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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.05.2026

Zwischen Realität und Sauerteig

Yesteryear
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In “Yesteryear” von Caro Claire Burke bastelt sich Nathalie Heller Mills eine Realität zwischen traditioneller Idylle, Farmleben und sozialen Medien. Zwischen Momfluencerin und TradWife. Ihr Leben, mehr ...

In “Yesteryear” von Caro Claire Burke bastelt sich Nathalie Heller Mills eine Realität zwischen traditioneller Idylle, Farmleben und sozialen Medien. Zwischen Momfluencerin und TradWife. Ihr Leben, mehr Schein als Sein, ihre Familie ein gut florierendes Unternehmen. Bis sie eines Tages, in der von ihr gespielten Rolle als perfekte Ehefrau und Amerikanerin auffliegt und der Alptraum beginnt.

Obwohl ich anfangs eher skeptisch war, hat es dann doch nicht lange gedauert bis mich die Autorin mit ihrem wortgewaltigen, bissigen Schreibstil gepackt und ganz tief in ihre Tasche gesteckt hat. In knapp zwei Tagen hatte ich das Buch durch und das will bei mir wirklich was heißen. Die Story spielt in zwei Zeitebenen, ist einerseits echt skurril und schräg, andererseits aber auch absolut nachvollziehbar und authentisch. Auf jeden Fall ist sie andersartig, ebenso schlagfertig wie scharfsinnig, treffend und entwickelt sich so ganz anders als gedacht. Was sich im Übrigen genau so auch auf die Charaktere beziehen kann. Insgesamt ein genialer Sprung zwischen Tradition, Verblendung, Irrsinn, rotziger Social Media Welt und Abbild unserer heutigen Gesellschaft, die allzu gern vorgibt etwas zu sein, was sie definitiv nicht ist.

Fazit: Auch wenn ich nicht recht weiß, wie und wo ich das Buch einordnen soll, so war es mir dennoch ein großes Vergnügen es zu lesen - auf jeden Fall ein Jahres-Highlight!

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Veröffentlicht am 21.04.2026

Von willensstarken Aussenseiterinnen und Heimatgefühl

Die Riesinnen
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Wittenmoos im Schwarzwald, dort leben sie, „Die Riesinnen“ von Hannah Häffner. Drei Generationen dürrer, hochgewachsener, starker Frauen mit kupferrotem Haar. Mütter und Töchter zwischen tiefsitzendem ...

Wittenmoos im Schwarzwald, dort leben sie, „Die Riesinnen“ von Hannah Häffner. Drei Generationen dürrer, hochgewachsener, starker Frauen mit kupferrotem Haar. Mütter und Töchter zwischen tiefsitzendem Heimatgefühl inmitten eines Dorflebens, in das sie so gar nicht passen wollen, dunklen Wäldern und einem tiefen Wunsch nach Freiheit.

In fesselndem, poetischen und gleichzeitig klarem Schreibstil begleitet die Geschichte drei Generationen Frauen. Angefangen mit Außenseitern Liese, die von Mann und Gesellschaft kleingehalten wird, während sie sich den gesellschaftlichen Zwängen unterwirft, über Tochter Cora mit ihrem tiefsitzenden Wunsch nach Freiheit und Enkelin Eva, die schlussendlich alle Muster der vorigen Generationen durchbricht. Die Protagonistinnen sind so ausdrucksstark und authentisch gezeichnet, dass es die reinste Freude ist, ihre Willensstärke und die, von
Generation zu Generation fortschreitende, Entwicklung mitzuerleben. Die Beschreibungen sind atmosphärisch, fesselnd und voller Gefühl. Lediglich am Ende ist letzteres, für meinen Geschmack, ein wenig zu kurz gekommen.

Fazit: Ein berührender, kraftvoller und ebenso tragischer, wie ehrlicher Roman, der an vielen Stellen zum Innehalten einlädt. Auf jeden Fall lesenswert!

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Veröffentlicht am 21.04.2026

Emotional und sehr berührend

Wenn die Kraniche nach Süden ziehen
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Sehr feinfühlig erzählt Lisa Ridzén in ihrem Roman “Wenn die Kraniche nach Süden ziehen” vom letzten Sommer des 89 jährigen Bo. Während seine Frau ihn nicht mehr erkennt und bereits in einem Pflegeheim ...

Sehr feinfühlig erzählt Lisa Ridzén in ihrem Roman “Wenn die Kraniche nach Süden ziehen” vom letzten Sommer des 89 jährigen Bo. Während seine Frau ihn nicht mehr erkennt und bereits in einem Pflegeheim lebt, werden ihm die Tage allmählich lang. Geblieben sind ihm sein Sohn, der ihm die Küchenschränke füllt, tägliche Besuche des Pflegedienstes, sein treuer Hund Sixten und der bevorstehende Abschied.

Ich finde, mit dem Cover wurden sowohl die Geschichte, als auch die vorherrschende Stimmung ganz hervorragend getroffen. Einerseits leicht, andererseits getrübt, aber unheimlich echt und ergreifend. Ich bin selbst Hundebesitzerin, so dass ich sehr gut nachfühlen konnte, was es heißt, dass einem der Hund und Sozialpartner genommen wird. Zudem habe ich einen Großvater im selben Alter und konnte mir, anhand des wundervoll einfühlsamen und dennoch so ehrlichen Schreibstil, nur allzu gut vorstellen, was jetzt wohl in ihm, so kurz nach Omas Tod vorgehen muss. Vielleicht hat mich die Geschichte gerade deshalb so ergriffen, Tränen kullern lassen und zum Nachdenken gebracht. Sowohl dem Altern aus Bos Sichtweise, als auch den Gedanken seines Sohnes zu folgen, haben sich unheimlich bereichernd angefühlt und die Eintragungen des Pflegepersonals im Journal, haben dem Ganzen auch nochmal Nachdruck verliehen, einen ausdrucksstarken Kontrast gesetzt. Selten hat mich ein Buch gefühlsmäßig so hin und her gerissen, zumal die Protagonisten sehr authentisch gezeichnet sind und das Herz berühren.

Fazit: Ein wahnsinnig schönes, wenn auch trauriges Buch, das unheimlich viel gibt.

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Warmherzig & inspirierend

Zeit für meine Träume
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In Tessa Randaus neuem Buch “Zeit für meine Träume” geht es um intensive Begegnungen, neue Wege und zweite Chancen. Nachdem die Lebensträume der 38 jährigen Protagonistin zunächst geplatzt zu sein scheinen, ...

In Tessa Randaus neuem Buch “Zeit für meine Träume” geht es um intensive Begegnungen, neue Wege und zweite Chancen. Nachdem die Lebensträume der 38 jährigen Protagonistin zunächst geplatzt zu sein scheinen, lernt sie durch Zufall, die in einer Dreier-WG lebende, Seniorin Lotte kennen, schöpft sie nicht nur Hoffnung aus deren Lebensweisheiten, sondern lernt auch, sich neue Türen zum Glück zu öffnen.

Ich kannte den leichten Schreibstil von Tessa Randau schon aus ihren vorausgegangenen Büchern und mag ihn ebenso sehr, wie die Botschaften die sie in ihnen vermittelt. Auch diesmal ist ihre Geschichte warmherzig, klug und ebenso inspirierend erzählt. Liebevoll und bildhaft verpackt regt sie nicht nur zum Nach-, sondern auch zum Umdenken an, indem sie eingefahrene Denkmuster geschickt auflöst. Die Hauptprotagonistin ist sympathisch und es fällt nicht schwer sich mit ihr zu identifizieren, allerdings bleibt sie namenlos, wodurch mir irgendwie der persönlich ergreifende Bezug ein wenig gefehlt hat.

Fazit: Ein bewegendes kleines Buch für zwischendurch, das es nicht nur schafft, dass man sich nach dem Lesen leichter, sondern auch besser und hoffnungsvoller fühlt.

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Wohltuende Auszeit!

Mathilde und Marie
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Um ihrer innerlichen Zerrissenheit, sowie dem Pariser Lärm, mit seiner steten Hektik und Geschäftigkeit zu entfliehen, macht sich die junge Französin Marie auf zu einer Zugreise mit unbekanntem Ziel. ...


Um ihrer innerlichen Zerrissenheit, sowie dem Pariser Lärm, mit seiner steten Hektik und Geschäftigkeit zu entfliehen, macht sich die junge Französin Marie auf zu einer Zugreise mit unbekanntem Ziel. So lernt sie nicht nur die alte Isländerin Jónina kennen, sondern landet mit ihr schließlich auch in Redu, einem kleinen Bücherdorf in den belgischen Ardennen, wo nicht nur die Uhren anders ticken, sondern auch das menschliche Miteinander. Inmitten ländlicher Ruhe und umgeben von beschaulicher Natur findet Marie nicht Mathilde, sondern auch zu sich selbst und ihrer Liebe zu Büchern zurück. Sie erfährt sowohl Gemeinschaft, als auch tiefgreifende Freundschaft und das Glück, das in kleinen Dingen schlummert.

„Mathilde und Marie“ von Torsten Woywod ist kein reißerischer Roman, der mit Spannung und Action um jeden Preis um Aufmerksamkeit heischt. Vielmehr ist er ein stiller Ort des Ankommens und eine inspirierende literarische Auszeit, das genau so genommen werden möchte wie es ist. Ja, es mag sein, dass nicht viel „aufregendes“ passiert - doch genau das ist es doch, was Achtsamkeit und auch die damit einhergehende Entschleunigung ausmacht. Es sind die kleinen Dinge, die uns in unserer oberflächlichen Welt vermehrt als „unwichtig“ erscheinen, die es in diesem Buch wahrzunehmen gilt, denn es muss nicht immer besser, schneller, weiter, spannender und ausgeklügelter sein, um zu berühren.

Die Atmosphäre, die Torsten Woywod durch seine Sprache und die wohlgewählten Worte in diesem Buch erschafft, ist nicht nur so wundervoll ausufernd wie die Landschaft, sondern lässt darüber hinaus auch jede Menge Freiraum zum Atmen. Ich habe gerade selbst einige Schicksalsschläge hinter mir, weshalb es mir vermutlich auch so leicht fiel, mich sowohl in die Protagonisten, als auch in die heilsame Wirkung von „Stille“ hineinzuversetzen. Dem unaufgeregten, verharrenden Schreibstil und der Geschichte zu folgen, hat bei mir jedenfalls merklich Druck rausgenommen, hat mir Mut gemacht und gut getan. Die (Natur)Beschreibungen und menschlichen Beziehungen sind ebenso wie die Charaktere liebevoll, charismatisch und sympathisch gezeichnet. Sie haben mich, wie die Geschichte selbst, komplett abgeholt, berührt und mir gleichermaßen schöne, wie entspannende Lese- bzw. Hörstunden beschert.

Fazit: Ein Roman zum Fallen lassen, auftanken und innehalten. Ein Roman der bewegt, inspiriert und der Seele einfach nur gut tut! Wenn man sich drauf einlässt und Geschichten, Geschichten sein lässt, ohne immer noch mehr zu wollen.

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