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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.06.2020

Angenehm zu lesendes Familienportrait

Das Holländerhaus
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Das Holländerhaus erzählt die Geschichte der Familie Conroy über mehrere Generationen. Vater Cyril möchte seiner Familie ein besseres Leben bieten. Er handelt mit Immobilien und überrascht seine Frau mit ...

Das Holländerhaus erzählt die Geschichte der Familie Conroy über mehrere Generationen. Vater Cyril möchte seiner Familie ein besseres Leben bieten. Er handelt mit Immobilien und überrascht seine Frau mit dem namensgebenden Gebäude. Diese fühlt sich jedoch nie wohl in dem großen Anwesen und sie verlässt die Familie. Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive von Cyrils Sohn Danny erzählt, der eine sehr enge Beziehung zu seiner Schwester Maeve hat.

Das Buch ist hauptsächlich auf die Beziehungen der Charaktere bzw. deren Probleme miteinander aufgebaut. Es ist interessant zu beobachten, wie sich die Figuren entwickeln und welche Wendungen ihre Leben nehmen.

Ich fand die Geschichte sehr angenehm zu lesen, wobei die Erzählweise der Autorin sprachlich für mich nicht in irgendeiner Form heraussticht. Auch die Handlung ist nichts Besonderes und dennoch hat das Buch es geschafft, mich zu fesseln und es mit Freude zu Ende lesen.

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Veröffentlicht am 02.06.2020

Mehr erwartet

Wozu wir fähig sind
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Als ein geheimnisvolles Paar in die Stadt zieht, ändert sich das Leben von Alina, Patrick und ihrer Clique.

Die Story ist prinzipiell nicht schlecht, auch der Aufbau hat mir gut gefallen. Zu Anfang bekommt ...

Als ein geheimnisvolles Paar in die Stadt zieht, ändert sich das Leben von Alina, Patrick und ihrer Clique.

Die Story ist prinzipiell nicht schlecht, auch der Aufbau hat mir gut gefallen. Zu Anfang bekommt der Leser ein paar lose Handlungsstränge, die sich erst im Laufe des Buches verdichten und zu verknüpfen beginnen. Dies ist meines Erachtens nach allerdings auch schon das erste Manko des Romans: Es gibt zu viele Charaktere, mit zu wenigen herausstechenden Eigenschaften, sodass ich mir anfangs schwer getan habe, die Personen in neuen Szenen "wiederzuerkennen". So bin ich im ein wenig im Blindfug durch die ersten Kapitel gesegelt. Leider bleiben die Charaktere auch im Laufe der Geschichte recht flach.

Was mich sehr überrascht hat war, dass nach einem sehr starken Einstieg - vor allem der Epilog war grandios geschrieben, aber auch das erste Kapitel danach sehr spannend - das Buch für mich zunehmend langweilig wurde, was ich wiederum auf die Facettenlosigkeit der Figuren als auch auf den Schreibstil der Autorin zurückführe. Vielleicht erwarte ich zu viel von einem Jugendroman, aber mir wurde bei dieser Geschichte zu viel Gewicht darauf gelegt, was passiert und zu wenig wieso es passiert.

Leider war in meinen Augen auch das Ende recht vorhersehbar. Ich kann das Buch daher nur bedingt empfehlen.

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Veröffentlicht am 23.05.2020

Wenn die Liebe verstummt

flüchtig
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Hubert von Goisern startete seine Karriere als Musiker und Komponist bereits in den 1980ern und ist seitdem sehr erfolgreich. Auch als Künstler und in Dokumentarfilmen zeigte sich der Österreicher stets ...

Hubert von Goisern startete seine Karriere als Musiker und Komponist bereits in den 1980ern und ist seitdem sehr erfolgreich. Auch als Künstler und in Dokumentarfilmen zeigte sich der Österreicher stets weltoffen und experimentierfreudig und so war es nur eine Frage der Zeit, bis er sich nun neben der Lyrik seiner Songtexte auch der Prosa widmete, und zwar unter seinem bürgerlichen Namen Hubert Achleitner.

In „flüchtig“ entflieht Maria ihrem Eheleben nach 30 Jahren, ohne eine Nachricht oder einen Hinweis daraufhin zu hinterlassen, wohin sie gegangen ist. Geschildert wird daraufhin sowohl ihr Versuch, ein neues Ziel in ihrem Leben zu finden als auch die Suche ihres Mannes Herwigs nach seiner Frau. Der Weg der beiden wird dabei gesäumt von zahlreichen mal mehr mal weniger flüchtigen Begegnungen.

Wer die Kompositionen von Hubert von Goisern kennt, der weiß, dass Hubert Achleitner einen Sinn für Schönheit hat. Ich war daher davon überzeugt, dass „flüchtig“ sprachlich überzeugen wird und bin nicht enttäusch worden. Der Autor erzählt in einer leicht lesbaren Sprache, ohne dabei jemals oberflächlich zu werden. Seine Wortkompositionen sind spielerisch und intelligent, tiefsinnig, doch nie gekünstelt. Ich bin begeistert von der Erzählweise dieser Geschichte.

Nicht ganz so fangen genommen hat mich die Story selbst. Hier war es einerseits die Handlung, die an manchen Stellen dahingeplätschert ist, ohne dass wirklich viel passiert wäre, und andererseits die Hauptcharaktere, die für mich teilweise nicht greifbar wurden, deren Haltung und Aktionen ich nicht folgen konnte, und die mir in ihrer Gefühlswelt zu wenig ausgeleuchtet wurden. Dem gegenüber fand ich, dass Nebencharakteren und deren Geschichte zu viel Raum in dem Roman gegeben wurden.

Alles in allem ein gelungenes Debüt, das ich gerne an jene weiterempfehle, die die leisen, die zarten Geschichten schätzen und sich an der Schönheit der Sprache erfreuen.

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Veröffentlicht am 22.04.2020

Spannend mit Mankos

Das Dorf der toten Seelen
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Camilla Stan, Das Dorf der toten Seelen. Thriller. Harper Collins Germany, 2020

„Das Dorf der toten Seelen“ ist der erste Thriller der jungen Autorin Camilla Sten.
Eine fünfköpfige Gruppe bezieht ihr ...

Camilla Stan, Das Dorf der toten Seelen. Thriller. Harper Collins Germany, 2020

„Das Dorf der toten Seelen“ ist der erste Thriller der jungen Autorin Camilla Sten.
Eine fünfköpfige Gruppe bezieht ihr Lager in Silvertjärn, einer Geisterstadt, aus der 60 Jahre zuvor von einem Tag auf den anderen alle 900 Einwohner auf unerklärliche Weise verschwanden. Für Alice, deren Großmutter kurz vor dem mysteriösen Ereignis weggezogen war, ist dabei nicht nur der Dokumentarfilm, der entstehen sollte, von besonderer Bedeutung – sie möchte vor allem der Lösung des Rätsels näher kommen. Doch schon kurz nach dem Eintreffen des Filmteams in die Bergwerkstadt ereignen sich seltsame Dinge …

Camilla Sten hat eine Geschichte entworfen, die Spannung aufbaut und den Leser gefangen nimmt. Die Handlung des Buches ist in sich geschlossen, sodass keine Fragen offen bleiben und bietet bis zum Ende immer wieder unvorhersehbare Wendungen, auch das Ende ist schlüssig. Gelungen finde ich den Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, sodass das Rätsel um Silvertjärn tatsächlich vollkommen aufgelöst wird.

Für mich nicht ideal ausgearbeitet waren jedoch Erzählstil und Charaktere. Wobei ich erwähnen muss, dass ich vom Stil der Autorin hin und her gerissen war. Einerseits verwendet sie tolle Metaphern und Phrasen, andererseits wirken manche Sätze unbeholfen oder Wörter und Informationen wiederholen sich, was meinen Lesefluss gestört hat. Ob das an der Schreibweise der Autorin oder an der deutschen Übersetzung liegt, kann ich nicht beurteilen.

Die Charaktere sind grundsätzlich gut aufgebaut und auch ihre allgemeine Entwicklung ist nachvollziehbar, dennoch bin ich mit ihnen ins hadern gekommen, denn sie lassen sie sich immer wieder zu Sätzen und Handlungen hinreißen, die für mich unüberlegt oder unrealistisch waren. Verhalten und Ausdrucksweise haben mich daher eher an Jugendliche erinnert als an die jungen Erwachsenen (End-Zwanziger), die sie sein sollten. Dadurch hatte ich während des Lesens des Buches (in den Szenen, die in der Gegenwart spielten) eher das Bild eines Teenie-Horrorfilms im Kopf als das eines „ernst zu nehmenden“ Thrillers.

Wenn man über die oben genannten Makel hinwegsehen kann, bietet „Das Dorf der toten Seelen“ aber spannende Unterhaltung, einige Überraschungen und eine gelungene Auflösung zum Ende hin.

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Veröffentlicht am 30.03.2020

Abenteuer in Afrika

Das kann uns keiner nehmen
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Der Tscharlie, ein derber Ur-Bayer, der kein Blatt vor den Mund nimmt, und Hans, Autor aus Hamburg, treffen sich im Krater des Kilimandscharo, wo sie über Nacht campieren. Keiner hat Lust auf die Gesellschaft ...

Der Tscharlie, ein derber Ur-Bayer, der kein Blatt vor den Mund nimmt, und Hans, Autor aus Hamburg, treffen sich im Krater des Kilimandscharo, wo sie über Nacht campieren. Keiner hat Lust auf die Gesellschaft des anderen, jeder von ihnen ist dort, um mit etwas abzuschließen. Mit entsprechendem Unmut fällt die erste Begegnung aus.

Was jedoch anfangs nicht weiter voneinander entfernt sein könnte, das driftet im Laufe der Geschichte immer näher zueinander hin und der Tscharlie und Hans begeben sich gemeinsam auf eine Reise durch ein Afrika, das bunter und aufregender nicht sein könnte.

Matthias Politycki versteht es, Landschaften, Figuren und Begebenheiten mit wenigen Pinselstrichen so zu malen, dass der Leser sich direkt in die Szenen hineinversetzt fühlt. Nachdenkliche Abschnitte wechseln sich mit heiteren ab, und immer wieder bringt der Tscharlie den Leser zum Schmunzeln, indem er ihm ein paar seiner bayrischen Lebensweisheiten entgegenschleudert.

Obwohl die Idee absurd erscheinen mag, dass man mit jemandem, den man kaum kennt und der einem nicht einmal sympathisch ist, auf eine Reise durch Afrika geht, wird die Geschichte in keinem Moment unglaubwürdig. Sie zeigt auf, dass man seine Vorurteile nur zu leicht fällt und gut tut, über diese hinweg den Gegenüber kennen zu lernen, bevor man sich eine Meinung bildet.

Ein hervorragender, zugleich unterhaltsamer als auch nachdenklich stimmender Roman, den ich gerne weiterempfehle.

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