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Veröffentlicht am 02.07.2020

Düstere Zeiten

Das Dorf (Finsterzeit 1)
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Aufgrund der verordneten Energiewende ist das Stromnetz zusammengebrochen. Die wenigsten können sich diesen Luxus noch leisten, es gibt nur noch Arm oder Reich. Bald sind alle auf der Flucht. ...

Aufgrund der verordneten Energiewende ist das Stromnetz zusammengebrochen. Die wenigsten können sich diesen Luxus noch leisten, es gibt nur noch Arm oder Reich. Bald sind alle auf der Flucht. Gewalt in jeglicher Form an der Tagesordnung. Um zu überleben, sind die Menschen zu allem bereit. Lara und Thomas machen sich auf den Weg in die sichere Festung, die sein Großvater vorausschauend erschaffen hat. Sie kommen jedoch nicht so weit, bleiben im Dorf, der Basis.

Zunächst dachte ich: wieder so ein Endzeit-Buch mit Action. Und schon war ich mittendrin, habe mit den beiden Protagonisten gelitten, mich versteckt, gefürchtet und aufgeatmet, wenn alles gut verlief. Ich war ziemlich schnell in dieser Story, konnte gar nicht mehr aufhören mit lesen, es trieb mich einfach vorwärts. Es geht hier um Lara und Thomas, um Friedrich, der in der Festung das alleinige Sagen hat, um Walter mit seinen Liebsten, um Viktor und das ganze Dorf. Diese Düsternis, diese Ausweglosigkeit, diese Endzeitstimmung ist gut zu spüren.

Das Cover fängt genau diese Atmosphäre ein – zwei Gestalten und ein letztes Aufblitzen.

Ich hätte nicht gedacht, dass mich diese Geschichte so fesselt. In kurzen Kapiteln viel passiert. Der spannende Auftakt einer Triologie, die gelesen werden will.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.06.2020

Grausame Spielchen, spannend in Szene gesetzt

Der Tod im Doppelpack
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Das Ermittlerteam um Gordon Rabe hat es mit einem Mörderpärchen zu tun, das grausam zuschlägt. Die Opfer, brutalst zugerichtet, verlangen ihm und seinen Leuten so einiges ab. Man spürt hier so richtig ...

Das Ermittlerteam um Gordon Rabe hat es mit einem Mörderpärchen zu tun, das grausam zuschlägt. Die Opfer, brutalst zugerichtet, verlangen ihm und seinen Leuten so einiges ab. Man spürt hier so richtig die Lust am töten. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, kann dieses Paar doch jederzeit wieder zuschlagen.

Und damit nicht genug, auch Pablo Martinez (Gordon Rabes erster Fall) meldet sich wieder und bedroht Gordons Familie.

Die erste, aber bestimmt nicht meine letzte Begegnung mit H.C. Scherf. Er schreibt und beschreibt grausame, brutale, schockierende Szenen so geschickt, dass – obwohl man eigentlich wegschauen möchte – dran bleiben muss. Hier tun sich Abgründe auf, die ein normal denkender Mensch sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausmalen könnte. Die Drogenszene mit deren finsteren Gestalten, die absolute Lust am Töten und das aus der Kindheit resultierende Böse. Das alles und noch viel mehr wird hier aufs anschaulichste geschildert. Aber auch die Ängste Gordons um sein autistisches Kind, um seine Noch-Ehefrau. Die Puzzlearbeit, das sich herantasten an die Täter ist kurzweilig, spannend, keinen Augenblick langweilig. Einfach so, wie ein gut geschriebener Thriller sein muss.

Ja, ich will Gordon weithin begleiten, werde seine weiteren Fälle inhalieren. Hier ist nichts langweilig, man muss einfach weiter. Ein Thrillerfan wird daran nicht vorbeikommen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.06.2020

Ein ganz besonderes Buch

Das Fenster zum Himmel
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Hier erzählt Elisabeth Escher die sehr bewegenden Jahre des „Zigeunermädchens“ Marie Muth.

Erst mit sieben Jahren kommt sie in die Obhut von Pfarrer Selinger. Diesem begegnet sie zunächst mit viel Mißtrauen, ...

Hier erzählt Elisabeth Escher die sehr bewegenden Jahre des „Zigeunermädchens“ Marie Muth.

Erst mit sieben Jahren kommt sie in die Obhut von Pfarrer Selinger. Diesem begegnet sie zunächst mit viel Mißtrauen, hat sie doch nur schlechte und sehr bittere Erfahrungen hinter sich. Die Mutter lässt sie schon als Baby alleine in der Kellerwohnung, sie geht ihrem „Gewerbe“ nach. Ein sich durchs Fenster schleichendes Kätzchen ist in dieser Zeit Maries Wärme.

Nach einem kurzen Heimaufenthalt kommt sie in eine Pflegefamilie. Nach außen hin spielen ihre Pflegeeltern die perfekte Familie, für Marie ist es die Hölle.

Erst als sie in den Pfarrhaushalt kommt, kann sie ihren Weg dank der Fürsorge des Priesters und seiner Haushälterin gehen. Die beiden unterstützen und fördern sie und zum ersten Mal in ihrem kurzen Leben erfährt Marie Liebe und Zuneigung. Aber auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt. Das liegt beileibe nicht an Onkel und Tante, wie sie ihre Beschützer und Förderer auf eigenen Wunsch hin nennt. Die Dorfgemeinschaft hat nichts Besseres zu tun, als über die drei im Pfarrhof friedlich und harmonisch zusammenlebenden zu tratschen. So manche Vermutung, ja Verleumdung grenzt an Rufmord.

Wie Elisabeth Escher im Nachwort schreibt, basiert dieser Roman auf einer wahren Geschichte. Das Leid all dieser Heim- und Pflegekinder und die „wissende“ Dorfgemeinschaft sind Thema dieses teilweise erschütternden Buches. Wegschauen, wo man hinschauen sollte! Und - unhaltbare Vermutungen in die Welt setzen, die irgendwann zur allzu gerne geglaubten „Wahrheit“ werden, können im schlimmsten Falle Existenzen zerstören.

„Nein, der Liebe war nicht zu trauen, soviel wusste Marie nun, mit der Liebe wollte sie nie etwas zu tun haben“. Das denkt sie in ihren schlimmsten Jahren.

Und trotz alledem wächst Marie zu einem liebenswerten, äußerst wissbegierigen Geschöpf heran. So schlimm ihre ersten Jahre waren, so gut hat sie es mit Pfarrer Selinger und Anna Forsthuber getroffen. Auch wenn so mancher von den kleingeistigen Dorfbewohnern das nicht gerne sieht. Letztendlich aber siegt die Liebe. Und das ist gut so.

Das Buch hat mich sehr berührt und oft betroffen innehalten lassen. Ich bin regelrecht eingetaucht in all diese Lügen, dieses Getratsche, habe aber auch – und Gott sei Dank – sehr liebenswerte und fürsorgliche Mitmenschen getroffen.

Ein äußerst lesenswertes Buch, das ich jedem ans Herz lege, der Lesestoff mit Tiefgang sucht. selbstverständlich fünf von fünf Punkten.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.06.2020

Spannend erzählte, kurzweilige Geschichten

Des Nachts auf kaltem Wege
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„Des Nachts auf kaltem Wege“ von Jessica Pietschmann sind sehr gut geschriebene Kurzgeschichten, aber nichts für schwache Nerven.

Zehn überaus spannend erzählte, ganz unterschiedliche Geschichten erzeugen ...

„Des Nachts auf kaltem Wege“ von Jessica Pietschmann sind sehr gut geschriebene Kurzgeschichten, aber nichts für schwache Nerven.

Zehn überaus spannend erzählte, ganz unterschiedliche Geschichten erzeugen beim Lesen alles mögliche: Vom nicht endend wollendem Horror über Thriller, die auch ein wenig länger hätten sein dürfen, was der Story keinen Abbruch getan hätte bis hin zu einer letztendlich zum schmunzeln anregenden Geschichte. Ich sag nur Katze. Aber – es geht nicht immer gut aus, beileibe nicht. Der Erzählstil wird jeder einzelnen Erzählung gerecht, auch wenn diese unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine Zukunftsvision ist dabei, die mich sehr nachdenklich macht.

Dieses Buch will und soll gelesen werden. All jene, die mal zwischendurch Lesestoff brauchen und doch eine dichte Erzählweise bevorzugen, sind hier sehr gut bedient. Durchdachte Geschichten eben. Gerne empfehle ich dieses Buch weiter – einfach gelungen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.06.2020

Mystischer Krimi und mehr

DER JUDAS-SCHREIN
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In Grein am Gebirge, dem Geburtsort von Kommissar Alex Körner, wird eine verstümmelte Mädchenleiche entdeckt. Ausgerechnet ihm wird der Fall aufgebrummt. Mit seinem Team kommt er nach 27 Jahren zurück ...

In Grein am Gebirge, dem Geburtsort von Kommissar Alex Körner, wird eine verstümmelte Mädchenleiche entdeckt. Ausgerechnet ihm wird der Fall aufgebrummt. Mit seinem Team kommt er nach 27 Jahren zurück und bald sind sie von der Außenwelt – ausgelöst durch extremen Regen und Hochwasser – abgeschnitten. Es kommen grausame Morde ans Licht, was den Dorfbewohnern gar nicht gefällt. Und – da die Ermittlungen unbeirrt weiterlaufen – sind auch Körner und seine Leute immer mehr in Gefahr.

Andreas Gruber nimmt den Leser mit auf eine Reise ins Gestern, auf einen Trip ins Unbekannte. Zunächst wie ein ganz normaler, oft gelesener Krimi, nimmt das Grauen immer mehr Gestalt an und steigert sich nach und nach ins Mystische, nicht Greifbare. Die Rückblenden ins Jahr 1937 sind zunächst rätselhaft denn: Was genau haben die mit dem Heute, den Morden zu tun? Je weiter man liest (und man muss einfach weiterlesen), desto mehr Fragezeichen tauchen vor dem inneren Auge auf. Einzig die doch sehr abstrusen Methoden rund um die Ermittlungen, die schon unwirklich erscheinenden Fluchtwege waren mir streckenweise dann doch zu viel des Guten – aber: Ein ganz anderer Krimi, der Horror und Science-Fiction gekonnt vereint, raffiniert vermischt. Vieles kommt ans Tageslicht, so manches bleibt surreal.

Wer nicht nur Krimis gerne liest, sondern eine Mischung aus allem mag, ist hier goldrichtig. Das Ende – spitzenmäßig, so nicht erwartet, aber gelungen. Mehr muss man dazu nicht sagen. Wie gesagt: Wer dieses Genre liebt, eine nicht alltägliche Story sucht, dem sei dieser JUDAS-SCHREIN aufs wärmste empfohlen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere