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Veröffentlicht am 04.05.2026

Im dunklen Schlingenwald…

DARKROOMS
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Ein Dorf an der irischen Küste, umgeben von dichtem Wald, ist Schauplatz von Rebecca Hannigans DARKROOMS. Hier verschwand vor nunmehr zwanzig Jahren die damals 9jährige Roisin, deren Schicksal bis dato ...

Ein Dorf an der irischen Küste, umgeben von dichtem Wald, ist Schauplatz von Rebecca Hannigans DARKROOMS. Hier verschwand vor nunmehr zwanzig Jahren die damals 9jährige Roisin, deren Schicksal bis dato ungeklärt ist. Ihre Schwester Deedee sucht noch heute nach ihr, deren Spur sich im Sommer 1999 verliert, als sie mit der damals ebenfalls 9jährigen Caitlin unterwegs war.

Der Thriller wird in zwei Zeitebenen erzählt, gleich mal begegnen wir Caitlin Ende 2019, die nun in London lebt. Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt sie in das Dorf ihrer Kindheit zurück. Es bleibt nicht aus, dass sie Deedee begegnet, die mittlerweile als Polizistin arbeitet und nach wie vor nach Roisin sucht.

Caitlin und Deedee – von beiden Frauen wird so einiges bekannt, beide sind sie sehr speziell, um ihren Charakter wohlwollend zu umschreiben. Wobei sie es beide nicht gerade einfach hatten in ihrem bisherigen Leben. Die eine will wissen, was mit ihrer Schwester passiert ist, ob sie vielleicht noch lebt oder ihre Leiche irgendwo verscharrt ist. Und die andere scheint ziemlich abgebrüht zu sein, ihre Vergangenheit ist nicht ohne.

Man erfährt häppchenweise, wie die Hauptakteurinnen leben, immer wieder unterbrochen durch das Gestern, weiß um die Rolle der Polizei, der Vermisstenfall Roisin ist ungeklärt und auch tauchen einige mehr oder weniger seltsame Typen auf. Und immer wieder sind wir in besagtem Wald, dem Schlingenwald, der gerodet werden sollte. Unterschwellig tauchen Sätze auf, die zu Roisins Verschwinden passen würden. Aber – wäre das nicht zu einfach? Ein geheimnisvoller Plan wirft Fragen auf, Alkohol spielt mit hinein, auch scheinen hier sehr manipulative Mächte am Werk zu sein.

DARKROOMS ist raffiniert konstruiert. Die beklemmende Story lebt von Andeutungen, sie gibt eine Richtung vor und wenn man meint, diese würde zum Ziel führen, ändert sich die Sichtweise und man ist so klug als wie zuvor. Alle Figuren sind zutiefst verstörend, bis gegen Ende zu fehlt der Durchblick. Ein aufwühlender Thriller, der durchweg spannend ist, der mich trotz der beunruhigenden Geschichte bestens unterhalten hat.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 03.05.2026

Gespenstisch, unheimlich, gruselig

Komm spielen
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Der Bezug zu Stephen King kommt mir ein wenig haltlos vor, denn „grandios“ ist Linwood Barclays KOMM SPIELEN für mich dann doch nicht, wenngleich ich es schon über weite Strecken als gruselig, als nicht ...

Der Bezug zu Stephen King kommt mir ein wenig haltlos vor, denn „grandios“ ist Linwood Barclays KOMM SPIELEN für mich dann doch nicht, wenngleich ich es schon über weite Strecken als gruselig, als nicht recht erklärbar, empfunden habe.

Annie ist die Schöpferin von Pierce, einem Kinderbuchhelden, als ein Ereignis aus ihrer Leserschaft sie komplett aus der Bahn wirft. Zudem müssen sie und Charlie, ihr kleiner Sohn, den Verlust von John verkraften. Kurzerhand bucht Finnegan, ihr Lektor, für Annie und Charlie ein Ferienhaus, weitab von New Yorks Großstadtlärm.

Kaum in Castle Creek angekommen, geht Charlie auf Entdeckungstour und wie es so ist, macht ihn ein abgesperrter Schuppen neugierig. Annie lernt einen Nachbarn kennen, seine Frau jedoch will von ihr nicht viel wissen. Fotografen haben vorher hier gewohnt, momentan jedoch wird es ab und an vermietet, meist steht das Haus leer. Annie versucht, auch hier zu arbeiten, sie vermisst die Hintergrundgeräusche New Yorks, allerdings meint sie, einen Zug gehört zu haben. Was an und für sich nichts Ungewöhnliches sein sollte.

Die Geschichte wird in fünf Akten dargeboten. Nachdem ich im ersten Akt Annie und Charlie folge, hat nun Harry, der Polizeichef, seinen Auftritt. Die beiden Erzählstränge wechseln sich ab. In Harrys Stadt geschieht Seltsames. Leute verschwinden, andere werden übelst zugerichtet aufgefunden, die Vorfälle häufen sich.

Natürlich war ich gespannt, was mich erwartet. Nach der für meine Begriffe zu langen Einführung ist es mäßig spannend, was den Vorteil hat, dass mir alle Figuren bald bestens vertraut sind. Und doch warte ich auf mehr. Annie und Charlie sind in der Gegenwart verortet, Harrys Part dagegen liegt schon einige Zeit zurück. Es passiert schon so einiges, das nicht zu erklären ist, der Ursprung allen Übels scheint aber dennoch sichtbar zu sein. Und dann fängt es richtig an, es wird zunehmend unheimlich, es treibt mich weiter, raubt mir den Atem, lässt mir das Herz bis zum Halse klopfen. Da ist Mr Choo, der in seinem Geschäft Eisenbahnen verkauft – nicht nur ein Kindertraum, auch Erwachsene erliegen dieser faszinierenden Welt aus ganzen Landschaften, durch welche die Züge fahren. Es geht gar gespenstisch zu, Unheimliches, nicht Erklärbares, lässt mich aufhorchen und mich frösteln.

Ein guter Thriller mit Horror-Elementen, das nach dem zu langen Intro viel zu bieten hat. Wenngleich ich ihn nicht mit King in einem Atemzug nennen möchte, denn der ist eine Klasse für sich.

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Veröffentlicht am 03.05.2026

Lebensgeschichten

Die Straße
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Wie das Leben eben ist. So könnte man DIE STRASSE in Kurzfassung beschreiben. Die Heidestraße. Sie ist irgendwo am Rande einer unbenannten Stadt.

Robert Seethaler erzählt in kurzen Episoden von den Leuten, ...

Wie das Leben eben ist. So könnte man DIE STRASSE in Kurzfassung beschreiben. Die Heidestraße. Sie ist irgendwo am Rande einer unbenannten Stadt.

Robert Seethaler erzählt in kurzen Episoden von den Leuten, die hier leben. Von den Bewohnern im Altenheim etwa und auch von dem Jungen mit der Steinschleuder, der die Tauben ins Visier nimmt. Ein anderer will Bücher vor dem Verfall retten, er eröffnet in einer ehemaligen Kohlenhandlung ein Buchantiquariat. Es sind alte, staubige Bücher und auch weiß man um den Kohlenstaub, der sich mit den Jahren in den Räumen abgesetzt hat. Es sind die Sorgen der kleinen Leute, deren Hoffnungen und Sehnsüchten Seethaler nachspürt. Der ganz normale Alltag eben in all seinen Facetten ist es mit den Bewohnern, die alle ein wenig wie entrückt wirken…

…was Matthias Brandt als Sprecher dieser ungekürzten Hörbuchfassung (4 Stunden und 9 Minuten) dann doch gerade gerückt hat. Er macht diese Straße mitsamt seiner Bewohner lebendig. Ihn schätze ich sehr, er brilliert in jeder seiner Rollen und auch hier gibt er jedem einzelnen der hier beschriebenen Charaktere seine ganz besondere Note.

Es sind viele Schicksale, die Seethaler in einem ruhigen, unaufgeregten Ton präsentiert. Alltagsgeschichten, wie jeder sie kennt oder von denen man zumindest gehört hat. Kurze Momentaufnahmen, die jede für sich steht, in Seethalers Straße sind sie alle zu finden.

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Veröffentlicht am 30.04.2026

Beklemmendes Zukunftsszenario

Ins fahle Herz des Sommers
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Andreas Eschbach nimmt sich in seinem neuesten Roman INS FAHLE HERZ DES SOMMERS eines düsteren Zukunftsszenarios an, das angesichts des nicht zu leugnenden Klimawandels gar nicht so abwegig ist.

Fausto ...

Andreas Eschbach nimmt sich in seinem neuesten Roman INS FAHLE HERZ DES SOMMERS eines düsteren Zukunftsszenarios an, das angesichts des nicht zu leugnenden Klimawandels gar nicht so abwegig ist.

Fausto lebt als einer der wenigen noch verbliebenen Menschen in einem Ort, der weitgehend ausgestorben ist. Ein Pfarrer, eine alte Frau und eine Farmerfamilie sind noch da. Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel, Fausto hat sich in dem nicht sehr viel kühleren Keller eingerichtet. Seine Suche nach zurückgelassener Nahrung betreibt er akribisch, ein alter Kühlschrank dient dank Sonnenenergie für kühles Wasser, das zunehmend knapp wird.

Die meisten der Dorfbewohner haben sich in den kälteren Norden aufgemacht, Ansichtskarten zeugen von ihrem dort sehr viel angenehmeren Leben.

Als eines Tages eine junge Frau in Faustos Nachbarhaus erzieht, nimmt er Kontakt zu ihr, zu Valérie, auf. Ihr scheint die Hitze nichts auszumachen, jedoch trägt sie ein Geheimnis in sich, das Fausto erst sehr viel später erkennt.

Das Buch lebt von Überspritzungen, nichts anderes ist zu erwarten. Und doch zeigt es auf erschreckende Weise, wohin die Welt sich bewegt. Das Thema ist allgegenwärtig, die globale Erderwärmung geht einher mit extremen Wetterereignissen. Gletscher schmelzen, der Meeresspiegel steigt, die Folgen für die Menschheit sind deutlich spürbar. Hier ist es die unerträgliche Hitze, die Ernten vertrocknen und das Wasser verdunsten, die der Menschheit keinen Raum zum Leben lässt. Ein „beklemmendes Gedankenexperiment“, das nachdenklich stimmt.

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Veröffentlicht am 30.04.2026

Spannend

The Final Wife
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„So viel Blut…“ Der Schönheitschirurg Luke Whitney liegt am Boden, neben ihm kniet Anna, seine Ehefrau. Sie versucht, die Blutung zu stoppen, was ihr aber nicht gelingt. Den Notruf hat sie abgesetzt, sowohl ...

„So viel Blut…“ Der Schönheitschirurg Luke Whitney liegt am Boden, neben ihm kniet Anna, seine Ehefrau. Sie versucht, die Blutung zu stoppen, was ihr aber nicht gelingt. Den Notruf hat sie abgesetzt, sowohl Rettung als auch die Polizei sind alsbald da, für Luke jedoch kommt jede Hilfe zu spät. Als Detective Rebecca Dance und Derek Matthews, ihr unmittelbar Vorgesetzter, in der Villa eintreffen, finden sie eine aufgelöste Ehefrau, die sich selbst beschuldigt, ihren Ehemann erstochen zu haben. Was aber Rebecca seltsam vorkommt, so einige Indizien sprechen gegen sie als Täterin. Und doch bleibt sie dabei, sie wird in U-Haft genommen.

Eine Geschichte über die Umstände eines Todes, über Verrat und befremdlichen Spielchen, die Menschen miteinander und gegeneinander treiben, breitet sich vor mir aus. Da ist Anna, die zweite Ehefrau des Opfers. Ich erfahre von ihrem Kennenlernen, weiß um Rose, Lukes erster Frau und um noch so einige, die hier kräftig mitmischen. Jenny Blackhurst nimmt ihre Leser mit in die Welt der Reichen und Schönen, sie lässt dabei in tiefe Abgründe blicken. Es ist ein gar raffiniert inszeniertes Drama, das immer mehr Raum einnimmt.

Detective Rebecca Dance ist von Anfang an nicht von Annas Schuld überzeugt, ihre Vorgehensweise und Annas Bericht um das Geschehene wird wechselseitig erzählt, zwischendurch kommen auch andere zu Wort wie etwa Rose, um nur eine weitere Stimme zu nennen.

Wie von der Autorin nicht anders erwartet, bin ich sofort dabei, ich fiebere der Aufklärung entgegen, kann mir aber nicht erklären, wie es denn wirklich zu der Tat hat kommen können. Die Frage, ob Anna denn wirklich die Mörderin ihres Ehemannes ist, ist allgegenwärtig. Denn genau dies wird von Rebecca angezweifelt. Geht es um Liebe? Oder eher um Betrug und Rache? Ein Szenario, meisterlich inszeniert, das nicht zu durchschauen ist. Was mir allerdings nicht gefallen hat, war die Auflösung des Ganzen. Dieser Schluss passt nicht recht zu diesem perfiden Spiel – er war mir zu konstruiert. Davon abgesehen war THE FINAL WIFE beste Unterhaltung.

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