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Veröffentlicht am 30.12.2024

Müller & Mann

Gefährliche Betrachtungen
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Der junge Übersetzer Zydrunas Miuleris bewundert den weltberühmten deutschen Schriftsteller Thomas Mann. Es träumt davon, seinen Erfolgsroman "Die Buddenbrooks" ins kaukasische übersetzen zu dürfen und ...

Der junge Übersetzer Zydrunas Miuleris bewundert den weltberühmten deutschen Schriftsteller Thomas Mann. Es träumt davon, seinen Erfolgsroman "Die Buddenbrooks" ins kaukasische übersetzen zu dürfen und kann sein Glück kaum fassen, als er Thomas Mann am Strand begegnet. Der Schriftsteller ist beeindruckt von der Begegnung und wünscht ein Wiedersehen. Dieses steht aber nicht unter guten Vorzeichen, da Milerius beim ersten Treffen drei verfängliche Seiten einer Rede heimlich gelesen und mit seinem fotografischen Gedächtnis zu Hause niedergeschrieben hat. Der brisante Text, mit dem Thomas Mann eine ergreifende Rede gegen den erstarkenden Nationalsozialismus halten will, kann in den falschen Händen zur Gefahr werden. Leider muss Milerius feststellen, dass er seine Niederschrift verloren hat und muss sich nun mit Thomas Mann auf die Suche machen...

Dem deutsch-schweizerischen Autor Tilo Eckardt ist mit "Gefährliche Betrachtungen" ein aus meiner Sicht außergewöhnlicher Spannungsroman gelungen. Er erzählt die Geschichte in einem wertigen und wohlformulierten Schreibstil, der einer inhaltlichen Begegnung mit einer Schriftsteller-Größe wie Thomas Mann auf Augenhöhe begegnen soll. Aus meiner Sicht ist dies voll und ganz gelungen. Auch wenn das Buch als Kriminalroman betitelt wird, erhält es die Spannung weniger aus einer kriminalistischen Handlung, sondern aus der Verbindung interessant charakterisierter Protagonisten in einem mehr als brisanten historischen Hintergrund. Eine kritikübende Niederschrift an den Nationalsozialismus war schon zu der damaligen Zeit ein gefährliches Unterfangen und konnte für alle Beteiligten und deren Angehörige durchaus fatale Folgen haben. Dies verleiht der Geschichte für mich die unterschwellige Spannung und aufgrund der authentischen Erzählung auch eine entsprechende Faszination.

Insgesamt ist "Gefährliche Betrachtungen" ein für mich sehr lesenswertes Buch, welches mich voll in den Bann ziehen und in seiner besonderen Art überzeugen konnte. Der unaufgeregte aber stets ansprechende Erzählstil des Autors hat mich beeindruckt, so dass ich den Roman sehr gerne weiterempfehle und folgerichtig mit den vollen fünf von fünf Sternen bewerte.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.12.2024

Spannende Ermittlungen zum Ende des 19. Jahrhunderts

Der tote Antiquar von Limehouse
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Den zurückgezogenen Antiquar Jacob Jacobus kennen viele nur vom Hörensagen. Er genießt einen zweifelhaften Ruf, durchaus an Hehlerware aller Art interessiert zu sein und diese auch lukrativ wieder an den ...

Den zurückgezogenen Antiquar Jacob Jacobus kennen viele nur vom Hörensagen. Er genießt einen zweifelhaften Ruf, durchaus an Hehlerware aller Art interessiert zu sein und diese auch lukrativ wieder an den Mann bringen zu können. Dieses Talent und Geschäftsgebaren könnte ihm wohlmöglich zum Verhängnis geworden sein, als Inspector Benjamin Ross ihn in seinem eigenen Blut liegend entdeckt. Ihm wurde in seinem eigenen Haus die Kehle durchgeschnitten und sämtlichen Räume wurden anschließend noch durchsucht. Die Ermittlungen verlaufen trotz des augenscheinlichen Hintergrunds etwas schleppend, so dass Benjamin Ross froh ist, dass seine Frau in gesellschaftlichen treffen die Ohren offen hält, um vertrauliche Informationen zu erlangen. Eine spannende Suche nach dem Mörder oder der Mörderin beginnt...

"Der tote Antiquar von Limehouse" ist bereits der neunte Band der Reihe um das ermittelnde Paar Benjamin Ross und Lizzie Martin aus dem späten 19. Jahrhundert. Ich bin mit dem aktuellen Fall in die Serie eingestiegen und hatte zu keiner Zeit Verständnisprobleme. Die englische Autorin Ann Granger erzählt die Geschichte in einem bildreichen und sehr angenehm zu lesenden Schreibstil, der mit die Geschehnisse der damaligen Zeit lebendig vor Augen führte. Der Spannungsbogen baut sich mit dem Auffinden des toten Antiquars direkt zu Beginn des Buches gut auf und wird über die schwierigen Ermittlungsarbeiten auf einem aus meiner Sicht ordentlichen Niveau gehalten. Besonders gut gefallen haben mit die Protagonisten, die mit Benjamin Ross und Lizzie Martin empathisch und interessant gezeichnet sind. Die historischen Rahmenhandlungen werden authentisch wiedergegeben und wirken in ihren Fakten gut recherchiert. Die Story konnte mich mit überraschenden Wendungen bis zum spannenden Finale in den Bann ziehen, welches dann zwar schlüssig, aber für mich ein wenig unspektakulär und zu schnell erzählt war.

Insgesamt ist "Der tote Antiquar von Limehouse" ein gelungener Trip in das späte 19. Jahrhundert, der mich gut unterhalten und für einige spannende Lesestunden gesorgt hat. Der Einstieg in die Reihe hat mich auch neugierig auf die vorhergehenden Fälle gemacht, so dass ich das Buch sehr gerne weiterempfehle und mit guten vier von fünf Sterne bewerte.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 15.12.2024

Ein Kriminalroman mit Luft nach oben

May Morrigans mysteriöse Morde
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Die etwas skurrile aber auch toughe May Morrigan war Buchhändlerin in einem Vorort von London. In ihrer Vergangenheit hat sie sich neben dem Bücher lesen noch einer anderen Leidenschaft hingegeben, sie ...

Die etwas skurrile aber auch toughe May Morrigan war Buchhändlerin in einem Vorort von London. In ihrer Vergangenheit hat sie sich neben dem Bücher lesen noch einer anderen Leidenschaft hingegeben, sie hat unliebsame Personen ins Jenseits befördert. Als sie nun von der Entführung einer jungen Frau erfährt, sind ihre Beschützer- und Gerechtigkeitsinstinkte geweckt und sie versucht mit Hilfe ihres Studienfreundes Fletcher den Täter zu ermitteln. Das ungewöhnliche Ermittler-Team wird noch um eine dritte Person erweitert, aber wirkliche Spuren ergeben sich zunächst nicht. Können die drei weiteres Unheil abwenden?

Schon das Cover hat mich an britische Kriminalromane ala Agatha Christie erinnert und der Klappentext versprach noch zusätzlichen schwarzen Humor. Von daher bin ich mit viel Vorfreude und einer hohen Erwartungshaltung in den Kriminalroman gestartet. Die Autorin Katherine Black erzählt die Geschichte in einem angenehm zu lesenden Schreibstil und spart dabei auch nicht an der britischen bitterbösen Bissigkeit. Der Spannungsbogen wird mit dem Verschwinden der jungen Frau gut aufgebaut und mit den außergewöhnlichen Ermittlungen zunächst auf einem guten Niveau gehalten. Es entwickelt sich eine aus meiner Sicht gelungene Mischung aus Spannung und Humor, was aber leider nicht bis zum Finale aufrecht gehalten werden konnte. Dieses kam mir sehr konstruiert und ein wenig an den Haaren herbeigezogen vor, so dass es mich nicht zufrieden zurückließ. Ein zusammenhangsloser Cliffhanger zum Ende hin sollte sicherlich schon Appetit auf den Folgeband machen, hinterließ bei mir allerdings nur weitere Fragezeichen.

Insgesamt hat mir "May Morrigans mysteriösen Morde" zum großen Teil gut gefallen und die schrägen Charaktere verliehen der Geschichte auch einen ganz besonderen Charme, aber die Auflösung hat sicherlich noch Optimierungspotential. Ich bin dennoch gespannt auf einen weiteren Fall für die Hauptprotagonistin, an deren Person sich aber sicherlich auch die Geister trennen werden. Es fällt mir daher nicht leicht eine Leseempfehlung auszusprechen und bewerte das Buch mit drei von fünf Sternen.

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Veröffentlicht am 15.12.2024

Blutige Obsessionen

Blutrotes Karma
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Die französische Hauptstadt Paris wird im Jahre 1968 von schweren Studentenprotesten erschüttert. In dieser Zeit wird der Polizist Mersch zu einem kaltblütigen Verbrechen gerufen. Eine junge Frau wurde ...

Die französische Hauptstadt Paris wird im Jahre 1968 von schweren Studentenprotesten erschüttert. In dieser Zeit wird der Polizist Mersch zu einem kaltblütigen Verbrechen gerufen. Eine junge Frau wurde bestialisch ermordet und in einer Yogapose drapiert, zusätzlich brisant für Mersch ist die Tatsache, dass das Opfer eine gute Bekannte seines Halbbruders Herve war. Die Ermittlungen verlaufen zunächst im Sande, aber kurz darauf wird eine zweite Frau getötet und ähnlich blutig zur Schau gestellt. Auch hier handelt es sich um eine Bekannte von Herve, so dass die Ermittlungen sich nun auf seine Person und die Vergangenheit richten, was Mersch auf eine Jagd rund um die Welt führt...

Die Bücher vom französischen Autor Jean-Christophe Grange haben mir bisher immer sehr gut gefallen, so dass ich mit viel Vorfreude und einer hohen Erwartungshaltung in sein neues Werk gestartet bin. Er erzählt die Geschichte in einem sehr bildreichen und gut zu lesenden Schreibstil, der aber auch wieder ein äußerst düsteres Szenario im Kopf des Lesers. wachruft. Der Spannungsbogen wird mit dem Auffinden des ersten Opfers zu Beginn des Buches gut aufgebaut und über die Länge des Buches durchaus aufrechterhalten, aber für mich kam es dennoch zu der einen oder anderen Länge im Buch. Geschickt verwebt Grange die Ermittlungen mit der spirituellen Welt des indischen Tantrismus und erzeugt somit eine mystische und bedrohliche Kulisse. Die blutrünstigen Taten sind sicherlich nichts für schwache Nerven, überschreiten aus meiner Sicht aber auch keine Grenzen und passen sogar in das okkultische Geschehen gut hinein. Das Buch konnte mich durchaus bis zum Finale in den Bann ziehen.

Insgesamt ist "Blutrotes Karma" ein sehr düsterer und blutiger Thriller, was beim Autor Jean-Christophe Grange eigentlich auch nicht überraschen dürfte. Ihm gelingt es, in eine völlig andere Welt einzutauchen und dies auf eine sehr intensive Art und Weise. Das Buch ist nicht für Zartbesaitete Leser geeignet, aber ich kann es dennoch empfehlen und mit guten vier von fünf Sternen bewerten.

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Veröffentlicht am 21.11.2024

Schicksalsschläge

Mein drittes Leben
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Lindas siebzehnjährige Tochter Sonja stirbt bei einem tragischen Verkehrsunfall und für die Mutter bricht eine Welt zusammen. Völlig überfordert mit der Situation zieht sie sich immer mehr zurück und versucht ...

Lindas siebzehnjährige Tochter Sonja stirbt bei einem tragischen Verkehrsunfall und für die Mutter bricht eine Welt zusammen. Völlig überfordert mit der Situation zieht sie sich immer mehr zurück und versucht ihr Leben wieder in geregelte Bahnen zu lenken. Hinzu kommt kurze Zeit später eine Krebsdiagnose, deren Bekämpfung Lindas volle Kraft erfordert, die aber wiederum auch für die Trauerbewältigung benötigt wird. Wird sie die enorme Energie aufbringen ihr Leben zurückzugewinnen, oder ist es vielleicht einfacher loszulassen? Der schwerste Kampf ihres Leben hat begonnen...

Die deutsche Autorin Daniela Krien hat mit "Mein drittes Leben" ein aus meiner Sicht fesselnden und äußerst emotionalen Roman veröffentlicht. Von den vielen guten Bewertungen angetrieben bin ich mit einer entsprechenden Erwartungshaltung in das Buch gestartet und nach wenigen Seiten war mir klar, dass ich nicht enttäuscht werden würde. Mit einer unglaublich emotionalen Offenheit setzt sich Daniela Krien mit ihrer Hauptprotagonistin auseinander und schildert mit einer sehr hohen Authentizität den inneren Konflikt, den die vom Schicksal so hart getroffene Linda auszutragen hat. Kann sie in ein einigermaßen normales Leben zurückkehren, oder beugt sie sich dem Schmerz des Verlustes? Hat sie noch eine Daseinsberechtigung, nachdem ihr einziges Kind nicht mehr zu behüten ist? Kann sie anderen Menschen in dieser Welt noch etwas geben? Die Entwicklung, die Linda im Laufe der Zeit nimmt, ist zu jeder Zeit berührend und ließ mich nicht mehr los.

Insgesamt ist "Mein drittes Leben" ein für mich äußerst lesenswertes Buch, welches ein sehr emotionales und tiefgreifendes Thema in den Fokus nimmt, ohne mit Klischees zu arbeiten und dieses mit einem anspruchsvollen, aber immer flüssig zu lesenden Schreibstil gekonnt erlebbar macht. Ich empfehle den Roman daher sehr gerne weiter und bewerte ihn mit den vollen fünf von fünf Sternen.

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