Ein leises Buch, großartig erzählt
Fast ein neues LebenIn „Fast ein neues Leben“ erzählt Anna Prizkau die Geschichte einer Familie aus Sicht der Tochter. Zwölf Kurzgeschichten, sehr intensiv und schnörkellos erzählt. Sie kommen aus dem alten Land, es liegt ...
In „Fast ein neues Leben“ erzählt Anna Prizkau die Geschichte einer Familie aus Sicht der Tochter. Zwölf Kurzgeschichten, sehr intensiv und schnörkellos erzählt. Sie kommen aus dem alten Land, es liegt irgendwo im Osten, mehr wird nicht gesagt, mehr braucht es nicht.
Es sind Begegnungen, die nachdenklich machen. Die Ich-Erzählerin will dazugehören, tut vieles dafür und so manches Mal ist sie dabei auch nicht ganz gerecht. Aber wer ist das schon? Es sind die kleinen Alltagsgeschichten, die mit Distanz auf das Geschehen blicken, ohne zu werten. In unterschiedlichen Situationen wird das Ankommen, das Dazugehören skizziert. Schon erstaunlich, wie wenig Worte es braucht, um alles zu sagen. Ohne erhobenen Zeigefinger. Jede einzelne Geschichte hat sehr viel Potenzial, macht nachdenklich und lässt Raum für eigene Gedanken und Gefühle.
Sachlich, sehr zurückgenommen erfahren wir von Manipulation, von untergeschobenen Dingen, die um des eigenen Vorteils willen nicht geklärt werden sollen. Es geht um fehlende Toleranz, um
Fremdenfeindlichkeit und Sprachlosigkeit. Um Lügen und Verrat, den nur allzu menschlichen Eigenschaften.
Ein Buch auch über die Beziehung einer Tochter zu ihren Eltern. Vieles weiß man vom anderen, spricht es aber nicht aus. Ein kleines, feines Buch über das Leben, für das man sich Zeit nehmen sollte. Geschichten, die zu Herzen gehen.