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Veröffentlicht am 10.02.2019

„Emotionalität macht vieles leichter, aber kaum etwas besser“

Tannenstein
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Alexander Born steht kurz vor seiner Entlassung aus dem Gefängnis. Der Ex-Polizist hat die Zeit genutzt, um seine Rache zu planen. Er will den Mörder seiner Partnerin und Geliebten finden und zur Strecke ...

Alexander Born steht kurz vor seiner Entlassung aus dem Gefängnis. Der Ex-Polizist hat die Zeit genutzt, um seine Rache zu planen. Er will den Mörder seiner Partnerin und Geliebten finden und zur Strecke bringen. Hilfe bekommt er von seinen alten Kontakten und auch die neue berufliche Partnerin seines damaligen Partners schlägt sich nicht ohne Grund auf seine Seite. Doch je tiefer sie graben, desto gefährlicher wird es für sie, denn sie ahnen nicht, mit welchen Mitteln der Gegner kämpft …

Dieser Thriller steckt voller explosivem Material. Linus Geschke legt den Finger tief in die Wunde. Nach der Lektüre kann man keinesfalls mehr die Augen vor den offensichtlichen Tatsachen verschließen. Die Themen Zwangsprostitution, Menschenhandel, sexuelle Ausschreitungen bis zu Pädophilie, Auftragsmord, Waffenhandel und Russenmafia mag kein Mensch wahr haben, sind jedoch tägliche Tatsachen. Ohne Wertung dieser Verbrechen lässt Geschke seinen Protagonisten einen ganz eigenen Weg gehen. Dessen Gegenspieler wird zum Mittelpunkt und schnell wird klar, dass nicht nur Born den Wanderer jagt.

Die Figuren im Buch handeln nicht immer so, wie man das als Leser gern hätte. Gerade das macht sie aber authentisch und echt – und so trifft die Story auch einen Nerv. Sie geht tief unter die Haut, lässt nachdenken und macht Angst. Für meinen Geschmack ist teils die Schilderung mancher Szene zu deutlich und der Hierarchie-Aufbau ein wenig zu stark und ausführlich beschrieben. Das nenne ich dann gern „Männer-Thriller“. Für Frauen reichen Andeutungen, wir müssen nicht alles so bildhaft geschildert bekommen. Doch zum Thema passt die stellenweise heftige Brutalität, zumal sie nicht reißerisch verwendet wurde.

Die Kapitel sind recht kurz, wodurch das Buch sich besonders gut lesen lässt. Mir persönlich waren es fast zu viele Orte und Personen. Hier hätte mir ein Personenregister am Ende des Buches zum Nachlesen sehr gefallen. Born erinnert mich ein wenig an Sebastian Bergmann – man kann ihn nicht wirklich leiden, aber dennoch „hat er was“. Das fordert den Leser, zumal man auch für den Wanderer mit der Zeit eine gewisse Sympathie aufbringen kann, die man aber gar nicht haben möchte.

„Tannenstein“ ist der Auftakt einer Serie. Als solche ist das absolut gelungen. Es gibt keinen fiesen Cliffhanger, aber man möchte dennoch wissen, wie es weitergeht. Das mag ich sehr! Die Krimis des Autors um Jan Römer und seine Freundin Mütze liegen mir mehr, sie sind softer. Aber das heißt nicht, dass dieser Thriller schlechter ist. Er ist nur einfach zu heftig, um von mir die vollen fünf Sterne zu bekommen. Für das absolut gut gemachte Handwerk, die stimmigen Wendungen und das runde Ende gebe ich aber sehr gern vier Sterne.

Veröffentlicht am 08.02.2019

Boh glaubse!

Im Liegen geht's!
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Okay, nicht jede der kleinen Episoden ist zum Brüllen komisch, aber Herbert Knebel bringt mich auch bei seinem miesesten Sketch wenigstens zum Grinsen. Er ist humorig, ohne unter die Gürtellinie zu müssen ...

Okay, nicht jede der kleinen Episoden ist zum Brüllen komisch, aber Herbert Knebel bringt mich auch bei seinem miesesten Sketch wenigstens zum Grinsen. Er ist humorig, ohne unter die Gürtellinie zu müssen und legt den Finger einfach immer auf die Wunde. Ja, man erkennt doch vieles, von dem er erzählt, aus dem eigenen Umfeld wieder! Da lernt auch der größte Brummbär, kleine Macken als das zu sehen, was sie sind: Ein Teil des Lebens!

Die Episoden sind schön kurz und knackig und auch wenn man so gar keine Zeit zum Lesen hatte, lässt sich jeden Tag eine der Geschichten zum Tagesabschluss ganz leicht und schnell lesen. Das macht gute Laune und vertreibt alle düsteren Gedanken – und schon schläft es sich besser!

Die wenigsten Comedians sind geschrieben noch witzig, aber bei Herbert Knebel (Uwe Lyko) klappt das schon fast mit einer erschreckenden Leichtigkeit. Wer ihn von der Bühne oder dem TV kennt, der hat direkt seinen schnodderigen Ton im Ohr und betont das Gelesene im Ruhrpott-Slang. Das ist schon fast magisch!

Die einzelnen Geschichten haben einen Titel, der nach dem Alphabet sortiert ist. Einen tieferen Sinn hat das nicht, denn Knebel „behandelt“ alle Themen, die man sich nur denken kann. Mich fasziniert immer wieder, wie gut er beobachtet und das dann umsetzt. Für mich ist Herbert Knebel auf der Bühne und in geschriebener Form einfach einer der größten Comedians unserer Zeit. Fünf Sterne!

Veröffentlicht am 05.02.2019

Technik, Macht, Geld – die Schattenseiten

Cainstorm Island – Der Gejagte
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Emilio lebt im armen Cainstorm Island. Um seiner Familie das Zuhause zu erhalten, hat er sich auf Eyevision eingelassen. Ein in sein Gehirn eingepflanzter Chip überträgt jeden Tag eine halbe Stunde all ...

Emilio lebt im armen Cainstorm Island. Um seiner Familie das Zuhause zu erhalten, hat er sich auf Eyevision eingelassen. Ein in sein Gehirn eingepflanzter Chip überträgt jeden Tag eine halbe Stunde all das, was er sieht. Emilio will mit Kletter- und Sprungaktionen Zuschauer begeistern, so eine Art Parkour. Als er aus Notwehr ein Mitglied der „Schlangen“ tötet, schießt seine Zuschauerzahl in die Höhe und Eyevision macht Emilio genau deshalb zum Gejagten. Er muss nun jeden weiteren Schritt genau bedenken, um sich und seine Familie aus der Gefahrenzone zu holen. Doch das ist nicht so einfach, wenn ein riesiges Unternehmen die Quote steigern will …

Das Buch ist für Leser ab 13 Jahren gedacht. Manche Szenen dürften vielleicht etwas heftig sein, aber wenn man bedenkt, dass die Kids heute mit 13 schon so einiges anstellen, das meine Generation nicht vor 15 getan hat (eher noch später), passt das wohl so. Der Stil ist nicht ganz so „erwachsenentauglich“, aber für die Zielgruppe meiner Ansicht nach absolut passend. Emilio erzählt aus der Ich-Perspektive und schildert dem Leser ganz genau, was gerade geschieht. Das zieht automatisch direkter ins Geschehen, wird aber von vielen Lesern als störend empfunden. Mir gefiel es recht gut, es passte zur Story.

Die Idee ist gut und erschreckend zugleich, wenn auch nicht ganz neu. Es ist aber auch nicht abgekupfert, sondern eine neue Variante eines bekannten Themas. Die Welt ist nicht ganz so, wie wir sie heute kennen, aber dennoch sind Parallelen zu diversen aktuellen Themen deutlich zu erkennen. Damit regt das Buch die Kids also auch an, sich mit der Weltpolitik und Themen aus den Nachrichten auseinanderzusetzen.

Die Figuren sind sehr schön ausgearbeitet. Einzelne Charaktere sind gut zu erkennen und heben sich voneinander ab. Familie, Freundschaft, Zusammenhalt, Respekt, Liebe, Überlebenskampf, das Gefälle zwischen Reich und Arm – alles findet einen Platz und macht die Geschichte atmosphärisch schön dicht, aber nicht zu überladen. Der dystopische Touch passt bestens.

Der Titel (und das Ende) lassen darauf schließen, dass es weitere Bände geben wird und dieses Buch also der Auftakt einer Serie ist. Zu erfahren, wie es in Asaria ist, wäre schon interessant. Auch bieten die Figuren genug Stoff für weitere Bücher. Ich lasse mich also überraschen. Dieser (erste) Band bekommt von mir vier Sterne.

Veröffentlicht am 04.02.2019

Ganz besondere Reisen

LONELY PLANET Bildband Legendäre Zugreisen
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In diesem Buch kann man sich echt verlieren. Eine Zugfahrt ist schöner als die andere und ob nun im Sommer oder Winter – man kann sich kaum entscheiden, womit man anfangen möchte! Durch die unterschiedlichsten ...

In diesem Buch kann man sich echt verlieren. Eine Zugfahrt ist schöner als die andere und ob nun im Sommer oder Winter – man kann sich kaum entscheiden, womit man anfangen möchte! Durch die unterschiedlichsten Länder, mit den unterschiedlichsten Menschen, durch die unterschiedlichsten Landschaften, über Berge, auf ebener Strecke – hier findet sich einfach alles und auch all jene, die Züge gar nicht so faszinierend finden, können sich in die Zugreisen verlieben.

In Form eines Zugtickets findet sich auf einen Blick alles, was man wissen möchte: Start und Ziel der Fahrt, die Abfahrt, die Dauer, die Länge der Strecke und die Preisklasse. Daneben sieht man auf einer kleinen Karte die Strecke und die Gegend. Es folgen wunderbare Fotografien und informative Texte zu den Fahrten. Am unteren Rand der Seite findet sich dann noch eine kleine „Bahngleisstrecke“, auf der noch mal kleine, aber nicht unwichtige Hinweise verzeichnet sind. Das Buch ist also rundum liebevoll gestaltet und dabei informativ und lehrreich.

Die Reisen gehen durch Afrika & den Nahen Osten, Amerika, Asien, Europa und Australien & Neuseeland. Eine kleine Legende erklärt die Zeichen, die sich dann auf der stilisierten Bahnstrecke finden. Von halbstündigen Fahrten bis Fahrten, die mehrere Tage/eine Woche dauern, ist alles vertreten. Es ist kaum in Worte zu fassen, wie abwechslungsreich, vielfältig und phantastisch das Buch ist. Ein Zug ist eben mehr, als nur das Transportmittel, um von A nach B zu kommen. Man kann sogar darin leben und am Ende selbst der längsten Reise feststellen: Ach, wie schade – ich hätte es noch länger ausgehalten!

Wunderbar! Ein Buch, das ungeahnte Sehnsüchte weckt und damit von mir die vollen fünf Sterne erhält.

Veröffentlicht am 04.02.2019

Wie jung bist Du geblieben?

Schatzbox - Nichts für Couchpotatoes - Geschenkbox Macher-Edition
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In dieser Box sind 52 Ideen für gemeinsame (mehr oder weniger verrückte) Unternehmungen, die von ein paar Augenblicken bis Stunden dauern können, versammelt. Man muss sie nicht alle mögen, aber ich finde ...

In dieser Box sind 52 Ideen für gemeinsame (mehr oder weniger verrückte) Unternehmungen, die von ein paar Augenblicken bis Stunden dauern können, versammelt. Man muss sie nicht alle mögen, aber ich finde sie alle machbar. Ja, jung sein sollte man dafür – und wenn es nur im Herzen ist.

In diesem Set sind die Aufgaben allerdings teilweise auch davon abhängig, welche Jahreszeit, welches Wetter gerade ist – oder wo man lebt und wie weit man gerade weg kann. Deshalb kann man schlecht einfach eine Karte ziehen, sondern muss relativ gut planen. Das schmälert aber nicht den Spaß an der Idee dahinter.

Hat man eine „Aufgabe“ erledigt, kann man auf der Rückseite der Karte mit der dort zu findenden „Hilfestellung“ die Erinnerungen festhalten. Das finde ich sehr gut gemacht. Auch die Karten selbst sind auf einfache Weise sehr schön gestaltet. Einziges Manko: Die Ecken der Karten stoßen in der Box leicht ab. Sie sollten abgerundet sein, das würde sie schützen.

Für sich und seinen Partner selbst, oder als Geschenk für ein anderes Pärchen – die Box ist hübsch, haltbar, etwas für ein ganzes Jahr und eine liebe Idee. Ich gebe ihr trotz der kleinen Schwäche gern die vollen fünf Sterne.