Cover-Bild Wenn die Sonne untergeht
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22,99
inkl. MwSt
  • Verlag: FISCHER E-Books
  • Themenbereich: Biografien, Literatur, Literaturwissenschaft - Biografien und Sachliteratur
  • Genre: Sachbücher / Film, Kunst & Kultur
  • Ersterscheinung: 22.10.2025
  • ISBN: 9783104916965
Florian Illies

Wenn die Sonne untergeht

Familie Mann in Sanary | Der Nr. 1-Bestseller über Thomas Mann und seine Familie im Exil
Im glühend heißen Sommer 1933 spitzt sich die politische Lage in Europa zu - und die der Familie Mann: Thomas und Katia Mann und ihre sechs Kinder sind nach abenteuerlichen Fluchten im Juni in dem verträumten Hafenort Sanary am französischen Mittelmeer gestrandet. Und jetzt wissen sie alle weder vor noch zurück.
Ein Ort, eine Familie, drei Monate bei dreißig Grad – »Wenn die Sonne untergeht« ist eine große Familienaufstellung: Kaum im unsicheren südfranzösischen Exil angekommen, will Thomas Mann eigentlich sofort wieder zurück in seine edle Münchner Villa. Sein Bruder Heinrich hingegen genießt die Freiheit des Südens. Dazwischen die sechs Kinder von Thomas und Katia: Der eine, Michael, spielt Tag und Nacht Geige, der zweite, Klaus, gründet eine Exil-Zeitschrift, die dritte, Elisabeth, badet und genießt die Zeit ohne Schule. Erika, die älteste, führt Regie und schmuggelt den Besitz der Manns aus München über die Grenze, Golo holt das Geld von den Konten und versorgt den vergessenen Hund. Und Monika? Sie bleibt einfach am Strand von Sanary liegen.
Florian Illies erzählt von der Trauer um den Verlust der Heimat und des Besitzes, der Angst vor den Plünderungen der Nazis, von Trotz und Leidenschaft. Von Wehmut und vom Überlebenswillen, obwohl die alte Welt einzustürzen droht. Und er erzählt von der großen Zerreißprobe zwischen Klaus und Erika und ihrem Vater Thomas.
»Ich glaube«, sagte Marcel Reich-Ranicki, »dass es in Deutschland im 20. Jahrhundert keine bedeutendere, originellere und interessantere Familie gegeben hat als die Manns.« In Sanary ist diese außergewöhnliche Familie in einem absoluten Ausnahmezustand – alle werden das erste Mal gezwungen, sich zu bekennen. Zueinander. Zu Deutschland. Oder auch, so traurig es ist: Dagegen.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.12.2025

Exil unter Palmen

1

Wer kennt sie nicht, die Familie Mann. Florian Illies nimmt sich ihrer während einer Zeit an, in der die Nationalsozialisten alles Jüdische verbannen, ja ausrotten wollen. Thomas Mann, der deutsche Schriftsteller, ...

Wer kennt sie nicht, die Familie Mann. Florian Illies nimmt sich ihrer während einer Zeit an, in der die Nationalsozialisten alles Jüdische verbannen, ja ausrotten wollen. Thomas Mann, der deutsche Schriftsteller, wurde 1929 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet, schon 1901 erschien Buddenbrooks, weitere bekannte Werke folgten.

Katia und Thomas Mann sind bald unterwegs nach Amsterdam, es ist Februar. Der 11. Februar des Jahres 1933, um genau zu sein. Noch sitzen sie mit drei ihrer sechs Kinder beim Mittagessen. Golo, 23, ist noch in Göttingen, er bereitet sich auf sein Staatsexamen vor. Michael, 13, ist in Neubeuern im Internat und Monika, 22, in Berlin. Mit leichtem Gepäck will das Ehepaar Mann reisen, die Wintersachen sollen direkt nach Arosa geschickt werden, hier werden sie in ihrem geliebten Waldhotel wohnen, das in Thomas „Zauberberg“ eine tragende Rolle spielt. Wir lesen noch öfter davon, wie Thomas Manns Werke direkt in diese Geschichte einer Vertreibung mit einfließen.

Nun, sie werden den Sommer 1933 im südfranzösischen Exil verbringen - es gibt beileibe schlechtere Orte, dem NS-Regime zu entfliehen. Im Mai kommen Thomas und Katia nach Bandol, hier wohnen sie zunächst in einem Hotel, um dann in ein Haus in Sanary-sur-Mer zu wechseln. Dort treffen sie sich alle, auch Thomas Bruder Heinrich ist zuweilen zu Gast, auch er musste Nazi-Deutschland verlassen. Lion Feuchtwanger, Stefan Zweig, Bertold Brecht und wie sie alle heißen - für Deutschlands Dichter und Denker war die Côte d'Azur Zufluchtsort, bevor sie weiterziehen mussten.

Illies gewährt tiefe Einblicke in das Innenleben dieser so exzentrischen Familie Mann im Ausnahmezustand, jeder für sich ist eine Persönlichkeit. „Ein Thomas Mann lässt sich von niemandem sagen, an welchem Ort er zu sein hat!“ Ja, natürlich weiß er, dass er nicht zurück kann. Er wird vom Rotary-Club ausgeschlossen, hat Probleme mit der Pass-Verlängerung, seine Münchner Villa wird durchsucht, später konfisziert, um nur einige der Repressalien zu benennen.

„Wenn die Sonne untergeht“ ist trotz der Schwere des Themas ein leichtes Buch voller Leben und auch voller Tragik. Man spürt die bedrohliche Situation, in der sie sich befinden und doch sind sie hier, im Exil, frei. Der Autor geht ganz nah ran, fängt sinnliche Momente genauso ein wie die kritischen Augenblicke, er hält den prominenten Exilianern, auch den Dichterkollegen mitsamt Ehefrauen und Geliebten, den Spiegel vor.

Es ist heiß in diesem Sommer. „Waldbrand in der Nähe, wovon abends eine rosige Rauchwolke über Sanary schwebte. Dazu Feuerwerk“ notiert Mann in diesem in jeglicher Hinsicht heißen August. Bis September erzählt Florian Illies von ihnen, vom Verlust der Heimat, vom Exil dieser außergewöhnlichen Familie Mann. Es ist ein lesenswertes Buch geworden, das ich gerne gelesen habe, das ich nicht missen möchte.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Ein Sommer in Sanary

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Schweren Herzens sagt Thomas Mann ja, als seine Frau und die Kinder ihn überredeten, Deutschland zu verlassen. Er konnte es nicht verstehen. Als über die Grenzen des Reiches geschätzter Autor und Nobelpreisträger ...

Schweren Herzens sagt Thomas Mann ja, als seine Frau und die Kinder ihn überredeten, Deutschland zu verlassen. Er konnte es nicht verstehen. Als über die Grenzen des Reiches geschätzter Autor und Nobelpreisträger muss er seine Heimat verlassen? Das Haus an der Poschingerstraße in München war das Zuhause der Familie Mann. Und das seit etlichen Jahren. Was für Thomas Mann und seine Frau absurd und nicht realistisch war, erkannten ihre Kinder Erika und Klaus sehr schnell. Deutschland wurde zunehmend faschistisch und Hitler sowie seine Anhänger wollten alle Juden vertreiben. Es spielte dabei keine Rolle, ob sie wohlhabend oder geschätzt waren. Sobald sich bei Nachforschungen herausstellte, dass sie in ihrer Ahnenreihe einen Menschen jüdischen Glaubens hatten, wurden sie gedemütigt und verfolgt.

Thomas Mann kann sich nur schwer mit seiner gezwungenen Ortsveränderung abfinden. Er glaubt fest daran, dass dieser „verrückte Hitler“ und seine Anhänger nicht lange ihr Unwesen treiben werden. Wenn er jedoch die Gespräche seiner Nachbarn und Autorenkollegen so hört, dann wird ihm Angst und Bange. Nicht nur sein Bruder Heinrich und Lion Feuchtwanger sprechen aus, was eigentlich alle fürchten. Deutschland ist dem Niedergang geweiht.

„Wenn die Sonne untergeht“ beschreibt eindrücklich, was 1933 im kleinen Fischerort Sanary sur Mer vor sich ging. Der Autor versteht es ausgezeichnet, das Seelenleben des großen Autors zu offenbaren. Alleine das Wort „Behagensminderung“ kannte wohl kaum jemand vor dem Lesen des Buches. Herr Mann war ein Mensch, der seine Marotten hatte und nur eine sehr geduldige Ehefrau kam damit klar. Die Kinder hatten Respekt vor ihm. Nur Erika wusste, wie sie dem „ Zauberer“ begegnen konnte.

Wieder einmal hat mich der Autor Florian Illies ausnahmslos überzeugt. Seine Recherchen waren mit Sicherheit sehr umfangreich. Immer mal wieder würzte er das ernste Thema von Verfolgung und Flucht mit seinem unvergleichlichen Humor. Beim Lesen war mir nicht nur die Familie Mann sehr nahe. Auch alle, die in diesem Sommer 1933 Zuflucht in Frankreich suchten.

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Veröffentlicht am 21.11.2025

Familie Mann im Exil 1933

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„Die Gefahr ist sicherer als die Sicherheit!“

Zu Autor Florian Illies habe ich, ebenso wie zur Familie Mann ein zwiespältiges Verhältnis. Der Besuch der Buch Wien, bei der ich Florian Illies bei einem ...

„Die Gefahr ist sicherer als die Sicherheit!“

Zu Autor Florian Illies habe ich, ebenso wie zur Familie Mann ein zwiespältiges Verhältnis. Der Besuch der Buch Wien, bei der ich Florian Illies bei einem Interview zu seinem neusten Buch erleben durfte, hat mich dazu bewogen, mich sowohl mit ihm selbst, als auch mit der Familie Mann nochmals zu beschäftigen.

Florian Illies lässt in diesem, seinem neusten Buch die Monate Februar bis September 1933, die für die Familie Mann (und Tausende andere) weitreichende Folgen haben wird, Revue passieren. Er lässt uns einen Anteil haben am Leben der Familie Mann, das in diesen Monaten zu einem Leben in absoluter Fassungs- und Hilflosigkeit erstarrt. Dabei verabsäumt er nicht, darzustellen, wie sich - vor allem Thomas Mann - in einer Blase von Egozentrik und Selbstgefälligkeit befindet, aus der es kaum ein Entrinnen gibt. Wie ein Herrscher gebietet er seinen Kindern Erika und Golo, Manuskripte, Briefe, Geld sowie zahlreiche Wertgegenstände aus der Münchener Villa nach Sanary-sur-Mer, wo sie aktuell leben, zu schaffen. Beide bemühen sich, stets auch in Gefahr zu sein von der Gestapo verhaftet zu werden, doch der Dank oder wenigstens eine Anerkennung ihrer Leistungen seitens des Vaters bleibt aus.

Obwohl die Familie Mann ihr Schicksal mit Dutzenden anderer Literaten wie Eva Herrmann, Aldous Huxley, Lion Feuchtwanger, Arnold Zweig usw. teilt, scheint Thomas Mann vor allem persönlich beleidigt zu sein. Er, der Literaturnobelpreisträger von 1929 wird einfach ausgebürgert und mit Verhaftung bedroht! Manns Empörung ist deutlich spürbar, gleichzeitig verschließt er, im Gegensatz zu seinem Bruder Heinrich seine Augen vor den politischen Umwälzungen in Deutschland. Dies führt letztendlich zu einem Konflikt zwischen Thomas Mann und seinem Sohn Klaus, für dessen Empfinden Thomas nicht eindeutig genug Stellung gegen das NS-Reich bezieht.

Geschickt zeigt uns Autor Florian Illies wie die Mitglieder der Familie Mann mit dem Gefühl der Entwurzelung umgeht. Dazu zitiert er aus zahlreichen Briefen und Tagebüchern, anhand derer er die Charaktere der Familienmitglieder beschreibt. Das schließt unter anderem die Drogensucht von Klaus mit ein. Ehrlich gesagt ist mir nach wie vor kein Familienmitglied so richtig sympathisch, am ehesten Katja Mann, geborene Pringsheim, die im Hintergrund die Fäden in der Hand hält.

Das Buch ist keine durchgehende Biografie der Familie Mann. Eine solche würde wohl den Rahmen sprengen. Das Buch ist eine mehrmonatige Momentaufnahme, die manchmal kühl beobachtend und durchaus ironisch ist. Immer wieder sorgen Aussprüche von Thomas Mann bei mir für Kopfschütteln, wenn er sich beinahe weinerlich um seinem zurückgelassenen Besitz sorgt und die verlorene Bequemlichkeit beklagt. Schmunzeln musste ich bei der Vorstellung, Thomas und Heinrich Mann gehen hanseatisch, sommerlich gekleidet am Stand von Sanary spazieren - weißer Dreiteiler bei 30 Grad im Schatten.

Sehr gut gefällt mir der Abschnitt „danach“, in dem die weiteren Lebenswege der einzelnen Familienmitglieder gut und prägnant zusammengefasst sind. So wird Thomas Mann später in Zürich alle seine Bücherkisten und (fast) all seine geliebten Dinge wiederfinden. Nur seine Heimat, die hat er verloren.

„Wir sind eine erlauchte Versammlung - aber einen Knacks hat jeder.“ schreibt Thomas Mann in seinem Tagebuch.

Dem ist wohl wenig hinzuzufügen.

Fazit:

Ich bin nach wie vor kein großer Fan der Familie Mann, doch diese unterhaltsame Lektüre hat sie mir ein wenig zugänglicher gemacht. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 24.10.2025

Sanary-sur-mer, noch nicht Pacific Palisades

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Das Thomas-Mann-Jubiläumsjahr neigt sich langsam dem Ende zu, das neue Buch von Florian Illies habe ich lang erwartet. Nach so viel Thomas Mann und Anhang in einem Jahr werden die Details rarer, die ich ...

Das Thomas-Mann-Jubiläumsjahr neigt sich langsam dem Ende zu, das neue Buch von Florian Illies habe ich lang erwartet. Nach so viel Thomas Mann und Anhang in einem Jahr werden die Details rarer, die ich noch nicht kenne. Umso mehr freute es mich, dass vom sonst oft vernachlässigten Golo Mann gleich wahre Heldentaten berichtet wurden. Ich habe fast zeitgleich auch das Hörbuch genossen. Aber selbst lesen ist auch sehr schön!

Während des Lesens dieses Buches holte ich einige andere Veröffentlichungen zum Thema Mann, die ich in diesem Jahr auf meiner Leseliste hatte, noch einmal hervor. Sie passten ganz hervorragend zu Illies „Sanary-sur-mere“-Erzählungen. Da war Kerstin Holzer mit dem Buch „Thomas Mann macht Ferien“, das das absolute Gegenteil von erzwungenen Exilferien beschreibt. Oder Volker Weidermann, der sich das Thema „Mann vom Meer“ auserkoren hat. Auch bei ihm taucht einmal Sanary auf, und der schöne Klaus findet Erwähnung. Wer etwas Fiktionales mit Thomas Mann in der Hauptrolle sucht, dem seien die Krimis von Tilo Eckardt nahegelegt. Aber nicht nur der Vater findet sich in der aktuellen Literatur wieder, auch Erika, seine Tochter, macht wieder Furore. Zum Beispiel im Roman „Ins Dunkel“ von Angela Steidele.
Florian Illies, auf dessen Bücher ich seit „1913“ schon immer sehr gespannt bin, enttäuscht auch diesmal seine Anhängerschaft nicht. Die Kritiker werden ihm wieder vorwerfen, dass er seine Bücher immer nach dem gleichen Muster schneidert, aber mir gefällt sein Stil, seine Ironie, seine Suche nach pikanten Details ebenso wie seine Art, die von ihm beschriebenen Personen niemals zu beleidigen, auch wenn er sie doch recht oft bloßstellt. Bei Illies bekommt fast jeder sein Fett weg, mal mehr mal weniger. Und das nicht nur in der Familie, auch die anderen in Sanary-sur-mer den Sommer 1933 verbringenden Gäste sind höchst amüsant beschrieben. Drogensüchtige kennt man ja bereits, Klaus und Erika Mann, das Beinahe-Zwillingspaar, haben einen gewaltigen Hang zu jeder Art von Rauschmitteln, aber die befreundeten Damen übertreffen die beiden um Längen. Der Schriftsteller Aldous Huxley, er ist in der Sommerfrische, nicht im Exil, neigt zu Alkohol und Damen. Eine wird von seiner schönen Terrasse durch ein vom Himmel fallendes Tier vertrieben, wie unangenehm. Auch Lion Feuchtwanger, der mit Ehefrau Marta hier sein Exil beginnt, tönt noch sehr selbstverliebt vor sich hin, lässt möglichst keine Dame aus und schreibt wie verrückt an seinen „Geschwister Oppermann“. Mit der Mann’schen Familie und deren Freunden und Bekannten ist das „Personal“ im Buch also weit gefächert.
Doch es gibt nicht nur Amouröses zu berichten, denn nach der Machtübernahme und dem Reichstagsbrand ist es für die Manns wirklich brandgefährlich geworden in Deutschland. Man wagt nicht zu fragen, was wäre passiert, wären Thomas und Katia Mann nicht gerade auf einer Vortragstournee unterwegs gewesen. Es lässt sich nur schwer erkennen, ob sie jemals Erika und Klaus dankbar waren für die Sturheit, ihnen die Rückkehr nach Deutschland tatsächlich auszureden. Dass sich das sogenannte Dritte Reich an den Manns, den Pringsheims (Katias Eltern) und Tausenden anderen bereichert hat, wie es das vorher noch nie gab, das steht auf einem anderen Blatt. Mit einer gehörigen Portion Chuzpe gelingt es aber tatsächlich, viele Manuskripte, Bücher, Möbel und anderes aus Deutschland herauszubekommen. Auch hier ist das mit dem Dank, der besonders Golo für seine Husarenstücke gebührt, auch so eine Sache. Thomas Mann ist und bleibt ein norddeutscher Stiesel, davon können seine Kinder ein Lied singen. Katia Mann hat ihn trotzdem überlebt.
Die sechs Kinder der Eheleute Mann haben ihren Herrn Papale aber doch gern, sie äffen ihn nicht nach, sie lachen ihn nicht aus, sie nennen ihn der Zauberer. Dass er sich im Jahr 1933 aber zugleich als ein Zauderer erweist, das liegt besonders Klaus und Erika schwer auf der Seele. Zur offenen, öffentlichen Konfrontation Thomas Manns mit dem Dritten Reich wird es erst viel später kommen, wenn er bereits in den USA sein Exil genommen hat. Ab Herbst 1940 wendet er sich über die BBC an die deutschen Hörer und versucht auf seine Art Einfluss auf die geistige Haltung in Deutschland zu nehmen. Ob er Erfolg hatte, ist fraglich.
Als eine Art Nachwort erhält man Einsicht in die Schicksale der wichtigsten Protagonisten dieses Buches, sie sind nicht immer fröhlich und glücklich verlaufen. Vielleicht ist es die Lieblingstochter Medi, Elisabeth Mann, die das meiste Glück davongetragen hat. Das Glückskind der Familie verstarb erst nach den Dreharbeiten zum Film „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ von Heinrich Breloer.

Fazit: Diesen Sommer 1933 in Sanary-sur-mer werde ich so schnell nicht vergessen. Florian Illies' Schreibstil und Detailreichtum machen Freude und lassen kaum eine Pause zu.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Eine verkorkste Familie

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So bezeichnet Autor Florian Illies die Manns an einer Stelle seines neuen Buches „Wenn die Sonne untergeht“. Als da wären die Eltern Katia und Thomas Mann, letzterer seines Zeichens Rituale liebender Literaturnobelpreisträger, ...

So bezeichnet Autor Florian Illies die Manns an einer Stelle seines neuen Buches „Wenn die Sonne untergeht“. Als da wären die Eltern Katia und Thomas Mann, letzterer seines Zeichens Rituale liebender Literaturnobelpreisträger, der sich gegen seine Neigung zu jungen Männern früh eine „Verfassung“ gegeben hat, mit der erstere sich arrangiert, um den Schein zu wahren. Die Kinder: Erika und Klaus, die ältesten, die wie Kletten aneinanderhängen und ihre homoerotischen Neigungen ausleben. Beide drogenabhängig, Klaus fühlt sich vom Vater verraten und wird später den Freitod wählen. Für Golo wird der Tod des übermächtigen Vaters zur Befreiung werden. Monika, die nach traumatischem Schicksal ihren Eltern noch gehörig auf die Nerven gehen wird. Elisabeth, Lieblingskind, das einzige der Kinder, das Urvertrauen geschenkt bekommt und ihre gesamte Familie überleben wird. Michael, der Jüngste, erfährt später durch die Tagebücher des Vaters, dass die Eltern ihn am liebsten abgetrieben hätten, ihn nie geliebt haben. Tod durch Suizid.
Eine verkorkste Familie!? Und wir, die Leserinnen und Leser? Wir sind Beobachter der Manns und ihres illustren Bekanntenkreises der Zweigs und Feuchtwangers nach der „Vertreibung ins Paradies“ Sanary-sur-Mer, dem französischen Exil. Nach einer Vortragsreise kehren die Manns nicht nach München zurück, ihnen droht von den neuen braunen Machthabern Gefahr für Leib und Leben. Deutschland schlittert in die Katastrophe, während für Thomas Mann die Bahnfahrt ins französische Exil mit einer herben Enttäuschung beginnt: Es gibt kein Waggon-Restaurant und somit kein warmes Getränk für „cher mâitre“. Ärgerlich? Misslich? Nein, für ihn ist es „eine schlimme Behagensminderung“. So werden wir auf unterhaltsame, anekdotenreiche und detailfreudige Art zu Zeugen der Ereignisse im Sommer 1933. Wie Florian Illies uns an die Hand nimmt, reich an sprachlichen Bildern und wortgewandt durch die Höhen und Tiefen, Sorgen und Absurditäten des Mann’schen Kosmos‘ führt, faktenreich und mit fiktiven Ausschmückungen, wird zum absoluten Lesegenuss. Die Monatskapitel von Februar bis September, unterteilt in kurzweilige Abschnitte mit anekdotischen Einsprengseln sind eine hervorragend gelungene Behagenssteigerung. Der Anhang „Danach“ wirft einen unschätzbar informativen Blick auf alle beteiligten Personen und ihre Schicksale. Im höchsten Maße lesenswert!

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