Kein Sommer ohne August oder: 12 Sommer mit August
Kein Sommer ohne AugustCharlie Henderson. Oder doch eher Charlie Peches French? Doch wer ist wer? Eigentlich ist es dieselbe Person. Doch von Anfang an. Charlie lebt mit ihrer Mutter Cassie in Liberty Beach. Eines Tages lernt ...
Charlie Henderson. Oder doch eher Charlie Peches French? Doch wer ist wer? Eigentlich ist es dieselbe Person. Doch von Anfang an. Charlie lebt mit ihrer Mutter Cassie in Liberty Beach. Eines Tages lernt sie August in der Buchhandlung One Last Chapter kennen und rennt zum ersten Mal in ihrem Leben davon. Sie lernen sich aber nach und nach immer besser kennen - intensiver als je zuvor. Doch August lebte eigentlich in New York und besucht nur immer seine Großmutter Molly in den Sommerferien - im August. Also haben Charlie und August jedes Jahr drei Wochen zeit, sich weiter kennen zu lernen und die gemeinsame Zeit so intensiv wie nur möglich zu nutzen. Doch beide verlieben sich ineinander. Und doch ist es Charlie, die keine Beziehung zu August will, denn sie hat Angst davor, August ein für alle mal zu verlieren. Sie liebt ihn so sehr, dass sie sich einredet, nicht gut genug für ihn zu sein. Nicht gut genug, seine Freundin zu sein oder nicht gut genug, um zur Familie zu passen. Sie bekommen die schlimmsten Schicksalsschläge der jeweils anderen Person mit. Und sind füreinander da. Wie immer. Freunde für immer. Das ist das Motto, an dem sie festhalten. Doch als sie anfangen, an eine Beziehung zu glauben, läuft Charlie wieder davon. Ohne Rücksicht auf Verluste - sie gibt niemanden bescheid und verabschiedet sich von niemanden. Sie verlässt Liberty Beach und fängt bald ein neues Leben in London an. Sie lässt Charlie Peches French zurück und beginnt als Charlie Henderson ein neues Leben. Die Ehe mit Jim war nur notwendig, um ein gültiges Visum zu bekommen und war eine reine Scheinehe, denn ihr Herz gehört in Wahrheit immer noch August. Als jedoch Molly stirbt und ihr die Buchhandlung One Last Chapter vererbt, steht Charlie nach 10 Jahren wieder in ihrer Heimat, der sie doch eigentlich den Rücken zugekehrt hat. Doch da ist auch August Green. Die Liebe ihres Lebens. Wird sie ihre Gefühle wieder vor August verstecken und in ihr Leben nach London zurückkehren oder wird sie das Erbe von Molly Green antreten? Und was ist mit August? Wird Charlie es schaffen, mit ihm einen vernünftigen Konsens zu betreiben oder holen sie die alten Gefühle ein?
Lucy Astner hat einen wunderbaren Roman für Buchbegeisterte geschrieben und für Romantiker. Der Leser spürt ab der ersten Minute, was in Charlie vor geht. Sie liebt August Green. Mehr als sie jemanden lieben könnte. Doch sie verbietet sich diese Liebe, aus Angst diese enge Freundschaft, die sie gemeinsam haben, aufs Spiel zu setzen. Und auch, weil sie mitbekommt, wie ihre Mutter unter ihren Beziehungen leidet - sie führt keine glückliche Beziehung, sondern zieht oft die falschen Männer an sich, die sie unglücklich zurücklassen. Auch deswegen flüchtet sich Charlie in die Welt der Bücher. Sie liebt das Lesen. Aber noch mehr liebt sie die Buchhandlung One Last Chapter und August Green. Sie verbringen jede Minute gemeinsam und umso tiefer die Freundschaft geht, umso mehr verlieben sie sich ineinander. Und diese Liebe begegnet ihnen beiden. Charlie verletzt August immer wieder, um sich von ihm fern zu halten und ihre Liebe zu schmälern. Aber diese Liebe hat Bestand. Sie überbrückt auch einen Kontinent.
Die Autorin schreibt aber nicht nur über die Liebe, sondern vor allem über die Freundschaft. Über die Freundschaft, die Charlie mit Molly hat. Auch wenn sie nicht viel miteinander sprechen, merkt der Leser, wie viel Molly Charlie bedeutet und umgekehrt. Sie verstehen sich blind, Molly erwartet von Charlie keine Erklärungen, keine Geständnisse. Sie vertraut Charlie blind. Aber auch zwischen der Freundschaft von Charlie und August. Zwölf Sommer waren August und Charlie quasi Freunde. Mal mehr, mal weniger. Mit mehr oder weniger offiziellen Gefühlen füreinander. Doch die Freundschaft überwiegt. Ihnen ist es wichtig. Immer wieder wird betont, wie wichtig die Freundschaft zwischen ihnen ihnen ist.
Aber Lucy Astner beschreibt auch die Fehler, die gemacht werden, wenn wir alles perfekt machen wollen. Wir übersehen dabei den anderen und dessen Gefühle. Wir übersehen uns selbst, was wir wollen und was wir erreichen wollen. Wir weichen vom eigenen Leben ab, um es perfekt machen zu können und verlieren uns dabei selbst. Aber am Ende sind wir nicht glücklich, sondern haben einen ganz anderen Weg eingeschlagen, wie wir eigentlich einschlagen wollten. Gerade in Beziehungen ist es doch wichtig, mit sich selbst im reinen zu sein, sich selbst ernst und wichtig zu nehmen und dabei klar zu kommunizieren, was man will. Hätte Charlie und August früh genug klar kommuniziert, wäre deren Leben vermutlich viel eher viel besser verlaufen. Oder eben auch nicht.
Für mich eine absolute Herzensempfehlung. Ein wunderbarer Roman. Vielen Dank, Lucy Astner!