Platzhalter für Profilbild

LindaRabbit

Lesejury Star
offline

LindaRabbit ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit LindaRabbit über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.08.2025

Segantini und Bice

Das Schönste, was ich sah
0

In der Tat habe ich noch nie von Giovanni Segantini gehört. In dem Buch von Asta Scheib wird er als ein außergewöhnlicher Maler seiner Zeit beschrieben. Das Internet, vor allem Wikipedia, bestätigt, dass ...

In der Tat habe ich noch nie von Giovanni Segantini gehört. In dem Buch von Asta Scheib wird er als ein außergewöhnlicher Maler seiner Zeit beschrieben. Das Internet, vor allem Wikipedia, bestätigt, dass es den Maler gab und was für Leistungen er erbrachte.
Das Buch, was ich von einer Nachbarin in Briefkasten gesteckt bekam mit einer Postkarte, wie sehr sie das Buch berührte, war mir unbekannt und ich nahm die ersten Seiten über an, es sei eine Fiktion, ein wunderbar geschriebener Roman. Und erst die Detailtreue, die vielen unterschiedlichen zusammen getragenen Fakten ließen mich recherchieren. Und dann sah ich Fotos seiner Bilder...

Die Lebensgeschichte des Malers begann mich zu interessieren, wie der vernachlässigte Junge seinen Weg gegangen ist, wie er eigensinnig zu einem der berühmtesten Maler seiner Region wurde, und wie er durch die Bosheit seiner Verwandten ein Staatenloser wurde (geboren im Habsburgischen Tirol). Die Liebesgeschichte zwischen Segantini und Bice, aus einer der besten Mailänder Familien, ist mit einem lachenden und einem weinenden Herzen zu lesen. Sie ist tragisch, aber auch wundervoll.

Sein früher Tod ist schmerzlich, denn dieser Künstler hätte noch viele außergewöhnliche Gemälde erstellen können. Aber er hat eine Legende hinterlassen, eine Frau (die niemals mit ihm verheiratet wurde, weil er keine Papiere besaß) und vier Kinder, die etwas von seinem Künstlerischen erbten und viele viele Zeichnungen und Gemälde.

Eine Überraschung, ein unerwartetes Buch mit vielen Eindrücken. Eine Reise zu Regionen, die ich nicht kenne und zu einer herzzerreißenden Lebensgeschichte.

Asta Scheib hat in der Tat eine sehr schöne Biografie geliefert.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.08.2025

Farid und Rana

Die dunkle Seite der Liebe
0

Wer Rafik Schami (so sein Künstlername) noch nicht kennt - dieses Buch ist ein ausgezeichneter Einstieg in die unglaublich tolle Schreibkunst des Exil-Syrers. Er wurde Deutscher und verließ seine Heimat ...

Wer Rafik Schami (so sein Künstlername) noch nicht kennt - dieses Buch ist ein ausgezeichneter Einstieg in die unglaublich tolle Schreibkunst des Exil-Syrers. Er wurde Deutscher und verließ seine Heimat schon lange, denn wer so schreiben kann, redet wohl auch gut und weiß Diktaturen mehr als ihm gut tut an ihrem Ego zu kitzeln. Diktatoren hassen kreative Schriftellernde!

Dieser Roman über die zwei Liebenden erzählt im Rahmen der großartigen Liebesgeschichte (eine syrische Romeo und Julia Version par exellente) auch die politische Geschichte von Syrien.
Farid wird Kommunist, Radikaler, Anarchist, Umtriebiger und landet im Gefängnis. Rana wird gezwungen einen ungeliebten Ehemann zu ertragen, landet in der Psychiatrie. Doch immer denkt Farid nur an Rana, und Rana nur an Farid. Ihre Liebe trägt Früchte (und da scheint ein wenig auch die Lebensgeschichte des Schreibkünstlers Rafik Schami durchzukommen), Flucht, Neubeginn...

Es ist großartig wie Schami die Zustände in Syrien zu dieser Zeit beschreibt. Es ist hinreißend wie er Landschaft, Stadt- wie Landlandschaften, beschreibt. Seine Liebe zu seiner Ursprungsheimat ist deutlich spürbar. Aber auch seine Sensibilität für die Wirren und Gemeinheiten einer diktatorischen Gesellschaft.

Dieses Buch ist Seite für Seite reinster Lesegenuss! Doch für den Vielschreiber Schami braucht es etwas Zeit...

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.08.2025

Geister

Kälteschlaf
0

In dem isländischen Krimi geht es um eine höchst spannende Angelegenheit: Eine Frau wird gefunden, in einem Ferienhaus, Selbstmord. Ihre Freundin wollte sich, nach Absprache mit der Toten, am Wochenende ...

In dem isländischen Krimi geht es um eine höchst spannende Angelegenheit: Eine Frau wird gefunden, in einem Ferienhaus, Selbstmord. Ihre Freundin wollte sich, nach Absprache mit der Toten, am Wochenende dort erholen. Doch diese Freundin bringt den misstrauischen und ermittelnden Kripobeamten auf eine wichtige Spur.
Im Laufe der knapp 400 Seiten wird der lesende Mensch auf eine höchst ungewöhnliche, aber spannende Ermittlung mitgenommen. Und lernt dabei gruselige Dinge: Dass es Medizinstudierende gibt, die anscheinend Nah-Tod-Experimente machen. Dass die Geister der Vergangenheit einen nicht in Ruhe lassen.
Maria und ihr Vater. Erlendur und sein Bruder. Ein verschwundener junger Mann. Eine verschwundene junge Frau.
So werden im Laufe der Geschichte Mord- und Vermisstenfälle aufgeklärt und mit den eigenen Geistern gekämpft...
Wieder einmal hat ein isländischer Autor bewiesen, dass sie eines können auf jeden Fall die Isländer - unglaublich interessante und spannende Krimis schreiben. Und nebenbei lernt man auch noch interessante Fakten, wie Kälte den Herzschlag eines Menschen verlangsamt.
Ich wünsche mir mehr Erlendurs auf dieser Welt!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.08.2025

Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste

Zwiegespräch in der Wüste
0

Die unglaubliche Erzählung zweier junger Geologen, Henno Martin und Hermann Korn, die nach Namibia (damals noch Südwest genannt) gehen. Sie wollen dem Nazi-Reich entkommen und sich auf ihre Geologen Tätigkeit ...

Die unglaubliche Erzählung zweier junger Geologen, Henno Martin und Hermann Korn, die nach Namibia (damals noch Südwest genannt) gehen. Sie wollen dem Nazi-Reich entkommen und sich auf ihre Geologen Tätigkeit konzentrieren.

Als dann viele Deutschstämmige mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges (na, wer hat das veruracht?) von der britischen Kolonialmacht interniert wurden, gehen die beiden mit einem Transporter, Lebensmittel und vielen Überlebensmaterialien in die Wüste. Die Kalahari, einer der härtesten Wüsten der Welt. Als Geologen kennen sie sich aus, sie wissen wie die Wüste reagiert, wo sie Wasser finden können und die wissen auch sich zu ernähren. Sie müssen sich von Menschen fern halten, denn diese könnten sie der Polizei verraten.

Es ist sehr spannend, die Geschichte der beiden zu lesen. Denn es geht nicht nur um die Wüste, die Wetter und die Kargheit auszuhalten. Sie müssen sich auch gegen wilde Tiere wehren, sie müssen ihr Essen erjagen.
Sie schaffen es mit Hilfe von Solarenergie (ja damals schon) ihr Autoradio am Laufen zu halten und verfolgen deprimiert das Weltgeschehen.

Es ist großartig geschrieben und voller Liebe zur Wüste.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.08.2025

Die großartige Schriftstellerin mit Utopien

Charlotte Perkins Gilman: Herland trifft Ourland
0

Charlotte Perkins Gilman - Ende des 19. Jahrhundert, Anfang des 20. Jahrhunderts, als es für Frauen noch schwerer war aus ihren, von der Männerwelt angedachten und erzwungenen Rollen, auszubrechen, schrieb ...

Charlotte Perkins Gilman - Ende des 19. Jahrhundert, Anfang des 20. Jahrhunderts, als es für Frauen noch schwerer war aus ihren, von der Männerwelt angedachten und erzwungenen Rollen, auszubrechen, schrieb sie bereits Utopien, die unglaublich interessant sind.

Von den beiden erwähnten Romanen kenne ich lediglich 'Herland', was mich - trotz der Dünne des Bandes, 186 Seiten, dermaßen fasziniert hat. Ein Land, seit 2000 Jahren männerfrei. Jede Frau wird Mutter eines weiblichen Babys. Die Frauen gestalten ihr Land, unerreichbar für andere, wohlhabend und friedlich. Was für eine herrliche Utopie!

Doch dann kommen drei Männer an, junge Männer; und leider Gottes ist einer von ihnen, Terry, ein übler Macho. Überzeugt von sich und seiner Manneskraft. Die beiden anderen können sich wunderbar in das tolle Land - Herland - integrieren. Terry ist derjenige, der schlimme Gewaltfantasien hat und auch auslebt.
Einer bleibt, weil er sich nicht nur in eine junge Frau verliebt hat sondern auch dieses Land großartig findet. Der zweite, der Ich - Erzähler, muss mit dem bösen Terry, der verbannt wird, ausreisen. Ihm folgt neugierig Ellador, sie will das Heimatland der Männer kennenlernen. Der zweite Teil des Buches, was ich nicht kenne...


Ich vermute, sie wird entsetzt sein. Und im 21. Jahrhundert - geschockt von der Frauengewalt.
Also insofern wäre es mehr als wichtig, diese großartige Utopie wieder für ein größeres Lesepublikum erreichbar zu machen.

Vor allem, dort wo Frauen in der Regierungs'gewalt' sind, geht es friedfertiger zu, als in Ländern wo sich Narzisten und Diktatoren aufspielen und Frauen als ihre Spielzeuge betrachten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere