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Maimouna19

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.01.2025

Gute Idee, hätte man mehr draus machen können

Die einsame Buchhändlerin von Tokio
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Nanako fühlt sich einsam – sie hat keine Freunde und nach der Trennung von ihrem Mann steht sie nun auch noch ohne Wohnung da. Ihr Job als Buchhändlerin, den sie jahrelang mit Begeisterung ausgeübt hat, ...

Nanako fühlt sich einsam – sie hat keine Freunde und nach der Trennung von ihrem Mann steht sie nun auch noch ohne Wohnung da. Ihr Job als Buchhändlerin, den sie jahrelang mit Begeisterung ausgeübt hat, macht ihr nach dem Wechsel der Geschäftsstrategie der Buchhandelskette, bei der sie angestellt ist, auch keinen Spaß mehr. Geblieben ist die Leidenschaft für Bücher. Dies und die Entdeckung der Dating App Thirty Minutes sollen ihr helfen, ihre Unsicherheit und Einsamkeit zu überwinden. Und so gibt sie jedem ihrer Dates eine besondere Buchempfehlung.
Ich konnte dem Buch leider nicht viel abgewinnen. Es war in weiten Teilen eine Aneinanderreihung von Dates mit entsprechenden Buchempfehlungen, ziemlich oberflächlich und und irgendwie zusammenhanglos. Das Nachwort gibt dann auch die Erklärung: es handelt sich um eine Reihe von Essays, die in einem Webmagazin veröffentlicht und hier nun in einem Buch zusammengefasst wurden.
Das Beste an dem Buch waren noch die leichte, flüssig lesbare Sprache, so dass ich das Buch an einem Nachmittag durchgelesen hatte und die Auflistung aller Buchempfehlungen am Ende des Buches (falls ich mich doch mal intensiver mit japanischer Literatur beschäftigen möchte.
Insgesamt eher eine knackige Werbekampagne des japanischen Buchhandels als eine „empowernde Autobiografie einer Frau, die nach einer Trennung ihr Leben in die Hand nimmt und mit der Kraft der Bücher über sich hinauswächst.“

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Veröffentlicht am 21.01.2025

Mythische Namen und irdische Probleme

Hey guten Morgen, wie geht es dir?
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Martina Hefters Roman „Hey guten Morgen, wie geht es Dir?“ erzählt die Geschichte von Juno, einer Tänzerin und Performance-Künstlerin Anfang 50. Sie pflegt ihren schwerkranken Mann Jupiter, seines Zeichens ...

Martina Hefters Roman „Hey guten Morgen, wie geht es Dir?“ erzählt die Geschichte von Juno, einer Tänzerin und Performance-Künstlerin Anfang 50. Sie pflegt ihren schwerkranken Mann Jupiter, seines Zeichens Schriftsteller. Ihre finanzielle Situation ist wie bei vielen Kulturschaffenden prekär, Geld fließt nur unregelmäßig, sie kommen mehr schlecht als recht über die Runden. Jupiters Bewegungsradius ist mehr oder weniger auf ihre heruntergekommene Altbauwohnung in Leipzig beschränkt, während Juno einen großen Bewegungsdrang hat – sie verbringt ihre Zeit mit Dehnungs-und Kraftübungen, Ballettstunden, etc.
Ihre schlaflosen Nächte verbringt sie im Internet, chattet mit sogenannten Love-Scammern, jungen Männern, oft aus afrikanischen Ländern, die mit falschen Identitäten liebesbedürftigen Europäerinnen Zuneigung vorheucheln und versuchen, ihnen Geld aus der Tasche zu ziehen.
Juno macht sich einen Spaß daraus, auf diese Scammer einzugehen, um so für einige Stunden ihrem Alltag zu entfliehen und sich eine Art von Freiheit zu schaffen, die ihr im realen Leben versagt ist. Sie irritiert die Love-Scammer so lange durch abstruse und verlogene Antworten bis diese sie blocken und abtauchen. Doch dann trifft sie auf Benu, einen jungen Mann aus Nigeria, der auch nach seiner Enttarnung den Kontakt aufrechterhält. Es entwickelt sich ein Zwiegespräch zwischen den beiden, sie wechseln zu WhatsApp und Videotelefonaten. Ihrem Mann Jupiter erzählt sie nichts von Benu.

Viel passiert in diesem Roman nicht, es ist eher ein Mix aus Alltagsbeobachtungen und Gedanken, flüssig geschrieben, in einer ruhigen, unaufgeregten Erzählweise, gleichzeitig aber auch fantasievoll und poetisch. Das Thema Mythologie nimmt einen gewissen Raum ein, ich kann damit wenig anfangen, beschäftige mich nicht mit Sternbildern, habe auch Lars von Triers Film „Melancholia“ nicht gesehen. Abgesehen davon deckt die Geschichte allerdings viele große Themen ab von Liebe, Misstrauen, Einsamkeit, Ausbeutung Ausgrenzung, der schwierige, weil nicht barrierefreie Alltag von Kranken und Beeinträchtigten bis hin zu Altersdiskriminierung, bietet also reichlich Stoff zum Nachdenken.

Nach wie vor bin ich eher ein Fan des geschriebenen Wortes, bei Hörbüchern schweifen meine Gedanken viel schneller ab und die Konzentration verliert sich. Das war hier allerdings dank der ruhigen und klaren Sprechweise von Inka Löwenberg nicht der Fall.
Ob der Roman den Buchpreis 2024 verdient hat oder nicht, vermag ich nicht zu beurteilen, mir hat die Geschichte jedenfalls gut gefallen und wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben.

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Veröffentlicht am 07.01.2025

ziemlich seichte Lektüre

Und die Welt war jung
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Es sind die fünfziger Jahre in Deutschland. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, die Bevölkerung kämpft mit den Nachwirkungen, man versucht, sich ein neues Leben aufzubauen.
Durch dieses Jahrzehnt (1950 – ...

Es sind die fünfziger Jahre in Deutschland. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei, die Bevölkerung kämpft mit den Nachwirkungen, man versucht, sich ein neues Leben aufzubauen.
Durch dieses Jahrzehnt (1950 – 1959) begleitet der Leser drei Familien: die Aldenkovens, Heinrich und seine Frau Gerda, ihre erwachsenen Kinder Ursula und Ulrich, sowie Heinrichs ausgebombte Kusinen Billa und Lucy. Sie alle wohnen zusammen im Haus der Aldekovens in Köln. Sie haben vor allem finanzielle Nöte, da die Einkünfte aus Heinrichs Kunstgalerie kaum reichen, den Lebensunterhalt zu bestreiten. In Hamburg leben die Borgfeldts, Kurt, seine Frau Elisabeth, ihre Tochter Nina mit Enkelsohn Jan. Elisabeth ist seit Kindheitstagen mit Gerda Aldekoven befreundet. Joachim, Ehemann von Nina, gilt seit 1945 als in Russland verschollen. Sie wohnen ebenfalls recht beengt, da eine schlesische Familie bei ihnen einquartiert wurde. Immerhin kommen sie finanziell gut über die Runden, da Kurt eine sichere Stelle bei der Sparkasse hat.
Die dritte Familie sind die Cannas in Italien. Margarethe, Heinrichs Schwester, lebt mit ihrem Mann Bruno Canna und Sohn Gianni in San Remo. Auch wenn es für Bruno als Kurator schwer ist, Arbeit zu finden, fehlt es ihnen an nichts. Das Familienvermögen und der Blumenhandel der Cannas ermöglichen ein sorgenfreies Leben. Nur das despotische Wesen von Brunos Mutter sowie die Eskapaden seines Bruders Blixio machen ihnen das Leben schwer.
Carmen Korn ist eine echte Viel-Schreiberin, schreibt Romane, Krimis , Kurzgeschichten sowie auch Kinder- und Jugendromane. Bekannt ist sie vor allem durch ihre „Jahrhunderttrilogie“. Für mich ist „Und die Welt war jung“ allerdings das erste Buch dieser Autorin. Und leider hat es mich überhaupt nicht überzeugt. In kurzen, flüssig lesbaren Kapiteln erfährt man abwechselnd, was in Köln, Hamburg und San Remo passiert. Die Charaktere sind ziemlich einfach dargestellt, der Fortgang der Geschichte ist von Anfang an klar, es fehlte jegliche Spannung. Auch von der Aufbruchstimmung der 50er Jahre, der Atmosphäre dieser Zeit, der gesellschaftlichen und politischen Lage war kaum etwas zu spüren.
Für mich war diese Lektüre eindeutig zu seicht und oberflächlich, ich habe mich anstrengen müssen, es zu Ende zu lesen und nicht entnervt nach 200 Seiten aufzugeben.

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Veröffentlicht am 14.12.2024

Der amerikanische Alptraum

Demon Copperhead
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Demon Copperheads Leben steht von Geburt an unter keinem guten Stern. Er kommt in einer Trailer-Siedlung in West-Virginia, dem armen „Hinterland“ der USA auf die Welt, sein Vater schon vor seiner ...

Demon Copperheads Leben steht von Geburt an unter keinem guten Stern. Er kommt in einer Trailer-Siedlung in West-Virginia, dem armen „Hinterland“ der USA auf die Welt, sein Vater schon vor seiner Geburt verstorben, seine Mutter eine drogenabhängige Achtzehnjährige. Schon die Geburt ist eine Katastrophe – auf dem Badfußboden des Wohnwagens, in dem seine Mutter lebt, kämpft er sich selbst ins Leben, sie ist komplett durch Drogen ausgeknockt. Nur durch das beherzte Eingreifen der Peggots, Vermieter des Wohnwagens und gleichzeitig Nachbarn, wird verhindert, dass sein Leben gleich bei der Geburt endet. Demons Mutter gibt sich danach große Mühe, ihm eine gute Mutter zu sein, doch scheitert sie immer wieder an sich selbst und hangelt sich von einem Entzug zum nächsten. Und so sind die Peggots eine Art Ersatzfamilie für Demon. Als er 11 Jahre alt ist, stirbt seine Mutter und das Jugendamt übernimmt die Verantwortung für ihn, d.h. er landet in einem System, das komplett versagt. Niemand kümmert sich wirklich und es folgt eine wahre Odyssee durch Pflegefamilien, eine schlimmer als die andere. Die folgenden Jahre sind geprägt sind von Armut, Hunger, Misshandlungen und Erniedrigungen. So fürchterlich es auch ist, so gibt es doch auch eine Handvoll Menschen, die es gut mit ihm meinen und Demon erlebt zwischenzeitlich sogar gute Zeiten.
Er kann allerdings nicht glauben, dass dies von Dauer ist und so kommt es zu Rückschlägen. Trotz der Negativ-Beispiele in seiner Umgebung landet er irgendwann bei Drogen.
Demon erzählt die Geschichte aus seiner Perspektive. Mit diesem Ich-Erzähler hat Barbara Kingsolver einen sehr sympathischen Charakter geschaffen. Seine schnoddrige Sprache, sein Galgenhumor und vor allem die Eigenschaft, nie aufzugeben, sondern sich immer wieder durchzukämpfen, führen dazu, dass man mit ihm mitleidet und für ihn hofft – man muss ihn einfach ins Herz schließen.
Gleichzeitig zeichnet die Autorin ein sehr realistisches Bild der traurigen Seite der USA, einer abgehängten Region, deren Menschen von der Politik vergessen sind. Die Kohleminen sind leergeschürft, also gibt es keine Jobs und damit auch kein Geld. Was bleibt sind Football, Alkohol und Drogen. Gerade das Drogenproblem wurde noch verschärft durch das miserable amerikanische Krankenversicherungssystem, das diesen Namen eigentlich nicht verdient. Ärztliche Behandlungen sind für viele nicht finanzierbar, also werden hauptsächlich Schmerzmittel (Opiate) verschrieben, die viele Leute in die Drogenabhängigkeit getrieben haben.
Insgesamt ein fesselnder und berührender Roman, der für mich eines meiner Lesehighlights des Jahres ist.

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Veröffentlicht am 12.12.2024

Starkes Debüt

22 Bahnen
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Bahn für Bahn schwimmt Tilda – immer 22 Bahnen. Und mit jeder Bahn schwimmt sie ihren Sorgen davon. Aber auch mit jeder Bahn ihrer Zukunft entgegen.
Für ihre Masterarbeit beschäftigt sich Tilda mit „A-priori-Schranken ...

Bahn für Bahn schwimmt Tilda – immer 22 Bahnen. Und mit jeder Bahn schwimmt sie ihren Sorgen davon. Aber auch mit jeder Bahn ihrer Zukunft entgegen.
Für ihre Masterarbeit beschäftigt sich Tilda mit „A-priori-Schranken für die stochastischen Navier-Stokes-Gleichungen“. Neben dem Mathematikstudium ist da noch der Kassiererinnen-Job im Supermarkt, mit dem sie versucht, ihre kleine Familie über Wasser zu halten. Die Familie, das sind ihre suizidgefährdete, depressive und alkoholkranke Mutter und ihre kleine Schwester Ida, um die sich kümmern muss. Ziemlich viel Verantwortung für eine junge Frau und wenig Zeit für Abwechslung, Spaß und eigene Träume….
Caroline Wahl hat ein gelungenes Buch über das Erwachsenwerden, über Familie, Freundschaft, Verantwortung, Verlust, Trauer aber auch die Liebe geschrieben. Es ist beeindruckend wie sie diesen schweren Themen Leichtigkeit gegeben hat. Der Schreibstil der Autorin gefällt mir sehr gut – klar, schnörkellos, ohne Drama. Die Geschichte wird aus Tildas Perspektive erzählt, sie ist die Ich-Erzählerin. Dialoge beginnen mit dem Namen des jeweiligen Sprechers. All das lässt „22 Bahnen“ sehr authentisch wirken, ich konnte mich sehr gut in den recht trostlosen Alltag von Tilda hineinversetzen und wie es ihr immer wieder gelingt, trotz aller Widrigkeiten auch schöne Momente zu schaffen und ihren Mut nicht zu verlieren.
Ein sehr berührender, flüssig lesbarer Roman, der mich sehr beindruckt hat, aber viel zu schnell gelesen war. Klare Leseempfehlung!

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