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Veröffentlicht am 06.05.2024

Loslassen und Neubeginn

Solange ich dich suche
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Adens Mutter Janet hat nicht mehr lange zu leben und nun ist es ihr sehnlichster Wunsch, sich von ihrer Tochter, die sie viele Jahre nicht mehr gesehen hat, zu verabschieden. Vor vielen Jahren ist Aden ...

Adens Mutter Janet hat nicht mehr lange zu leben und nun ist es ihr sehnlichster Wunsch, sich von ihrer Tochter, die sie viele Jahre nicht mehr gesehen hat, zu verabschieden. Vor vielen Jahren ist Aden gegangen und hat den Kontakt zu ihrem früheren Leben abgebrochen. Janet weiß nur so viel, dass sie in Whitecastle, südlich von Edinburgh gelegen, ein neues Leben anfangen wollte und so bittet sie Maggie, ihr ihre Tochter zurückzuholen.

Maggie kann es gar nicht glauben, dass ihre Freundin aus Kindertagen sich diese ruhige Gegend als Rückzugsort ausgesucht hatte, war sie doch in London keiner Party aus dem Weg gegangen und – wie Maggie Aden gekannt hat - passte sie schon allein durch ihr auffällig Äußeres ganz bestimmt nicht in eine ländliche Idylle.

In Whitecastle angekommen, muss sie feststellen, dass keiner Aden je gesehen hat. Sie mietet sich bei Dean, der Airbnb anbietet, ein. Ihr Aufenthalt dauert länger als gedacht und nicht nur die Suche nach ihrer vermissten Freundin gestaltet sich schwierig, auch gibt es zwischen Maggie und Dean so manche Differenzen, auch wenn die beiden sich zueinander hingezogen fühlen. Und doch ist es Dean, der in den unmöglichsten Momenten abblockt, sie schroff zurückweist. Einem Katz- und Mausspiel ähnlich.

Josefine Weiss entführt mich nach Schottland. Ihre Landschaftsbeschreibungen lassen Bilder entstehen, da möchte ich am liebsten sofort meine Koffer packen. Daneben und vor allem geht es um Maggies Suche nach Aden und um das Auf und Ab zwischen ihr und ihrem Vermieter. Viel Unausgesprochenes steht den beiden im Weg, diese Geheimniskrämerei hat mich zwischendurch ganz schön genervt. Der einnehmende Schreibstil der Autorin hat dies dann einigermaßen wieder wettgemacht, ich hätte mir eine etwas reifere, erwachsenere Verhaltensweise der beiden Hauptakteure gewünscht. Thematisiert werden Zuneigung und Liebe, Verlust und Trauer inklusive der schmerzhaften Trauerbewältigung, Loslassen und Neubeginn. Eine bittersüße Liebesgeschichte und mehr, kurzweilig dargeboten.

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Veröffentlicht am 04.05.2024

Klug durchdachte Story

Die Verlierer
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Das Verschwinden seiner Frau meldet Fred Keller erst dann, als sein Schwager ihn des Mordes an Kirsten verdächtigt. Was sollte er auch sonst denken – Fred kehrt ohne sie nach einer Woche Campingurlaub ...

Das Verschwinden seiner Frau meldet Fred Keller erst dann, als sein Schwager ihn des Mordes an Kirsten verdächtigt. Was sollte er auch sonst denken – Fred kehrt ohne sie nach einer Woche Campingurlaub im Bayerischen Wald zurück. Seine Erklärung, dass Kirsten, kaum dass sie angekommen sind, losgejoggt ist, ihr Handy aber im Wohnwagen gelassen hat, klingt ziemlich abenteuerlich. Warum er so lange gewartet und auch nicht nach ihr gesucht hat, kommt nicht nur Kirstens Bruder komisch vor. Noch dazu fehlt auch von ihrem 13jährigem Sohn Til jede Spur.

Die Kommissarin Rita Voss wird auf den Fall angesetzt und bald hat sie es mit weiteren vermissten Frauen zu tun. Alle sind sie alleinerziehend oder in einer neuen Beziehung, den jeweiligen Vätern wird das Umgangsrecht zu ihren Kindern verweigert - Verlierer sind sie alle.

„Psycho-Spannung“ lese ich auf dem Cover, das einen sich im Dickicht verlierenden Waldweg zeigt. Gut möglich, dass in dieser düsteren Umgebung sich so mancher verliert oder wie auch immer abhanden kommt.

Petra Hammesfahr lässt Carli erzählen. Er war zwölf, als Vater wegzog, sein Bruder gerade mal sieben und die Kleinste noch nicht geboren. Was es mit Carli auf sich hat, wird so nach und nach sichtbar. Dieser Erzählstrang wechselt sich ab mit dem von Daniela und dem der Ermittlungsarbeit. Wobei mir die Polizisten seltsam entrückt vorkommen. Es herrscht ein nüchterner Ton, der bei Metzner – er ist Ritas Vorgesetzter - zuweilen ins Sarkastische abdriftet. Er lässt sie deutlich spüren, dass er von ihrer These eines zweifachen Mordes nichts hält.

Neben den eher emotionslosen Ermittlern hat Carli viel zu berichten, seine Geschichte berührt mich sehr und ist zugleich äußerst beklemmend. Was es mit Carli auf sich hat, welche Rolle er hier einnimmt, erschließt sich mir nicht gleich. Er wächst auf in einem Umfeld, das ihn prägt. Erst Jahre später merkt er, was alles hätte anders laufen sollen. Gehört er zu den Verlierern?

Was ich letztendlich von Carli erfahre, lässt mich staunend zurück. Und nicht nur diese Figur hat es in sich, die klug durchdachte Story fesselt ungemein. Ein Psycho-Thriller der eher leisen Töne, der keine Actionszenen braucht, um die Leser in seinen Bann zu ziehen.

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Veröffentlicht am 03.05.2024

Locker-leichte Krimiunterhaltung

Mord unterm Reetdach
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„Mord unterm Reetdach“ ist der Auftakt einer Krimi-Reihe um den Immobilienmakler Kristan Dennermann, der den Reichen und Schönen Luxusimmobilien auf Sylt vermittelt und wie nebenbei Licht ins dunkle Treiben ...

„Mord unterm Reetdach“ ist der Auftakt einer Krimi-Reihe um den Immobilienmakler Kristan Dennermann, der den Reichen und Schönen Luxusimmobilien auf Sylt vermittelt und wie nebenbei Licht ins dunkle Treiben so manch zwielichtiger Gestalten bringt. Einen Insel-Kommissar gibt es schon auch, der aber eher Kristan im Visier hat als dass er sich unvoreingenommen ans Ermitteln machen würde.

Als Hinnerk Petersen in seinem Garten gefunden wird, ist Kristan hautnah dabei - er stolpert sozusagen über seine Leiche. Unterwegs ist Kristan mit seinem Corgi, als der Witterung aufnimmt und losrennt. Kristan hinterher, er stürzt unglücklich und verstaucht sich dabei den Fuß. Kurz muss er weggetreten sein, denn als er wieder zu sich kommt, liegt er direkt neben dem Toten.

Petersens Anwesen steht zum Verkauf und bald stellt sich heraus, dass seine Söhne leer ausgehen sollen, was den beiden natürlich so gar nicht behagt. Interessenten gibt es einige, darunter eine millionenschwere, ziemlich exaltierte Lady, die mit Raffinesse und körperlichem Einsatz alle Register zieht, um an dieses begehrte Objekt zu kommen. Derweilen wollen Gerüchte um eine Dame vom horizontalen Gewerbe um den alten, krebskranken Petersen nicht verstummen.

Auch auf Sylt ist nicht alles eitel Sonnenschein, das Böse lauert hier wie überall. Kristan, der von Hella, seiner Angestellten, Jamie Bond gerufen wird (sie ist für ihn Miss Honeypenny), wird stets von seinem Corgi, der auf den königlichen Namen Pince of Wales hört, begleitet.

Eric Weissmann ist einen locker-leichten Krimi gelungen, Inselfeeling inbegriffen. Sylt zeigt sich von seiner feudalen Seite und ja, so mach überkandideltes Wesen gehört natürlich auch dazu. Kristan erhält Botschaften, er wird bedroht und bringt sich nicht nur einmal in Gefahr. Aus seiner Sicht wird der Fall und das ganze Drumherum erzählt und durchleuchtet und nicht nur das, auch von ihm selber erfährt man so einiges. Sogar Wagner und sein Musikdrama Tristan und Isolde - oder eher Kristan und Isolde - hat seinen Auftritt. Der Fall ist nicht ohne, er hat einiges zu bieten, denn so etliche schrille Typen tummeln sich hier, maskiert als ehrbare Bürger. Es ist ein atmosphärischer, spannender und zielführender Sylt-Krimi, der zum Miträtseln einlädt, den ich gern gelesen habe und der mich auch so manches Mal hat schmunzeln lassen.

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Veröffentlicht am 01.05.2024

Absolut brillant

Krähentage
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„Härter, blutiger, spannender…“ O ja, Benjamin Cors „Krähentage“ sind Spannung pur. Ein Thriller, der mich gefangen hält – von der ersten bis zur letzten Seite. Atemlos folge ich dem Killer, kann nicht ...

„Härter, blutiger, spannender…“ O ja, Benjamin Cors „Krähentage“ sind Spannung pur. Ein Thriller, der mich gefangen hält – von der ersten bis zur letzten Seite. Atemlos folge ich dem Killer, kann nicht glauben, was ich da lese. Von einem, der keine Hemmungen kennt.

„Auf Wiedersehen, Frau Nowak. Sie hatten ein schönes Leben.“ Vor zwei Tagen ist sie laut Gerichtsmediziner gestorben und doch hat sie eine Nachbarin gestern noch lebend gesehen. Wie kann das sein? Die 84jährige wird in ihrer Wohnung gefunden und trotzdem sie alleine gelebt hat, finden die Ermittlerinnen Mila und Lucy darin auch Krähen. Eine davon hat die beiden beim Öffnen der Wohnungstür attackiert und nicht genug damit, diese Vögel haben die alte Frau ganz schön zugerichtet.

Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt für das neu zusammengestellte Team, Gruppe 4 genannt. Geleitet von Jakob Krogh und Mila Weiss vervollständigen Lucy Chang, Tuure Salo (genannt Der Finne), Ludger Palm und Frauke Ibsen das Ermittlerteam.

Es bleibt nicht bei dem einen Opfer, weitere folgen. Allen gemein sind diese Krähen, die vorher ausgehungert werden, um sich – einmal losgelassen – auf die vom Täter Auserwählten zu stürzen. Er, dieser Serienkiller, ist den Lesern bekannt. Seine Gedanken, seine Vorbereitungen, seine Vollendung dessen – all das lese ich. Und bin zutiefst geschockt. Wie kann ein Mensch auf derart grauenvolle Weise agieren? Er ist hochintelligent, bringt komplexe Abläufe zusammen, das Resultat ist so verblüffend wie unmenschlich. Eine hochgradig gestörte Person, deren tödliche Spur sich durch mehrere Leben zieht, gönnt den Ermittlern keine Atempause.

Auch die Ermittler, allen voran Jakob und Mila, haben ein Vorleben. Mila will verstehen, wie Jakob tickt. Will so viel wie nur möglich von ihm wissen, denn sie müssen sich blind aufeinander verlassen können. Und das können sie auch, wenngleich sie sich nicht alles offenbaren, Geheimnisse bleiben. Nicht nur diese beiden Charaktere sind bestens gezeichnet. Sie sind hart im Nehmen, arbeiten effizient, immer am Limit. Und die Gruppe 4 wird von einem ehemaligen Polizisten unterstützt, einem Profiler, dem sein bärbeißiger Ruf vorauseilt.

„Krähentage“ ist mein erstes Buch von Benjamin Cors, mein letztes wird es bestimmt nicht sein. Ich bin schlichtweg begeistert, meine dunkle Thrillerseele lacht. Wenngleich die Handlung so gar nicht zum Lachen ist, denn eher das Gegenteil ist der Fall. Ich habe schon viele gute, weniger gute und auch schlechte Thriller gelesen, dieser hier gehört zu den Besten. Ein absolut herausragender Thriller, das Lesen ist ein Hochgenuss für jeden Thriller-Fan.

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Veröffentlicht am 29.04.2024

Gianna Pittis erster Fall

Was der See birgt
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Lenz Koppelstätter bürgt für gute und spannende Unterhaltung, seine Reihe um Grauner und Saltapepe ist nicht nur für Südtirol-Fans ein Hochgenuss. Da bin ich doch gespannt, was sich am Gardasee so tut. ...

Lenz Koppelstätter bürgt für gute und spannende Unterhaltung, seine Reihe um Grauner und Saltapepe ist nicht nur für Südtirol-Fans ein Hochgenuss. Da bin ich doch gespannt, was sich am Gardasee so tut. Denn hier ist seine neue Krimi-Reihe um Gianna Pitti, die Polizeireporterin des Messaggero di Riva, angesiedelt.

Schon das Cover stimmt auf dieses schöne Fleckchen Erde ein. Voller Vorfreude auf den Gardasee-Krimi lese ich die ersten Seiten, lese von Gianna, die nach einem wundervollen Abend mit Filippo Schmetterlinge im Bauch hat. Auch lerne ich ihren Onkel Francesco kennen, der seinen ganz eigenen Lebensstil pflegt. Und Elvira, ihres Zeichens Chefredakteurin der Lokalzeitung, mischt selbstredend kräftig mit.

Als am Tag darauf der Tote am Hafen gefunden wird, ist Gianna in der Nähe. Es kommt, wie es kommen muss, sie schlängelt sich durch, macht – natürlich unauffällig - ein paar Fotos. Und erschrickt. Die Polizei weiß nicht, wer dieser Tote ist, sie dagegen schon.

Die 224 Seiten waren schnell gelesen, etwa zwei Drittel des Buches waren ganz okay. Gianni hat – wie schon in Vorfeld angedeutet – ihre ganz eigenen Ermittlungen angestellt. Sie hat sich peu à peu in dieser Mordangelegenheit auch mithilfe ihres Onkels vorgearbeitet. Irgendwann stößt sie auf einen Geheimbund und natürlich ist sie mittendrin. „Dubiose Geschäfte, ein elitärer Geheimbund und eine junge Lokalreporterin, die in ihrer persönlichsten Story recherchiert.“ Die Passagen um diesen Geheimbund finde ich so gar nicht überzeugend, sie sind mir zu überzogen und haben mich auch nicht abgeholt, sie haben mich eher gelangweilt. Daneben erfahre ich von ihrem Vater, einem Investigativjournalisten, der vor einem Jahr spurlos verschwunden ist. Auch seine Spur führt in diese Loge.

Wie gesagt – der Krimi beginnt ganz ordentlich, die Recherchearbeit der schon von Berufs wegen wissbegierigen Journalistin Gianni Pitti ist gut dargestellt, der Schreibstil wie vom Autor gewohnt flüssig, die Charaktere haben Biss und durchaus Charme. Allen voran Francesco Marchese Pitti-Sanbaldi, der sich stets von seiner edelsten Seite zeigt, der es schon auch mit Arbeiten versucht hat, wenn auch nur kurzzeitig. Als Privatier ist er in seiner Rolle, mit dem vorhandenen Familienvermögen übt er sich im stilvollen Verarmen.

Der nächste Fall für Gianna Pitti kommt bestimmt, ich werde ihr nochmal eine Chance geben.

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