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Veröffentlicht am 23.06.2026

Vom Loslassen und neu anfangen

Au revoir und tschüss
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Schon der Titel „Au revoir und tschüss“ lässt mich gedanklich an Neuanfang und Abschied denken – sehr aussagekräftig. Ich begleite Caro, die in einer Unibibliothek arbeitet, auf ihrem Weg zu sich selbst. ...

Schon der Titel „Au revoir und tschüss“ lässt mich gedanklich an Neuanfang und Abschied denken – sehr aussagekräftig. Ich begleite Caro, die in einer Unibibliothek arbeitet, auf ihrem Weg zu sich selbst. Mit ihrem Ehemann Holger hat sie zwei erwachsene Söhne, die zwar ihr eigenes Leben führen aber dennoch Mamas Hilfe gerne in Anspruch nehmen. Holger sowieso, er sieht sie eigentlich nicht mehr.

Und wieder einmal stellt Holger sie vor vollendete Tatsachen. Sein Chef nebst Gattin kommt zum Abendessen und selbstredend verlangt er von ihr, dass sie ein tolles Menü zaubert. Also – schnellstens Feierabend machen, einkaufen, in der Küche stehen, um sich dann als perfekte Gastgeberin zu präsentieren. Zum wiederholten Male ist Caro sauer. Auf ihren Mann und auf sich selber, denn sie lässt es zu, dass er über sie bestimmt.

Aber – genug ist genug. Schon lange träumt sie von einer Auszeit. Nur sie und Südfrankreich und eine Sprachschule. Klar, dass Holger davon nichts hält, Caro aber ist fest entschlossen.

Gudrun Lochte nimmt mich mit nach Uzès, einer Kleinstadt im Süden Frankreichs. Dieser bezaubernde Ort ist auch Caros Ziel, sie hat sich hier für vier Wochen in einer Sprachschule angemeldet. Schon die Anreise über Paris ist aufregend. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Natürlich ist Holger mit ihrer Auszeit nicht einverstanden, denn schließlich könnte sie ihr Französisch auch daheim aufpolieren. Sie aber ist fest entschlossen, endlich auf ihre inne Stimme zu hören.

Es ist ein Neuanfang, der auch ein Abschied von ihrem bisherigen Leben sein wird. Sie lernt neue Menschen kennen, eine Begegnung lässt ihr Herz schneller schlagen und was ganz wichtig ist – sie findet zu sich selbst.

„Au revoir und tschüss“ ist ein Roman zum Wegträumen. Caro steht in der sogenannten Mitte ihres Lebens. Sie erkennt, dass sie aus dem Alltagstrott herauswill, dass sie sich nicht mehr fremdbestimmen lassen will. Ein Sommer in Uzès ist für sie so viel mehr als „nur“, ihr Französisch aufzupolieren. Ein Sommer-Sonne-Wohlfühl-Roman zwischen Aufbruch und Ankommen.

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Veröffentlicht am 18.06.2026

Beklemmend, beängstigend, düster

Insel der Ratten
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Diese Geschichte lebt von Überspitzungen, der wahre Kern jedoch ist deutlich spürbar. Wie man sich während einer Pandemie fühlt, dürften wir alle noch wissen. Jo Nesbø nimmt sich dieser Thematik an, auf ...

Diese Geschichte lebt von Überspitzungen, der wahre Kern jedoch ist deutlich spürbar. Wie man sich während einer Pandemie fühlt, dürften wir alle noch wissen. Jo Nesbø nimmt sich dieser Thematik an, auf seine INSEL DER RATTEN flüchten sich jene, die sich in der großen Stadt nicht mehr sicher fühlen und es sich zudem leisten können, sich hierher zu retten.

Colin Lowe ist einer davon, er wartet hier auf eine Weiterfahrt, eine Elite hat sich hierfür Tickets gesichert. Als einer der reichsten Bewohner wähnt er sich mit seiner Familie in momentaner Sicherheit, wenngleich sein Sohn Brad ganz anderes im Sinn hat. Er wütet mit seiner Bande, die sich Chaos nennt, in der Stadt. Hier gilt das Recht des Stärkeren, auf einzelne Befindlichkeiten wird keine Rücksicht genommen. Das Gesetz scheint geltungslos, Selbstjustiz das Instrument der Stunde. Es herrscht Anarchie. Brad nimmt sich, was er will, er ist in seiner gewalttätigen Art unberechenbar. Und da ist Will mit seiner Familie, die der Familie Lowe sehr nahe stehen. Wills Tochter Amy gerät in die Fänge der Chaos-Truppe. Und Will sinnt auf Rache.

Die einen werden aus schierem Überlebenswillen zum Plünderer, notfalls mit Gewalt. Und die anderen leben ihre dunkle Seite aus, sie haben keinerlei Gewissensbisse. Grausame Szenen werden in abstoßender Deutlichkeit beschrieben, auch innerhalb von Chaos gibt es die blutrünstigen Typen, denen jedes Mittel recht ist und auch jene, die noch einen Funken Mitgefühl besitzen.

„Jeder verdient eine zweite Chance“ meint einer, der trotz schmerzlicher Verluste an die Gesetzmäßigkeit, an die gesellschaftlichen Normen glaubt. Es ist ein düsteres Buch, ein beängstigendes Szenario, das menschliche Abgründe aufdeckt.

All das, was Jo Nesbø hier beschreibt, ist mit zutiefst zuwider. Und doch zeigt er deutlich auf, wozu Mensch in der Lage ist. Man muss sich nur umschauen, es herrscht in gewissen Kreisen eine Verrohung sondersgleichen, jeder ist sich selbst der Nächste und jene, die denen das nicht genug ist, setzen todbringende Waffen ein.

Die INSEL DER RATTEN beschreibt ein düsteres Szenario, das der Wirklichkeit sehr nahe kommt. Eine Dystopie. Gesellschaftskritisch, grenzüberschreitend, brutal.

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Veröffentlicht am 15.06.2026

Der Albtraum schlechthin!

Alles ihre Schuld
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Marissa Irvine will ihren 4jährigen Sohn Milo von einem Playdate abholen. Sie klingelt an der ihr vorgegebenen Adresse, eine ihr unbekannte Frau öffnet ihr. Schnell wird klar, dass die Adresse nicht stimmt ...

Marissa Irvine will ihren 4jährigen Sohn Milo von einem Playdate abholen. Sie klingelt an der ihr vorgegebenen Adresse, eine ihr unbekannte Frau öffnet ihr. Schnell wird klar, dass die Adresse nicht stimmt – ein Irrtum? Aber wo ist Milo? In der Schule wird ihr gesagt, dass er von dem Kindermädchen abgeholt wurde. Aber - Ana, sein Kindermädchen, hat frei, sie ist auch nicht zu erreichen, Milo bleibt verschwunden. Ein Horrorszenario!

Viele bieten ihre Hilfe bei der Suche nach Milo an, wenige sind wirklich engagiert. Und wie es so ist, sind die Hater und die Neider unterwegs, man spürt die Vorurteile, die süffisant verbreitet werden, wundert sich über jene, die an ihrem eigenen Vorteil interessiert sind. Unterschwellig hört man Anklagen, die unter dem Mantel des Mitgefühls direkt an der verlogenen Oberfläche wabern.

Milos Verschwinden und die Suche nach ihm ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Wobei Zeit und Orte wechseln, die Kapitel gehen Monate zurück, andere zählen die Tage, die seitdem vergangen sind. Dabei birgt jedes Kapitel ganz neue Erkenntnisse, die im nächsten schon wieder infrage gestellt werden, die wie Versatzstücke, wie Puzzleseine, in Position geschoben werden, dabei nicht immer passen, ausgetauscht werden und dann, so nach und nach, ein klareres Bild ergeben. „Jeder ist verdächtig. Niemand unschuldig.“ Die Polizei ermittelt, ihr entgeht so einiges, als Leser weiß man mehr. Und doch fehlt auch hier der Durchblick. Auch die Charaktere sind nicht zu durchschauen – kein einziger.

Wenn man meint, man hätte eine Richtung, wird man bald wieder eines Besseren belehrt. Nichts ist vorhersehbar, die raffiniert konstruierte Story bietet Spannung und Verwirrung bis zuletzt. Mich hat es sofort ins Geschehen gezogen, die beklemmende Atmosphäre zieht sich durchs Buch. Die knapp 450 Seiten lesen sich weg wie nix, man vergisst Zeit und Raum, ist voll und ganz im Geschehen.

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Veröffentlicht am 15.06.2026

Über das Loslassen und die gar nicht einfache Reise zu sich selbst

Fünf, sechs, sieben, acht
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Ewald Arenz schreibt in seinem neuen Roman FÜNF SECHS SIEBEN ACHT vom Älterwerden, vom Loslassen müssen und davon, dies nicht zu akzeptieren. Es ist eine Geschichte über Familie, über die Liebe an sich ...

Ewald Arenz schreibt in seinem neuen Roman FÜNF SECHS SIEBEN ACHT vom Älterwerden, vom Loslassen müssen und davon, dies nicht zu akzeptieren. Es ist eine Geschichte über Familie, über die Liebe an sich und über eine längst verloren geglaubte große Liebe und die Gewissheit, dass diese, wäre sie gelebt worden, sehr viel besser gewesen wäre.

Anton ist Stepptänzer, mit seinen sechzig Jahren fühlt er sich noch topfit und doch hat er den Zenit eines Tänzers überschritten. Er wird aussortiert, andere, jüngere sind nun am Zuge. Anstatt seiner wird ab sofort seine Tochter Emma die Choreographie am Theater verantworten. „Als hätte sein Leben einen Sprung bekommen, so fühlte es sich gerade an.“

Der Musik setzt ein, der Tänzer zählt - fünf, sechs, sieben, acht – sein Tanz beginnt. Für Anton ist alles Musik, alles ist im Takt. Nur er ist außer Takt geraten.

Anton ist zutiefst gekränkt, er ist wütend und poltert ganz schön rum, wir folgen ihm und seinen Gedanken. Dass wir alle irgendwann von dieser Lebensbühne abtreten müssen, weiß auch er. Noch aber geht es um die Theaterbühne, von der er unsanft weggedrängt wurde und das ausgerechnet von seiner Tochter. Und da ist Katja, seine Ex, die zwischen den Fronten vermitteln will.

Man sollte sich vorbereiten auf das Danach, um nicht in ein tiefes, schwarzes Loch zu fallen. Keiner ist unersetzlich und auch bewegt sich alles weiter, alles fließt, nichts bleibt so wie es ist. Arenz stellt seine Hauptfigur als verbitterten Alten dar, der außer sich und seiner für ihn nicht akzeptablen Lage nichts sehen und nichts gelten lassen will. Das macht ihn nicht gerade sympathisch. Er ist trotz allem stolz auf seine Tochter, was er aber sehr gut zu verbergen weiß. Zugute halte ich ihm, dass er von jetzt auf gleich vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Auch seine lange gelebte Einzigartigkeit könnte dazu beitragen, dass er als gefeierter Tänzer und Choreograph total abgehoben ist. „Alles war Musik, alles Takt“ in seinem bisherigen Leben. Außer Takt sucht er nach seiner großen Liebe Jo…

„Eine Schwere, an die er sich schon gewöhnt hat“, hat er wie einen Rucksack zugunsten einer Leichtigkeit liegen lassen auf seiner Reise, die ihn zu sich selbst führt. Untermalt ist dieses kluge Buch ums Loslassen mit wundervollen Klängen wie etwa jene von Paolo Conte. Via con me. Komm mit mir, it´s wonderful...

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Veröffentlicht am 13.06.2026

Baxter Kincaid in Action

Ritualblut
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Ethan Cross assoziiere ich mit der Welt der Serienkiller. Francis Ackerman jun ist der Inbegriff dieses fiktiven Killers, dem ich Buch für Buch folge…

…und nun ist es auch Baxter Kincaid, der zum nunmehr ...

Ethan Cross assoziiere ich mit der Welt der Serienkiller. Francis Ackerman jun ist der Inbegriff dieses fiktiven Killers, dem ich Buch für Buch folge…

…und nun ist es auch Baxter Kincaid, der zum nunmehr zweiten Mal mit brutalen Morden zu tun hat, mit Foltermethoden, die man sich nicht annähernd vorstellen mag, aber unbedingt davon lesen will, mit einem gefährlichen Kult, dessen Anführer sich für gottähnlich hält, mit einem Mafiaboss und seinen Gefolgsleuten und mit noch so einigen ziemlich finsteren Gestalten.

Jian Wu, der Assistent eines Professors, der mit seinen brisanten Forschungspapieren untergetaucht ist, wird gekidnappt. Um an die heiß begehrten Papiere zu gelangen, wird mit schlimmsten Foltermethoden versucht, ihn zum Sprechen zu bringen. Auch seine Nichte sucht nach dem Professor, sie bitten Baxter, ihr dabei zu helfen. Besagte Unterlagen wecken Begehrlichkeiten, die Jagd danach ist für so manche ein gar tödliches Unterfangen.

Ich kenne und schätze Ethan Cross mitsamt Ackerman & Family schon lange und mag es sehr, dass er mit Baxter Kincaid eine neue, sehr charismatische Figur erschaffen hat und am Ende des Buches verrät Cross auch, wie denn Baxter zum Leben erweckt wurde. Mit der gerade mal 1,50 m großen Corin hat Baxter sich eine Geschäftspartnerin geholt, die von sich selber sagt, dass sie auf ihn aufpassen muss. Er ist eher ein Privatermittler, der seine Hand über die Abgehängten hält, wogegen Corin mit Härte durchgreift. Sie ist eine Kampfmaschine mit ihrer ganz besonderen Waffe, die ich hier nicht verraten mag. Irgendwie geraten sie immer wieder zwischen die Fronten, haben es mit gefährlichen, mit äußerst skrupellosen Gegnern zu tun.

Schon die ersten Seiten haben mich ins Buch gezogen, es geht gleich mal richtig zur Sache. Wenn es die Situation verlangt, ist auch Baxter knallhart unterwegs, er kann viel einstecken (wie auch Corin), teilt aber um einiges kräftiger aus. Zuweilen garniert mit einem losen Spruch oder einer Prise Charme - auch so lässt sich ein Gegner ausknocken oder zumindest verwirren. Ihre Dialoge haben Biss und Witz, es gibt durchaus amüsante Momente.

Auch dieser zweite Band der Baxter Kincaid-Reihe war im Nu gelesen. Neben den Ermittlungen sind es die Action-Szenen, die viel Raum einnehmen. Neben den beiden Hauptakteuren werden alle Figuren so eingeführt, dass man sie trotz der für uns nicht sehr geläufigen fernöstlichen Namen sofort verinnerlicht. Der Thriller überzeugt mit immer wieder neuen Wendungen, er ist spannend, bestialisch, blutrünstig, er nichts für schwache Nerven. Ein Ethan-Cross eben!

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