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Veröffentlicht am 27.08.2024

Lina Lübbers & Kea Siefken zum Zweiten

Die Gewalt des Sturms
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Die Hauptkommissarin Lina Lübbers wird von Osnabrück ins Auricher Kommissariat versetzt. Ihr geheimer Auftrag lautet, einen Maulwurf in den eigenen Reihen zu finden. Sie hofft, dass alles schnell vonstatten ...

Die Hauptkommissarin Lina Lübbers wird von Osnabrück ins Auricher Kommissariat versetzt. Ihr geheimer Auftrag lautet, einen Maulwurf in den eigenen Reihen zu finden. Sie hofft, dass alles schnell vonstatten geht, denn sie will bald danach wieder zurück. Ein Todesfall kommt ihr dazwischen, sie wird in die Kanzlei des Anwalts und Notars Klaas Stoever gerufen.

Zeitgleich wird ein weiterer Todesfall gemeldet. Hierbei handelt es sich um Keno de Vries, den Inhaber einer Spedition. Er wurde beim Joggen laut Zeugenaussagen von einem schwarzen, großen Auto angefahren. Unklar ist, ob es sich hierbei um einen Unfall oder um eine bewusst herbeigefügte Tötung handelt.

Keo stellt ihr Team im Fall de Vries zusammen, Lina ermittelt im Fall des Anwalts Stoever. Bald deutet so einiges darauf hin, dass die beiden Fälle zusammenhängen könnten.

„Die Gewalt des Sturms“ ist der zweite Band um die Ermittlerinnen Lina Lübbers & Kea Siefken. Da ich Band eins nicht kenne, habe ich mich anfangs etwas schwer getan, dem Geschehen zu folgen. Vor allem die Maulwurf-Geschichte war es, der ich ein wenig ratlos gegenüberstand. Gut, dieser Erzählstrang ist eher Nebensache, denn die beiden Todesfälle nehmen viel Raum ein. Die Spur führt in die Niederlande, zu einem ziemlich undurchsichtigen Clan, der schon – so wie es den Anschein hat - in Buch eins („Die Stille der Flut“) ihr Unwesen treibt. Auch hierzu fehlt mir Vorwissen, es wäre also sinnvoll, diese Reihe in der richtigen Reihenfolge zu lesen, da es mit Band drei bald weitergeht und auch dieser de-Jong-Clan wieder mitmischt.

Aus Lenas und aus Keas Sicht wird abwechseln erzählt, die Kapitel sind mit den jeweiligen Namen überschrieben. Neben den spannenden Ermittlungen fließt viel Privates mit ein, was für Auflockerung sorgt, aber auch für etwas Stillstand in Sachen Ermittlung. Da anscheinend dieser de-Jong-Clan involviert ist, arbeitet Lina mit einem niederländischen Kollegen zusammen. Der Handlung konnte ich gut folgen, auch habe ich mich einigermaßen mit Linas geheimer Mission in Sachen Maulwurf versöhnt. Die Charaktere sind gut gezeichnet, sie haben Ecken und Kanten und nicht nur Lina und Kea, auch das ganze Team ist mir nahe gekommen, so unterschiedlich sie auch sein mögen. Trotz meiner Anlaufschwierigkeiten werde ich Lina und Kea weiterhin begleiten, es waren durchaus spannende Lesestunden.

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Veröffentlicht am 27.08.2024

Faszinierender, sehr lesenswerter zweiter Band um das Pensionat an der Mosel

Schwestern im Geiste
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Pauline Martin, die junge, sehr engagierte Leiterin des „Pensionats an der Mosel“, steht mit ihren Schülerinnen am Diedenhofener Bahnhof, um die neue Lehrkraft willkommen zu heißen – die Irin Rhona O´Meally. ...

Pauline Martin, die junge, sehr engagierte Leiterin des „Pensionats an der Mosel“, steht mit ihren Schülerinnen am Diedenhofener Bahnhof, um die neue Lehrkraft willkommen zu heißen – die Irin Rhona O´Meally. Sie wird die Mädchen in Musik und englischer Sprache unterrichten und natürlich wird sie ihnen die irische Kultur näherbringen.

Wir sind im Jahre 1911 in Diedenhofen, dem heutigen französischen Thionville. Das malerische Städtchen an der Mosel hat eine wechselvolle Geschichte, es gehört in jenen Jahren dem Deutschen Kaiserreich an, der preußische Hauptmann Erich von Pliesnitz sorgt vor Ort für Recht und Ordnung.

Paulines Erziehungsmethoden sind sehr fortschrittlich. Ihr Ziel ist es, ihre Schützlinge zu selbstbestimmten, selbstbewussten jungen Frauen zu erziehen. Und natürlich kracht es dann und wann mal gewaltig unter den charakterlich so unterschiedlichen Mädchen. Als dann persönliche Anfeindungen, gar Diebstähle, überhand nehmen, bittet Pauline Erich um Unterstützung. Und nicht genug damit, es tauchen auch im Städtchen gut sichtbare Schmähschriften auf. Wie nicht anders zu erwarten, erscheint Wachtmeister Schrotherr in dem ihm verhassten Pensionat, um hier nach den Schuldigen zu suchen.

„Schwestern in Geiste“ ist das zweite Buch der Trilogie um „Das Pensionat an der Mosel“. Es ist in sich abgeschlossen, es lässt sich also ohne Vorkenntnisse lesen. Empfehlen würde ich trotzdem, mit Band 1 zu beginnen. Ganz einfach deshalb, weil Marie Pierre ihre Leser sofort fesselt - sie zieht einen regelrecht ins Buch. Ihr so lebendiger Schreibstil und ihre durchdachte Geschichte um das Institut sind Garant für faszinierende Lesestunden. Darüber hinaus vermittelt sie viel geschichtlich Interessantes, das auf sehr spannende Weise mit einfließt. Neben der bewegten Geschichte Elsass-Lothringens ist es auch der nie verstummende Judenhass und mit der Irin Rhona ist der Kampf um Irlands Unabhängigkeit Thema. Ihre Figuren sind authentisch, sie sind liebenswürdig und nett, zuweilen sind sie auch ganz schön fies, hinterhältig, intrigant und verlogen. Auch werden zarte Bande geknüpft, natürlich alles im Rahmen der Schicklichkeit. Die so unterschiedlichen Charaktere sind fein gezeichnet, sie alle habe ich kennen- und auch schätzen gelernt und nun warte ich gespannt auf den finalen dritten Band, auch wenn es noch ein Weilchen dauern mag.

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Veröffentlicht am 24.08.2024

Ein gar „tödliches“ Lesevergnügen

Die Hausboot-Detektei - Tödliche Farben
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Für die Hobby-Detektive Arie, Elin, Jan und Maddie ist es ihr mittlerweile vierter Fall, den sie aufklären werden. Denn dass sie diesen gar verzwickten Fall, in dem es um ein verschollenes Bild und einen ...

Für die Hobby-Detektive Arie, Elin, Jan und Maddie ist es ihr mittlerweile vierter Fall, den sie aufklären werden. Denn dass sie diesen gar verzwickten Fall, in dem es um ein verschollenes Bild und einen toten Mann geht, lösen werden, ist klar. Sie sind gut und sie lassen nie locker. Auch wenn sie dabei einen nicht ganz so legalen Weg gehen müssen.

Als „Der Katzenpate aus dem Grachtenviertel“ gilt Onno. Seine Wohnung beleben vier Katzen und die Möwe Kimiko, die er regelmäßig auf dem Fensterbrett füttert. Und nun sitzt ein toter Mann in seinem Lieblingssessel und nicht genug damit, auch fehlt ein Bild an der Wand. Es ist die von ihm selbst angefertigte Kopie eines verschollenen Gemäldes. „Farbenzauber“ hat der sehr bekannte Künstler es genannt. Da Onno nicht unbedingt die Polizei auf seine Fälscherqualitäten aufmerksam machen will, sind es die Hausboot-Detektive, die sich der Sache annehmen.

Nun, sie sind voller Elan, die Suche nach dem Gemälde mutiert zu einer Schnitzeljagd quer durch Amsterdam. Ist diese rasante Jagd zunächst noch ganz amüsant, so hat mich genau dieser Part der Aufklärung doch irgendwann nicht mehr fesseln können, ich war eher genervt davon. Wäre noch der Tote und seine außergewöhnliche Aufmachung. Er trägt ein auffallendes Kleid mit passendem Zubehör, das er schon vor dem für ihn tödlichen Schuss getragen haben muss. Auch dies ein Mysterium, das gelöst werden will.

Auch der vierte Fall ist voller Esprit und Witz, die oben erwähnte Schnitzeljagd mal ausgenommen. Natürlich mischen auch hier Fru Gunilla, das zahme Eichhörnchen, und Hund, der Neufundländer, mit. Und nicht nur diese beiden tierischen Darsteller sind es, die diese Hausboot-Detektei mitsamt ihrer Detektive so lesenswert machen, auch ist es Isa und ihr Modelabel Coole Chica, die von Anfang an dabei ist und seit dem letzten Fall gesellt sich auch Kaatje mit ihren Strickideen dazu. Eine bunte Truppe, die die vier Detektive bei Bedarf tatkräftig unterstützt.

Neben den Hausboot-Detektiven mischt dann doch die Polizei auch mit, wenngleich Wessel de Boer, der Polizist, eher unfähig daherkommt. Ein wenig Schadenfreude mischt sich da schon ein, denn er ist der Unsympath auf ganzer Linie.

Ja, es ist ein kurzweiliger Wohlfühlkrimi mit liebenswerten Charakteren und einem launigen Schreibstil, der mich immer wieder begeistert. Und nun freue ich mich auf den nächsten, den fünften Fall, der es mit tödlichen Blüten zu tun hat.

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Veröffentlicht am 24.08.2024

Vom Artensterben

Das Wesen des Lebens
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Iida Turpeinen nimmt ihre Leser mit auf eine Reise, die 1741 mit dem deutschen Arzt und Naturforscher Georg Wilhelm Steller ihren Anfang nimmt. Seine Expedition führt ihn ins Nordmeer, dort entdeckt er ...

Iida Turpeinen nimmt ihre Leser mit auf eine Reise, die 1741 mit dem deutschen Arzt und Naturforscher Georg Wilhelm Steller ihren Anfang nimmt. Seine Expedition führt ihn ins Nordmeer, dort entdeckt er die gigantische, urzeitliche Seekuh, die danach bald ausgerottet war. Anhand des später gefundenen Skeletts dieser Stellerschen Seekuh führt die Autorin über mehrere Jahrhunderte vor Augen, wie der Mensch die Natur beherrscht.

Der Roman bietet ein Füllhorn an Wissen über die Artenvielfalt und deren sterben. Er führt vom Nordmeer nach Alaska, das damals russisch war. Dort begegnen wir dem finnischen Gouverneur Johan Hampus Furuhjelm, der nach dem Skelett suchen lässt und sind später dann in Helsinki bei Professor Alexander von Normann, der es schließlich erwirbt, um schlussendlich im Naturkundemuseum der Stadt zu sein, wo es seinen endgültigen Platz findet.

Dieser interessante, sehr informative Teil wird durch die Protagonisten lebendig. Der Mensch handelt eigennützig, er jagt die Tiere nicht nur der Nahrung wegen, auch die Felle und alles, war verwertbar ist, haben es ihm angetan und das, ohne auf die Erhaltung der Arten zu achten. Die Danksagung zum Schluss macht dies nur zu deutlich, gilt der Dank doch den Arten, die während des Schreibens dieses Buches ausgestorben sind. Fische, tropische Froscharten, unzählige Milbenarten, Beuteltiere und Fledermäuse, auch ein Wildschwein – es waren 374 Lebewesen, die während der sieben Jahre, in denen „Das Wesen des Lebens“ Gestalt annahm, für immer verschwunden sind.

Den Schreibstil habe ich zeitweise als etwas zu sperrig empfunden, die hier agierenden Personen waren eher so, als ob man sie aus der Ferne betrachtet, eher nüchtern beschrieben. Und doch möchte ich das Buch nicht missen, es bleibt im Gedächtnis und sollte gelesen werden.

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Veröffentlicht am 22.08.2024

Sehr lesenswert

Vielleicht können wir glücklich sein
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Mit „Vielleicht können wir glücklich sein“ hat die Heimkehr-Trilogie ihr Ende gefunden. Es sind beeindruckende Bücher voller Leben, voller Sorgen und doch auch voll Hoffnung, auch wenn diese zeitweise ...

Mit „Vielleicht können wir glücklich sein“ hat die Heimkehr-Trilogie ihr Ende gefunden. Es sind beeindruckende Bücher voller Leben, voller Sorgen und doch auch voll Hoffnung, auch wenn diese zeitweise verloren scheint. Die Trilogie beginnt mitten in der Weltwirtschaftskrise 1929 und endet mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Alexa Hennig von Lange hat sich von den Lebenserinnerung ihrer Großmutter inspirieren lassen, die diese auf mehr als 130 Tonbandkassetten gesprochen hat.

Auch dieser dritte Band wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Los geht es mit Isabell, der Enkelin von Klara, im Jahre 2000. Mit ihrer kleinen Tochter auf dem Schoß liest sie den Brief ihres Großvaters, den er kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges an seine Frau geschickt hat. Er berichtet von Tolla, die Klara damals, als die Juden vor den Nationalsozialisten nicht mehr sicher waren, als ihr Kind ausgegeben hat. Um das Überleben des jüdischen Mädchens zu sichern, hat Klara sie schweren Herzens mit den Kindertransporten nach England gehen lassen, nur ist sie dort nie angekommen. Er hat sie bei einem der Todesmärsche gesehen, schreibt er. Sie alle waren nur noch Haut und Knochen, in Lumpen gewickelt und brach einer zusammen, wurde er von den SS-Wachen erschossen.

Mit Klara sind wir dann im September des Jahres 1944. Ihre vier kleinen Kinder muss sie alleine großziehen, ihr Mann Georg kämpft wie alle wehrdiensttauglichen Männer für das Vaterland. Der Kinder wegen musste sie die Leitung im Frauenbildungsheim aufgeben, sie hat genug damit zu tun, ihren Alltag und den ihrer Kinder zwischen Fliegeralarm und dem Überleben einigermaßen erträglich zu gestalten. Stramme Nazis im Ort wachen über jedes Wort und sind sofort zur Stelle, wenn dem Regime ihrer Meinung nach nicht genug gehuldigt wird.

Mit Kriegsende endet auch die Heimkehr-Trilogie. Die fiktive Figur Klara steht im Mittelpunkt dieser Erzählung. Alexa Hennig von Lange hat viel von ihrer Großmutter mit einfließen lassen, die sie beim Hören der Kassetten nochmal ganz neu kennengelernt hat. Sie nimmt ihre Leser direkt mit hinein in Klaras Familie, ich erfahre von den Pflichtschulmädchen, die kinderreiche Familien unterstützen. Das jüngste ihrer Kinder liegt noch im Waschkorb, der älteste ist mit seinen sechs Jahren so vernünftig, wie man es einem Sechsjährigen nicht zutraut. Ich bin direkt dabei, wenn die Sirene feindliche Flieger ankündigt und sie sich schleunigst in Sicherheit bringen müssen. Ich spüre eine tiefe Beklemmung, wenn ich vom täglichen Spagat zwischen der eigenen Überzeugung und dem, was nach außen dringen darf, lese.

Von den beiden Erzählebenen hat mich vor allem Klaras Erzählstrang tief beeindruckt. Man merkt förmlich, welch Gewicht auf ihr lastet. Erst gegen Ende ihres Lebens konnte Klara wenigsten dem Tonband diese Jahre anvertrauen. Ihre Geschichte steht stellvertretend für viele andere Schicksale in einer finsteren Zeit. Eine Zeit, die den Menschen viel abverlangt hat. Die Heimkehr-Trilogie ist ein einfühlsam erzähltes Zeugnis einer Zeit vor dem geschichtlichen Hintergrund voller Entbehrungen und schrecklichen Erlebnissen, aber auch voller Liebe und Fürsorge.

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