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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.10.2019

Ein mehr als gelungener Auftakt

Heimat ist ein Sehnsuchtsort
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Der erste Teil einer Familiensaga.
Vor dem heraufziehenden Sturm des Zweiten Weltkriegs entfaltet sich das dramatische Schicksal
der schlesischen Familie Sadler von 1928 bis heute – eine Geschichte von ...

Der erste Teil einer Familiensaga.
Vor dem heraufziehenden Sturm des Zweiten Weltkriegs entfaltet sich das dramatische Schicksal
der schlesischen Familie Sadler von 1928 bis heute – eine Geschichte von Liebe und Leid, von Glück und Hoffnung.

Sehr authentisch und bildhaft schildert Münzer nicht nur den Zusammenhalt der Ortsbewohner,
sondern auch die Veränderungen der politischen Szenerie und deren Auswirkungen auf die Bevölkerung
in den Jahren 1928 – bis zum 2. Weltkrieg.
In klaren Worten wird das Leben der Familie Stadler geschildert, die Auf und Abs, immer mit einer
gewissen Spannung im Text.
Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm zu lesen.
Die Charaktere und Ihre Entwicklungen sind wunderbar beschrieben
und man kann sich sehr gut mit ihnen Identifizieren.
Hier wird Zeitgeschichte aus Sicht einer Familie spannend vermittelt.
Der allmähliche Niedergang und Zerfall einer vergangenen Zeit wird
Unprätentiös und lebensnah erzählt, so das es nie rührselig oder kitschig wird.
Man merkt, dass die Autorin sehr gut recherchiert hat. Dieser Roman zeigt was Heimat
wirklich bedeutet. Zumal die Familiengeschichte von Hanni Münzers eigener inspiriert ist.

Als Besonders gelungen finde ich die am Anfang des Buches geschriebene Personenliste und
die Landkarte von Schlesien mit den Grenzen von 1914.
Auch die Nachbemerkung ist sehr lesenswert, so wie die Zeittafel am Ende des Buches.

Ein mehr als gelungener Auftakt der Heimat-Saga!

Veröffentlicht am 25.09.2019

Das lange Schweigen

Luzies Erbe
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Helga Bürster erzählt die Geschichte von Luzies Familie, Luzies Leben während und kurz nach dem 2. Weltkrieg und des totgeschwiegenen Großvaters Jurek, jenes polnischen Zwangsarbeiters, in den sich Luzie ...

Helga Bürster erzählt die Geschichte von Luzies Familie, Luzies Leben während und kurz nach dem 2. Weltkrieg und des totgeschwiegenen Großvaters Jurek, jenes polnischen Zwangsarbeiters, in den sich Luzie in den Wirren des Krieges verliebte.
Dann wurden aus der Rassenschande auch noch zwei Kinder geboren.
Helga Bürster erzählt wie ein Schicksal die Jahrzehnte überdauert und dass es für eine Versöhnung nie zu spät ist.
Das nach Kriegsende der Krieg in den Köpfen der Menschen nicht gleich vorbei ist.
Das sich jede der Verletzungen tief in die Seele der Menschen reingesetzt hat, es ist nicht so einfach ist, das alte Leben wieder aufzunehmen.
Das sich das Schweigen fortsetzt, über die gesamte Familie.
Vier Generationen haben unter dem Mazur’schen Schweigens gelitten.
Es ist tief bewegend, wie ein Schicksal die Jahrzehnte überdauert,
wie das Schweigen über die Vergangenheit eine Familie überschattet.
Alles das wird wunderbar mit sehr ausdrucksstarken Sätzen unprätentiös und lebensnah erzählt, so dass es nie rührselig oder kitschig wird.
Die Charaktere und Ihre Entwicklungen sind wunderbar beschrieben
und man kann sich sehr gut mit ihnen Identifizieren.
Hier wird Zeitgeschichte aus Sicht einer Familie sehr eindrucksvoll vermittelt.
Kein leichtes Buch, für mich eine literarische Perle.

Veröffentlicht am 22.09.2019

Man muss das Leben tanzen

Die Schwestern vom Ku'damm: Wunderbare Zeiten
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Das Lebensgefühl und der Zeitgeist der 1950er Jahre werden sehr gut wiedergegeben. Man merkt, dass die Autorin eine promovierte Historikerin ist. Bis ins kleinste Detail ist alles wunderbar recherchiert.
Berlin ...

Das Lebensgefühl und der Zeitgeist der 1950er Jahre werden sehr gut wiedergegeben. Man merkt, dass die Autorin eine promovierte Historikerin ist. Bis ins kleinste Detail ist alles wunderbar recherchiert.
Berlin von 1952 bis 1957 mit vielen Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft.
Ob Wirtschaftswunder, Arbeiteraufstand, Spannungen zwischen West und Ost, alles wird geschickt mit der Geschichte der Familie Thalheim verbunden.
Das Schicksal dieser Familie wird eins mit dem Berlins. Höhen und Tiefen, Freud und Leid wird mittels dieser wunderbaren Charaktere zu einem Leseerlebnis.
Aber auch die Rolle der Frau in den 50er Jahren wird nicht vergessen.
Ganz tief taucht man in diese Familie ein, lebt und leidet mit ihnen.
Drei Schwestern: Rike, Silvie und Florentine.
Jeder der dreien ist ein Band gewidmet. In Band zwei nun Silvie.

Die Schreibweise der Autorin ist voller Esprit und von einer erfrischenden Leichtigkeit.
Diese Zeitreise ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle.
Es geht um die Liebe, um Träume, Machtkämpfe und immer wieder um das Modekaufhaus Thalheim.
Die Überraschenden Wendungen machen das Lesen zu einem Erlebnis. Das Gefühl Teil dieser außergewöhnlichen Familie zu sein macht einfach großen Spaß.
Ein wunderbares Buch über die politische Lage Deutschlands und auch über die Rolle der Frau in den 50er Jahren.
Erwähnenswert ist noch die detaillierte Zeittafel am Ende des Buches.
Sie rundet das Ganze ab.
Eine unbedingte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 16.09.2019

Der Stolperstein

Vergesst unsere Namen nicht
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Ein Stolperstein in der Stadt Trondheim erinnert an den Juden Hirsch Komissar.
Er wurde während der Besetzung Norwegens von den Deutschen erschossen.
In der jüdischen Tradition heißt es, dass ein Mensch ...

Ein Stolperstein in der Stadt Trondheim erinnert an den Juden Hirsch Komissar.
Er wurde während der Besetzung Norwegens von den Deutschen erschossen.
In der jüdischen Tradition heißt es, dass ein Mensch zweimal stirbt.
Das erste Mal, wenn das Herz aufhört zu schlagen und die Synapsen im Gehirn erlöschen wie das Licht in einer Stadt, in der der Strom ausfällt.
Das zweite Mal, wenn der Name des Toten zum letzten Mal gesagt, gelesen oder gedacht wird, fünfzig oder hundert oder vierhundert Jahre später.
Erst dann ist der Betroffene wirklich verschwunden, aus dem irdischen Leben gestrichen.
Das Leben und das Andenken der Familie Hirsch, das auf einer wahren Geschichte beruht wird hier über vier Generationen erzählt. Eine Erzählung über den Holocaust und über Familiengeheimnisse.

Mit einer sehr ausdrucksstarken Schreibweise nimmt uns der Autor mit in eine schlimme Zeit.
Die jüdische Familiengeschichte von Ellen deren Großeltern eine Tabakfabrik in Oslo besaßen.
Ihnen wurde alles genommen, aber ein Teil der Familie konnte nach Schweden fliehen.
Simon Stranger arbeitet diese Geschichte in einem Roman auf.
Die Kapiteleinteilung ist besonders.
In Form eines Alphabetes von A bis Z werden meist mehrere Stichwörter pro Buchstabe wiedergegeben.

Stranger versucht den Opfern gerecht zu werden, ohne die Täter persönlich zu verurteilen.
In klaren, kühlen Worten fasst er fast schon protokollarisch das Leben einer der Täter zusammen.
Norwegen war 5 Jahre von den Deutschen besetzt.
Der schlimmste von allen, die Bestie Ole Henry Rinnan.
Das Leben dieses unscheinbaren, gehänselten Jungen, der selber ein Opfer war und zum Täter wurde, wird sehr überzeugend beschrieben.
Sehr sachlich und nüchtern wird so das Grauen greifbar, zu welchen Gräueltaten Menschen fähig sind.
Ein sehr tiefer Einblick in die vielleicht dunkelste Geschichte Norwegens.
Historie und Fiktion sind perfekt vermischt.
Die Schreibweise ist wunderbar fließend und macht das Lesen zu einem Erlebnis.
Der Autor bringt die schlimme Zeit der Besatzung auf eine sehr beklemmende Art genau auf den Punkt. Alles wird so real wiedergegeben, das Gefühl alles mitzuerleben ist sehr groß.

Charaktere und Aufbau sind sehr überzeugend und mitreißend.
Alles wirkt etwas ungeordnet, ergibt am Ende aber ein Ganzes.
Die Geschichte von Rinnan nimmt leider mehr Platz ein als die Geschichte von Hirsch und seiner Familie. Da bleiben doch noch etliche Fragen offen.
Das Ende ist aber für mich sehr gelungen.
Es geht um das Verzeihen und Vergeben.
Das wichtigste, niemand wird vergessen.
Die Namen werden weiterhin genannt werden.

Ein ganz wichtiger Roman den man unbedingt gelesen haben sollte.

Diese wunderbaren Zitate müssen noch genannt werden:

-Warum wurde er ermordet, Papa?
Weil er Jude war.
Ja, aber warum? -

-Ich bin kein Jude, ich bin ein Mensch -

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  • Geschichte
Veröffentlicht am 14.09.2019

Ein Wohlfühlbuch

Die kleine Buchhandlung am Ufer der Themse
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Gefühlvoll und mitreißend ist dieser Roman und er erzeugt
eine richtig schöne Wohlfühlatmosphäre, die sich durch das ganze Buch zieht.
Dazu trägt auch die fließende Schreibweise bei.
Die Autorin schafft ...

Gefühlvoll und mitreißend ist dieser Roman und er erzeugt
eine richtig schöne Wohlfühlatmosphäre, die sich durch das ganze Buch zieht.
Dazu trägt auch die fließende Schreibweise bei.
Die Autorin schafft es spielend ihre Charaktere zum Leben zu erwecken.
Die Figuren sprühen vor Leben und Energie und zeigen die Stärke,
die in jedem einzelnen stecken kann.
Erzählt wird in zwei Zeitsträngen die dann am Ende zusammen führen.
Einfühlsam und intensiv wird das Leben von Charlotte und ihren
Freundinnen erzählt.
Man spürt richtig, wie Charlotte langsam wieder Freude am Leben bekommt.
Alles ist möglich, man muss es nur zulassen.
Jeder kann hier ein kleines Stück Hoffnung in sein eigenes Leben mitnehmen.
Nicht nur deshalb ist dieses Buch einfach schön.
Ein warmherziger Roman der einen in den Bann zieht.
Eine Leseempfehlung!