Bommel
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"Die kleine Hummel Bommel" ist ein 2015 erschienenes Kinderbuch aus dem ars-Edition-Verlag. Die Autoren sind Britta Sabbag und Maite Kelly. Für die Illustrationen ist Joëlle Tourlonias verantwortlich. ...

"Die kleine Hummel Bommel" ist ein 2015 erschienenes Kinderbuch aus dem ars-Edition-Verlag. Die Autoren sind Britta Sabbag und Maite Kelly. Für die Illustrationen ist Joëlle Tourlonias verantwortlich. Das gleichnamige Hörbuch erschien im selben Jahr beim Hörverlag. Neben Die kleine Hummel Bommel beinhaltet die CD auch Die kleine Hummel Bommel sucht das Glück.

Bommel wird von den anderen Insektenkindern ausgelacht, weil sie so kleine Flügel hat. Damit könne sie doch niemals fliegen, spotten die Anderen. Die kleine Hummel ist verunsichert und traurig. Sie fragt sich, warum ihre Flügel soviel kleiner sind, als die ihrer Freunde. Auf der Suche nach Antworten erkennt sie, dass es zum Fliegen nur etwas Mut braucht.

Britta Sabbag, die Autorin des Buches, ist die Sprecherin der Vertonung und leiht zudem Bommel ihre Stimme. Maity Kelly synchronisiert alle anderen Insekten. Die Stimmen der Beiden erwecken die Figuren zum Leben und die individuellen Charakterzüge dieser werden deutlich. So gelingt es Kindern auf leichte Art und Weise, der Geschichte zu folgen und die Figuren voneinander zu unterscheiden. In der Geschichte werden viele wertvolle Attribute wie Freundschaft, Selbstbewusstsein und Toleranz thematisiert. Gerade im Kindesalter sind das elementare Bausteine für die Persönlichkeitsentwicklung.

Die kleine Hummel verkörpert ein zurückhaltendes und warmherziges Wesen, welches mit großer Traurigkeit auf die Verspottung seiner Mitwelt reagiert und sich dadurch erst recht klein fühlt. Gerade Kinder sind leicht zu verunsichern und brauchen viel Zuspruch und Wärme, um Zutrauen in ihre eigenen Stärken zu entwickeln. Die bezaubernde Geschichte der kleinen Hummel Bommel, tut genau das. Sie zeigt uns, dass wir uns nicht verstecken müssen, dass wir etwas Besonderes sind und das jeder seine ganz individuellen Fähigkeiten besitzt. Um diese zu entfalten, bedarf es nur ein wenig Mut.

Die liebenswerten Figuren, die wunderschönen Songs von Maite Kelly und die wichtigen Aussagen des Hörbuchs machen es zu einem ganz besonderen Erlebnis für Kinder und Erwachsene. Inhaltlich regt die Geschichte zum Nachdenken an und gibt einem gleichzeitig das Gefühl, wertvoll zu sein. Die zauberhaften Illustrationen, die sich auch im Booklet wiederfinden, dürfen nicht unerwähnt bleiben. Tourlonias hat einen sehr eigenen und unverwechselbaren Stil, die Figuren zu zeichnen und untermalt damit das gelungene Kinderbuch-Konzept einer herzerwärmenden Geschichte (mit großer Aussage), berührender Musik und liebevoll gestalteter Bilder.