Profilbild von Magnolia

Magnolia

Lesejury Star
offline

Magnolia ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Magnolia über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.11.2021

Poetisch und doch sperrig

Greta und Jannis
0

Die Winter und die Sommer nach der Apfelernte, auch Frühling und Herbst danach oder vor acht Jahren – davon schreibt Sarah Kuratle, von „Greta und Jannis“ und von den anderen. Ins allerletzte Dorf zieht ...

Die Winter und die Sommer nach der Apfelernte, auch Frühling und Herbst danach oder vor acht Jahren – davon schreibt Sarah Kuratle, von „Greta und Jannis“ und von den anderen. Ins allerletzte Dorf zieht Greta, nachdem ein lange gehütetes Familiengeheimnis sie daran hindert, mit Jannis zusammenzusein.

Der rote Hartriegel, die Früchte davon, passen in ihr Leben, zu dem abgelegenen Hof, der den vielen Kindern und auch Greta Heimat geworden ist. Zweige dieses widerstandsfähigen Strauches schmückt das zarte Cover.

Man muss in der richtigen Stimmung sein für das Buch. Ein sehr poetischer Schreibstil, manchmal sehr holprig, geradezu sperrig und zäh, uneinnehmbar. Wie wenn man vor verschlossenen Türen steht, einen unüberwindbaren Fels, ja einen Berg erklimmen muss.

Ich habe angefangen und dann dachte ich nein, das geht nicht, es weggelegt und wieder zur Hand genommen. Sehr viel drüber nachgedacht, den Klappentext gelesen und dem Ganzen nochmal eine Chance gegeben. Sich einlesen und sich einlassen auf diese ganz eigene Art sollte man und erst dann kann man, konnte ich das Buch genießen. Ich brauchte dafür Mußestunden, musste mich wegbeamen und in die Welt von Greta und Jannis eintauchen, zu ihnen hinübergehen.

Man mag das Buch oder man mag es nicht, es gibt nichts dazwischen. Es sind schon sperrige Sätze, die einen nachdenken lassen, die einen fordern. Die Charaktere leben in ihrer eigenen Welt, so richtig konnte ich zu ihnen nicht vordringen, ich war eher Beobachter denn mittendrin.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.11.2021

Enttäuschend

Die Schönheit des Himmels
0

Ein persönliches Buch – so wird es beworben. Und genau das sollte es bleiben. Persönlich, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Was, so frage ich mich, will die Autorin ihren Lesern sagen?

„Es gibt ...

Ein persönliches Buch – so wird es beworben. Und genau das sollte es bleiben. Persönlich, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Was, so frage ich mich, will die Autorin ihren Lesern sagen?

„Es gibt nichts Schöneres, als sie „meine Mutter“ zu nennen. Niemand außer mir darf das.“ In diesem schmalen Buch erzählt sie nicht die Geschichte ihrer berühmten Mutter, sie dient lediglich als Aufhänger, als Rechtfertigung für ihre Worte, die sie, die Tochter von Romy Schneider, an ihre zweieinhalbjährige Tochter richtet.

Im Radio habe ich eine Buchbesprechung gehört, Sarah Biasini hat ihre „Schönheit des Himmels“ auf allen Kanälen beworben. Dieses Buch muss ich lesen, unbedingt. Und nun - endlich mein! Gespannt schlage ich es auf und lese eine emotionslose Aneinanderreihung aller Ereignisse, die für sie wichtig waren. Die sie mit der Entstehungsgeschichte ihrer Tochter verbindet.

Erinnerungsfetzen, unausgegoren, schnell aufs Papier geworfen. Man muss nicht jeden Gedanken in einem Buch verewigt sehen, um dieses dann schnell auf den Markt zu werfen. Für mich eines der schlechtesten Bücher überhaupt. Ich mag Sarah Biasini, ihre zurückgenommene Art. Aber ihr Buch mag ich nicht, so leid es mir tut.

Das Cover ist wundervoll, hier stimmt einfach alles. Auch der Klappentext lädt ein, ein klein wenig in ihre Seele zu schauen. Nur so viel, wie sie ihren Lesern verraten will, alles andere bleibt diskret im Verborgenen.

„Romy Schneiders Tochter erzählt: poetische und intime Einblicke in ihr Leben abseits der Öffentlichkeit.“ Und genau da sollten diese weder poetischen noch intimen Einblicke bleiben – abseits der Öffentlichkeit.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.11.2021

Kleine und große Geheimnisse - ein spannendes Hörbuch

Rue de Paradis
0

In der Rue de Paradis lässt es sich wohnen, es ist ein idyllisches Plätzchen auf der Halbinsel Cap Ferret. Bei einer Sturmflut werden nicht nur Häuser zerstört, auch eine Frau kommt inmitten der Wassermassen ...

In der Rue de Paradis lässt es sich wohnen, es ist ein idyllisches Plätzchen auf der Halbinsel Cap Ferret. Bei einer Sturmflut werden nicht nur Häuser zerstört, auch eine Frau kommt inmitten der Wassermassen um. Es stellt sich heraus, dass die Rue de Paradis nie hätte bebaut werden dürfen. Zu nah am Bassin, lediglich das Haus des Bürgermeisters hoch oben liegt außerhalb der Gefahrenzone. Umgesiedelt müssen sie werden – es regt sich Widerstand. Als es sechs Monate später erneut zu einer noch verheerenderen Flut kommt, wird der Bürgermeister tot aufgefunden. Luc Verlain wird hinzugezogen, ein für ihn denkbar ungünstiger Zeitpunkt, seine Tochter kann jeden Moment zur Welt kommen.

Die Art, wie Alexander Oetker seine Leser an den Fall heranführt, gefällt mir ausgesprochen gut. So hat man die Örtlichkeiten und die Akteure direkt vor Augen, möchte nur zu gerne die Köstlichkeiten der Gegend genießen. Luc ist mir mittlerweile sehr vertraut, ich folge ihm und Anouk, seiner Lebensgefährtin, schon ab Band 1 und werde ihm weiterhin treu bleiben.

Lucs unaufdringliche und immer durchdachte Handlungsweise mag ich sehr gerne. Er kennt diesen Menschenschlag, kann mit ihnen umgehen. Hier findet man keine reißerischen Szenen, aber doch genug Lügen und Geheimnisse, Hinterhältigkeit und Bosheit. Sie geben sich rechtschaffen, als ob sie kein Wässerchen trüben könnten. Und doch hat jeder hat seine dunklen Seiten, die dank Lucs Spürsinn ans Licht kommen.

Ein spannender fünfter Band um Luc Verlain. Alles beginnt gemächlich, steigert sich, wirft viele Fragen auf und endet ganz unverhofft. Wiederum ein spannender Kriminalfall, der auch gelesen werden kann, ohne die Vorgängerbände zu kennen. Aber warum sollte man sich um den Lesegenuss bringen? Diesen fünften Fall habe ich mir als Hörerlebnis gegönnt, ich kann es sehr empfehlen.

Das ungekürzte Audible Hörbuch ist 7 ½ Stunden Hörgenuss vom Feinsten. Dazu trägt natürlich auch Frank Arnold mit seiner ausdrucksstarken, so wandelbaren Stimme bei. Der perfekte Sprecher, dem ich jede Rolle abnehme, er zieht seine Hörer ganz tief in diesen Kriminalfall. Das Kopfkino ist eingeschaltet, die weiße Gischt weit draußen, die enormen Regenmengen, die Sturmflut trifft auf die Westküste und in meine Vorstellung. Ich bin inmitten der Bewohner, kann ihre Verzweiflung direkt spüren. Kurzum - eine perfekte Lesung.

Wie gesagt - sehr gerne empfehle ich Luc Verlains fünften Fall an der „Rue de Paradis“ weiter.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.11.2021

Bella ciao

Die Klänge der Freiheit
0

Voller Stolz nimmt Inge die Brosche, die eine fertig ausgebildete Rotkreuz-Schwester auszeichnet, bei ihrer Vereidigung entgegen. Afrika, ihr Wunsch-Einsatzort, rückt näher. Aber an die Ostfront muss ...

Voller Stolz nimmt Inge die Brosche, die eine fertig ausgebildete Rotkreuz-Schwester auszeichnet, bei ihrer Vereidigung entgegen. Afrika, ihr Wunsch-Einsatzort, rückt näher. Aber an die Ostfront muss sie, ihr Vater sieht das kritisch, ihre ganze Rotkreuz-Schwesternschaft gefällt ihm nicht. Zuviel hat er gesehen vom Krieg, hat verbotenerweise Feindessender gehört und weiß um die Aussichtslosigkeit der Deutschen in diesen letzten Kriegsjahren. Jedoch glaubt Inge, blauäugig wie sie ist, nicht ihm, sondern dem Führer und seiner Propaganda. Für die richtige Sache will sie einstehen, den tapferen Soldaten helfen.

Mit der Realität, der Grausamkeit des Krieges, wird sie im Lazarett tagtäglich konfrontiert. Oberstleutnant Heinrich Preuss wird mit einem Streifschuss und einer Fleischwunde eingeliefert und schon bald will er bevorzugt von Inge betreut werden, will sie in seiner Nähe haben. Die Rote Armee ist nahe und Inge kommt seiner Bitte nach, ihn nach Italien zu begleiten. Dort wird er Vorbereitungen für ein Kriegslazarett treffen. Es ist ihre Chance, der Hölle zu entkommen.

Aus der Sicht einer jungen, idealistischen Frau nimmt Tara Haigh ihre Leser mit hinter die Front. Aus ihrer anfänglichen Euphorie, dem unbedingten Willen zu helfen und aus der Überzeugung, der richtigen Sache zu dienen, wird ihr Blick zunehmend kritischer. Sie sieht hinter den Kulissen die menschenverachtende Realität der Einzelnen, kann aber nichts tun als schweigend dem zuzusehen. Ein Stück Zeitgeschichte hat die Autorin zu Papier gebracht, das Lazarett mit all seinen Schrecken verdeutlicht gut die entsetzlichen Qualen der Verwundeten. Triage nannten sie das, was schlicht und ein Ausleseverfahren war. Bei wem ist es noch sinnvoll, die raren Medikamente auszugeben? Wer ist dann wieder voll einsatzfähig, kann dem Regime weiterhin dienen?

Italien zeigt sich zunächst von seiner schönsten Seite, der Spaziergang durch Rom setzt Bilder im Kopf frei, ich bin mit Inge in der Stadt, schwelge in Erinnerungen, auch Neapel mit all seinen nicht nur feinen Gerüchen bleibt im Gedächtnis. Die perfekte Lage des Klosters oben auf dem Berg macht die Abtei Montecassino zu einem strategisch günstigen Ort, die Deutschen nisten sich in der Nähe ein.

Ein Buch über die letzten Jahre des Zweiten Weltkrieges, von der Ostfront nach Italien. Während es in der ersten Hälfte um das harte Leben und Sterben im Lazarett geht, wandelt sich die Geschichte zunehmend in eine Romanze, umrankt vom Widerstand. Wobei mich der Anfang sehr gebannt immer weiterlesen ließ, hatte ich im Bella Italia zunehmend das Gefühl, die Kriegswirren und deren entsetzliche Taten müssen dem Patriotismus und einer Liebe zwischen den Gegnern weichen.

„Bella ciao“ – ein Lied über den Tod und doch waren es für die Partisanen die Klänge der Freiheit. Diese fiktive Geschichte mit dem bekannten historischen Hintergrund war durchaus kurzweilig zu lesen, weniger Amore wäre hier mehr gewesen. Unterhaltsam waren „Die Klänge der Freiheit“ allemal.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.11.2021

Auf ewig Freunde?

In ewiger Freundschaft (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 10)
0

Der 10. Fall für Pia Sander und Oliver von Bodenstein ist ausgelesen, in dem nichts so ist, wie es scheint.

Der Prolog führt zurück ins Jahr 1983 an die französische Atlantikküste zur Ilé de Noirmoutier, ...

Der 10. Fall für Pia Sander und Oliver von Bodenstein ist ausgelesen, in dem nichts so ist, wie es scheint.

Der Prolog führt zurück ins Jahr 1983 an die französische Atlantikküste zur Ilé de Noirmoutier, mitten hinein in eine Clique. Sie alle wollen ihr Leben mit allen Sinnen genießen – ein Paradies, ein Versprechen und wie in jedem Eldorado züngeln auch hier die Schlangen.

35 Jahre später: Seit Tagen geht sie nicht ans Telefon – Heike Wersch, die kürzlich entlassene Lektorin des Winterscheid Verlages. Pia Sander steht mit Maria Hauschild, eine Freundin und Kollegin von Heike, vor deren verschlossenen Türen. Nachdem sie sich Zugang verschafft haben, finden sie einen alten, dementen Mann vor. Angekettet, verwirrt, kaum ansprechbar. Blutspuren im Haus deuten auf ein Verbrechen hin, die Spuren führen ins Verlagshaus, hat doch Heike einen prominenten Schriftsteller in Schaffenskrise ermuntert, sich einer Novelle zu bedienen, die ein anderer verfasst hat. Sie zu seinem Werk zu machen, ihr seine unverwechselbare Handschrift zu verpassen. Um ihn dann als Plagiator zu entlarven, der Meute zum Fraß vorzuwerfen.

Wie mag das alles zusammenhängen, was wird ans Tageslicht kommen? Ich folge den Spuren, lerne sie alle kennen. Ihre Vorlieben, ihre Eigenheiten, ihre Geheimnisse. Hege für die einen Sympathien, während andere ihren miesen Charakter ganz unverblümt offenbaren. Geschickt zieht die Autorin ihre Leser ins Geschehen, erzeugt Spannung ab der ersten Seite. Alle vertrauten Figuren haben sich weiterentwickelt, sind in den vorangegangenen neun Büchern zu denen geworden, die sie jetzt sind, deren Vorleben in die Story mit einfließt. In diesem Band ist es eher Oliver, dessen zweite Ehe auf der Kippe steht, er in vielerlei Hinsicht schwerwiegende Entscheidungen treffen muss.

Nele Neuhaus versteht es, falsche Fährten zu legen. „Folge den Spuren“ – ja, ich folge ihren Spuren, lasse mich verführen, glaube, auf dem jetzt richtigen Weg zu sein. Meine, den oder die Täter endlich gefunden zu haben, ihn oder sie dingfest machen zu können. Um dann doch wieder zu zweifeln, verwirrt umzudenken. Ihr Stil ist nie reißerisch, die Story logisch aufgebaut. Die Charaktere wirken authentisch, nie abgehoben, sind gutmütig oder kratzbürstig, bescheiden oder unersättlich und unerbittlich in ihrem Tun.

„In ewiger Freundschaft“ ist wie zu Besuch kommen zu alten, sehr lieben Freunden, zu den mittlerweile so vertrauten Ermittlern des K 11. Und zu ihnen gesellen sich diejenigen, die In ewiger Freundschaft einander nahe sind – oder zumindest so tun als ob. Ein spannender 10. Fall, der mich bis zum Schluss gefangen nahm, den ich gerne weiterempfehle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere