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Veröffentlicht am 19.01.2022

Salvatore Dali und seine Liebe zu Spanien

Gala und Dalí – Die Unzertrennlichen
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Galas Ehemann, Paul Èluard ist ein erfolgreicher Dichter. Momentan leidet er allerdings an einer Schreibblockade und das ist der Grund für die Reise des Paares. Sie hoffen, dass er sich im spanischen ...

Galas Ehemann, Paul Èluard ist ein erfolgreicher Dichter. Momentan leidet er allerdings an einer Schreibblockade und das ist der Grund für die Reise des Paares. Sie hoffen, dass er sich im spanischen Cadaqués erholen kann. Dort begegnet Gala dem jungen, unbekannten Künstler Dali. Sie ist sofort fasziniert von seinem Auftreten, seinen Ansichten und seiner Unbekümmertheit. Auch Salvatore wird von Galas Charme gefangen genommen. Allerdings ist er 10 Jahr jünger als sie und zudem ist sie verheiratet. Was nimmt im Sommer 1929 seinen Anfang?

Salvatore Dali ist wohl nicht nur Kunstliebhabern ein Begriff. Er malte unter anderem auch Uhren in allen möglichen Variation. Mal schwebend, mal fließend und für ihn war es eine Form der Verarbeitung von Einsteins Relativitätstheorie. „Die Beständigkeit der Erinnerung“ gilt als bekanntestes seiner Werke. In welcher Form Gala ihm half, dass er tatsächlich zur Berühmtheit wurde, das beschreibt die Autorin Sylvia Frank in ihrem Roman „Gala und Dali – Die Unzertrennlichen“. Das macht sie in einer so lebendigen Sprache, dass ich wirklich beeindruckt war. Auch ihre Recherchen waren ausgiebig. Keineswegs gab sie sich mit Halbwahrheiten zufrieden.

Nicht nur die ausführlichen Berichte über Ereignisse gefielen mir. Ebenfalls die Tatsache, dass Salvatore und Gala trotz ihrer Armut immer an das große Ziel glaubten. Und später dann nie vergaßen, wo sie her kamen. Die Zeit war eine andere als heute und für uns kaum vorstellbar. Nur dann, wenn sie so klar gezeichnet wird, dann kann ich mich bestens in die Vergangenheit zurück fühlen.

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Veröffentlicht am 17.01.2022

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite

606
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In der Wüste Nevadas befindet sich ein Hochsicherheitsgefängnis Pronghorn. Hier findet einmal im Jahr ein Softballspiel statt. Mitarbeiter gegen eine Mannschaft aus dem Hochsicherheitstrakt spielen gegeneinander. ...

In der Wüste Nevadas befindet sich ein Hochsicherheitsgefängnis Pronghorn. Hier findet einmal im Jahr ein Softballspiel statt. Mitarbeiter gegen eine Mannschaft aus dem Hochsicherheitstrakt spielen gegeneinander. Ein Bus mit Kindern und Ehefrauen der Beschäftigten ist fast schon vor der Tür, als ein Schuss die freudige Erwartung aller Beteiligten jäh stoppt. Die Chefin des Gefängnisses wird angerufen und muss sich entscheiden. Entweder lässt sie die Türen öffnen und 606 Häftlinge können unbehelligt fliehen, oder sie nimmt den Tod der Businsassen billigend in Kauf. Die Entscheidung fällt ihr schwer, sie entschließt sich dann aber, die gefährlichen Männer freizulassen. Die Jagd beginnt.

Angeblich stammt die Autorin Candice Fox aus einer exzentrischen Familie. 606 belegt das eindrücklich. Solche Figuren und Charaktere zu erfinden, das kann nicht jeder. Das Buch hat mich direkt am Anfang angesprochen und das Lesen war mir ein spannendes Vergnügen. Dabei gibt es zwei markante Erzählstränge. Ein „Schwerverbrecher“ namens John Kradle, der laut eigener Aussage unschuldig inhaftiert wurde und die Aufseherin Celine Osbourne. Die wiederum erlebte vor Jahren ein Trauma und sobald sie John sieht, bewegen sich ihre Trigger. Sie verabscheut ihn und ist von seiner Schuld überzeugt.

Es gibt nur hin und wieder mal einen Thriller, den ich ohne Abstriche empfehle. 606 ist so einer. Er beginnt mit einer steilen Spannungskurve nach oben und diese hält sich bis zum Schluss. Die Wendungen sind überraschend aber nicht völlig unrealistisch. Zuweilen gibt es auch brutale Szenen, aber gut, ohne geht es bei Thrillern nicht. Eine seitenweise Schilderung von Sexpraktiken entfällt total und auch das machte mir das Buch sympathisch. Ein lesenswertes Buch für alle, die spannende Unterhaltung mögen.

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Veröffentlicht am 17.01.2022

Ein Philosoph schreibt über das Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet
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Der Autor von „Das Ruhrgebiet“ ist Philosoph und diese Tatsache lässt sich schon nach wenigen Seiten erkennen. Er lebte ein Jahr in Mühlheim an der Ruhr, um den „Pott“ zu verstehen. Vielleicht sogar lieben? ...

Der Autor von „Das Ruhrgebiet“ ist Philosoph und diese Tatsache lässt sich schon nach wenigen Seiten erkennen. Er lebte ein Jahr in Mühlheim an der Ruhr, um den „Pott“ zu verstehen. Vielleicht sogar lieben? Laut Eilenberger existiert es gar nicht. „Keine Landkarte zeigt das Ruhrgebiet und kein Künstler verewigte es.“ Und es bestehe hauptsächlich aus nostalgischer Rückschau.

Im Ruhrgebiet geboren und als Jugendliche noch häufig vor Ort, sehe ich die Region sicher ein wenig anders. Aber okay, jeder so, wie er mag. Ich bin keine Philosophin. Der Autor schreibt von Tegtemeier, der übrigens gar nicht aus dem Ruhrgebiet stammte. Wann die letzte Schicht im Schacht war und in welcher Weise die Region sich in den letzten Jahren wandelte. Mir fehlte bei seinen Aufzählungen die Landesgartenschau, die 1999 im Ruhrgebiet stattfand.

Es gab eine Zeit, da wurden händeringend Steiger gesucht, die oft aus den angrenzenden Ländern im Osten zuzogen. Später kamen dann die „Gastarbeiter“ und fanden hier ihre dauerhafte Bleibe. Aber nicht nur Zechen stehen für das Ruhrgebiet. Kunst und Universitäten sowie Rosarien und Kulturerben zeichnen es aus. Der Ich-Erzähler schrieb kurze Kapitel und bemühte sich, die Überschrift im Slang der Einwohner zu notieren. Die kurzen Passagen gefielen mir gut und auch der Sprachstil war gut zu lesen. Zum Schluss gibt es noch etliche Quellenangaben und Anmerkungen zu den Fußnoten.

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Veröffentlicht am 13.01.2022

Hier fließt viel Blut und die Spannung ist beständig

Die falsche Zeugin
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Leigh Collier hat es geschafft. Sie ist eine erfolgreiche Anwältin und unabhängig. Von ihrem Mann, von dem sie getrennt lebt und von ihrer Mutter, die sie eigentlich gar nicht mehr sehen möchte. Ihr Leben ...

Leigh Collier hat es geschafft. Sie ist eine erfolgreiche Anwältin und unabhängig. Von ihrem Mann, von dem sie getrennt lebt und von ihrer Mutter, die sie eigentlich gar nicht mehr sehen möchte. Ihr Leben änderst sich drastisch, als sie den Auftrag zur Übernahme eines spektakulären Falls bekommt. Was ihr zunächst ein Chance für das berufliche Fortkommen erscheint, entpuppt sich als grausame Selbstpräsentation eines Vergewaltigers. Sie kennt den Angeklagten seit 20 Jahren und aus der Zeit stammt auch ihr bestgehütetes Geheimnis. Nicht einmal ihr Mann, von dem sie getrennt lebt, kennt es. Obwohl er mitnichten ein empathieloser oder von Vorurteilen geprägter Mensch ist.

„Die falsche Zeugin“ ist ein typischer Slaughter. Sehr blutig, abwechslungsreich und rasant. Es geht um Kinder, die missbraucht werden und um Männer, die ihre Macht ausnutzen. Die Autorin beschreibt, wie es sich anfühlt, wenn ein Mädchen nicht mehr mit ihrem Leben klarkommt und zu Drogen greift. Verurteilen, ohne Kenntnis der Gründe, das ist zu einfach.

Neben der Handlung an sich gefiel mir, dass Frau Slaughter das Thema Covid 19 einbezog. Wie Gerichte damit arbeiten, welche Hürden es für Richter, Anwälte und Zeugen zu überwinden gibt und was das Virus mit den Leuten macht. Sie schreibt das ohne auf die unterschiedlichen Sehensweisen einzugehen, sondern bleibt immer nah an der Story um Leigh. Für mich war auch dieser Thriller zwischendurch zu langatmig, obwohl die unvorhersehbaren Wendungen dann doch für Spannung sorgten. Ich denke, dass ich auch das nächste Mal wieder ein Buch dieser Autorin lese und gebe für „Die falsche Zeugin“ eine Empfehlung.

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Veröffentlicht am 12.01.2022

So lebten, liebten und litten die Menschen im 11. Jahrhundert

Im Schatten der Krone
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Das Buch beschreibt Geschehnisse aus dem 11. Jahrhundert. Zu der Zeit war es Witwen nicht gestattet, erneut zu heiraten. Und das galt für Frauen jeden Alters, also auch für sehr junge. Wie gut, dass Richenza ...

Das Buch beschreibt Geschehnisse aus dem 11. Jahrhundert. Zu der Zeit war es Witwen nicht gestattet, erneut zu heiraten. Und das galt für Frauen jeden Alters, also auch für sehr junge. Wie gut, dass Richenza das Verbot umgehen und den jungen Grafen von Lenzburg, Ulrich, heiraten durfte. Und noch besser war, dass sie sich liebten. Das war eine sehr seltene Grundlage einer Ehe. Richenza und Ulrich hielten zusammen, es kamen Kinder und die Grafschaft wurde groß und prächtig. Bis dann einige Dinge geschahen, welche die Eheleute auf harte Proben stellte.

„Im Schatten der Krone“ gefiel mir ausgesprochen gut. Die Charaktere entwickeln sich kontinuierlich weiter, wie es halt im Leben so ist. Richenza, zunächst als stur dargestellt, öffnet sich immer mehr und ich mochte sie sehr. Und ihr junger Ehemann, der Ulrich, galt als schüchtern und stets hinter seinem großen Bruder zurück. Auch das änderte sich mit der Zeit. Dorothe Zürcher zeichnete alle Akteure realistisch und auch die Änderungen im Verhalten kamen langsam und erst mit den Jahren.

Die Lenzburg gibt es tatsächlich und Frau Zürcher stellte dort dieses Buch in einer Lesung vor. Sie wurde vor über 1000 Jahren erbaut und Graf Ulrich war der letzte Lenzburger. Er vererbte die Burg an Kaiser Friedrich I. Neben den Fakten zur Geschichte schreibt Frau Zürcher viel über das Leben am Hof. Aber auch die vielen Streitigkeiten zwischen Kirche und Herrscher vermittelt sie eindrucksvoll. Die Spannung bleibt ebenfalls nicht zu kurz. Erwähnenswert ist auch das geschmackvolle Cover. Dass die Autorin sich wieder durch ihre genaue Recherche hervortut, zeichnet sie im besonderen Maße aus. „Im Schatten der Krone“ war eins meiner Lesehighlights im Jahr 2021 und ich hoffe und wünsche, dass es noch mehr Beachtung findet.

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