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Veröffentlicht am 29.10.2024

Mit kleinen Taten etwas Großes bewirken

Ein Funke nur, ein kleines Licht - Eine Geschichte über Liebe und Mut
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Das Bilderbuch „Ein Funke nur ein kleines Licht – Eine Geschichte über Liebe und Mut“ von Milla Shan und von Anita Schmidt liebevoll illustriert wird für Kinder ab 4 Jahren empfohlen. Schon das Cover ist ...

Das Bilderbuch „Ein Funke nur ein kleines Licht – Eine Geschichte über Liebe und Mut“ von Milla Shan und von Anita Schmidt liebevoll illustriert wird für Kinder ab 4 Jahren empfohlen. Schon das Cover ist absolut zauberhaft gestaltet und ruft in mir geradezu das Bedürfnis hervor, das Buch anzuschauen.
Mit der Lebensgeschichte des kleinen Mäuserichs vermittelt das Buch auf herzerwärmende Weise Menschlichkeit, Mitgefühl und Nächstenliebe. Die Botschaft welch große Wirkung jede einzelne kleine Tat haben kann, ist auch für kleinere Kinder mit etwas Unterstützung erkennbar. Es bietet sich allerdings an, die einzelnen Sequenzen noch einmal eingehender mit den Kindern zu besprechen und nicht einfach unkommentiert stehen zu lassen.
Die Bilder sind wunderschön und ansprechend gestaltet. Durch das große Format lässt sich problemlos gemeinsam in das Buch schauen. Den so liebenswerten und herzensguten Mäuschen fliegen die Herzen regelrecht entgegen. Geschickt umgibt Anita Schmidt die Mäuschen passend zum Motto des Buches immer wieder mit einem dezenten Schleier aus Funken und Lichtern.
Milla Shan rahmt das Buch gelungen mit zwei Szenen zwischen Großvater und Mäusekind ein. Ist der Text am Anfang und Ende des Buches auch identisch, so ist das Mäusekind vom Beginn des Buches am Schluss selbst zum Großvater geworden, der die wichtige Botschaft von Liebe und Mut an seinen Enkel weitergibt. Die kompakten Texte sind von Milla Shan in Reimform angelegt und enden auf jeder Doppelseite mit der Botschaft: „Ein Funke nur, ein kleines Licht. Liebe und Mut, mehr braucht es nicht.“. Sehr gelungen, zumal es die Kinder nach den ersten Seiten durchaus animiert die Botschaft mitzusprechen. Leider wird aber das Versmaß nicht immer eingehalten, sodass einige Reime mitunter etwas holprig klingen. Dies wiederum ist sehr schade! Obwohl ich Reime in Bilder- und Kinderbüchern sonst sehr schätze, wirkt es hier manchmal etwas zu sehr gewollt und weniger wäre wohl mehr gewesen. Das gilt auch für die Themen. Man begleitet Mäuserich fast durch sein gesamtes Leben – soweit so gut. Dass aber die Themen Tod und Abschied auf einer Doppelseite kurz angerissen werden, finde ich ein wenig oberflächlich. Allerdings sollten Kinder natürlich generell beim Betrachten des Bilderbuches begleitet werden, somit lässt sich das Thema (wie auch alle anderen Themen) bei Bedarf noch vertiefen.
Großartige Bilder und die äußerst bedeutungsvolle Botschaft machen das Bilderbuch absolut lesens- und vorlesenswert.

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Veröffentlicht am 21.10.2024

Verspricht eine herrliche Lesezeit

Herrliche Zeiten - Die Himmelsstürmer
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Der historische Roman „Herrliche Zeiten – Die Himmelsstürmer“ ist der Auftakt zu Peter Pranges neuen Dilogie. Angesiedelt im viktorianischen Zeitalter, in der Blüte der Industrialisierung, begleitet man ...

Der historische Roman „Herrliche Zeiten – Die Himmelsstürmer“ ist der Auftakt zu Peter Pranges neuen Dilogie. Angesiedelt im viktorianischen Zeitalter, in der Blüte der Industrialisierung, begleitet man die drei ungleichen Protagonisten durch die letzten drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts.
Auch wenn Peter Prange in seinem gut recherchierten Roman viele interessante historische Ereignisse und Personen auftreten lässt, bleibt die Handlung doch fiktional: Die junge Vicky aus bestem Londoner Hause lernt bei einem Aufenthalt in Karlsbad den französischen Koch Auguste und den deutschen Ingenieur Paul kennen. Heimlich verbringen sie einen unvergesslichen Nachmittag bevor sich ihre Wege trennen. Beruflich und privat schlagen alle drei verschiedenste Wege ein, halten aber über die Jahre den Kontakt miteinander. Doch die politische und wirtschaftliche Lage in dieser Zeit ist angespannt und auch das Familienleben nicht einfach.
Das ansprechende Cover verdeutlicht sofort das Genre des historischen Romans. Wer die weiteren Bücher Pranges kennt, bemerkt auch den Wiedererkenungswert auf den ersten Blick.
Inhaltlich gelingt Peter Prange eine ausgesprochen bewegende, wie unterhaltsame Kombination: Er verknüpft wunderbar die spannenden, fiktionalen Lebenswege der Protagonisten mit bedeutenden historischen Gegebenheiten. Derart interessant gestaltet, weckt der Roman eine Menge Neugier. So wurde bei mir das Bedürfnis geweckt, meine geschichtlichen Kenntnisse ein wenig auszubauen und einzelne Ereignisse während des Lesens weiter zu recherchieren. Der Roman, der mit immerhin 663 Seiten ein ordentlicher Wälzer ist, lässt sich ausgesprochen flüssig lesen und begeistert mit enormer atmosphärischer Dichte. Aufgeteilt in drei große Teile mit zahlreichen, oft sehr kurzen Kapiteln, lässt Prange seine Leser mit jedem Kapitel zu einer anderen Figur springen. Prange versteht sich meisterlich darin die Erwartungen des Lesers zu schüren und seine Kapitel genau auf dem Höhepunkt zu beenden, um sich zunächst einem der beiden anderen Protagonisten zu widmen. Das Spannungsniveau bleibt damit konstant auf einem gehobenen Niveau. Hierzu tragen aber auch die vielfältigen familiären, wie finanziellen und existenziellen Probleme und Unstimmigkeiten der drei Figuren bei, die das Geschehen absolut authentisch wirken lassen. Und auch die angespannte politische Lage mit der mal eher hintergründig schwelenden, mal deutlich hervortretenden Kriegsgefahr zieht den Leser in den Bann des Romans.
Die in London beheimatete Vicky hat ihre Jugend sehr behütet und privilegiert verbracht, fühlte sich dabei aber von ihrer strengen Mutter oft eingesperrt. Nach einem folgenschweren Ereignis beugt sich Vicky dem Wunsch der Mutter und heiratet. Nie hätte sie erwartet, dass diese Ehe sie so glücklich macht. Doch die privaten Schicksalsschläge lassen nicht lange auf sich warten.
Nach dem tragischen Verlust des Vaters ist der Berliner Ingenieur Paul zum Familienoberhaupt aufgestiegen. Die nahezu hoffnungslose Lage der Firma und die schwierige Situation innerhalb der Familie verlangen ihm eine Menge ab und treiben ihn in eine Kalkül-Ehe. Gerade in Deutschland ist die drohende Kriegsgefahr besonders präsent, was zu enormen politischen Meinungsverschiedenheiten führt. Meine besondere Sympathie gilt Pauls Neffen Kaspar, der sich entgegen der damals geläufigen Wertvorstellungen seine eigene Meinung bildet, Menschlichkeit beweist und den Mut aufbringt seine Haltung trotz aller Widerstände entsprechend zu zeigen.
Der stolze französische Koch Auguste Escoffier muss hart für sein Ansehen in der Gesellschaft arbeiten. Er gehört, ebenso wie seine Frau Delphine zu den historisch belegten Figuren des Romans. Sein Beruf ist für ihn eine Berufung, quasi die Liebe seines Lebens. Im Gegensatz zu seinen beiden Freunden ist Auguste aber zudem auch eine Liebesheirat vergönnt. Mit der Treue nimmt er es trotzdem nicht allzu genau, was ihn gelegentlich in die Bredouille bringt.
Ein absolut wunderbarer historischer Roman in dem der Leser drei interessante und auf besondere Art miteinander verbundene Charaktere auf ihren verschlungenen Lebenswegen durch schwierige, wie „Herrliche Zeiten“ begleitet. Absolute Leseempfehlung! Ich bin schon sehr gespannt auf den zweiten Teil.

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Veröffentlicht am 07.10.2024

Harmonische Weihnachtsstimmung mit Glockengeläut

Weihnachten in der Rosenholzvilla
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Der Kurzroman „Weihnachten in der Rosenholzvilla“ von Tabea Bach reiht sich nach den ersten beiden Bänden in die Saga rund um die Rosenholzvilla ein. Trotz der vielen Charaktere lässt sich der Roman gut ...

Der Kurzroman „Weihnachten in der Rosenholzvilla“ von Tabea Bach reiht sich nach den ersten beiden Bänden in die Saga rund um die Rosenholzvilla ein. Trotz der vielen Charaktere lässt sich der Roman gut ohne Kenntnis der ersten beiden Bücher lesen. Ich habe mich allerdings sehr über das Wiedersehen mit bekannten Gesichtern in der Tessiner Kulisse gefreut.
Mit etwa 140 Seiten lässt sich das Buch auch in der mitunter stressigen Vorweihnachtszeit entspannt lesen. Zum Schluss gibt es dann auch noch einen Vorgeschmack auf den abschließenden Band der Saga „Entscheidung in der Rosenholzvilla“, der im nächsten Frühjahr erscheint. Backfans werden sich über das vorhandene Spampezie Rezept freuen.
Im Namen der Niklas-Eschbach-Stiftung für erkrankte Musiker begrüßt Elisa kurz vor Weihnachten den ersten Gast in der Rosenholzvilla. Eine unliebsame Überraschung nicht nur für Elisa, denn der Gast stellt sich als alter Bekannter und früherer Konkurrent heraus. Auch das Weihnachtsfest, dass im großen Kreis in der Rosenholzvilla gefeiert wird, muss geplant werden. Zwischen Plätzchenduft, Christbaum schmücken und natürlich musikalischen Klänge bemerkt zunächst niemand, dass eine Katastrophe unmittelbar bevorsteht.
Das weihnachtliche Cover ist ansprechend, hat deutlichen Wiedererkennungswert in Bezug auf die weiteren Bände und passt inhaltlich hervorragend zum Roman. Einzig die Anspielung auf die musikalische Komponente vermisse ich auf dem Cover ein wenig.
Tabea Bach fängt die Weihnachtsstimmung in der Rosenholzvilla sprachlich und atmosphärisch wunderbar ein. Selbst wenn die Stimmung zwischenzeitlich manchmal etwas gedrückt ist, leben die Charaktere bei den gemeinsamen Weihnachtsvorbereitungen spürbar auf. Von den frischgebackenen Spampezie hätte ich am liebsten direkt probiert, dem Streichquartett mit ihren funkelnagelneuen Campanulas gern gelauscht und am Brauch des Glockenläutens teilgehabt. Auch die Aufregung und Angst ist deutlich spürbar, wenn im letzten Drittel des Romans die bis dato eher unterschwellige Spannung sprunghaft ansteigt. Sehr stimmungsvoll finde ich auch, dass weihnachtliche Traditionen aus verschiedenen Ländern in der Rosenholzvilla vereint werden. Ein ganz besonders festliches Gefühl liefert mir vor allem das viersprachig gesungene „Stille Nacht“.
Doch nicht nur musikalisch sind in der Rosenholzvilla diesmal harmonische Töne zu vernehmen. Auch zwischen den Charakteren geht es trotz aller sonstigen Spannungen ungewohnt friedlich zu. Neben den sehr einträchtig verlaufenden weihnachtlichen Vorbereitungen, lässt ein Katastrophenfall die so unterschiedlichen Menschen noch näher zusammenrücken und gemeinschaftlich ihr Bestes geben. Obwohl die Kürze des Buches und die ausgeglichene Stimmung den zahlreichen Charakteren ein wenig Tiefe nimmt, ist es für einen Weihnachtsroman in meinen Augen absolut angemessen: Mit viel Herzenswärme wird der Weihnachtsgedanke der Nächstenliebe in der Rosenholzvilla gelebt. Neben Elisa, die augenscheinlich mit ihren Aufgaben wächst und in fast jeder Situation Ruhe und Überblick bewahrt, rückt auch Mimi, die Heiligabend ihren sechsten Geburtstag feiert, in den Mittelpunkt und wird zu einer echten Heldin. Beide Figuren sind trotz der begrenzten Seitenzahl vielschichtig und authentisch angelegt. Über den Hintergrund Adrien Dufois‘, erster Gast der Rosenholzvilla, erfährt man ein einige interessante Details. Seine mitunter hilfsbereite Art bereits darauf hinweist, dass er hinter seiner ruppigen Fassade eigentlich ein gutes Herz verbirgt. Daher freue ich mich, ihn hoffentlich im nächsten Band wiederzutreffen.
„Weihnachten in der Rosenholzvilla“ ist ein herzerwärmender Weihnachtsroman, in dessen Fokus neben jeder Menge stimmungsvoller Weihnachtsatmosphäre auch Werte wie Nächstenliebe und bedingungslose Hilfsbereitschaft stehen. Im Tessin werden passend zu Weihnachten allseits die Herzen geöffnet. Eine klare Leseempfehlung meinerseits, nicht nur für Weihnachtsromanfans.

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Veröffentlicht am 06.10.2024

Gehaltvolle Themen romantisch verpackt

So laut der Himmel
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„So laut der Himmel“ ist der emotionale dritte Teil von Jessica Winters Oak Harbor-Reihe, der sich auch unabhängig von den Vorgängerbänden problemlos lesen lässt.
Diesmal lässt das Schicksal Thalia und ...

„So laut der Himmel“ ist der emotionale dritte Teil von Jessica Winters Oak Harbor-Reihe, der sich auch unabhängig von den Vorgängerbänden problemlos lesen lässt.
Diesmal lässt das Schicksal Thalia und Seven aufeinandertreffen – in Oak Harbor bereits zum zweiten Mal: Als der charmante Frauenheld Seven in Seattle selbstlos eine hübsche fremde Frau rettet, ist er eigentlich auf der Suche nach seiner bis dato tot geglaubten Schwester. In seiner Mission erfolglos kehrt er nach Oak Harbor zurück. Doch die dunkelhaarige Fremde schleicht sich immer wieder in seine Gedanken. Als er ihr gut ein halbes Jahr später in Oak Harbor überraschend gegenübersteht, geraten die Gefühle in große Aufruhe. Doch beide verbergen nicht nur ihre Gefühle, sondern auch die großen Probleme, die auf ihnen lasten.
Jessica Winter beweist in „So laut der Himmel“ einen lockeren Schreibstil, der sich sehr leicht und flüssig lesen lässt. Sie hält sich wenig mit detailreichen Beschreibungen von Nebensächlichkeiten auf, sondern fängt vor allem die aufbrechenden Gefühle der beiden Protagonisten ein. Durch die Wahl der Erzählperspektive in Ich-Form, die wechselweise aus Sevens und Thalias Sicht dargestellt ist, gelingt ihr das sehr ausdrucksstark.
Der Roman ist in Anbetracht der vielfältigen Problematiken für sein Genre ausgesprochen spannungsgeladen und erfährt kurz vor Schluss noch einmal einen dramatischen Höhepunkt. Mir persönlich sind es allerdings zu viele Baustellen, die hier zum Tragen kommen und vor allem die Wege des Schicksals erscheinen mir an einigen Stellen doch zu überzogen um authentisch zu wirken. Dabei bin ich von der Idee Beeinträchtigungen, wie chronischen Erkrankungen oder Gehörlosigkeit über den Roman in der Gesellschaft präsenter zu machen eigentlich sehr angetan. Schließlich sollte der Umgang und das Zugehen aufeinander eine Selbstverständlichkeit sein. Hier werden allerdings zusätzlich u.a. noch Themen wie Drogenmissbrauch, Obdachlosigkeit, Kindeswohlgefährdung in mehreren Fällen und Traumata angesprochen. Solche tiefgründigen Themen in Hülle und Fülle sind auf knapp 330 Seiten einfach etwas viel, obwohl es der Autorin durchaus gelingt in die Tiefe zu gehen.
Die Figuren des Buches sind durchweg ausgesprochen sympathisch und stellen ihre Hilfsbereitschaft vielfach unter Beweis. Seven und Thalia können sich auf ihre Familien und den Freundeskreis buchstäblich in jeder Lebenslage verlassen.
Mit seiner schlitzohrigen Art hat es mir vor allem Gramps angetan, der hinter seiner manchmal etwas brummigen Art ein wunderbares Herz verbirgt. Seven zeigt sich nach außen hin stets selbstbewusst und souverän. Er ist immer für andere da und überaus hilfsbereit. Nur seine engsten Freunde ahnen, dass ihn sein Gewissen plagt und er sich selbst hinter seiner Fassade nicht das geringste persönliche Glück zugesteht. Abgesehen von seinen Freunden lässt Seven keine engeren Bindungen zu. Thalia dagegen ist oft eher unsicher. Sie hat Pläne für ihr Leben, wird aber von ihrer Krankheit immer wieder aus der Bahn geworfen. Das fehlende Verständnis der meisten Menschen für ihre Krankheit macht ihr noch zusätzlich zu schaffen und sorgt für Zurückhaltung und Bindungsängste. Rückhalt erfährt sie von ihrer Freundin Gemma und ihren Eltern, auch wenn die ihr lange Zeit einen wesentlich Teil ihres Lebens vorenthalten haben.
Alles in allem ist „So laut der Himmel“ trotz romantischer Liebesgeschichte kein reiner Feel-Good-Roman, sondern holt auch viele bedeutende und ernste Themen an die Oberfläche. Überaus angenehm zu lesen und tiefgründig, büßt das Buch lediglich durch einige Schicksalswendungen zu viel ein wenig Authentizität ein. Davon abgesehen ist das Buch wirklich sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 19.09.2024

Oberflächliche Unterhaltung im hübschen Bücherschiff-Ambiente

Winterzauber auf dem kleinen Bücherschiff
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„Ein Buch über Bücher“, dass muss einfach toll sein - insoweit stimmen Miri, Mitbesitzerin des Bücherschiffes und ich in unseren Erwartungen überein. Und ganz ehrlich: Dem kleinen Bücherschiff im Hamburger ...

„Ein Buch über Bücher“, dass muss einfach toll sein - insoweit stimmen Miri, Mitbesitzerin des Bücherschiffes und ich in unseren Erwartungen überein. Und ganz ehrlich: Dem kleinen Bücherschiff im Hamburger Museumshafen Övelgönne würde ich sofort einen Besuch abstatten.
„Winterzauber auf dem kleinen Bücherschiff“ ist der zweite Teil von Tessa Hansens Bücherschiff-Reihe: Katja, Besitzerin des kleinen Bücherschiffs, plant gemeinsam mit dem anderen Trauzeugen Mathis die Hochzeit ihrer besten Freundin Miri. Leider hält Mathis aber im Gegensatz zu Katja rein gar nichts von detailgenauer Planung. Trotz der Widrigkeiten kommen die beiden sich näher. Doch Katjas Vergangenheit holt sie wieder ein und plötzlich steht auch noch die Existenz des kleinen Bücherschiffes auf dem Spiel.
Es mag zumindest teilweise meiner hohen Erwartungshaltung an den Roman geschuldet sein, dass er mich beim Lesen nicht so recht überzeugen konnte. Ich hatte mir einfach mehr versprochen.
Das Cover mit dem stilisierten Bücherschiff im winterlichen Hafen ist zunächst einmal sehr gefällig und passt auch inhaltlich hervorragend zum Roman.
Tessa Hansens Schreibstil ist locker-leicht, sodass sich das Buch trotz einiger Längen gut liest. Allerdings nehmen eben diese Längen dem Roman auch einiges an Spannung aus den Segeln. Es gibt zwar zwei, drei Höhepunkte, dass meiste dreht sich jedoch um den inneren Konflikt den Protagonistin Katja mit sich austrägt und an dem Tessa Hansen ihre Leser nur sehr bedingt teilhaben lässt. Auch in Anbetracht der Tatsache, dass Katja sich immer wieder im Kreis dreht, hätte ich mir hier mehr Tiefe und Intensität gewünscht. Überhaupt hat der Roman zwar definitiv Unterhaltungswert, bleibt aber in Sachen Handlung, Spannung und vor allem mit Blick auf die Charaktere deutlich hinter meinen Hoffnungen zurück.
Mit den Charakteren bin ich leider gar nicht warm geworden. Die eigentlich leicht chaotische Miri ist mir zwar sehr sympathisch geworden, wirkt aber wenig authentisch. Sie scheint auf einer rosa-roten Wolke zu leben und hat kurz nach der verfrühten Geburt ihres Kindes sofort wieder alles im Griff. Stammkundin Frau Tietjen ist ein ziemliches Original und sorgt für das ein oder andere Schmunzeln. Im Verlauf des Romans stellt sich heraus, dass sie eine entfernte Angehörige Katjas ist. Für meinen Geschmack ein recht unglaubwürdiger Zufall. Die erste Begegnung mit Mathis fällt etwas schräg aus. Dann präsentiert er sich jedoch warmherzig und hilfsbereit. Leider lernt man auch ihn nur oberflächlich kennen und erfährt beim Lesen nichts über seine Gedanken und Gefühle. Was das Buch meiner Meinung nach sicherlich aufgewertet hätte. Mit Katja kann ich hingegen gar nichts anfangen. Sie ist von ihrer Vergangenheit offensichtlich ziemlich traumatisiert und erschwert damit sich selbst und anderen das Leben. Ihre Reaktionen wirken teilweise vollkommen unberechenbar und Mathis zeigt sich immer wieder ausgesprochen geduldig ihren „Launen“ gegenüber. In ihrem Fall wäre vermutlich professionelle psychologische Unterstützung ratsam gewesen. Schade auch, dass die Beziehung zwischen Mathis und ihr, zumindest in meinen Augen, sehr oberflächlich bleibt, sodass der Funke einfach nicht so richtig überspringen mag.
„Winterzauber im kleinen Bücherschiff“ ist ein gut zu lesender Unterhaltungsroman in schönem Ambiente, dem aber die Intensität ein wenig abgeht. Ohne allzu hohe Erwartungshaltung lassen sich auf dem Bücherschiff sicher ein paar schöne Lesestunden verbringen.

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