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Veröffentlicht am 01.08.2024

Alles, außer gewöhnlich!

Holly, Herbert und die Fleischfresserpflanze
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Autorin Maja Konrad entwickelt eine herzallerliebste, phantasievolle Geschichte rund um das zentrale Thema Freundschaft. Gewöhnlich geht in der Freundschaft der drei Protagonisten ganz gewiss nicht zu. ...

Autorin Maja Konrad entwickelt eine herzallerliebste, phantasievolle Geschichte rund um das zentrale Thema Freundschaft. Gewöhnlich geht in der Freundschaft der drei Protagonisten ganz gewiss nicht zu. Holly, die nach der Trennung ihrer Eltern bei ihrem Vater lebt, leidet unter einer Matheschwäche und den fiesen Schikanen ihres Mitschülers Nils. Herbert ist gerade eben erst mit seinen Großeltern in die Stadt gezogen. Als besonders helles Köpfchen hat er zwar eine Klasse übersprungen, mit seiner altmodischen Aussehen aber große Schwierigkeiten Kontakte zu knüpfen. Doch es gibt etwas oder besser gesagt jemanden der die beiden verbindet: Herr Pula. Eigentlich wollte Holly auf dem Flohmarkt ja unbedingt den Chamäleonwecker kaufen, der in ihrer Sammlung noch fehlt. Stattdessen dreht die Verkäuferin ihr eine vegetarische fleischfressende Pflanze an, die kurzer Hand auf den Namen Herr Pula getauft wird. Doch schon bald stellt Holly fest, dass es sich bei Herrn Pula um ein ganz außergewöhnliches Gewächs handelt. Herr Pula kann nicht nur nur sprechen, er ist auch ein Mathe-Ass und leidenschaftlicher Koch – und bringt mit seiner leicht überheblichen Art jede Menge Spaß in die Geschichte. Das Geheimnis um Herrn Pula und vor allem die spannende Rettungsaktion schweißen Holly und Herbert fest zusammen. Gemeinsam tritt das ungewöhnliche Trio dem fiesen Nils, dem schmierigen Starkoch Siegfried Schmand und seiner rücksichtslos berechnenden Managerin mutig entgegen.
Trotz des überwiegend einfachen Satzbau bleibt der Schreibstil von Maja Konrad ausgesprochen flüssig. Sowohl zum Lesen, als auch zum Vorlesen ist das Buch damit bestens geeignet. Zudem liefert es tolle Anknüpfungspunkte, um soziale Themen anzusprechen. Die hübschen Illustrationen von Tine Schulz veranschaulichen die Handlung punktgenau und runden den hervorragenden Gesamteindruck ab. Hier passen alle Zutaten absolut stimmig zusammen.
Für dieses wirklich bezaubernde Buch kann es meinerseits nur eine begeisterte Leseempfehlung geben. Viel Spaß mit Holly, Herbert und Herrn Pula!

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.07.2024

Überaus würdiger Abschluss der turbulenten Familientrilogie

Zeit der Schwestern
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Mit Veri, der ältesten der drei Hohenhausen-Schwestern und dem „Traubenfest“ geht Tanja Huthmachers Zeit der Schwestern Trilogie zuende.

Obwohl Veri den frisch verliebten Paaren um sich herum das Glück ...

Mit Veri, der ältesten der drei Hohenhausen-Schwestern und dem „Traubenfest“ geht Tanja Huthmachers Zeit der Schwestern Trilogie zuende.

Obwohl Veri den frisch verliebten Paaren um sich herum das Glück von Herzen gönnt, stimmt es sie doch ein wenig melancholisch. Immer mehr wird ihr bewusst, dass ihr Mann Stefan und sie nur noch bei der Arbeit auf ihrem Weingut ein gutes Team sind. Und auch das Verhältnis zu Teenagertochter Rosalie ist angespannt. Doch wie kann sie dieser Sackgasse entkommen? Welche Veränderungen sind nötig, um der pflichtbewussten Veri neues Glück zu bescheren? Bei all ihren Unsicherheiten stehen die Schwestern Veri stets unterstützend zur Seite und dann gibt es auch noch den Bio-Weinbauern Felix, der Veri nicht nur beruflich interessiert.

Der gewohnt flüssige Schreibstil von Tanja Huthmacher lässt sich sehr entspannt und locker lesen. Die atmosphärischen Beschreibungen der Bodenseeidylle und des Alltag auf dem Weingut machen das Lesen zu einem regelrechten Vergnügen. Es scheint mir beinahe so, als sei Veri diejenige Schwester, die alle Eindrücke um sich herum am intensivsten wahrnimmt und die Leser voller Stolz in ihre Heimat einlädt. Zwar waren mir Caro und Romy ebenfalls sehr sympathisch, trotzdem ist Veri mit ihrer besonnenen und vorausschauenden Art zu meiner Favoritin aufgestiegen. Mit Mitte 40 hat sie ihren Platz im Leben schon gefunden – eigentlich. Beruflich ist sie sowohl mit großer Gewissenhaftigkeit, als auch viel Leidenschaft bei der Sache. Einen guten Tropfen weiß sie überaus zu schätzen, ebenso die Landschaft in der sie lebt. Außerdem blickt sie durchaus über den Tellerrand, möchte sich weiterenwickeln und setzt sich – zunächst schrittweise – neue Ziele. Dabei ist sie allerdings ganz auf sich gestellt, denn in ihrer Ehe kriselt es gewaltig. Ihr Mann Stefan wirkt sehr egoistisch und reagiert mitunter recht zynisch. Er nimmt Veri eher als Geschäftspartnerin denn als Frau wahr. Mit großem Bestreben verfolgt er seine eigenen Interessen, hat aber für Veris Pläne allenfalls ein spöttisches Lächeln übrig. Unterstützung Fehlanzeige. Tochter Rosalie spürt die zunehmende Spannung zwischen ihren Eltern und reagiert verschlossen und gereizt. Ein Stütze in ihrer unglücklichen Lage ist der junge Praktikant Paul. Eine weitere wichtige Figur des Romans ist auch Pauls Vater Felix. Der optimistische und lebensfrohe Bio-Weinbauer weckt Veris Interesse nicht nur in beruflicher Hinsicht und führt ihr obendrein vor Augen wie ein harmonisches Familienleben aussehen kann. An die bereits aus den ersten beiden Bänden bekannten Charaktere knüpft Tanja Huthmacher mit nahtloser Authetizität an. Natürlich stärken die beiden Schwestern und ihre Eltern, sowie Arthur Veri stets den Rücken und haben immer ein offenes Ohr für sie. Dabei sind die einzelnen Familienmitglieder aber auch sehr mit den Turbulenzen ihrer eigenen Leben beschäftigt. In der Familie Hohenhausen ist es im vergangenen halben Jahr einfach ziemlich drunter und drüber gegangen.
Vom Spannungsverlauf ist dieser sehr behagliche Roman eher auf einem soliden Niveau ohne ganz große Höhepunkte einzuordnen. Ganz anders als ihre impulsive Schwester Romy, durchdenkt Veri eben alles ganz genau und wägt die Konsequenzen ab, bevor sie handelt. Immer wieder findet sie sich dabei im Spannungsfeld zwischen ihren eigenen Wünschen und dem vermeintlichen Wohl ihrer Familie wieder. Die Fragen, wie es mit ihrer Ehe und der Beziehung zu ihrer Tochter wohl weitergehen mag bleiben lange offen. Und natürlich sorgt auch die restliche Verwandtschaft zwischen Dating Diner, Kreuzfahrt und Familienglück weiterhin für jede Menge Trubel.

„Traubenfest“ ist der würdige Abschluss der Trilogie und vereint Weinanbau und Bodenseeidylle mit Liebe und Familienzeit rund um eine bewegte Familie voller Neuanfänge. Am Ende dieses wunderbaren Feel-Good-Romans bleibt nur das Bedauern Familie Hohenhausen nun verlassen zu müssen.

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  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 29.07.2024

Berührender Auftakt der Lakeland Love-Trilogie

Nanny über Nacht - Lakeland Love
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„Nanny über Nacht“ ist der Auftakt von Alexandra Zöbelis Lakeland Love Trilogie.

Ausgerechnet an ihrem freien Tag führt der Weg Rettungssanitäterin Harriet an einem Autounfall vorbei. Natürlich eilt ...

„Nanny über Nacht“ ist der Auftakt von Alexandra Zöbelis Lakeland Love Trilogie.

Ausgerechnet an ihrem freien Tag führt der Weg Rettungssanitäterin Harriet an einem Autounfall vorbei. Natürlich eilt sie dem verletzten Tom sofort zur Hilfe und verspricht ihm sogar, sich um seine Tochter Poppy zu kümmern. Obwohl Harriet normalerweise stets eine professionelle Distanz zu ihren Patienten wahrt, freundet sie sich schnell mit Poppy an und fühlt sich auch von ihrem Vater unwiderstehlich angezogen. Doch Tom traut niemandem und hat durchaus seine Gründe mit seiner Tochter ein sehr zurückgezogenes Leben zu führen.

Alexandra Zöbelis Roman lässt sich so wunderbar locker-leicht lesen, dass die Seiten nur so dahingehen. Anschauliche Beschreibungen der idyllisch-ländlichen Wohnsituationen, wechseln sich mit dramtischen Szenen aus Harriets Berufsalltag ab. Durch die Erzählperspektive in der 3. Person erfährt der Leser eine Menge sowohl über Harriets als auch Toms Gefühle. Lediglich einige Wiederholungen in der Ausdrucksweise fallen auf, stören das Lesevergnügen aber kaum.
Zentrale Themen des Romans sind vor allem Familie und Hilfsbereitschaft, ganz nebenbei wird hier aber auch Inklusion vorgelebt. Daher verwundert es auch nicht, dass als Nebenfiguren vor allem Harriets Familienmitglieder in Erscheinung treten. Allesamt recht charakterstark und in ihrer Hilfsbereitschaft stets zuverlässig, mischen sie sich auch gern mal ungefragt ein, wenn es um ihre Lieben geht. Die Neugierde auf die nächsten beiden Bände, in denen es um die zerstrittenen Brüder geht, wird dabei zweifelsfrei geschürrt. Ein paar fiese Gestalten kommen natürlich auch zum Vorschein. Allen voran der deutsche Nachbar Kai-Uwe und sein Mitarbeiter Mick, was vielleicht ein wenig klischeehaft wirkt. Die 12 jährige Poppy hat das Down-Syndrom, kämpft aber sehr entschlossen und ziemlich diszipliniert dafür, ein ganz normales Kind zu sein und auch als solches behandelt zu werden. Leicht hat sie es damit nicht. Aufgeben ist für Poppy aber keine Option. Tom ist auf den ersten Blick ein sehr liebenswerter und sympathischer Mann. Wenn es um seine Tochter geht, wird er allerdings schnell zum Übervater und lässt kaum bis gar nicht mit sich reden. Er lebt sehr zurückgezogen und es fällt ihm schwer Vertrauen zu seinen Mitmenschen zu fassen. Trotzdem geht Harriet ihm wirklich unter die Haut, obwohl sie immer wieder an seinem wunden Punkt ansetzt. Harriet liebt ihre anspruchsvolle Arbeit als Rettungssanitäterin und hat sich geschworen Job und Privates streng voneinander zu trennen. Dass Tom und seine liebenswerte Tochter diesen Grundsatz gefährlich ins Wanken bringen, ist ihr eigentlich gar nicht recht. Auch die Geheimnisse, die er mit sich herumträgt missfallen ihr sehr. Ihrem Herz ist das aber leider vollkommen egal.
Wie es für einen absoluten Wohlfühlroman so üblich ist, zeigt der Spannungsbogen zwar hier und da mal einen deutlichen Aufschwung, bleibt aber im Großen und Ganzen auf einem soliden und überwiegend berechenbaren Niveau. Das heißt allerdings keinesfalls, dass in dem Roman durchgängig eitel Sonnenschein herrscht. Einige dramatische und nachdenklich stimmende Momente halten die Geschichte sehr authentisch.
Insgesamt gesehen ist „Nanny über Nacht“ eine wirklich sehr lesenswerte Wohlfühllektüre. Mit viel Herz, romantischen Momenten und vor idyllischer Kulisse lassen sich mit diesem Roman überaus behagliche Lesestunden verbringen.

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Veröffentlicht am 16.07.2024

Luxus, Leidenschaft und ein tragisches Familiengeheimnis

Northern Sky (Rosenborg-Saga, Band 3)
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„Northern Sky“ ist der dritte und damit abschließende Teil der Rosenborg-Saga, in der Autorin Inga Schneider ihre Leser mitnimmt in die dänische High-Society. Auch ohne Kenntnis der ersten beiden Teile ...

„Northern Sky“ ist der dritte und damit abschließende Teil der Rosenborg-Saga, in der Autorin Inga Schneider ihre Leser mitnimmt in die dänische High-Society. Auch ohne Kenntnis der ersten beiden Teile kann man sofort und problemlos in das Leben des jüngsten Bjerregaard Sprosses Frederik und der Journalistin Camilla eintauchen.

Frederik Bjerregaards Leben gleicht einer Party: Feiern, Alkohol und Frauen bis zum Abwinken und bloß keine Verbindlichkeiten eingehen. Doch als er unerwartet Camilla, die beste Freundin seiner Zwillingschwester wiedertrifft und die Geschwister ihm gemeinsam mit dem verhassten Vater auch noch einen Job aufs Auge drücken wird Frederiks Lebenswandel gehörig durcheinander gewirbelt. Ob er Camilla, die als Journalistin einen Artikel über das Jubiläum des Rosenborg-Imperiums seiner Familie schreiben soll, wohl anvertrauen kann, was sein Innerstes bewegt?

Inga Schneider lässt das Geschehen dank ihres wunderbar flüssigen und detailverliebten Schreibstils beim Lesen sehr lebendig erscheinen. Über den Großteil des Romans ist es eine regelrechte Freude diese präzisen Beschreibungen zu genießen. Einige weniger handlungsrelevanten Textstellen hätten für meinen Geschmack aber auch etwas kürzer abgehandelt werden können. Erzählt wird der Roman in der 3. Person, wodurch der Leser deutliche Einblicke sowohl in Camillas, als auch Frederiks Gefühls- und Gedankenwelt erhält.
Das Cover lässt schon einen ersten Einblick in die gesellschaftlichen Dimensionen des Romans erahnen. Da es sich um den dritten Band einer Familiensaga handelt, fehlt mir hier jedoch ein wenig der Bezug zur Familie. Dennoch passt das Cover hervorragend zu den beiden Vorgängern.
Obwohl Frederik Bjerregaard nach außen hin den verwöhnten, lebenslustigen Sunnyboy verkörpert und einen luxuriösen und eher oberflächlichen Lebenswandel pflegt, gibt es in seinem Leben doch so einige wunde Punkte. Ganz oben anzuführen ist dabei seine zerrüttete Familie und das miserable Verhältnis zu seinem Vater. Frederik ist durchaus bereit alles auf’s Spiel zu setzen, um sich an seinem Vater zu rächen und ihn in den Abgrund stürzen zu sehen. Von diesen Gefühlen besessen, lässt er sich zu einer ebenso unbeherrschten wie ungerechten Reaktion hinreißen, die nicht leicht verzeihlich ist. Andererseits zeigt Frederik sich aber auch immer wieder ausgesprochen einfühlsam und nimmt die Stimmung in seinem Umfeld sehr feinfühlig wahr. Journalistin Camilla hat einen gewaltigen inneren Konflikt auszutragen: Um ihre Lebenshaltungskosten zu begleichen, muss sie im Leben der Bjerregaards einen Skandal aufstöbern und darüber berichten. Doch Louise Bjerregaard ist ihre beste Freundin und Frederik gerade dabei ihr Herz zu erobern. Gefangen zwischen dem Vertrauen ihrer Freunde und ihrer prekären Finanzlage trifft Camilla eine folgenschwere Entscheidung, die ein lange verschwiegenes Familiengeheimnis ans Licht bringt und auch ihr eigenes Glück gefährdet.
Der Roman startet sehr unterhaltsam und legt einen deutlichen Fokus auf das Verhältnis von Camilla und Frederik. Mit zunehmender Kontroverse zwischen Frederik und seinem Vater und der zugespitzten Situation für Camilla nimmt auch die Spannung zu. Bis kurz vor Schluss bleibt die Frage um Camillas möglicherweise hochexplosiven Artikel ebenso offen, wie der Familienzwist. Auch zwischen Frederik und Camilla wird es noch einmal spannend. Hinzu kommt, dass die Familiengeschichte einen gesellschaftlich sehr relevante Hintergrund hat und durch diesen folgenschwer beeinflusst wurde, sodass die Handlung zum Schluss noch einmal deutlich an Tiefgang gewinnt.
Northern Sky vereint in einem hervorragenden Schreibstil Luxus, Leidenschaft und Tiefgang miteinander. Zum Abschluss der Saga wird nun auch endlich das alles beherrschende Familiengeheimnis gelüftet.

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Veröffentlicht am 15.07.2024

Selbstfindung, Liebe und jede Menge schwedisches Flair

Mittsommercamp zum Verlieben
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Der jüngste Band der Reihe Travel Love Stories kommt aus dem hohen Norden: Michaela Metzners Roman „Mittsommercamp zum Verlieben“ liefert wunderschöne hyggelige Wohlfühlmomente und mit viel Lokalkolorit ...

Der jüngste Band der Reihe Travel Love Stories kommt aus dem hohen Norden: Michaela Metzners Roman „Mittsommercamp zum Verlieben“ liefert wunderschöne hyggelige Wohlfühlmomente und mit viel Lokalkolorit das Schwedenfeeling für Zuhause.

Nach 14 Jahren Beziehung wird Bea von ihrem Verlobten Thomas sitzen gelassen. Kurzerhand beschließt sie Deutschland den Rücken zu kehren und nach Schweden auszuwandern. Vor Ort muss sie jedoch feststellen, dass ihr Plan nicht zu Ende gedacht war. Um ihre marode Hütte zu sanieren, nimmt Bea den Betreuerjob in einem Sommercamp für Teenager an. Neben herausfordernden Kindern hat sie es nun auch noch mit dem äußerst mürrischen Chef Ed zu tun, der ihr Herz schneller schlagen lässt und kommt nicht umhin ihr eigenes Leben zu überdenken.

Michaela Metzner beschreibt in einem sehr flüssigen Schreibstil vor allem die landschaftlichen Besonderheiten sehr greifbar, sodass ich mich als Leser voll und ganz in die schwedische Landschaft zwischen See und Wald versetzt fühle. Auch die landestypischen Sitten und Gebräuche, sowie die eingestreuten schwedischen Wörter tragen zu diesem Gefühl bei. Wer sich die Wörter nicht erschließen kann, findet auf den letzten Seiten eine Wörterliste. Der Roman wird aus der Ich-Perspektive erzählt, wobei diese abschnittsweise zwischen Bea und Ed wechselt. Eigentlich ein cleverer Schachzug, genau an dieser Stelle hätte ich mir aber doch noch etwas mehr Intensität in dem großen Gefühlsaufruhr gewünscht.
Die Hauptfiguren sind ausgesprochen sympathisch und charakterlich sehr verschieden, was die Handlung um so interessanter macht. Der Sozialarbeiter Ed betreut nicht nur das Sommercamp, sondern auch Kinder und Jugendliche in Stockholm, die in heiklen (familiären) Situationen stecken. In seiner Arbeit mit den Kindern zeigt er sich stets souverän. Aber auch er hat sein eigenes Päckchen zu tragen. Recht wortkarg und manchmal etwas brummig, lässt er nicht so leicht jemanden an sich heran. Die deutsche Sekretärin Bea hat eigentlich überhaupt keine Ahnung von Kindern und wirbelt mit ihrer mangelnden Erfahrung und ihrer Tollpatschigkeit das Campleben ziemlich durcheinander. Überhaupt verhält sie sich mitunter recht widersprüchlich, ziemlich stur, mal spontan und chaotisch, dann wiederum absolut organisiert. Neben ihrem Beziehungsende muss sie sich nun endlich auch den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen und gelangt dabei durchaus zu überraschenden Einsichten. Auch das Mädchen Rika ist eine spannende Figur: Mit einer alkoholkranken Mutter und ohne Kontakt zu ihrem Vater hat sie es nicht leicht im Leben und kompensiert ihre Enttäuschung und Überforderung mit provokantem, wie selbstverletzenden Verhalten. Sie und ihre Situation sind für Bea der Auslöser sich mit dem eigenen Leben auseinanderzusetzen.
Die ganz große Spannung kommt in diesem kuscheligen Wohlfühlroman nicht auf, was für diese Art Lektüre allerdings weder untypisch noch negativ ist. Über viele kleine und größere Umwege läuft die Handlung auf ein Ende hinaus, dass sich schon beim Lesen des Klappentextes erahnen lässt. Durch die authentisch wirkenden Schwierigkeiten einer Auswanderin und viele persönliche Schicksalsschläge und Probleme sowohl bei den Hauptcharakteren wie auch bei den Jugendlichen wird es aber auf keinen Fall langweilig. Man merkt auf jeden Fall, dass die Autorin über eigene Schwedenerfahrungen bauen kann. Ernste Themen werden zwar angerissen, aber nicht soweit vertieft, als dass die Wohlfühlatmosphäre in Gefahr gerät.
Diese cozy Liebesgeschichte mit viel schwedischem Flair und einer guten Portion Selbstreflexion ist eine ideale leichte Sommerlektüre, nicht nur für Schwedenfans.

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