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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.05.2026

Sacht, jedoch unvorhersehbar und spannend!

Home Before Dark
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Island, 1967 - Alles was man von Kristin, ihrer großen Schwester fand, war ihre blutige Jacke. Seither sind 10 Jahre vergangen, doch das schlechte Gewissen und ein sorgsam gehütetes Geheimnis nagen immernoch ...

Island, 1967 - Alles was man von Kristin, ihrer großen Schwester fand, war ihre blutige Jacke. Seither sind 10 Jahre vergangen, doch das schlechte Gewissen und ein sorgsam gehütetes Geheimnis nagen immernoch an Marsibil, denn genau an der Stelle und genau zu der Zeit, als Kristin auf dem Heimweg verschwand, wollte sie sich einst heimlich mit ihrem Brieffreund Bergur treffen. Als sie nun, nach all den Jahren, plötzlich wieder einen Brief von ihm erhält, wird sie von der Vergangenheit eingeholt und macht sich auf die Suche nach der Wahrheit.

Ich bin weder eingefleischter Nordic Noir Fan, noch sagte mir der Name der Autorin etwas, vielmehr hatten mich bei „Home Before Dark“ von Eva Björg Ægisdóttir die Jahrzehnte, in denen die Geschichte spielt, gereizt. Erzählt wird in zwei Zeitebenen, einmal zum Zeitpunkt des Verschwindens von Kristin und einmal zehn Jahre später, als Marsibil sich auf die Suche nach der Wahrheit macht. Die Stimmung ist beklemmend, düster, geheimnisvoll und wird von der Autorin perfekt erzeugt, beschrieben und transportiert. Ich habe übrigens das Hörbuch gehört und denke, dass auch Leonie Landa dazu großen Beitrag geleistet hat. Sie hat nicht nur grandios gelesen, sondern auch die Protagonisten absolut glaubwürdig und authentisch verkörpert, wahrend ich beim lesen schon an der innerlichen Aussprache der isländischen Namen gescheitert und der Lesefluss zum Erliegen gekommen wäre. Obwohl es sich definitiv um keinen reißerischen und actiongeladenen Thriller handelt und die Erzählweise eher sacht ist, hat dies dem Nervenkitzel jedoch keinen Abbruch getan. Wenn es auch zwischendurch kleinere Längen gibt, so bleibt es, dank einer Vielzahl geschickter Wendungen, doch bis zum Schluss durchweg spannend und unvorhersehbar, wobei das relativ offene Ende zusätzlich noch Stoff für Spekulationen bietet.

Fazit: Wer auf einen blutrünstigen und brutalen Thriller aus ist, ist hier sicherlich falsch. Ich habe mich komplett überraschen lassen und wurde gleich von Beginn an in den Bann gezogen und positiv überrascht. Letztendlich hat mir das Hörbuch sogar so gut gefallen, dass ich es fast in einem Rutsch durchgehört habe und kann es auf jeden Fall empfehlen!

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Veröffentlicht am 15.05.2026

Feine Nuancen der Stille

Lass den Tag nicht vorübergehen
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Theodor, ein junger, brotloser Künstler, liebt und lebt die Stille, drückt sich aus, indem er sich ihr hingibt und sie in allen Farben weiß malt. Die wenigen Menschen in seinem Leben geben ihm dabei Halt, ...

Theodor, ein junger, brotloser Künstler, liebt und lebt die Stille, drückt sich aus, indem er sich ihr hingibt und sie in allen Farben weiß malt. Die wenigen Menschen in seinem Leben geben ihm dabei Halt, schätzen seine Andersartigkeit und unterstützen ihn, bis er schließlich eines Tages entdeckt und gefeierter Star der Kunstszene wird. Doch als ihn die Vergänglichkeit einholt, sie nach und nach verschwinden, verschwindet mit ihnen auch Theodors Verbindung zur Kunst und Stille wird zur Einsamkeit.

Selten hat mich ein Buch so beeindruckt und in mir nachgehallt, wie Frank Wilmes „Lass den Tag nicht vorübergehen“. Es lässt sich schwer einordnen, ist schlicht wie eins von Theodors Gemälden - leise und nuanciert und dabei wahnsinnig ausdrucksstark und laut in der Stille. Melancholisch und extrem feinfühlig erzählt es von Schaffenskraft und Freundschaft, von Sehnsucht, Verlust und Einsamkeit und von einem Weg weiterzumachen, auch wenn einen die Endlichkeit einholt. Besonders eindrucksvoll empfand ich den poetischen und doch punktgenauen Schreibstil, der sich weder langer Sätze, noch überflüssiger Worte bedient, dafür aber jede Menge Raum (auch physisch!) für eigene Gedanken und Stille lässt. Diesbezüglich erscheint nicht nur jedes einzelne Wort und jeder Absatz ganz genau durchdacht, sondern auch die ausdrucksstarke Schilderung des künstlerischen Schaffensprozesses. Theodors Empfinden, seine Denkweise und seine Art zu Leben sind geradezu miterleb- und nachvollziehbar. Davon abgesehen, dass ich in jungen Jahren auch mein Glück an besagter Kunstakademie versucht habe, konnte ich weitere Parallelen entdecken, Eindrücke teilen und Theodors Gefühlswelt nachspüren. Ein unheimlich starker, gut gezeichneter, authentischer und beeindruckender Charakter!

Fazit: Sicherlich kein Buch für Jedermann - ein wenig Kunstbegeisterung oder zumindest die Offenheit für Kunst, Stille und Melancholie sind hier sicherlich nicht verkehrt. Dann jedoch, wird man mit einer fein nuancierten, klugen und wortgewaltigen Erzählung belohnt, die sowohl zum stillen Innehalten, als auch zum tiefgreifenden Nachdenken einlädt.

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Veröffentlicht am 11.05.2026

Thriller oder Horror?

Komm spielen
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Nach tragischen, lebensverändernden Ereignissen nimmt sich Kinderbuchautorin Annie mit ihrem kleinen Sohn Charlie eine Auszeit auf dem Land. Durchatmen, zu sich kommen, neue Inspiration und Kraft sammeln ...

Nach tragischen, lebensverändernden Ereignissen nimmt sich Kinderbuchautorin Annie mit ihrem kleinen Sohn Charlie eine Auszeit auf dem Land. Durchatmen, zu sich kommen, neue Inspiration und Kraft sammeln - das sollte in einem idyllischen Ort wie Castle Creek doch möglich sein. Doch so friedvoll wie es zunächst scheint ist es dort keinesfalls, irgendetwas unheilvolles scheint hier vor sich zu gehen…

Vorab: „Komm spielen“ von Linwood Barclay ist kein klassischer Thriller, den man vielleicht erwarten mag, vielmehr ein ziemlich abgefahrener Horror-Thriller-Fantasy Mix. Auch ich habe in meiner Jugend die Bücher von Horror-Legende Stephen King verschlungen und so fühlte ich mich schnell an „Needful Things - In einer kleinen Stadt“ erinnert, wobei es sich in keinem Fall nur um einen billigen Abklatsch handelt. Vielmehr wartet die Story mit einer ebenso düsteren, bzw. unheilvollen Atmosphäre auf, einem geheimnisvollen Neuankömmling in einer Kleinstadt und merkwürdigen, unerklärlichen Ereignissen. Die Story ist von Anfang an auf ihre Art fesselnd, lässt sich sehr gut lesen, wobei die Hauptprotagonisten überaus sympathisch sind. Der Spannungsbogen ist gut gemacht, baut sich nach und nach auf, bis es zum Ende hin dann so richtig ins fantastisch-unrealistische „eskaliert“.

Fazit: Da das Buch unter „Thriller“ läuft, hatte ich etwas anderes erwartet, wobei mir das Buch dennoch ganz gut gefallen und mich unterhalten hat. Dennoch muss man diesen Genre-Mix schon mögen oder zumindest für ihn offen sein.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Humorvolles und inspirierendes Lesevergnügen

Halbzeit mit Aussicht
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Irgendwann befindet sich wohl jeder an einem Punkt im Leben, an dem es heißt loszulassen, Abschied zu nehmen und in einen neuen Lebensabschnitt aufzubrechen. Doch was heißt es eigentlich neue Freiheit ...

Irgendwann befindet sich wohl jeder an einem Punkt im Leben, an dem es heißt loszulassen, Abschied zu nehmen und in einen neuen Lebensabschnitt aufzubrechen. Doch was heißt es eigentlich neue Freiheit zu genießen, sich aus seiner Komfortzone zu bewegen und gar zu neuen Abenteuern aufzubrechen? Autorin Adrienne Friedlaender macht es in „Halbzeit mit Aussicht“ vor!

Gleich auf Anhieb haben mir die schonungslose Ehrlichkeit und Authentizität gefallen, mit der die Autorin, obendrein mit einer ordentlichen Portion Humor, ihrer „Halbzeit“ zu Leibe rückt. Mit ihrem persönlichen, locker-flockigen Schreibstil war sie mir auf Anhieb sympathisch und so war es dann natürlich auch ein Leichtes, mich in die beschriebenen Situationen, sowie ihre Gefühle und Gedanken hineinzuversetzen. Es hat einfach wahnsinnigen Spaß gemacht, sie auf diese Weise bei ihren Selbstversuchen zu begleiten und hat bei mir oftmals ein „das wäre doch wirklich mal eine Überlegung wert“ zur Folge gehabt. Deshalb finde ich auch das Quellen- und Literaturverzeichnis am Ende echt interessant und werde mich damit sicherlich noch ausführlich auseinandersetzen.

Fazit: Mir hat das Buch ebenso inspirierende, wie motivierende und humorvolle Lesestunden - mit einem breiten Lächeln im Gesicht - beschert, daher wird es sicherlich nicht das letzte Buch von Adrienne Friedlaender für mich sein

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Veröffentlicht am 06.05.2026

Definitiv mehr als nur ein Date!

Ein Date mit deinem Gehirn
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Was macht den Mensch eigentlich aus und welche Rolle spielt das Gehirn als lebendiger Resonanzkörper dabei? Was kann unser Gehirn, wozu künstliche Intelligenz nie in der Lage sein wird? Gehirnforscher ...

Was macht den Mensch eigentlich aus und welche Rolle spielt das Gehirn als lebendiger Resonanzkörper dabei? Was kann unser Gehirn, wozu künstliche Intelligenz nie in der Lage sein wird? Gehirnforscher Dr. Dr. Damir del Monte hat in seinem Erstlingswerk „Ein Date mit deinem Gehirn“ jede Menge plausible und bildhafte Antworten parat und lädt ein, ihn auf eine Reise durch Synapsen, Sehnsucht und Sinnfragen zu begleiten.

Eine wahnsinnig spannende Angelegenheit und doch hatte ich zunächst wirklich Respekt vor dem Buch und diesem komplexen Thema, dass sich für mich schon in dem aufwendigen Cover widerspiegelte. Trotz vielversprechendem Klappentext, rechnete ich insgeheim doch mit jeder Menge kompliziertem Fachgedöns, biochemischen Vorgängen und Inhalten, die ich nicht einmal würde aussprechen, geschweige denn nachvollziehen können - doch schon auf den ersten Seiten hatte mich der Autor eines Besseren belehrt! Er zeigt nicht nur Feingefühl, sondern hat auch ein großes Talent, komplexe Sachverhalte so mit einer persönlichen Note zu versehen, dass er sie fast schon „unterhaltsam“ und erzählerisch vermittelt. Die Inhalte sind zudem mit solch eingängigen Beispielen versehen, dass sie wirklich verständlich sind und es somit auch große Freude macht ihnen zu folgen.

Fazit: Es ist der reinste Wahnsinn, nach und nach zu begreifen, womit wir Menschen da in unserem Oberstübchen eigentlich ausgestattet sind und es für selbstverständlich hinnehmen, ohne uns größere Gedanken über die Zusammenhänge zu machen! Ich glaube, ich bin noch nie so wissbegierig und begeistert durch ein Sachbuch geflogen - jedes Kapitel stellte sich als noch interessanter, spannender und faszinierender, als das vorausgegangene, heraus und war dabei absolut nachvollziehbar. Ich bin begeistert!

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