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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.09.2018

Bushaltestellen rund um die Welt

Anhalten bitte!
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Wer hätte gedacht, dass Bushaltestellen so unterhaltsam und sehenswert sein können? Jens Bey hat hier eine zauberhafte Zusammenstellung geschaffen. Von extravagant über funktional bis archaisch ist alles ...

Wer hätte gedacht, dass Bushaltestellen so unterhaltsam und sehenswert sein können? Jens Bey hat hier eine zauberhafte Zusammenstellung geschaffen. Von extravagant über funktional bis archaisch ist alles vertreten. Mal aus der Not entstanden, mal gezielt von Künstlern geschaffen – es ist unbeschreiblich, wie vielfältig ein Wartehäuschen doch sein kann. Da bekommt man Lust, gezielt loszugehen und nachzusehen, ob nicht irgendwo im eigenen Umfeld eine Haltestelle ist, die in diese Sammlung passen könnte.

Die Fotos sind toll, die Texte lassen staunen und schmunzeln – und sind nicht immer bierernst gemeint. Eine kleine stilisierte Weltkarte zeigt immer an, wo sich diese Haltestelle befindet. Anders als in anderen Bildbänden dieser Art des Verlages sind hier keine Koordinaten angegeben. Muss ja auch nicht sein, aber ich fand diese Idee eigentlich zauberhaft.

Ist es nicht schön, dass DUMONT sich nicht nur für beliebte Ausflugs- und Reiseziele stark macht, sondern auch das Auge auf diese kleinen (teils großen) sonst völlig unbeachteten Plätze lenkt, auf die man wirklich viel mehr achten sollte? Auch als Anregung, am eigenen Wohnort eine ganz besondere Haltestelle zu kreieren, gefällt mir dieses Buch. Begeisterte fünf Sterne!

Veröffentlicht am 17.09.2018

Tote Haustiere kommen in die Spuk-Schule!

Tiergeister AG - Achtung, gruselig!
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Rauhaardackel Arik findet sich mutterseelenallein im Wald wieder. Wie ist er denn da hingekommen? Seltsame Tiere finden ihn und nehmen ihn mit in ihre Schule – die Sich als Spuk-Schule herausstellt, in ...

Rauhaardackel Arik findet sich mutterseelenallein im Wald wieder. Wie ist er denn da hingekommen? Seltsame Tiere finden ihn und nehmen ihn mit in ihre Schule – die Sich als Spuk-Schule herausstellt, in der nachts die Tiere spuken und tagsüber die Kinder regieren. Arik möchte so gerne nach Hause, aber schnell lernt er, dass das nicht mehr geht, denn er ist nun ein Geist. Trauern kann er nicht lange – seine neuen Freunde und er müssen ein Problem lösen …

Kinder gehen zwar mit dem Tod anders um, als Erwachsene, dennoch ist mir das hier ein wenig zu lapidar geschildert, wie Arik stirbt und dann eben ein Tiergeist wird. Auch was mit seinen Menschen ist, wie sie ihn suchen und vermissen, fehlt mir hier. Das Ende lässt zwar darauf schließen, dass in einem anderen Band darauf eingegangen werden könnte, doch ist mir das zu vage.

Die Geschichte kommt nur langsam in Fahrt. Das liegt auch mit daran, dass sehr komplizierte Namen verwendet werden. Wenn schon ich als Erwachsene da meine Probleme mit bekomme, wie soll das den Kindern gehen? Die lernen zwar sehr schnell alle Pokemon-Namen, wie ich weiß, aber dennoch gefällt mir das bei einem Kinderbuch, in dem real existierende Tiere Namen wie Arik, Agilolf, Modesta und Perpetua haben, nicht so wirklich. Die Namen der Kinder sind dagegen schlicht und verständlich mit Lisa, Paul, Silas und Matteo, selbst Elif ist nicht ganz so kompliziert und fremd.

Die Botschaft, dass man auch dann zusammenhalten kann und muss, wenn man aus unterschiedlichen Kreisen stammt, gefällt mir dagegen sehr. Zusammenhalt, Freundschaft, Fairness und Problemlösungen werden gut geschildert. Die Zeichnungen lassen mich zwiegespalten zurück. Sie sind relativ kindgerecht, aber teils doch zu comichaft für meinen Geschmack. Die Kapitel sind in einer guten Länge, sodass sie auch gut auf einzelne Tage aufgeteilt werden können.

Fazit: Die Grundidee gefällt mir sehr, die Umsetzung ist nicht perfekt geworden. Bleibt abzuwarten, ob die Folgebände („Kaninchenalarm“ ist bereits erhältlich) diese Lücken noch füllen werden. Aktuell gibt es von mir vier Sterne.

Veröffentlicht am 15.09.2018

Nicht nur für Frauen ab 50!

Ich hab's auch nicht immer leicht mit mir
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Der Alltag ist oft beladen mit kleinen und großen Schwierigkeiten – und Krisen. Dagegen kommt man am besten mit Humor an. Selbstironie und Gelassenheit sind Anne Vogds beste Waffen, mit denen sie gegen ...

Der Alltag ist oft beladen mit kleinen und großen Schwierigkeiten – und Krisen. Dagegen kommt man am besten mit Humor an. Selbstironie und Gelassenheit sind Anne Vogds beste Waffen, mit denen sie gegen alle Widrigkeiten antritt.

Anne Vogd bedient die geburtenstarken Jahrgänge, die jetzt knapp über 50 sind. Eine ganz eigene Generation sind wir. Nicht zu vergleichen mit den Frauen 50+ unserer Jugend und Kindheit. Ich mag ihre Nummern recht gern, auch wenn sie an meine Lieblings-Comedian Carolin Kebekus nicht ranreicht. Macht ja auch nix, schlecht ist sie dennoch lange nicht! Es ist eine andere Form von Unterhaltung, die breit grinsen lässt, statt laut aufzulachen. Und sind wir doch mal ehrlich – Anne Vogd trifft jeden einzelnen Nagel volle Kanne Anne auf den Kopf. Was andere verschweigen, spricht sie an und diskutiert es aus. So ganz nebenbei macht sie dann auch noch Mut, auch selbst eigene Wege zu gehen und sich nicht den Trends anzupassen, dem Modediktat zu unterliegen. Man darf auch auf ganz eigene Art und Weise leben, weg von allen Trends. Und wenn schon Trends, dann doch nur die, die einem liegen und für die man sich nicht verbiegen muss.

Das bringt sie super rüber, wenn mir auch zu stark rüberkam, dass das alles abgelesen und nicht frei gesprochen war. Dabei künstelt die Stimmer ab und an gern. Doch das ist, wie mit dem Prosecco – mir ist ein Wein oder ein Sekt einfach lieber, als dieses Mittelding, aber wenn’s nix andres gibt, trink ich auch mal Prosecco. Anders als bei diesem Getränk hat „Ich hab’s auch nicht immer leicht mit mir“ aber den Effekt, dass man nicht aufhören kann. Wollte ich doch nur mal kurz rein- und andermal weiterhören, hab ich erst die erste CD komplett gehört und dann direkt die zweite eingelegt und auch noch gehört. Nix mit mal eben kurz reinhören! Das heißt dann, dass ich zwar nicht der größte Fan von Anne Vogd bin, ihr aber 136 Minuten am Stück zugehört habe, ganz ohne Langeweile! Das schafft auch nicht jeder, mich so lange bei der Stange zu halten. Einige der Witze und Sprüche sind schon etwas abgegriffen, aber noch nicht so platt, wie die Kalauer von Markus Krebs oder Oliver Pocher oder Mario Barth. Kann sein, dass Männer einfach einfacher gestrickt sind. Ich hatte Spaß bei den Geschichten von Anne Vogd. Deshalb: vier Sterne!

Veröffentlicht am 11.09.2018

Die Integration

Die unglaublichen Abenteuer des Migranten Nemec
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Lolek Nemec fälscht völlig unnötigerweise sein Abiturzeugnis – zum zweiten Mal! Diesmal fliegt es auf und Lolek wird dazu verurteilt, als ehrenamtlicher Helfer in einem bayerischen Flüchtlingsheim zu arbeiten. ...

Lolek Nemec fälscht völlig unnötigerweise sein Abiturzeugnis – zum zweiten Mal! Diesmal fliegt es auf und Lolek wird dazu verurteilt, als ehrenamtlicher Helfer in einem bayerischen Flüchtlingsheim zu arbeiten. Schließlich war er auch mal Flüchtling, kennt die Problematik. Da Lolek aber am allerliebsten sich selbst hört, quasselt er alles und jeden in Grund und Boden.

Ja, dies ist ein „Schelmenroman“. Aktuell wie nie und gerade deshalb manchmal vielleicht weniger komisch, als es sein könnte. Man ist schnell hin- und hergerissen. Das liegt nicht nur an den Witzen, die manchmal arg flach und dann wieder frauenfeindlich, hier abgedroschen, da machohaft – aber hin und wieder muss man doch breit grinsen.

Viel von der Wirkung des Textes hängt auch davon ab, in welcher Verfassung man beim Lesen gerade ist. Kaum ein Tag ohne Meldungen in den Medien, die sich um das Thema Flüchtlinge drehen. Integration ist schwerer denn je. Da hat es auch der Nemec schwer. Die recht kurzen Kapitel machen das Buch aber sehr gut lesbar, auch wenn Lolek wirklich zu allem eine Geschichte aus der Heimat einfällt, die man nicht immer gerade wissen wollte.

Ein weiterer Aspekt ist hier aber auch, welche Hürden ein Flüchtling nehmen muss. Die deutsche Bürokratie wird hier eindrucksvoll vorgeführt. Ohne Gesetze keine Ordnung, ganz klar – aber in gewissen Situationen stellt sich doch wirklich die Frage nach dem Sinn. Gleichzeitig wird aber auch schön dargestellt, dass nicht jeder Migrant böse Absichten hat – es aber durchaus auch solche gibt.

Kurz und knapp: man kann viel schmunzeln und/oder lachen, dennoch ist das Buch keine leichte Kost und regt zum Nachdenken an. Es ging mir trotz allem Humor auch unter die Haut. Zeitlos wird es wohl leider immer bleiben. Von mir vier Sterne.

Veröffentlicht am 10.09.2018

Die kleinen und großen Tücken des Erwachsenendaseins

Immer schön die Ballons halten
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Henriette Liebling ist mit allem nicht so ganz zufrieden – Job, Beziehung, Wohnung, Freunde, dem ganzen Leben. Immer wieder grübelt sie so vor sich hin und kommt nie in die Puschen. Das Leben geht weiter ...

Henriette Liebling ist mit allem nicht so ganz zufrieden – Job, Beziehung, Wohnung, Freunde, dem ganzen Leben. Immer wieder grübelt sie so vor sich hin und kommt nie in die Puschen. Das Leben geht weiter und sie steht herum. Doch eines Tages geraten die Dinge ganz langsam in Bewegung …

Es ist immer nett, wenn ein Autor sein Werk selbst liest. Aber hier stört mich das enorm, denn Tobi Katze spricht eine Frau, eben Henriette Liebling. Das jedoch so typisch männlich, dass ich immer wieder darüber gestolpert bin. Außerdem kommt mir „Henriette“ eine Spur zu depressiv vor. Nicht, dass ich das Problem Depression nicht nachvollziehen könnte und auch weiß ich, dass Tobi Katze unter Depressionen leidet. Nur kommt mir hier zu viel davon rüber und zu wenig „Galgenhumor“ oder Ironie, zu wenig Motivation, zu wenig Selbsthilfe. Der Auftrieb kommt mir persönlich einfach deutlich zu spät – nämlich eigentlich erst ganz am Ende. Möglicherweise wäre das bei einer weiblichen Sprecherin anders transportiert worden. Aber ganz extrem stört mich, dass Tobi Katze die männlichen Parts gern so vorliest, als seien das Frauen und Henriette besonders tief und männlich. Das bringt mich total aus der Spur.

„Frag doch mal Dich, statt irgendwen.“ Eine wunderbare Aussage. Wie so vieles, das der Autor gekonnt anspricht. Ob es nun ist, unsinnigerweise Gegenstände mit Gefühlen zu belegen (an der roten, röchelnden Kaffeemaschine hängen) oder das Telefonat mit dem Verlag oder die Erlebnisse auf dem Arbeitsamt – ja, da wird deutlich gezeigt, wie unschön das Leben sein kann, wie gewisse Positionen ausgenutzt werden und wie auch mal Machtspielchen gespielt werden. Dass aber auch diese Momente irgendwann vorbei sind und/oder witzige Momente oder Aspekte haben, klingt nur ganz ganz leise an. Aber dass man aus Zitronen, die einem das Leben schenkt, nicht zwangsläufig Limonade machen muss, sondern sie auch verschenken und sich Orangen besorgen kann, das ist eine wunderbare Aussage.

Obwohl die verschwurbelten Satzkonstrukte wirklich klasse sind und ihren ganz eigenen Witz haben, steckt ganz viel Depression in diesem Hörbuch. Das zieht runter, das beschwert – dabei würden viele der wunderbaren Wortspiele sich genial dazu eignen, lauthals rauszulachen. Doch die Stimmung ist arg düster. Das ist schade.

Ein Hörbuch, das zwar nicht schlecht ist, aber einfach nicht in meine Bestenliste gehört. Mehr als „gut“ kann ich nicht geben, deshalb drei Sterne.