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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.10.2024

Einsamkeit und Liebe

Nach uns der Himmel
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Simone Buchholz schenkt uns Lesern mit ‘Nach uns der Himmel‘ eine Geschichte, die auf dem ersten Blick klar und eindeutig interpretierbar erscheint. Doch dieser Schein trügt, weil beim genaueren Hinsehen ...

Simone Buchholz schenkt uns Lesern mit ‘Nach uns der Himmel‘ eine Geschichte, die auf dem ersten Blick klar und eindeutig interpretierbar erscheint. Doch dieser Schein trügt, weil beim genaueren Hinsehen und fortscheitendem Leseerfolg feine Nuancen beim Abweichen vom Mainstreamgedanken, Gedankenspiele zulassen und gewaltige Metapher für Liebe, Freundschaft, Vertrauen, Trauer und Tod erkennbar machen.
Fein konstruiert beginnen die beiden Lesestränge scheinbar unabhängig voneinander und fließen nebeneinander her. Umso erkenntnisreicher erweist sich ihr Aufeinandertreffen, ihr Zusammenprall in einen mitreißenden Strom, der Gefühle freisetzt und durch seine Darstellung von Parallelen zum alltäglichen Leben, das Ausbrechen aus dem Schmerz verdeutlicht. Welche Bedeutung besitzt das aus Unachtsamkeit oder menschlichem Begehren resultierende Fehlverhalten für die Befreiung aus mentalen Fesseln? Letztendlich stellt sich die Frage was am Ende bleibt, wofür es sich lohnt positive Energien freizusetzen.
Der Roman ist schnell gelesen, besitzt jedoch einen Nachhall, der vielseitige Fassetten unseres Lebens berührt, nicht unbedingt vordergründig aber auf dem zweiten Blick um so tiefgreifender. Die Einsamkeit letztendlich, in den Charakteren der Protagonisten in ihrer Unterschiedlichkeit treffend beschrieben, schränkt die Freiräume in jeglicher Form stetig ein, kommt schleichend, entwickelt sich als Dämon.
Meine Leseempfehlung bekommt dieser Roman, der berühren möchte.

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Veröffentlicht am 16.10.2024

Großartiges samtiges weihnachtliches Erlebnis nach britischer Art

Velvet Winter
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Bereits das wunderschöne Cover aus Leinen mit stimmungsvollen winterlich eingeschneiten Bäumen, das bordeauxrote Farbband, welches den Titel des Buches schmückt und schließlich die reichlich bebilderte ...

Bereits das wunderschöne Cover aus Leinen mit stimmungsvollen winterlich eingeschneiten Bäumen, das bordeauxrote Farbband, welches den Titel des Buches schmückt und schließlich die reichlich bebilderte Banderole, auf der uns die Autorin in samtener Robe entgegenlächelt, ist ein Augenschmaus von besonderer Klasse. Ein Hauch von Samt zieht sich durch die Seiten des Buches und erzeugt eine wohlige, angenehme Atmosphäre in der Zeit eisiger Winde an frostigen Tagen oder trüber Regentage. Britische Behaglichkeit macht sich breit und stimmt ein auf die festliche Weihnachtszeit.
Die Autorin Theresa Baumgärtner präsentiert mit ihrem zauberhaften Koch-, Back- und Bastelbuch 'Velvet Winter – Wintertage wie Samt und Seide' nicht nur einzigartige Rezeptideen, nein, sie wertet diese Lektüre auf durch wunderschöne, stimmungsvolle Fotografien aus Oxford und der Cotswolds Region und erzählt kleine Geschichten dazu.
Aufgeteilt ist dieses Buch in drei große Passagen.
Es geht los mit einem royalen Frühstück und dem Tee um elf. Hier werden wir bekannt gemacht mit Rezepturen für eine Vielzahl von Brotsorten und Variationen von Kuchen, für Marmelade, und Pancakes mit Beeren. Die muss man mal probieren. Mir haben die Pancakes sehr gut geschmeckt.
Danach wird fein aufgetischt mit Salat- und Gemüsegerichten, Fisch und Fleisch fehlt natürlich auch nicht. Zur würzigen Käseauswahl reicht man selbst hergestelltes Chutney. Köstliche Desserts beschließen die festliche Tafel.
Endlich ist die Zeit gekommen für Köstlichkeiten am Kamin und gemeinsames Schmücken. Hier werden kleine verführerische Spezialitäten vorgestellt. Ich habe mir schon einmal einen Hot Apple Cider gegönnt. Der Bastelspaß für die ganze Familie kommt an dieser Stelle des Buches auch nicht zu kurz.
Mir gefällt dieses kleine Kunstwerk, herausgegeben vom Brandstätter Verlag, mit den leicht nachzuarbeitenden Anleitungen ausgesprochen gut. Das Geschenkpapier wird auch gleich mitgeliefert für alle, die noch ein wertiges Präsent für samtige Weihnachten suchen. Meine Empfehlung gebe ich hier sehr gern.

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Veröffentlicht am 16.10.2024

Den großen Traum wahr werden lassen

Der Zauber des Berges
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Daniela Holsboer beschenkt uns pünktlich zum einhundertsten Jahrestag der Herausgabe von Thomas Manns 'Zauberberg' mit der Vorgeschichte dieses großen nicht nur im deutschsprachigen Raum gefeierten Romans. ...

Daniela Holsboer beschenkt uns pünktlich zum einhundertsten Jahrestag der Herausgabe von Thomas Manns 'Zauberberg' mit der Vorgeschichte dieses großen nicht nur im deutschsprachigen Raum gefeierten Romans.
'Der Zauber des Berges' nimmt uns mit in das Bergdorf Davos. 1867 reist Willem Jan Holsboer gemeinsam mit seiner schwer an Tuberkulose erkranken Frau Margaret in den Höhenluftort in der Hoffnung auf Linderung oder im besten Falle sogar auf Heilung. Willem ist ein Mann der Tat, der den Glanz und den Prunk liebt. Zeit seines Lebens verwöhnte er seine Frau, liest ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Beide führten ein sorgenfreies Leben in London, in der Stadt, die jede Menge inspirierende, ja wohltuende Abwechslung und den erstrebenswerten Luxus zu bieten hatte. Davos dagegen liegt im Dornröschenschlaf, lässt jeglichen Komfort vermissen. Margaret ist am Ende ihrer Kräfte. Die beschwerliche Reise hat ihr die letzte Energie genommen. Doch das Ehepaar, kaum angekommen, lassen ihrer Fantasie freien laufen, entwickeln Pläne, haben Visionen, die einfach unvorstellbar für die Masse ihrer Mitmenschen waren. Beide spürten die Energie des Berges. Auch wenn Maggie das neue, moderne, mondäne Davos nicht mehr erleben konnte, setzt ihr Mann all sein Kraft, sein Geschick als Kaufmann ein, um ihre gemeinsamen Träume wahr werden zu lassen. Sie war Zeit seines Lebens tief in seinem Herzen verankert, Teil seiner Seele.
Die Rhätische Bahn wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und die Schatzalp mit dem historischen Hotel ist noch heute eine autofreie Landschaft, die hoch über Davos thront, seine Gäste mit Annehmlichkeiten verwöhnt.
Dr. Daniela Holsboer verbindet in ihrem Roman geschickt historische Tatsachen mit einem emotional geprägten Schicksal. Ihr Wissen schöpft sie nicht nur aus fundierten Recherchen, sondern auch aus dem unschätzbaren Fundus der Familiengeschichte ihres Mannes. Eindrucksvoll beschreibt sie die Liebe als Antriebskraft gigantischer Veränderungen in einer Region, die einst abgeschnitten war vom Rest der Welt. Es ist eine lebendige Sprache, die das Buch auszeichnet mit fantastisch ausgebauten Charakteren, die den Zeitgeist authentisch einfangen.
Ich gebe sehr gern meine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 15.10.2024

Innere Kraft des Wohlbefindens stärken

Die Kunst des InnSæi
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Wer liebt ihn nicht den Zustand der inneren Zufriedenheit und Wärme, das Gefühl wohltuender Balance, mit sich und seiner Umwelt gefunden zu haben. Die Hektik des Alltags, die Vielfalt der stetig ankommenden ...

Wer liebt ihn nicht den Zustand der inneren Zufriedenheit und Wärme, das Gefühl wohltuender Balance, mit sich und seiner Umwelt gefunden zu haben. Die Hektik des Alltags, die Vielfalt der stetig ankommenden Informationen draußen vor zu lassen und im Einklang mit sich und seiner Umgebung zu sein, ist eine uralte Heilkunst, die auch in der isländischen Kultur Wurzeln geschlagen hat. Durch Achtsamkeit, Selbstreflexion und konzentrierte Atemübungen die innere Balance stärken, gibt dem allgemeinen Wohlbefinden Stabilität.
Ein wenig Übung und Ausdauer gehört schon dazu, doch Hrund Gunnsteindóttir zeigt in ihrem Sachbuch 'Die Kunst des InnSæi' Wege zur inneren Ausgeglichenheit auf, indem sie auf uralte Traditionen der Selbstheilung schaut und ihr eigenes Handeln in ihrem Leben kritisch unter die Lupe nimmt. Es sind immer nur kleine wohl proportionierte Schritte, die Erfolg versprechen durch stete routinierte, bewusst angewandte Wiederholungen. Einen Blick in diese Art zu leben zu riskieren, lohnt sich.

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Veröffentlicht am 14.10.2024

Bücherliebhaber

Die Abende in der Buchhandlung Morisaki
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Die Jimbocho Buchstadt in Tokio bietet wirklich alles was das Leserherz begehrt. In etwa zweihundert Buchläden, darunter befinden sich viele Antiquariate, ist so mancher bibliophiler Schatz verborgen, ...

Die Jimbocho Buchstadt in Tokio bietet wirklich alles was das Leserherz begehrt. In etwa zweihundert Buchläden, darunter befinden sich viele Antiquariate, ist so mancher bibliophiler Schatz verborgen, der gern entdeckt werden möchte.
Tante Momoko und Onkel Satoru Morisaki führen hier ihr traditionsreiches Büchergeschäft, das von vorwiegend Stammkundschaft frequentiert wird. Man kennt sich, man respektiert sich. Takako, die Nichte der Ladeninhaber, besitzt eine besondere Affinität nicht nur zum Geschäft ihrer Verwandtschaft, sie liebt das Viertel mit ihren Cafés, Curry-Restaurants und die entschleunigte Lebensart.
In einem ruhigen und gleichzeitig lebendigen Schreibstil präsentiert Satoshi Yagisawa seinen Roman 'Die Abende in der Buchhandlung Morisaki'. Es ist ein Fortsetzungsroman, der meiner Meinung nach nicht unbedingt Erklärungen aus dem Vorgänger braucht, aber dennoch sehr neugierig auf den Beginn der Geschichte macht.
Aus der Perspektive von Takako erfahren wir Interessantes über kulturelle Eigenheiten und erleben das Miteinander in der Familie, mit den Freunden und Bekannten. Insbesondere die Gesprächsführungen zeigen mit wieviel Anstand man sich gegenseitig begegnet, wobei bei so manchen verbalen Austausch der Schalk im Nacken sitzt. Es werden Themen wie die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich, mit der Freundschaft und der Liebe aber auch Momente der Trauer intensiv behandelt, die zum Teil fremdartig erscheinen. Doch sie beschreiben eine tiefe Zuneigung der Menschen zueinander.
Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen. Sein Charme hat mich begeistert, denn wie die Wellen im Sand hinterließ der Roman Spuren von positiven Gefühlen.

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