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Veröffentlicht am 01.12.2020

Ein leises Buch, großartig erzählt

Fast ein neues Leben
2

In „Fast ein neues Leben“ erzählt Anna Prizkau die Geschichte einer Familie aus Sicht der Tochter. Zwölf Kurzgeschichten, sehr intensiv und schnörkellos erzählt. Sie kommen aus dem alten Land, es liegt ...

In „Fast ein neues Leben“ erzählt Anna Prizkau die Geschichte einer Familie aus Sicht der Tochter. Zwölf Kurzgeschichten, sehr intensiv und schnörkellos erzählt. Sie kommen aus dem alten Land, es liegt irgendwo im Osten, mehr wird nicht gesagt, mehr braucht es nicht.

Es sind Begegnungen, die nachdenklich machen. Die Ich-Erzählerin will dazugehören, tut vieles dafür und so manches Mal ist sie dabei auch nicht ganz gerecht. Aber wer ist das schon? Es sind die kleinen Alltagsgeschichten, die mit Distanz auf das Geschehen blicken, ohne zu werten. In unterschiedlichen Situationen wird das Ankommen, das Dazugehören skizziert. Schon erstaunlich, wie wenig Worte es braucht, um alles zu sagen. Ohne erhobenen Zeigefinger. Jede einzelne Geschichte hat sehr viel Potenzial, macht nachdenklich und lässt Raum für eigene Gedanken und Gefühle.

Sachlich, sehr zurückgenommen erfahren wir von Manipulation, von untergeschobenen Dingen, die um des eigenen Vorteils willen nicht geklärt werden sollen. Es geht um fehlende Toleranz, um
Fremdenfeindlichkeit und Sprachlosigkeit. Um Lügen und Verrat, den nur allzu menschlichen Eigenschaften.

Ein Buch auch über die Beziehung einer Tochter zu ihren Eltern. Vieles weiß man vom anderen, spricht es aber nicht aus. Ein kleines, feines Buch über das Leben, für das man sich Zeit nehmen sollte. Geschichten, die zu Herzen gehen.

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Veröffentlicht am 26.11.2020

Essen und genießen zu den richtigen Zeiten

Die neue Nebenbei-Diät
1

Ein Thema unserer Zeit: Gesunde Ernährung und dauerhaft schlank sein und bleiben. Wer möchte das nicht? Schon beim ersten durchblättern blieb ich an vielen interessanten Themen hängen. Der optimale ...

Ein Thema unserer Zeit: Gesunde Ernährung und dauerhaft schlank sein und bleiben. Wer möchte das nicht? Schon beim ersten durchblättern blieb ich an vielen interessanten Themen hängen. Der optimale Rhythmus beim Essen ist das A und O, verbirgt sich doch dahinter das allseits bekannte Intervallfasten. Hört sich nach strengen Zeitvorgaben an, ist aber sehr individuell einsetzbar. Verzicht ist nicht nötig und führt zu Misserfolg.

Ganz nebenbei finde ich das Buchformat sehr benutzerfreundlich. Man kann immer mal wieder ein/zwei Seiten lesen und sich das gerade benötigte Thema schnell suchen. Kein Zwang, kein Verbot aber sich Glücksmomente verschaffen, mit Lust sich auch mal was Besonderes gönnen. Kein Kalorienzählen, Warenkunde, Sport – alles in kurzer, aber sehr informativer Form. Regelmäßig essen, aber nicht zwischendurch.

Ein Buch voller guter Ratschläge, schnell und einfach umzusetzen. Für alle, die einige Kilos verlieren möchten eignet es sich genau so wie für diejenigen, die sich gut und gesund ernähren, aber sich trotzdem nicht ständig mit dem Thema Essen beschäftigen wollen. Dank des sehr übersichtlichen Inhaltsverzeichnisses kann man unkompliziert das für sich Richtige finden. Ein alltagstauglicher Ratgeber.

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Veröffentlicht am 25.11.2020

Beklemmende Vorstellung

Sterbewohl
1

Dieser Kriminalroman, eine Mischung aus Krimi und Dystopie, lässt mich betroffen zurück. Betroffen auch deshalb, weil es so oder ähnlich in unserem Land geschah. Euthanasie war das Schreckgespenst ...

Dieser Kriminalroman, eine Mischung aus Krimi und Dystopie, lässt mich betroffen zurück. Betroffen auch deshalb, weil es so oder ähnlich in unserem Land geschah. Euthanasie war das Schreckgespenst im Dritten Reich. Schaue ich mich in der Welt um, gibt es diese Szenarien nur allzu häufig. „Sterbewohl“ will all jene aussortieren, die dem Staat nur noch auf der Tasche liegen, nichts mehr produktiv für die Allgemeinheit beizutragen haben. Zynisch und hochgradig kriminell handelt diese Scheindemokratie, zu der Deutschland verkommen ist.

Ich begleite Nadja, die Erzählerin, Anna, Max und Fred nach Fehmarn ins Hotel Paradies. Alle über 65 Jahre, bekommen sie eine Einladung zum Sterbeseminar mit der Aussicht auf zwei sehr luxuriöse Wochen. Sollten sie sich dazu entschließen, Sterbewohl nicht zu nehmen, ist ihre Abreise selbstverständlich garantiert. Marwa, eine Journalistenfreundin von Fred, gesellt sich zu ihnen.

Olivia Monti hat mich sehr nachdenklich werden lassen. Unsere Gesellschaft will möglichst für immer jung sein, jugendlich daherkommen. In vielen Familien ist kein Platz für die Alten und Gebrechlichen, sie werden abgeschoben und oftmals sehr alleine gelassen. Natürlich gibt es die anderen, die sich sehr wohl kümmern, sich sorgen und da sind. Was nützt all der Luxus, wenn ich am Ende weiß, dass ich – trotz bester Gesundheit – diesen Aufenthalt nicht überleben werde. Wenn ich weiß: Ich muss die Pille schlucken – es schnürt mir regelrecht die Kehle zu. Das beste Essen, der erlesenste Champagner oder welch edler Tropfen auch immer – da könnte ich nichts genießen.

Wann ist das Leben lebenswert und ab wann ist es das nicht mehr? Ein selbstbestimmter Tod im Rahmen einer Sterbehilfe kann für unheilbar Kranke ein Ausweg sein, den niemand verurteilen darf. Bis dahin ist es ein langer Weg, der vielleicht so manchem doch ein Zurück ins Leben ermöglicht. Hier aber wird sehr hämisch, ja menschenverachtend davon gesprochen „das große Los“ gezogen zu haben, wenn man ins Sterbeseminar „eingeladen“ wird.

Das Cover erinnert an eine Medikamentenschachtel, sehr giftig und daher vorsichtig zu dosieren. Der Inhalt hält, was diese Verpackung verspricht. Spannend wie ein Krimi, ja teuflisch und gehässig trieb mich die Autorin durch die Seiten. Erst nach dem letzten Satz konnte ich diese bittere Pille weglegen. Ein durchaus denkbares Szenario.

Dieser toxische, spannende Kriminalroman hat mich bis zum gelungenen Ende gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 24.11.2020

Spannende Unterhaltung mit Gänsehautfeeling

So blutig die Nacht
6

Robert Bryndzas „So blutig die Nacht“ ist der Auftakt einer Reihe um die Ex-Polizistin Kate Marshall.

Kate, vor sechzehn Jahren aus dem Polizeidienst ausgeschieden, unterrichtet Kriminologie an der Universität ...

Robert Bryndzas „So blutig die Nacht“ ist der Auftakt einer Reihe um die Ex-Polizistin Kate Marshall.

Kate, vor sechzehn Jahren aus dem Polizeidienst ausgeschieden, unterrichtet Kriminologie an der Universität in Ashdean an der Südküste Englands. Sie war mit Leib und Seele Polizistin, der Nine Elms Cannibal kam ihr dazwischen. Der Serienkiller von damals sitzt dank ihr gut verwahrt hinter Gitter, er kommt nie wieder frei. Aber dann wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, am Fundort drapiert genau so wie damals. Das Grauen beginnt von Neuem.

Ziemlich atemlos jage ich durch die Zeilen, bin schockiert und total entsetzt. Was passiert jetzt? Das kann doch nicht sein! Mädchen verschwinden, um dann so zugerichtet wie die Opfer Jahre zuvor aufgefunden zu werden. Wie geht das? Der Täter sitzt schwer bewacht in seiner Zelle. Ist da draußen einer, der ihm nacheifert? Aus verschiedenen Perspektiven wird diese Story erzählt. Der Gefängnisalltag mit seinen ganzen Abartigkeiten - der Autor beschreibt diesen trotz der dort herrschenden Abgestumpftheit auf eine packende, sehr fesselnde Art.

Die raffiniert gestrickte Story verführt einfach zum immer weiterlesen. Kate nimmt mich mit in ihre Welt, sie kämpft jeden Tag als trockene Alkoholikerin gegen ihre Sucht. Jake, ihr 14jähriger Sohn aus der kurzen Liaison mit dem durchaus attraktiven Peter, lebt bei ihren Eltern und weiß nichts über seinen Erzeuger.

Robert Bryndza ist ein fulminanter Thriller gelungen. Die Story rund um Kate Marshall und Tristan, ihrem Assistenten hält mich von der ersten Seite an gefangen. Die besonders perfide Art, die Lust am Töten neben der fast unerträglichen Weise, die Opfer so bestialisch zuzurichten, macht mich so manches Mal fassungslos. Lebendig und grausam beschreibt der Autor die kranken Gedankengänge des Kannibalen. Geschockt ob so viel barbarischer Neigung, die ausgelebt werden will, bleibe ich fassungslos, ja entsetzt zurück.

Für Thriller-Fans ist diese „Blutige Nacht“ ein absolutes Muss. Lesen – unbedingt!

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Veröffentlicht am 18.11.2020

Sehr lesenswerter Auftakt

Mord auf Vlieland
1

„Mord auf Vlieland“ - Jan Jacobs erster Teil um die holländische Kommissarin Grit Gerritsen.

Griet Gerritsen erhält eine zweite Chance: Nach einem tragisch endenden Einsatz als Europolbeamtin, bei dem ...

„Mord auf Vlieland“ - Jan Jacobs erster Teil um die holländische Kommissarin Grit Gerritsen.

Griet Gerritsen erhält eine zweite Chance: Nach einem tragisch endenden Einsatz als Europolbeamtin, bei dem durch ihr unüberlegtes Handeln ihr Partner Bas Dekker ums Leben kommt, wird sie nach Friesland versetzt und sieht sich bald auf der Nordsee-Insel Vlieland als leitende Ermittlerin in einem mysteriösen Todesfall wieder. Ihr zur Seite stehen Pieter de Vries, der Cold Cases bearbeitet und Noemi Bogaard, eine hektisch agierende Anfängerin. Nicht gerade ein Dream Team. Ihre einzige, ihre letzte Chance bekommt sie hier. Auf einer Sandbank vor Vlieland wird die Leiche eines Mannes gefunden, ein auf der Insel angesehener Hotelier. Wie sich schnell herausstellt, wurde er erschossen.

Griet, die Kommissarin, nimmt mich mit auf Vlieland. Inmitten einer eingeschworenen Inselgemeinde, die so gar nicht gesprächig ist, trifft sie auf den Insel-Polizeichef Henk van der Waal, der ihr zur Seite steht. Wer war dieser Tote? Über die Familienverhältnisse herrscht zunächst Schweigen, jedoch lässt sich Griet in ihrer unverwechselbaren, beharrlichen Art nicht davon abhalten, tiefer zu graben. Ihre Menschenkenntnis kommt ihr zugute und so fügen sich nach und nach die Puzzleteile zu einem stimmigen Ganzen zusammen.
Gleich der Prolog hat mich nachdenklich gemacht, mich im Laufe der Geschichte immer wieder zurückdenken lassen an jene Frau, die 1989 zu Tode kam. Passt dieser bis dato ungeklärte Fall in die gegenwärtige Ermittlung? Die Story entwickelt sich gut weiter, Griet durchleuchtet das Leben des Toten auf der Sandbank, sie kommt so manchen Unzulänglichkeiten auf die Spur. So nach und nach wird die Geschichte rund und Vergangenes fließt unweigerlich ins Geschehen mit ein - ganz selbstverständlich, so nebenbei und doch bedeutsam.

Ein Holland-Ambiente, das mir gefällt. Im Vordergrund der gut erzählte, bestens durchdachte Kriminalfall, vermischt mit einer Dosis Lokalkolorit. Eine ganz reizende Besonderheit sind diese holländischen Wörter oder kurzen Sätze (kursiv) die – wenn nötig – gleich dahinter übersetzt sind. Sie fügen sich perfekt in die Story ein. Nebenher erfahre ich auch einiges über die Insel und es macht mich neugierig auf mehr, suche mir Bilder und kann mich ins Geschehen sehr gut einfühlen. Eine zauberhafte Insel, die ich – sollte es irgendwann wieder möglich sein – sehr gerne näher kennenlernen möchte.

Jan Jacobs hat mich bestens unterhalten mit seinem ersten Holland-Krimi. Griet, Pieter und Noemi werde ich bestimmt noch öfters begegnen. Eine klare Leseempfehlung von mir.

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