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Veröffentlicht am 17.04.2021

Mittendrin bei der normannischen Eroberung Englands, statt nur dabei

Das zweite Königreich
3

Wie etabliert im Genre des historischen Romans, werden geschichtlich verbürgte Ereignisse mit einer fiktiven Handlung verwoben. In diesem Fall ist es die fiktive Geschichte des sympathischen Cædmon of ...

Wie etabliert im Genre des historischen Romans, werden geschichtlich verbürgte Ereignisse mit einer fiktiven Handlung verwoben. In diesem Fall ist es die fiktive Geschichte des sympathischen Cædmon of Helmsby dessen Höhen und Tiefen seines Lebens wir über die Zeitspanne von 2 Jahrzehnte hinweg begleiten dürfen. Sein Charakter ist dabei so vielschichtig, wie der aller anderen wichtigen Personen des Romans.

Klappentext:
"England 1064: Ein Piratenüberfall setzt der unbeschwerten Kindheit des jungen Cædmon of Helmsby ein jähes Ende - ein Pfeil verletzt ihn so schwer, dass er zum Krüppel wird. Sein Vater schiebt ihn ab und schickt ihn in die normannische Heimat seiner Mutter. Zwei Jahre später kehrt Cædmon mit Herzog William und dessen Eroberungsheer zurück. Nach der Schlacht von Hastings und Williams Krönung gerät Cædmon in eine Schlüsselposition, die er niemals wollte: Er wird zum Mittler zwischen Eroberern und Besiegten. In dieser Rolle schafft er sich erbitterte Feinde, doch er hat das Ohr des despotischen, oft grausamen Königs. Bis zu dem Tag, an dem William erfährt, wer die normannische Dame ist, die Cædmon liebt ..."

Der Klappentext gibt dem Leser eine erste kurze Idee, welch tolle Geschichte die Autorin um den Protagonisten Cædmon, seine Freunde und seine Feinde spinnt.
In dem wie immer bei Rebecca Gablé hervorragend recherchierten Roman geht es historisch aber nicht um Cædmon, sondern um das Leben des normannischen Herzogs William, genannt der Bastard. Er wird auf die Insel übersetzen, England erobern, zum König gekrönt werden und die normannische Herrschaft über England einleiten. Diese wird von Auseinandersetzungen mit den Dänen und Aufständen der englischen Bevölkerung geprägt sein. Und geben diese kurzzeitig Ruhe, brodelt es in seinem normannischen Herzogtum und er muss wieder zurück aufs Festland und dort für Ordnung sorgen. Auf grandiose Art und Weise gelingt es Rebecca Gablé mit ihrem flüssigen und spannenden Schreibstil einmal mehr, historische und fiktive Charaktere und Gegebenheiten in einem epischen "Historischen Roman" so miteinander zu verknüpfen, dass der Leser das Gefühl bekommt, mittendrin im Geschehen zu sein. Wie so oft bei ihren Büchern ist man von der Handlung so gefesselt, dass man den Roman am liebsten ohne jegliche Unterbrechung am Stück lesen möchte, was allerdings angesichts des Buchumfangs von 880 Seiten unmöglich erscheint.

Fazit: Für mich einer der allerbesten "Historischen Romane" insgesamt und wahrscheinlich der beste zur Eroberung Englands durch "William the Conqueror“, in dem das historische und fiktive Geschehen genial miteinander verschmelzen. Einmal mehr beweist Rebecca Gablé, dass sie völlig zu recht als die König dieses Genres bezeichnet wird.

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Veröffentlicht am 17.04.2021

Südfrankreich zu Beginn der französischen Hugenottenkriege

Die brennenden Kammern
3

„Die brennenden Kammern“ von Kate Mosse ist der Titel des Auftakts zu einer geplanten Buchreihe über den französischen Glaubenskrieg zwischen Katholiken und Hugenotten. Die Geschichte startet im Jahre ...

„Die brennenden Kammern“ von Kate Mosse ist der Titel des Auftakts zu einer geplanten Buchreihe über den französischen Glaubenskrieg zwischen Katholiken und Hugenotten. Die Geschichte startet im Jahre 1562 in der zweigeteilten Stadt Carcassonne und handelt von einer Epoche, in der die Ideen von Luther und Calvin zur religiösen Glaubensfreiheit Frankreich erreicht haben.
Marguerite Joubert, genannt Minou, kümmert sich in Abwesenheit ihres Vaters Bernard fürsorglich um ihre beiden jüngeren Geschwister Alis und Aimeric und um den Buchladen des Vaters, in welchem auch Bücher für nicht-katholische Leserschaft erworben werden können. Zwei Vorkommnisse stellen das Leben der Familie, insbesondere das von Minou, völlig auf den Kopf: Zum einen erhält Minou einen geheimnisvollen Brief, der die sibyllinische Nachricht „Sie weiß, dass Ihr lebt“ enthält. Ein Rätsel, welches Minou im Laufe des Romans noch zu lösen haben wird. Zum anderen trifft sie - im wahrsten Sinne des Wortes - auf den Hugenotten Piet Reydon, in den sie sich dann auch sofort verliebt. Auch Piets Leben gestaltet sich durch sein Konvertieren zum hugenottischen Glauben recht schwierig, zumal er auf der Suche nach einer Reliquie dem Pastor Vidal, einem ursprünglichen Freund, der sich aber zu seinem größten Feind entwickelt, in die Quere kommt.

Es entwickelt sich eine spannende und turbulente Handlung mit viel Abwechslung, die den Leser mitreißt und emotional an die Geschichte fesselt. Sehr durchdacht schreibt Kate Mosse in einem gut lesbaren und bildhaften Stil und nimmt den Leser von Anfang bis Ende auf diese Reise mit. Ein echter historischer Roman, bei dem historische Ereignisse im Vordergrund stehen und die Charaktere wie beispielsweise Minou und Piet mit eingeflochten werden, entwickelt sich daraus jedoch leider nicht. Dies trägt umso schwerer, da zu Beginn des Buches ein hervorragender historischer Abriss über die Geschehnisse dieser Epoche gegeben wird und der Leser förmlich darauf wartet zu sehen, wie Minou und Piet in diese historischen Gegebenheiten eingebettet werden. Das Ende des Buches wirkt dann ein wenig skurril und von zu vielen Zufällen geprägt in denen Minous Tante, Salvadora, eine entscheidende Rolle spielen wird.

Fazit: Bei „Die brennenden Kammern“ handelt es sich um einen sehr spannenden, gut recherchierten und mitreißenden Roman, der den Leser emotional sehr stark an die Story fesselt, bei dem der echte historische Aspekt allerdings deutlich zu kurz gerät. Aufgrund der Tatsache, dass mich der Schreibstil von Kate Mosse und die emotionale Komponente des Romans durchweg überzeugt haben, freue ich mich dennoch auf Band 2 der Saga. Genau genommen, ist Band 1 auch erst die Vorgeschichte, aus der sich die wirklich tragenden Ereignisse dieser Epoche entwickeln werden. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die Serie beispielsweise mit der sogenannten Bluthochzeit, der Bartholomäusnacht und dem Edikt von Nantes fortsetzt.

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