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Veröffentlicht am 03.04.2026

Jeder, der den Ausstieg schafft, verdient Hochachtung

Trügerische Heimat
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Ein prügelnder Vater und eine Mutter, die sich nicht wehren kann. So lässt sich mit einem Satz die Kindheit und Jugend Leos beschreiben. In seinem Elternhaus spielt Alkohol eine große Rolle. Eisige Kälte ...

Ein prügelnder Vater und eine Mutter, die sich nicht wehren kann. So lässt sich mit einem Satz die Kindheit und Jugend Leos beschreiben. In seinem Elternhaus spielt Alkohol eine große Rolle. Eisige Kälte herrscht in seinem Zuhause. Ist es ein Wunder, dass er sich nach Geborgenheit und ein wenig Anerkennung sehnt? Die findet er bei einer Clique, die dem nationalsozialistischen Gedankengut nacheifert.

"Trügerische Heimat" ist eine ungeschönte Biographie. Leo Neumann zeigt deutlich, wie er in die Szene gelangte. Welche Erfahrungen er hier sammeln konnte. Er war ein anerkanntes Mitglied der NPD und der „Nationalsozialistischen Front“. Machte bei vielen Aktionen mit und stand stets hinter seinen Kameraden. Erst als die Einwohner von Pivitsheide sich gegen ein Zentrum der „Nationalsozialistischen Front“ stemmten, fing Leo an nachzudenken.

Welch ein aufrührendes Buch. Der junge Mann wollte eigentlich nur dem brutalen Vater entkommen und für seinen Einsatz in der Gruppe anerkannt werden. Diese war wie eine Familie für ihn und es ist nachvollziehbar, dass er sich hier sehr wohl fühlte. Umso erstaunlich ist für mich, dass er die Aktionen dann doch hinterfragte und einen Ausstieg wagte. Ich habe das Buch gerne gelesen und mit Achtung vor dem Mann beendet. Dass er schaffte, sich aus diesem Milieu zu befreien, ist beachtenswert.

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Veröffentlicht am 01.04.2026

Ein Krimi, der bestens unterhält

Tod mit Meerblick
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Schwimmen weckt alle Lebensgeister und das noch intensiver, wenn es bei jedem Wetter stattfindet. Der neue Schwimmclub besteht zwar bisher nur aus zwei Mitgliedern, die Hoffnung stirbt allerdings zuletzt. ...

Schwimmen weckt alle Lebensgeister und das noch intensiver, wenn es bei jedem Wetter stattfindet. Der neue Schwimmclub besteht zwar bisher nur aus zwei Mitgliedern, die Hoffnung stirbt allerdings zuletzt. Mit Sicherheit gibt es weitere Damen, die sich anschließen und der Idee den gebührenden Erfolg zuteil werden lassen. Leider gibt es aber schon beim ersten Treffen, also quasi der Geburt des Clubs, einen Fund, der auf ein Verbrechen hinweist.

"Tod mit Meerblick" entführt den Leser nach Sankt Peter Ording. Einen beliebten Urlaubsort, der vor allen Dingen von Senioren geschätzt wird. Die Hauptpersonen sind drei ältere Damen, die sich nicht nur bestens verstehen. Ihre Spürnasen machen selbst gestandene Kriminalkommissare sprachlos. Sie haben den großen Vorteil, dass ihnen die Menschen hier vertrauen. Und nicht nur das trägt zu ihrem Erfolg bei. Ihr Alter und die damit verbundenen Vorurteile ihrer Mitmenschen, spielen auch eine Rolle. Die drei Freundinnen werden nicht immer für voll genommen und können sich ihrem Gegenüber sogar recht einfältig darstellen.

Das Buch gefiel mit sehr gut. Kein übertriebenes Blutvergießen gab es hinzunehmen. Die Story war realistisch und bot bis zum Schluss eine solide Spannung.

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Über einen Bürgerkrieg, der viele Unschuldige tötete

Entscheidung in Spanien
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Kaum nachvollziehbar aber leider wahr. In Spanien gab es im letzten Jahrtausend einen Bürgerkrieg, der viele Todesopfer forderte. Hier kämpften Brüder gegeneinander und Familien wurden durch unterschiedliche ...

Kaum nachvollziehbar aber leider wahr. In Spanien gab es im letzten Jahrtausend einen Bürgerkrieg, der viele Todesopfer forderte. Hier kämpften Brüder gegeneinander und Familien wurden durch unterschiedliche Ansichten getrennt. So viele Dörfer und Städte waren Orte der Verwüstung. Faschisten wollten die Macht an sich reißen und es gelang ihnen. Zu ihren Helfern gehörten auch die Waffen der Deutschen. Deren Flugzeuge zerbombten unter anderem das Dorf Guernica. Es war ein Luftkrieg gegen die wehrlose Zivilbevölkerung.

Auch damals gab es Journalisten und Kriegsreporter, die von der Front berichteten. Sie verdrängten dabei jede Gefahr für Leib und Leben. Zu ihnen zählte neben Martha Gelhorn auch ihr Lebensgefährte und spätere Ehemann Ernest Hemingway. Dass der Name Willy Brandt ebenfalls in dem Buch "Entscheidung in Spanien" genannt wird, erstaunte mich. Er kämpfte damals bereits gegen den Faschismus und für Demokratie.

Eigentlich unglaublich, dass es innerhalb Europas einen so blutigen Bürgerkrieg gab. Dass sogar Herr Hitler um Mithilfe gebeten wurde, nicht wirklich überraschend. War doch Franco für einige Zeit einer seiner engen Verbündeten innerhalb Europas. Das Buch überzeugt durch detaillierte Darstellungen des Krieges. Der Fokus liegt dabei nicht auf die Erfolge der kriegsführenden Parteien. Es ist das Leid der Unschuldigen, das zu Herzen geht. Für mich ein ganz wichtiges Buch, das zeigt, wie grausam Menschen sein können. Sind es nicht Frauen und Kinder, die am meisten unter den Kämpfen der Mächtigen leiden?

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Veröffentlicht am 31.03.2026

Zwischendurch recht spannend, aber es gibt viel Luft nach oben

Wo ist meine Tochter?
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"Wo ist meine Tochter" beginnt mit einem Schulfest. Die Kinder haben sich verkleidet und tanzen miteinander in der großen Aula. Auch Hollie ist dabei und fühlt sich in ihrem Schmetterlingskostüm sehr wohl. ...

"Wo ist meine Tochter" beginnt mit einem Schulfest. Die Kinder haben sich verkleidet und tanzen miteinander in der großen Aula. Auch Hollie ist dabei und fühlt sich in ihrem Schmetterlingskostüm sehr wohl. Leider hat sie aber auch in diesem Jahr nicht den ersten Platz für das beste Kostüm einfahren können. Ihre Mutter will sie tröstend in die Arme nehmen und mit ihr nach Hause fahren. Aber Hollie ist spurlos verschwunden.

Zunächst war das Buch für mich sehr verwirrend. Unterschiedliche Aussagen der Mutter und diese unterschwelligen Andeutungen, nein das trug nicht zum Verständnis bei. Der Krimi ist stellenweise zu brutal und nicht wirklich realistisch. Die Idee gefiel mir gut und auch das Ende war nicht vorauszusehen. Welche Rolle die Zwillingsschwester dann tatsächlich spielt, bleibt ein Geheimnis. Sowie es auch weitere Fragen gibt, die leider nicht aufgelöst wurden.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Hans Christian Andersen hautnah erleben

Die Liste der Lebenden
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Am 13. September 1858 geschah das Unglaubliche. Das eigentlich unsinkbare Schiff, mit modernster Technik ausgestattet, sank. 495 Menschen starben. Unter ihnen auch eine enge Freundin des berühmten Dänen ...

Am 13. September 1858 geschah das Unglaubliche. Das eigentlich unsinkbare Schiff, mit modernster Technik ausgestattet, sank. 495 Menschen starben. Unter ihnen auch eine enge Freundin des berühmten Dänen Hans Christian Andersen, Henriette Wulff. Sie rettete sich zunächst auf eine Türe und hoffte stundenlang auf die Erlösung. Dabei schrieb sie fiktive Briefe. Also in Gedanken. Alles, was sie Herrn Christian schon immer sagen wollte, kam ihr im Angesicht des Todes in den Sinn.

In Kopenhagen wartete der Dichter auf ein Lebenszeichen von Henriette. Obwohl er sehr verärgert war, dass sie ihn verließ und in die USA auswandern wollte. Sie fehlt ihm schon jetzt. Um seine Sorgen zu vergessen, schreibt auch er Briefe. Beide trauen sich endlich, ihre Gefühle füreinander zu offenbaren. Gleichzeitig erfährt der Leser auch noch eine Menge über das Leben von Andersen und Wulff.

Ein Buch, das nicht mit Spannung oder Erotik aufwartet. Leise Töne und versteckte Sympathiebekundungen machen es so lesenswert. Die Sprache ist ein genaues Abbild jener Zeit. Ein wunderschönes Stück Vergangenheit, das mir den Dichter noch ein Stück näher brachte. Die Recherchen des Autors waren äußerst umfangreich, denn über Frau Wulff gibt das Netz nur wenig her. Interessant fand ich seinen Verweis auf Artikel zu den beiden Briefschreibern.

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