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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.10.2025

Generationsübergreifende Konflikte

Großmutters Geheimnis
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Benjamin Koppel präsentiert mit seinem Roman ‘Großmutters Geheimnis‘ eine Geschichte, die sich vielschichtig, konfliktreich und verstörend zugleich zeigt. Es ist die weiterführende Schilderung von Schicksalen ...

Benjamin Koppel präsentiert mit seinem Roman ‘Großmutters Geheimnis‘ eine Geschichte, die sich vielschichtig, konfliktreich und verstörend zugleich zeigt. Es ist die weiterführende Schilderung von Schicksalen einer jüdischen Familie, die in ‘Annas Lied‘ ihren Anfang fand. In der Musik, das alles Verbindende, finden die Protagonisten ihre Heimat. Sie fühlen jeden Ton, erleben diesen auf ihre ganz eigene Art im Innersten bewegend, intensiver als jedes Wort es auszudrücken vermag. Musik ist das verbindende Element zwischen Ruth, Lillian und Alexander, eine Sprache, die sie hervorragend verstehen und sprechen.
In den beiden Handlungssträngen des Romans kommt zum einen die sehr betagte, über neunzig jährige Ruth zu Wort, die ihre Lebensgeschichte auf Kassetten aufnimmt, in der Hoffnung, dass ihr Enkel sich diese eines Tages anhören wird. Es sind äußerst bewegende Worte, die ihr nicht leichtfallen, sie auszusprechen, die eine grausame menschenverachtende Zeit unter der Naziherrschaft im Ghetto Theresienstadt beschreiben. Sie schildert darüber hinaus, wie konfliktreich sich ihr weiteres Leben als Konsequenz dessen, was sie als sehr junge jüdische Frau erleiden musste, gestaltet hat. Äußerst berührend und mitfühlend zeichnet der Autor diesen Charakter.
Der andere Handlungsstrang führt nach Kopenhagen der Jahre 2015 und 2016. Alexander, ein talentierter, junger Musiker ist unzufrieden mit sich und dem was um ihn herum passiert. Die Ursachen dafür bleiben lange Zeit im Verborgenen. Nur seine äußerst egozentrische Mutter Lillian könnte ein Grund dafür sein oder ist es eher der übergroße Wunsch seiner langjährigen Freundin, die alles unternimmt, um endlich schwanger zu werden?
Im Roman werden schwerwiegende Themen wie Identitätskrisen, generationsübergreifende Konflikte mit ausgeprägten Angststörungen, Ablehnung und Suchtprobleme angesprochen, die nach Lösungen schreien. Wie diese umgesetzt wurden, ist sicherlich sehr individuell zu betrachten. Für mich kamen die Auflösungen der Konflikte überraschend schnell, ohne den von mir erwarteten Schlussakkord, der dieser spannenden, sich stets steigernden Geschichte letztendlich die ihr gewünschte Tiefe verleiht.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.10.2025

Ein Fest für jeden Automobil-Liebhaber

Autos - mi amore!
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In Luca de Meos Sachbuch ‘Autos – mi amore! Eine Reise durch die unglaubliche Welt des Automobils von A-Z‘ kann sich der begeisterte Autoliebhaber von seinen schönsten Träumen einfangen lassen und in ...

In Luca de Meos Sachbuch ‘Autos – mi amore! Eine Reise durch die unglaubliche Welt des Automobils von A-Z‘ kann sich der begeisterte Autoliebhaber von seinen schönsten Träumen einfangen lassen und in die ach so wunderbare, faszinierende Welt der Motorisierung eintauchen. Der Autor weiß nicht nur fundiert und interessant über die rassigen Kisten mit den charmanten PS-Zahlen unter der Haube zu berichten, nein auch die ein oder andere Geschichte rund um die Branche und ihren großen Managern vermittelt er mit großen Unterhaltungswert. Natürlich bekommt auch Michael Schumacher seinen Platz in einem besonderen Artikel. An welchen verstörenden, durchdringenden Blick die Frontpartie des Peugeot 504 erinnert, verrate ich jetzt nicht. Das zeigen aussagekräftige Zeichnungen, die das geschriebene Wort an der ein oder anderen Stelle im Buch wunderbar beleben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 27.10.2025

Was kann man glauben?

HEN NA IE - Das seltsame Haus
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Der japanische Schriftsteller Uketsu konnte mich auch mit seinem zweiten, beim Bastei-Lübbe Verlag erschienenen Kriminalroman ‘HEN NA IE – Das seltsame Haus‘ begeistern. Sein Schreibstil ist anders, man ...

Der japanische Schriftsteller Uketsu konnte mich auch mit seinem zweiten, beim Bastei-Lübbe Verlag erschienenen Kriminalroman ‘HEN NA IE – Das seltsame Haus‘ begeistern. Sein Schreibstil ist anders, man muss sich darauf einlassen, wie er Geschichten erzählt, sie gestaltet, seine Charaktere formt, um sie urplötzlich wieder in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Nicht nur einmal dachte ich beim Lesen, habe ich hier irgendwas verpasst? Es hilft sehr genau und konzentriert in der Geschichte zu sein, damit man auch die kleinen versteckten Details wahrnimmt, sie einordnet und na ja, dann doch eine falsche Spur verfolgt. So jedenfalls ist es mir ergangen. Mir fällt immer wieder der Vergleich mit dem Film ‘Die üblichen Verdächtigen‘ ein, um das Wesen des Buches annähernd zu beschreiben.
Der Investigativjournalist und Ich-Erzähler, dessen Identität zum Schluss als Überraschung enthüllt wird, tauscht sich mit einem Freund über dessen Wunsch ein Haus in Tokio zu kaufen, aus. Dabei begutachten beide den Grundriss und natürlich die Lage, die sich idealerweise in der Nähe zur nächsten Bahnstation befinden sollte. Beim näheren Betrachten die Baupläne kommen dem Ich-Erzähler Zweifel. Daher tauscht er sich mit einem Architekten aus, der sich in seiner Freizeit mit Okkultismus und dem Lesen von Kriminalromanen beschäftigt. Auch der Leser wird nun aufgefordert, die Baupläne genauer zu betrachten. Und tatsächlich entdeckt man einige Merkwürdigkeiten, die nach Meinung des Architekten und Hobbykriminalisten offensichtlich mit einem finsteren, spirituell geprägten Geheimnis verbunden sind. Doch kann das überhaupt sein?
Die Geschichte entwickelt sich zunächst moderat trotz einer mörderischen Theorie. Es bleibt Zeit, den eigenen Gedanken nachzugehen. Dann plötzlich fügt sich ein Puzzle zum anderen. Man glaubt sich schon auf der Ziellinie der Aufklärung zu befinden, wirft letztendlich eine Aussage noch einmal alles über den Haufen.
Meisterhaft komponiert mit vielen Wendungen und einem lauten finalen Paukenschlag präsentiert sich Uketsus Kriminalroman, den ich Lesern empfehle, die gern neue Pfade im Genre betreten möchten.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 27.10.2025

Die Magie des hohen Nordens

Keltische Winternächte
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Das Jahr neigt sich seinem Ende entgegen. Die Sonnenstunden werden weniger, dicke regenschwere Wollen ziehen über den Himmel und lassen schwere Tropfen auf die Erde niederprasseln. Bald schon werden sie ...

Das Jahr neigt sich seinem Ende entgegen. Die Sonnenstunden werden weniger, dicke regenschwere Wollen ziehen über den Himmel und lassen schwere Tropfen auf die Erde niederprasseln. Bald schon werden sie sich in Schneeflocken verwandeln und eine weiße Decke über die Landschaft legen. Es wird still und dunkel, nur der Wind streift fauchend über die abgeerntete Felder, um die Häuser, die sich ganz klein machen und aus deren Schonsteinen dicker, weißer Rauch aufsteigt, der eine wohlige Wärme in den Stuben erahnen lässt.
Schon sind wir gefangen in der zauberhaften Welt der Märchen, die uns an langen Winterabenden angenehm unterhalten. Loireag na Mara entführt uns in ‘Keltische Winternächte‘ in das Land der Feen und geisterhaften Erscheinungen, die wundersame Dinge hervorzaubern, manchmal ein wenig gruselig daherkommen. Traumhafte Grafiken von Liga Klavina-Raiska mit kleinen versteckten Details, wenn man genau hinschaut, gestalten diese Buch zu einem Kleinod der Extraklasse. Es macht einfach ungeheuren Spaß sich beim Betrachten zu verlieren und dabei Entspannung zu finden.
Wer auf der Suche nach einem märchenhaften Geschenk ist, kann hier fündig werden mit diesem besonderen Buch aus dem Wunderhaus Verlag.

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Veröffentlicht am 26.10.2025

Rätseln als Kunst erhoben

Die Bibliothek meines Großvaters
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Masateru Konishi debütiert mit seinem Roman ‘Die Bibliothek meines Großvaters‘, der in Japan eine begeisterte Leserschaft besitzt, bereits ausgezeichnet wurde und als erster Teil einer geplanten Trilogie ...

Masateru Konishi debütiert mit seinem Roman ‘Die Bibliothek meines Großvaters‘, der in Japan eine begeisterte Leserschaft besitzt, bereits ausgezeichnet wurde und als erster Teil einer geplanten Trilogie den Markt eroberte.
Die vielen kleinen Geschichten mit mystischem und kriminalistischem Hintergrund reihen sich ein in eine Familiengeschichte. Dabei steht die Beziehung zwischen der siebenundzwanzig jährigen Kaede Iwata und ihrem an Demenz erkranktem Großvater, die sich beide beim Lösen von rätselhaften Kriminalgeschichten verlieren können, im Mittelpunkt der Handlung, bildet einen Rahmen. Insbesondere der Großvater verfügt in seinen bewussten Zeiten, ein großes, phänomenales Gespür, der Wahrheit hinter den verworrenen Fällen auf die Spur zu kommen. Selbst als Kaede in eine gefährliche Situation gerät, steht ihr Großvater hilfreich an ihrer Seite.
Der Schreibstil ist eher ruhig, fast schon zurückhaltend. Die Charaktere zeichnen sich durch positive Strukturen aus. Der Roman zeigt in seiner Vielschichtigkeit ein berührendes Verhältnis zwischen zwei Menschen mit einem deutlichen Generationsunterschied, eine sich entwickelnde Liebe und jede Menge spannende Unterhaltung.

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