Profilbild von MissDaisy

MissDaisy

Lesejury Star
offline

MissDaisy ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit MissDaisy über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.07.2017

Michele auf der Suche

Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands
0

Micheles Mutter hat die Familie vor vielen Jahren verlassen. Inzwischen ist Michele 30 Jahre alt, aber in seinem Inneren noch immer das Kind, das darauf vertraut, dass die Mutter wieder zurückkommt. Hat ...

Micheles Mutter hat die Familie vor vielen Jahren verlassen. Inzwischen ist Michele 30 Jahre alt, aber in seinem Inneren noch immer das Kind, das darauf vertraut, dass die Mutter wieder zurückkommt. Hat sie doch sein geheimes Tagebuch mitgenommen und versprochen, nicht darin zu lesen. Michele lebt im Bahnhofshäuschen, ein quasi geerbtes Privileg, das mit seinem Job gekoppelt ist. Für ihn sind alle Tage gleich und er lebt noch immer nach den Regeln, die sein verstorbener Vater aufgestellt hatte. Doch dann tritt Elena in sein Leben, die verzweifelt die Puppe ihrer Schwester sucht, und wirbelt alles durcheinander. Dass dann plötzlich auch noch sein altes geheimes Tagebuch auftaucht, bringt Dinge ins Rollen, die viel zu lange wie festgeklebt waren. Michele macht sich auf den Weg, sein eigenes Leben zu gestalten …

Es war mir unmöglich, dieses Hörbuch in Etappen zu hören. Sobald eine CD zu Ende gelaufen war, musste ich einfach die nächste CD einlegen. Michele, Elena und all die anderen Menschen, die Michele begegnen, haben mich einfach sofort in ihren Bann gezogen. Dabei sind sie mir nicht alle wirklich sympathisch. Elena ist ein wenig anstrengend, doch wird im Laufe der Geschichte klar, warum sie ist, wie sie ist. Michele dagegen wirkt ein wenig zurückgeblieben und während seiner Entwicklung nimmt er Charakterzüge an, die es schwer machen, ihn zu mögen. Ja, da schlägt wohl Erbgut durch, dennoch ist der Unterschied vom stillen, in sich gekehrten jungen Mann zum hartherzigen, uneinsichtigen Mann nicht immer nachvollziehbar, verständlich oder auch nur entschuldbar.

Annina Braunmiller-Jest liest dieses Hörbuch sehr eingängig. Sie gibt allen Figuren Persönlichkeit und Leben. Die Sprache des Buches ist einfach zauberhaft. Der Fokus liegt ganz klar auf Michele, doch die Geschichte wird aus der Erzählperspektive erzählt. Das passt sehr gut, denn so kollidiert nichts mit den Erkenntnissen, die gewonnen werden und den Entwicklungen, die durchlaufen werden. Manches geht einfach sehr tief unter die Haut, anderes regt zum Protest an – auf alle Fälle entlockt das Hörbuch dem Zuhörer deutliche Reaktionen. Ich war sehr oft sehr ergriffen – auch wenn ich immer mal wieder richtig wütend wurde.

Italien, die Menschen, die Dörfer – alles hat man ganz klar vor Augen, so schön und gut beschreibt Salvatore Basile alles. Das liegt sicher mit daran, dass er in Rom als Drehbuchautor arbeitet. Mir fällt auf, dass ich Bücher, die von Drehbuchautoren geschrieben wurden, oft besonders gern lese. Diese Autoren wissen einfach, wo man den Leser erwischt!

Ganz sicher werden viele das Ende nicht mögen, denn es ist ganz eigen, weder gut noch schlecht, auf gewisse Weise auch recht offen. Doch ich finde, genau so ist das Leben und jedes andere Ende wäre zu schöngefärbt gewesen.

Mir hat das Hörbuch ausnehmend gut gefallen. Ich mag es sehr, wenn mich ein Buch berührt, mich irgendwie an längst vergangene Momente in meinem eigenen Leben erinnert, mir meine eigenen Stärken, aber auch Schwächen zeigt und mir Emotionen entlockt. All das hat dieses Hörbuch im Übermaß getan. Deshalb kann ich gar nicht anders, als die vollen fünf Sterne zu vergeben.

Veröffentlicht am 09.07.2017

Fünf alte Briefe und die Wahrheit

Dem Kroisleitner sein Vater
0

Frassek, ganz ohne Vorname, ist ein Berliner Polizist. Er drückt sich vor der Beerdigung seines Vaters und fährt nach St. Margareten in Österreich. Er spricht nicht viel, bleibt nicht lange und ist bald ...

Frassek, ganz ohne Vorname, ist ein Berliner Polizist. Er drückt sich vor der Beerdigung seines Vaters und fährt nach St. Margareten in Österreich. Er spricht nicht viel, bleibt nicht lange und ist bald wieder weg. Kein Wunder, dass er als Verdächtiger gilt, als der 104jährige Alois Kroisleitner tot aufgefunden wird. Die Umstände sind seltsam und das ganze Dorf ist verwundert. In Berlin hält es Frassek schnell nicht mehr aus und er begibt sich wieder nach Österreich, um seine Unschuld zu beweisen. Er hört sich um und erfährt immer seltsamere Dinge. Dann taucht auch noch Emma auf, die zehn Jahre nicht mehr da war und bringt noch mehr durcheinander. Als sie fünf ungeöffnete, uralte Briefe entdeckt, kommt mehr ans Licht, als man ahnen konnte …

Die Dorfbewohner von St. Margareten haben alle einen ganz besonderen Charme – so schrullig sie fast alle dargestellt sind, so sehr schließt man sie dennoch ins Herz. Auch wenn sehr viel Humor, teils in Form von Satire, zu finden ist, baut sich doch immer wieder Spannung auf. Wer hat den alten Kroisleitner ermordet? Und vor allem: warum eigentlich? Was hat es mit Emma auf sich? Und wieso sollte sie vom Josef ferngehalten werden? Fragen über Fragen und nicht nur der Leser setzt mühsam Puzzlesteinchen zusammen, auch die Dorfbewohner. Im Valentiner probt die Wirtin das Königinnensein, die Gäste den Aufstand und die Liebe den Frühling. Langweilig wird es an keiner Stelle. Nein, ein echter, harter Krimi ist das nicht, aber ein Buch, das zum Sommer passt und Laune macht. So nach und nach kommen immer mehr Details zutage und das große Ganze führt quasi wieder zum Anfang zurück. Die Vorstellung, dass das Wasser der Grund ist, weshalb die Einwohner so alt werden, macht am Ende ein ganz anderes Bild.

Der Schreibstil von Martin Schult ist erfrischend anders. Er erinnert mich an das „Königlich Bayerische Amtsgericht“, nur moderner. Eine ganze Reihe der Figuren versinnbildlicht reale Personen und nimmt sie mehr oder weniger auf die Schippe. Eine ganze Reihe Themen werden angeschnitten, ohne sie breitzutreten. Der Leser kann sich hier jedes Mal seine eigenen Gedanken machen. Die Ideen sind toll und gar nicht so unwahrscheinlich. Man kann über einiges dann trotz aller Schmunzler auch lange nachdenken.

Das übliche Stilmittel, dass die Lösung in der Vergangenheit liegen muss, wird hier auf ganz spezielle Art und Weise auf den Gipfel getrieben. Vermutlich ist das ein kleiner Seitenhieb auf das Krimigenre, aber ich finde ihn sehr gelungen und erkenne das Zwinkern darin. Auch dass ein gutes Buch unbedingt mehrere Stränge braucht, die am Ende zusammenlaufen, wurde hier humorvoll und ein klein wenig bissig eingebracht.

Für mich ist dieses Buch mehr, als einfach nur ein Regional-Krimi. Es ist der gelungene Versuch, Autoren und Leser ein wenig zu veräppeln, aber auf nette Weise. Die Story ist dabei dennoch rund geworden und gar nicht ganz so abwegig, wie man erst mal meinen möchte. Alles in allem ergibt das bei mir sehr gute vier Sterne.

Veröffentlicht am 08.07.2017

200 Rezepte aus 20 Jahren Grillsportverein

Grillen – BBQ – Smoken
0

Wer leidenschaftlich gern grillt, landet früher oder später auf der Internetpräsenz des Grillsportvereins und lernt da Rudolf Jaeger kennen. Der Verein hat eine Unmenge an Rezepten rund um das Grillvergnügen ...

Wer leidenschaftlich gern grillt, landet früher oder später auf der Internetpräsenz des Grillsportvereins und lernt da Rudolf Jaeger kennen. Der Verein hat eine Unmenge an Rezepten rund um das Grillvergnügen entwickelt, weiterentwickelt, verfeinert und perfektioniert. Diese findet man auf der Homepage, aber auch als „altmodische“ Bücher. Mir persönlich sind Rezepte in Büchern immer lieber, als im Internet und die Sammlung an Koch-, Back- und Grillbüchern kann sich sehen lassen.

Im Bereich grillen ist meine erste Wahl tatsächlich immer der Grillsportverein, danach direkt Weber. Das vorliegende Buch verzichtet auf die Erklärungen rund um die Grillarten und die Techniken, wie sie in den anderen Büchern des GSV zu finden sind, da es die besten Rezepte aus 20 Jahren GSV präsentiert und es hier eben nur darum geht: Rezepte.

Aufgeteilt ist es in die Rubriken Rind, Schwein, Geflügel, Wild & Lamm, Fisch, Beilagen und Dessert. In allen Kapiteln findet man eine tolle Auswahl, um die nächste Grillparty ganz besonders gelungen feiern zu können. Nur wenige Rezepte sind nicht bebildert. Dafür haben alle Rezepte gut sichtbare Symbole für Holzkohlegrill, Gasgrill, Dutch Oven, Holzbackofen, Smoker, Drehspieß und Wok. So erkennt man auf den ersten Blick, ob das Rezept für die Grillart, die man nutzt, geeignet ist.

Die Zutatenliste ist übersichtlich gestellt und man weiß auch sofort, für wie viele Personen sie gedacht sind. Die Zubereitungserklärungen sind verständlich und logisch. Hin und wieder findet sich ein Extra-Tipp in einem orangen Kreis. Die eingestreute Werbung ist nicht unbedingt schön, aber man kann darüber hinwegsehen. Dafür ist das Buch prall voll mit tollen Rezepten und das zu einem sehr guten Preis.

Nicht das allerbeste GSV-Rezeptbuch, aber prima zum Mitnehmen, Verschenken und immer mal wieder Nachschlagen. Von daher gebe ich vier Sterne.

Veröffentlicht am 08.07.2017

Weihnachtsgenüsse

Kochen & Backen mit der KitchenAid: Weihnachtsbäckerei
0

Die Kitchen-Aid ist ein toller Helfer beim Backen. Aber auch, wenn man eine einfachere Küchenmaschine hat, findet man in diesem Buch tolle, machbare Rezepte. Auch wenn noch lange nicht Weihnachten ist, ...

Die Kitchen-Aid ist ein toller Helfer beim Backen. Aber auch, wenn man eine einfachere Küchenmaschine hat, findet man in diesem Buch tolle, machbare Rezepte. Auch wenn noch lange nicht Weihnachten ist, habe ich schon viele der Rezepte nachgearbeitet, denn ich persönlich nasche Plätzchen, wie Engelsaugen, Zitronenherzen, Linzer Ringe und Nussecken auch sehr gerne „unterm Jahr“. Zudem möchte ich nicht nur an Weihnachten Schokoladen-Orangen-Torte und Orangenkuchen essen und ein Zopf schmeckt auch das ganze Jahr.

Gemeinsam haben die Rezepte den logischen und übersichtlichen Aufbau: es finden sich die Angaben für die Menge (Stückzahl), den Zeitaufwand, Backzeit/Ruhezeit und wenn nötig auch Angaben zu benötigtem Material. Danach folgt die Auflistung der Zutaten. Die Arbeitsschritte sind gut und leicht verständlich erklärt. Zudem gibt es zu jedem Rezept ein Foto und noch ein Kasten mit einer hilfreichen Bemerkung. Auf jeder Rezeptseite ist in einer Art Plakette eingezeichnet, welchen Einsatz für die Küchenmaschine man benötigt.

Da ich ein Fan von bebilderten Rezeptbüchern bin, komme ich hier voll und ganz auf meine Kosten. Jedes Rezept wird von einem Foto von Sandra Then begleitet. So kann man gleich sehen, was am Ende entstehen soll. Die Anweisungen von Claudia Jasinski sind leicht verständlich und die Rezepte in meinen Augen gelingsicher. Sowohl einfache, leichte Rezepte als auch aufwändigere finden sich. Für jeden Anlass ist das passende vorhanden und mit ein wenig Planung wird der bunte Teller an Weihnachten allein aus diesem Rezeptbuch fulminant!

Zur Kitchen-Aid gibt es von diesem Verlag noch weitere Themenbücher. Bisher gefallen sie mir alle ausnehmend gut. Die geschmacklich und optisch wunderbaren Weihnachtsleckereien bekommen von mir deshalb auch sehr gern die vollen fünf Sterne.

Veröffentlicht am 08.07.2017

Er neigte den Kopf zur Seite und ließ die Nackenwirbel knacken

Ich bin die Nacht
0

Francis Ackerman junior ist ein brutaler, bestialischer Massenmörder. Seine Opfer müssen entsetzlich leiden, nachdem er mit ihnen „ein Spiel“ gespielt hat. Die Regeln sind schräg, der Gewinner immer er. ...

Francis Ackerman junior ist ein brutaler, bestialischer Massenmörder. Seine Opfer müssen entsetzlich leiden, nachdem er mit ihnen „ein Spiel“ gespielt hat. Die Regeln sind schräg, der Gewinner immer er. Der ehemalige Polizist Marcus Williams landet in Dimmit County, weil seine Tante, die ihn nach dem Tod seiner Eltern großgezogen hatte, vererbt hat. Schnell wird er in die Geschehnisse hineingezogen. Immer öfter kreuzen sich die Wege von Francis und Marcus. Die Katastrophe scheint vorprogrammiert …

Die Idee des Buches ist schlicht und ergreifend genial. Leider ist die Umsetzung nur bedingt gelungen. Insgesamt liest sich das Buch weg wie nix. Doch leider nicht, weil es so super toll und in sich stimmig wäre, sondern weil man immer öfter den Kopf schütteln muss und nur noch denkt: „Ja, nee, is klar!“, „Echt jetzt?!“, „Im Ernst??“ oder „Hallo?!?“. Ein Bolzen jagt den nächsten und in vielen Teilen habe ich mich gefragt, ob mich Ethan Cross verschaukeln will. Ich habe dann für mich beschlossen, das Buch als Persiflage zu lesen. Das machte es mir etwas leichter, wenn unser Held Marcus mal wieder aus einer ausweglosen Situation ohne jede Schramme herauskam und dabei noch die halbe Welt gerettet hat.

Viele Phrasen wiederholen sich immer und immer wieder. Besonders genervt hat mich irgendwann dieses elende Genickknacken von Marcus. Seine wundersamen Fähigkeiten hat er laut eigener Aussage von Chuck-Norris-Filmen – und das ist ein eindeutiger Hinweis auf alles, was kommt.

Cross versucht, den Leser eine gewisse Sympathie für Francis aufbringen zu lassen. Bei mir hat das allerdings nicht funktioniert. Auch die nach und nach einsetzende Entwicklung dieser Figur macht es nicht besser.

Der Titel ist, wie so oft, ganz gruselig gewählt worden. Im Original lautet er „The Shepherd“. Das macht in mehrerlei Hinsicht wesentlich mehr Sinn, als „Ich bin die Nacht“. Die Kapitel beziehen sich auf eine Herde und deren Schutz und in der Handlung wird ebenfalls mehrfach Bezug dazu genommen. Der Bezug zur Nacht ist kurz auch gegeben, spielt aber eine sehr viel kleinere Rolle.

Das Ende kommt mit einem gewaltigen, überwältigenden Showdown, der quasi die Krönung der ganzen Kampfszenen auf den vorherigen Seiten darstellt. Die einen nennen es Wendung, die anderen sehen darin die Bestätigung der Vermutungen beim Lesen. Für mich ist diese Auflösung ein wenig zu sehr drüber, auch wenn sie mich ein wenig mit dem Verlauf versöhnt.

Für mich ist „Ich bin die Nacht“ eine zu lang geratene Vorgeschichte für die folgenden Bände. Ob ich diese lesen werde, vermag ich jetzt noch nicht zu sagen. Noch fühle ich mich zu sehr verschaukelt, noch habe ich keine Lust auf weitere Überhelden und bitterböse Psychopaten mit Wahnvorstellungen. Für die Älteren unter uns: das Buch hat einen „Dallas“-Faktor, Stichwort: Bobby unter der Dusche. Doch ein kleiner Funke in mir lodert immer wieder auf und will mich dazu bringen, herauszufinden, ob sich das Niveau doch noch steigert. Wir werden sehen.

Für den ersten Band der Shepherd-Reihe gibt es von mir jedenfalls nur drei Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Figuren
  • Handlung
  • Erzählstil