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Veröffentlicht am 22.03.2021

Eine Hommage auf die Freundschaft

Als wir uns die Welt versprachen
1

Muss Edna sich damit abfinden, in eine Seniorenresidenz zu ziehen und warum eigentlich kann sie Emil, den Papagei, nicht mitnehmen? Wie jeden Donnerstag blättert sie in der neueste Ausgabe des Stern - ...

Muss Edna sich damit abfinden, in eine Seniorenresidenz zu ziehen und warum eigentlich kann sie Emil, den Papagei, nicht mitnehmen? Wie jeden Donnerstag blättert sie in der neueste Ausgabe des Stern - und da sieht sie ihn: Jacob. Erinnert sich an ihre Schuld, die sie noch begleichen muss und fasst den Entschluss, dass es jetzt sein muss. Sie macht sich auf den Weg, der auch eine Reise in die Vergangenheit sein wird. Der alten Karte folgend, die Jacob ihr vor langer Zeit gezeichnet hat, geht sie auf Wanderschaft, nimmt den Bus oder begegnet unterwegs immer wieder hilfsbereiten Mitmenschen.

Edna kommt vorwärts, der Weg ist ihr nicht fremd. Schon einmal ist sie ihn gegangen, es ist lange her. Zehn Jahre war sie damals – ein Schwabenkind. Unter härtesten Bedingungen musste sie, wie tausende andere Kinder aus dem armen Südtirol, auf den großen schwäbischen Höfen bis zum Umfallen schuften. Deren Schicksal ist bekannt, immer wieder wird es literarisch aufbereitet.

Ich erhalte Einblick in die Nöte dieser Kinder, die in bitterer Armut von ihren Eltern verkauft und in eine ungewisse Zukunft losgeschickt wurden. Schon fünfjährige waren darunter, aber genau so 15jährige.

Die 89jährige Edna überquert auf den alten Pfaden die Alpen, immer in Begleitung von Emil, diesem Paradiesvogel. Mit ihrer unvoreingenommenen Selbstverständlichkeit nimmt sie jeden, den sie unterwegs trifft, für sich ein. Man ist nie zu alt, etwas zu wagen, verrücktes zu tun. Ein lange gegebenes Versprechen einzulösen.

Ganz behutsam greifen hier Gegenwart und die Vergangenheit ineinander. Nie hatte ich das Gefühl, dass diese beiden Zeitebenen konstruiert wären. Im Gegenteil, sie schmiegen sich einander an, bilden ein homogenes Ganzes.

Einen warmherzigen Roman, der nie anklagend ist aber so einige Schicksale realistisch beleuchtet, hat Romina Casagrande hier vorgelegt. Edna in ihrer unkonventionellen, leicht verqueren, aber sehr positiven, dem Leben zugewandten Art, bin ich gerne gefolgt. Auch wenn die Alpenüberquerung in ihrem Alter nicht mehr gelingen mag, so ist der Gedanke daran gar nicht mal so verkehrt. Können wir nicht alles schaffen, wenn wir uns ein Ziel stecken? "Als wir uns die Welt versprachen" - eine Hommage an das Leben.

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Veröffentlicht am 20.03.2021

Eine Liebe inmitten der herrlichen Kulisse Cornwalls

Der Liebesbrief
1

In Chloes Leben ist nichts mehr so, wie es einmal war. Alles erinnert an eine schöne, unbeschwerte Zeit, aber die ist endgültig vorbei, sie braucht Veränderung. Im malerischen Cornwall, direkt an der Küste, ...

In Chloes Leben ist nichts mehr so, wie es einmal war. Alles erinnert an eine schöne, unbeschwerte Zeit, aber die ist endgültig vorbei, sie braucht Veränderung. Im malerischen Cornwall, direkt an der Küste, findet sie in einem alten Pfarrhaus den perfekten Ort, sich ein Atelier einzurichten, mit dem Malen ihre innere Ruhe wiederzufinden. Überall hier in Rosecraddick stößt sie auf Spuren des Dichters Kit Rivers, dessen Geschichte sie fasziniert und derer sich die Stiftung Cornwallscher Kulturbesitz verpflichtet hat. Beim Aufräumen findet Chloe das Tagebuch von Daisy Hills und hier beginnt eine aufregende Reise in die Vergangenheit.

Auf zwei Zeitebenen erzählen zwei Frauen von ihrem Leben. Die eine – Daisy - von ihrer Jugend, der aufregenden Zeit des ersten Verliebtseins. Sie führt den Leser hundert Jahre zurück in ihre Epoche. Die andere – Chloe - im Hier und Jetzt folgt den Spuren der sechzehnjährigen Daisy. Viele Emotionen setzt dieser Roman frei. Unendliches Liebesglück, leuchtende, unbeschwerte Tage – eine nicht endend wollende Liebe aber auch sehr viel Leid. Der erste Weltkrieg, den alle männlichen Wesen euphorisch willkommen heißen, bringt alles, nur nicht den schnellen Sieg.

Ich ging auf Entdeckungsreise, habe mich wohl und geborgen gefühlt, war mit den Protagonisten voller Tatendrang und wollte über diesen geheimnisvollen Kit Rivers mehr wissen. Und dann bin ich ihm begegnet, ihm und Daisy. Sie ließen mich teilhaben an ihrer ersten, zarten Liebe. Glücklich und geheimnisvoll zugleich. Ich durfte sie ein Stück weit kennenlernen, sie zogen mich direkt hinein in ihre Geschichte, so wie sie sich gegenseitig verzauberten und betörten.

Ruth Saberton lässt wundervolle Bilder vor dem inneren Auge entstehen, ihre bildgewaltige Beschreibung der malerischen Landschaft, der herrlich wie verwunschen wirkenden Herrenhäuser, zeigt Cornwall in seiner ganzen Vielfalt. Hier lebt und arbeitet sie, lässt sich von der Schönheit dieses paradiesisch anmutenden Fleckchens Erde immer wieder inspirieren.

Die Jahre mit Daisy und Kitt bilden den langen Mittelteil, der fesselnd und lebendig die damalige Zeit, ihre Moralvorstellung und das Standesdenken in all seiner Unnachgiebigkeit thematisiert, umrahmt von Chloes Geschichte. „Der Liebesbrief“ ist unterhaltend und trotz seines ernsten Hintergrundes sehr angenehm zu lesen, erzählt von Liebe und Verlust, Trauer und Hoffnung, von Schicksalsschlägen aber auch vom Neubeginn.

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Veröffentlicht am 18.03.2021

All das Fremde, allzu fremd

Die Fremde
1

Der autobiografische Roman über eine außergewöhnliche Familie wird hochgelobt. „Die Fremde“ blieb mir dennoch weitgehend fremd. Claudia Durastanis Leben spielt sich im Brooklyn der sechziger Jahre und ...

Der autobiografische Roman über eine außergewöhnliche Familie wird hochgelobt. „Die Fremde“ blieb mir dennoch weitgehend fremd. Claudia Durastanis Leben spielt sich im Brooklyn der sechziger Jahre und dann während ihrer Kindheit weitgehend in einem süditalienischen Dorf ab. Das besondere, sehr eigene Leben wird geprägt von der Gehörlosigkeit der Eltern.

Hineingeworfen werde ich gleich mal in die Geschichte des Kennenlernens der Eltern. Zwei ganz und gar konträre Erzählungen von ihrer ersten Begegnung, jede für sich liest sich angenehm, sehr unterhaltsam, beide Schilderungen haben mir gut gefallen. Wenngleich ich nochmal zurückblättern musste, um dann für mich festzustellen, dass ich hier nicht alles glauben sollte, was ich lese.

Vater und Mutter sind beide taub, alle zwei waren sie Exzentriker - durch ihre Gehörlosigkeit in ihrer eigenen Welt. „Ich wollte mich nur frei fühlen“ sagt die Mutter und vergisst darüber immer mal wieder ihre Kinder, die sich irgendwie selbst erziehen müssen, die ihren Freunden gegenüber Hausarreste oder ähnliches erfinden, um das Familienleben als normal darzustellen. Der Vater wird schon mal gewalttätig und zusammen wetteifern sie, wer die phantastischsten Lügen erzählen kann. Gehen in Lokale, ohne zu bezahlen, schlängeln sich durchs Leben. Welche Geschichten sind wahr und welche sind gut oder weniger gut erfunden? In dieser Familie, die schon ein wenig chaotisch daherkommt, ist alles möglich.

Die Autorin nimmt den Leser mit in ihre Kindheit bis hin zur erwachsenen Frau. Von Italien über New York und zurück reist sie später dann nach Indien, um jetzt in London zu leben. Erzählt ihr Gefühl, nirgends so richtig dazuzugehören, sich nie heimisch zu fühlen.

Ihren Gedankensprüngen war nicht immer leicht zu folgen. Ist sie noch in einer Geschichte, springt sie unvermutet in die nächste. Eine ewig Suchende – so kommt mir Claudia Durastani vor. Ihre gehörlosen Eltern lebten eine gewisse Leichtigkeit vor, derer sie sich vielleicht bedienen mussten, um nicht unterzugehen. All die beschriebenen Momente – fiktiv aufbereitet, um von der Familie zu erzählen und doch nicht alles preiszugeben. Wahrheit und Fantasie wechseln sich ab und es bleibt dem Leser ü
berlassen, zu sortieren, seine Gedanken einzuordnen.

„Ist das denn auch eine wahre Geschichte?“ – diese letzte Satz, diese Frage - das ganze Buch besteht daraus wahr zu sein oder auch nicht.

Das Lesen war ein auf und ab der Gefühle. War ich zu Anfang gerne dabei, so schwankte ich später so manches Mal zwischen weiterlesen und aufhören. „Die Fremde“ blieb mir doch in weiten Teilen fremd, wenngleich ich gelegentlich eine angenehme Zeit mit ihr verbrachte.

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Veröffentlicht am 16.03.2021

Wie eine leichte Sommerbrise

Sieben Tage am Meer
3

So richtig glücklich ist keine. Jede hat ihr Päckchen zu tragen – Gitta, Marlies und Cornelia, alle drei Anfang fünfzig. Natürlich geht das Leben nicht spurlos an einem vorbei, auch wenn jede von ihnen ...

So richtig glücklich ist keine. Jede hat ihr Päckchen zu tragen – Gitta, Marlies und Cornelia, alle drei Anfang fünfzig. Natürlich geht das Leben nicht spurlos an einem vorbei, auch wenn jede von ihnen meint, genau ihr Lebensglück hat sich aus dem Staub gemacht, war vielleicht niemals da. Zumindest nicht so, wie sie es sich einmal vorgestellt hatte. Ihr Mädels-Wochenende steht an und diesmal treffen sie sich auf Sylt. Kaum angekommen wird richtig abgefeiert, so wie früher. Aber vertragen kann keine mehr diese Gin-Tonic-Eskapaden. In dieser Nacht haben alle denselben Traum – ein Engel erscheint ihnen. Er hat hier die Aufgabe, den Freundinnen den Weg aufzuzeigen, wie sie alles Schöne in ihr Leben lassen und dabei anderen helfen können: Der Club der Engel ist erschaffen. Schon irre, dieser Traum! Oder doch nicht?

Drei ganz unterschiedliche Frauen begleite ich durch diese Tage am Meer. Jede hat ihr Leben. Stellt sich vor, wie es sein soll, was alles sie noch erleben, ja erreichen möchte. Aber nicht immer kommt es so, wie man es sich ersehnt. So manches Mal muss man Abstriche machen, eine ganz andere Richtung einschlagen. Wenn das nur immer so einfach wäre. Manches kommt ganz von selbst, man muss es nur sehen, es annehmen, nicht immer zweifeln. Einen Engel hier mit einzubeziehen, hat was. Eine Metapher für all die unerfüllten Wünsche, für all das, was man sich nicht zutraut aber doch gerne tun möchte? Lernen, mutig zu sein!

„Sieben Tage am Meer“ ist der Debütroman von Ella Rosen. Sie träumte davon am Meer zu leben und hat sich diesen Traum verwirklicht. Ja, Träume sind da, um sie Wirklichkeit werden zu lassen. Nicht alle, das geht nicht, aber Herzenswünsche sollten schon irgendwann auch gelebt werden können. Die Autorin bringt uns diese drei Frauen mitsamt ihrem Engel näher - ein Sinnbild für all das, was in uns schlummert. Es regt zum Nachdenken an.

Was ich nicht so gut fand, waren die Überzeichnungen, die dem Ganzen die Feinheiten nahmen. Natürlich darf übertrieben werden, aber hier waren es viel zu viele Zufälle, die in einer nicht mehr glaubhaften Wolke waberten. Unterhaltsam ist der Roman allemal. Ich stelle ihn in die Kategorie „leichte Sommerlektüre“ mit sehr viel Lebensfreude, Sommer, Sonne und Amore – natürlich!

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Veröffentlicht am 15.03.2021

Romy Schneider - ein Weltstar

Romy und der Weg nach Paris
1

„Romy und der Weg nach Paris“: Aus der Reihe „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“ zeichnet Michelle Marly den Weg zum Weltstar nach, der für Romy Schneider über Paris führt.

Romy ist sehr jung, als ...

„Romy und der Weg nach Paris“: Aus der Reihe „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“ zeichnet Michelle Marly den Weg zum Weltstar nach, der für Romy Schneider über Paris führt.

Romy ist sehr jung, als sie mit den Sissy-Filmen Erfolg hat. Drei Teile sind es, einen vierten will sie auf keinen Fall drehen. Sie will weg von dem süßen-Mädel-Image. Ihrer Mammi und ihrem Daddy, dem Stiefvater, gefällt das gar nicht. Romy ist noch immer die brave Tochter, die all das macht, was ihre Mutter will. Doch sie möchte Charakterrollen spielen – Neuland betreten. Als sie den noch unbekannten Alan Delon kennen- und lieben lernt, folgt sie diesem nach Paris.

Der Rolle des süßen Mädchens war sie mittlerweile entwachsen, sie entwickelte sich weiter. Sehr zum Leidwesen ihrer Eltern. Das deutsche Publikum lehnte jedoch ab, was auch immer sie machte. Ihr wurde übel genommen, dass sie nach Frankreich ging. Michelle Marly beschreibt hier die junge Romy in den Jahren mit Alan Delon. Eine sehr prägende Zeit, ist sie doch in Paris dabei, sich abzunabeln, erwachsen zu werden. Sie spielt mit den Größen ihrer Zeit, Luchino Visconti erkennt ihr Potential.

Der rebellische Delon hat großen Einfluss auf sie, auch wenn sie seinen Lebenswandel nicht in aller Gänze billigen kann. Die fiktiven Privatmomente sind sehr unterhaltsam geschrieben, ihn (Delon) habe ich so manches Mal verflucht. Wie kann er Romy soviel zumuten? Jedoch ist genau er es, dem sie nach Paris folgt, fernab ihrer sehr dominanten Eltern. Deren ständige Bevormundung in das Leben der volljährigen Romy – wenn es denn so gewesen ist – eine Zumutung war. Hätte sie auf Mammi gehört, wäre sie eine ewige Sissy geblieben. Während des Lesens hatte ich immer wieder Bilder von Romy vor Augen. Alan als jungen Mann dagegen musste ich erst googlen, in jung hatte ich den so gar nicht präsent. Neben ihm hat Luchino Visconti im Buch viel Raum, ist er doch einer ihrer Förderer auf ihrem Weg als Charakterdarstellerin, der sie mit Coca Chanel zusammenführt. „Gehen Sie Ihren eigenen Weg“ gibt diese Romy mit auf den Weg.

In Frankreich war sie einer der größten Stars, in Deutschland dagegen wurde sie immer wieder als Sissy wahrgenommen. Romy Schneider und Alan Delon – das Ende ihrer Liebe war abzusehen, waren sie doch beide ständig unterwegs. Ihre Ehe mit Harry Meyen und der gemeinsame Sohn David, der auf tragische Weise ums Leben kam, ihre zweite Ehe mit Daniel Biasini und Sarah, ihre Tochter sind weitere wichtige Lebensabschnitte. Ihr viel zu früher Tod lässt sie dennoch unvergessen sein. Mit Alan Delon verband sie bis zuletzt eine tiefe Freundschaft.

Im Nachwort schreibt die Autorin Romys Stationen in Kurzform. Michelle Marly war als Kind bei Magda Schneider und Hans Herbert Blatzheim (Stiefvater von Romy) häufig zu Gast. Deren Vater Wolf Albach-Retty hat sie geliebt, mit ihm in „Der Kardinal“ in Nebenrollen gespielt.

Romy auf ihrem Weg nach Paris zu begleiten, war ein Lesevergnügen. Gerne empfehle ich diesen kurzweiligen biographischen Roman weiter.

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